Lippe

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weibliche Lippen
Allegorie des Schweigens (Detail), Martin Gottlieb Klauer, um 1800, ausgestellt im Schlossmuseum in Weimar.

Die Lippe (lat. Labium oris, „Lippe des Mundes“) ist ein stets paarweise als Oberlippe und Unterlippe auftretendes, weiches, wulstiges und sehr bewegliches Organ am Mund des Menschen und vieler Tiere, bei denen die Lippe häufig als Lefze bezeichnet wird. Die Lippen sind aufgrund ihrer hohen Nervendichte ein sehr empfindliches Tastorgan und dienen primär der Nahrungsaufnahme, sind aber auch wesentlich an der Lautbildung und Mimik, also am seelischen Ausdruck, beteiligt und auch eine sehr empfindsame erogene Zone. Ein vor die Lippen gehaltener Zeigefinger ist ein Symbol des Schweigens und damit auch für die Bewahrung des Seelischen im Inneren.

Zeichnung aus GA 349, S 185

„Was sind denn die Lippen? Sehen Sie, die Lippen, die sind im Gesicht ganz eigentümliche Organe. Wenn Sie das Gesicht haben, so müssen Sie eigentlich das Gesicht so zeichnen, und da ist überall die Haut nach außen; da ist es überall mit Haut bedeckt nach außen. Aber an den Lippen ist es nämlich ein Stück Innenhaut. Da kommt das Innere nach außen. Da ist ein Stückchen Innenhaut. Der Mensch öffnet sein inneres nach außen, indem er Lippen hat. Wenn Sie also die Lippen blau haben statt rot, dann bedeutet das, daß alles Innere zu stark von blauem Blut ausgefüllt ist. - Also Sie sehen: Beim Opiumvergifteten wirkt der Körper so, daß er nach außen alles unverbrauchte Blut schickt - es drängt sich an die Oberfläche - und nach innen alles blaue Blut schickt.

Diese Dinge haben auch einmal ursprüngliche Menschen gewußt, die Geschichte mit dem blauen Blut nach innen. Wenn einer zu viel blaues Blut im Innern hat, dann sagten sie: Derjenige, der zu viel blaues Blut im Innern hat, der ist zunächst ein solcher Mensch, der wenig Seelisches hat, bei dem die Seele herausgegangen ist. Daher wurde «blaublütig» zu einem Schimpfwort. Und man hat, als man die Adeligen im Volk die «Blaublütigen» genannt hat, sagen wollen: Bei denen ist die Seele fort. - Es ist sehr merkwürdig, wie in der Volksweisheit diese Dinge in einer wunderbaren Weise drinnenleben. Das ist sehr interessant. An der Sprache können Sie nämlich ungeheuer viel lernen.“ (Lit.:GA 349, S. 185f)

Die Lippen sind Teil der Sprachorgane und werden als solche nicht nur vonn innen haraus, sondern auch durch die Außenwelt geformt.

„Und man wird jene wunderbare Gestaltung von Lippen, Zunge und Gaumen und so weiter bis hinab zu allen möglichen Sprachorganen erst verstehen, wenn man diese Tatsache richtig ins Auge faßt, daß nicht nur etwa von innen heraus, was durch Physiologie etwa zu ergründen wäre, sondern von außen in den Menschen herein Zunge, Lippen, Gaumen und so weiter geformt werden, daß die Dinge der Außenwelt wirklich in den Gestaltungen der Organe, welche der Sprache zugrunde liegen, leben. Wäre das nicht so, die Menschen hätten niemals zur Sprache kommen können. Denn in der Sprache ist nicht etwa bloß eine Offenbarung desjenigen vorhanden, was der Mensch in dem Inneren, das heißt, innerhalb seiner Haut erlebt, sondern in den Sprachen ist das vorhanden, was in den Geheimnissen der irdischen Dinge um uns herum lebt, und das wir dadurch gewahr werden, daß eben unser Ich und astralischer Leib abgetrennt ist vom physischen und Ätherleib. Die Sprache ist es, was wir in der Außenwelt lernen. Bis zu den Stimmbändern hinauf, da vibriert, da wellt, da wirkt nach dasjenige, was in intimer Bekanntschaft mit dem Äußeren das Ich und der astralische Leib erfahren. Und da ist es so, daß in der Tat in unseren zivilisierten Sprachen schon ganz abgeschliffen ist dasjenige, was in einer ungeheuer intimen Weise das Sprachliche verbindet mit der Außenwelt.“ (Lit.:GA 277, S. 391f)

Literatur

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Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Weblinks

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 Wiktionary: Lippe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Lippe – Zitate