Loki

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Loki mit seiner Erfindung, dem Fischernetz. Aus einer isländischen Schrift des 18. Jhd.s

Loki oder Loge (Lofn oder Loptr; norddeutsch von logi „Feuerbringer”, „Lohe”(?), „Luftgott” und "Lügengott"; nicht zu verwechseln mit dem Riesen Logi, dem Wildfeuer) ist eine Gestalt aus der germanischen Mythologie und identisch mit Luzifer. Er ist das Kind zweier Riesen, dennoch einer der Asen. Sein Vater ist Farbauti, seine Mutter Laufey (Laubinsel) oder Nal (beide mütterlichen Namen sind erwähnt), seine Brüder sind Byleipt und Belblindi, seine Frau ist Sigyn. Durch „Blutsbrüderschaft“ steht er in besonderer Beziehung zu Odin (siehe Hrimthur). Dabei wird er, nicht unumstritten, als Lodur identifiziert.

Beschreibung

„Loki ist schmuck und schön von Gestalt,
aber bös von Gemüt und sehr unbeständig.
Er übertrifft alle andern in Schlauheit und in jeder Art von Betrug.”
(Gylfaginning, 33)

In seinem Trickreichtum und seiner Gerissenheit stellt er ein Musterexemplar des mythischen „Tricksters“ dar. Er besitzt einen ausgeprägten Sinn für Strategie und nutzt ihn um mit Intrigen und ausgefeilten Lügen seine Interessen durchzusetzen. Seine äußere Gestalt ist wandelbar, sein Wesen und Verhältnis zu den Göttern zwiespältig. Die Riesin Sigyn gebar ihm Narfi, mit der Riesin Angurboda zeugt er drei Feinde der Asen: die Midgardschlange (Jörmungand), welche Thor, den Freund der Menschen, zum Ende aller Zeiten tötet, die Todesgöttin Hel und den Wolf Fenrir (Fenriswolf), der beim Weltende den Göttervater Odin verschlingen wird. Loki ist auch in Gestalt einer Stute die Mutter (!) von Odins achtbeinigem Ross Sleipnir, wie die Sage vom Riesenbaumeister erzählt.

Loki ist ein Meister der Metamorphose, der sich in verschiedene Tiere und Menschen verwandeln kann. Er wechselt auch sein Geschlecht, erlebt Schwangerschaft und Geburt, was von den germanischen Göttern für einen Mann als schändlich betrachtet wird. Es ist „eines Argen Art“, sich als Mann wie ein Weib aufzuführen: „Unter der Erde acht Winter warst du / Milchende Kuh und Mutter/ denn du gebarest da / das dünket mich eines Argen Art“, (Lokasenna [Lokis Zankreden], 23).

Vor allem ist Loki der Feind Balders und ein Gegner Heimdalls. Am Tod des Gottes Baldur (oder Balder), dem „Feind allen Unrechts“, hat Loki als Ratender (an. radbani) Anteil, indem er den blinden Hödr veranlasst, einen Mistelzweig zu werfen, so zu lesen in (an.) Balders Draumar, den Träumen Balders:

Ausgehend von den beunruhigenden Träumen des Gottes nahm seine Mutter Frigg allen Lebewesen und Pflanzen einen Schwur ab, dem Gott nicht zu schaden, der „der beste aller Götter“ ist. Frigg beachtete aber die Mistel nicht, da sie ihr zu klein, zu jung und zu unbedeutend erschien. Auf dem Thing der Götter machte man sich nun einen Spaß daraus, mit allen möglichen Dingen nach Balder zu werfen – denn nichts konnte ihn treffen. In der Versammlung fragte Loki den abseitsstehenden, blinden Hödur, ob er nicht auch wie die anderen nach Balder werfen wollte. Da Hödur blind war, gab ihm Loki die Mistel in die Hand und deutete ihm die Richtung, in die er werfen sollte. Hödur warf – und der schwache Mistelzweig wurde zum tödlichen Geschoss. Balder, so getroffen, sank tot zusammen. Mit dieser Tat leitet Loki den Untergang der Götterwelt ein.

Loki hatte die Asen in seinen Zankreden (Lokasenna) derart erzürnt, dass er sich vor ihnen verstecken musste. Er machte sich in einem Berg ein Haus mit vier Türen, so dass er nach allen Seiten sehen konnte. Oft am Tage verwandelte Loki sich in einen Lachs und versteckte sich im Wasserfall Franangr. Einmal, als er so alleine da saß, nahm er Flachsgarn und verflocht es zu Maschen, wie man seitdem Netze macht. Da sah er, dass die Asen nicht weit von ihm waren und er sprang schnell ins Wasser, um sich zu verstecken. Die Asen fanden aber das Netz, und einer von ihnen kam auf die Idee, dass es ein gutes Mittel sei, Fische zu fangen. Als Loki von dem Fischnetz in die Enge getrieben war, sprang er darüber. Thor griff nach ihm und bekam ihn auch in der Mitte zu fassen, aber er glitt ihm aus der Hand, so dass er ihn erst am Schwanz wieder festhalten konnte. Darum ist der Lachs hinten spitz. Loki ist als Kulturheros der Erfinder des Fischnetzes, aber er, der Tölpelhaftigkeit und Listenreichtum in sich vereint, wird auch zum Opfer seiner eigenen Erfindung.

Mit den Eingeweiden seiner Söhne wird Loki auf spitze (dreikantige) Felsen gefesselt. Über seinem Kopf hängt eine giftige Schlange, die ätzenden Speichel tropfen lässt. Seine Frau Sigyn steht neben ihm und fängt den Speichel in einer Schüssel auf. Nur wenn sie die Schüssel leeren muss, kommen ein paar Tropfen Speichel (Gift) auf Lokis Gesicht und er schüttelt und windet sich so gewaltig unter seinen Schmerzen, wodurch die Erdbeben entstehen.

Doch zum Ende aller Zeiten befreit er sich und wird im Ragnarök (Schicksal der Götter) der Anführer der Mächte der Vernichtung von Götter- und Menschenwelt.

Loki und der Gott Heimdall töten sich in der Ragnarök gegenseitig.

Entgegen der landläufigen Meinung, Loki brächte Zwietracht und sein Begehr sei einzig auf Chaos und Zerstörung ausgerichtet, lassen die Geschichten um ihn erkennen, dass seine Handlungen letztendlich mehr Gutes als Schlechtes bewirken, auch wenn vielleicht gegen seine ursprünglichen Intentionen. Loki wird von den anderen Göttern meist herangezogen, um aussichtslose Situationen zu retten (was er auch immer schafft) und muss auch den von ihm angerichteten Schaden immer wieder gutmachen. Loki als "böse" oder "destruktiv" zu bezeichnen muss als ausschließlich christliche Sichtweise erkannt werden. Da nahezu alle schriftlichen Belege über Loki aus dem Hoch- und Spätmittelalter stammen, kann nicht zweifelsfrei behauptet werden, dass Loki in der beschriebenen Weise tatsächlich ein germanischer Gott war. Es ist möglich (und wird von einigen Historikern auch so gesehen), dass Loki eine "christliche Erfindung" ist und der germanischen Götterwelt erst lange nach deren Verdrängung durch das Christentum zugedichtet wurde.

Die Giftschlange über Lokis Haupt ist Symbol des bösen Gewissens, Symbol der Erinnerung seiner verbrecherischen Taten, das als Gift, als ätzende Säure ihm ins Auge, vielleicht als brennende Lauge in den Mund tropft, die die Eingeweihte zerreisst. "Da wird sein Heulen und Zähneknirschen...", vor Schmerz und ohnmächtiger Wut. Loki ist nicht tot, nicht vernichtet. Das Böse ist nicht aus der Welt geschafft, sondern lebt in Lokis Kindern weiter, und sie sind nicht weniger gefahrdrohend, als er selber. Auch wird Loki wieder loskommen, - zum Weltenbrand.

Weblinks

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