Nephilim

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Die Nephilim (hebräisch נְפִילִים von naphil „Riesen“ [1]) waren in der altisraelischen Mythologie riesenhafte Mischwesen, gezeugt von göttlichen Wesen und Menschenfrauen. Die Nephilim waren größer und stärker als Menschen und laut den Berichten der Apokryphen von großer Boshaftigkeit.

Im Internet kursieren immer wieder angebliche Fotos von archäologischen Ausgrabungen von Riesenskeletten. Dabei handelt es sich jedoch um perspektivische Tricks oder Fälschungen[2].

Nephilim in der Bibel

Der erste Beleg für das Wort „Nephilim“ in der Bibel findet sich im 1. Buch Mose 6, 4: Göttliche Wesen männlichen Geschlechts (hebräisch בני האלהים benej ha'elohim „Gottessöhne“) begehrten Menschenfrauen, und diese wurden von ihnen geschwängert. Die Nachkommen waren die Riesen der Vorzeit. Die betreffende Stelle lautet:

Lutherbibel
„Zu der Zeit und auch später noch, als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen auf Erden. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.“ LUT
Einheitsübersetzung
„In jenen Tagen gab es auf der Erde die Riesen, und auch später noch, nachdem sich die Gottessöhne mit den Menschentöchtern eingelassen und diese ihnen Kinder geboren hatten. Das sind die Helden der Vorzeit, die berühmten Männer.“ EU
Vulgata
„Gigantes autem erant super terram in diebus illis postquam enim ingressi sunt filii Dei ad filias hominum illaeque genuerunt isti sunt potentes a saeculo viri famosi.“ VUL
Septuaginta
„οι δε γιγαντες ησαν επι της γης εν ταις ημεραις εκειναις και μετ' εκεινο ως αν εισεπορευοντο οι υιοι του θεου προς τας θυγατερας των ανθρωπων και εγεννωσαν εαυτοις εκεινοι ησαν οι γιγαντες οι απ' αιωνος οι ανθρωποι οι ονομαστοι“ LXX
Tanach
„הנפלים היו בארץ בימים ההם וגם אחרי־כן אשר יבאו בני האלהים אל־ בנות האדם וילדו להם המה הגברים אשר מעולם אנשי השם׃“ OT

Das Wort Nephilim erscheint noch einmal in Num 13,32-33 EU, wo die Söhne des Anak, die Anakiter mit ihnen verglichen werden. Die von Mose ausgesandten Kundschafter berichten darüber, was sie im Land Kanaan gesehen haben:

„Und sie verbreiteten bei den Israeliten falsche Gerüchte über das Land, das sie erkundet hatten, und sagten: Das Land, das wir durchwandert und erkundet haben, ist ein Land, das seine Bewohner auffrisst; alle Leute, die wir dort gesehen haben, sind hochgewachsen. Sogar die Riesen haben wir dort gesehen - die Anakiter gehören nämlich zu den Riesen. Wir kamen uns selbst klein wie Heuschrecken vor und auch ihnen erschienen wir so.“

Ob „Nephilim“ eine allgemeine Bezeichnungen für Riesen oder einfach hünenhafte Menschen ist, oder ob „Nephilim“ nur die von den Göttersöhnen gezeugten Wesen bezeichnet (womit dann die Anakiter eventuell deren Nachkommen wären), wird aus den angeführten Stellen nicht klar. In der Septuaginta wurde das Wort einfach mit „Riesen“ (γιγαντες) übersetzt.

Nephilim in den Apokryphen

In den kanonischen Texten werden die Nephilim sonst nicht mehr erwähnt, wohl aber wird ihre Geschichte in den Apokryphen ausführlich dargestellt, nämlich

In diesen Schriften werden die Göttersöhne meist als Egregoroi (griech. „Wächter“) bezeichnet. Der Inhalt lässt sich etwa wie folgt zusammenfassen:

  • Die Göttersöhne/Wächter steigen hinab in die Welt der Menschen.
  • Es sind 200 Wächter, ihre Anführer sind 20.
  • Shemichaza ist der Oberste.
  • Andere Anführer sind Baraq'el und Azazel.
  • Angetan von der Schönheit der Menschenfrauen haben sie Gemeinschaft mit ihnen.
  • Sie lehren die Menschenkinder verbotene Dinge und Himmelgeheimnisse.
  • Die aus der Gemeinschaft mit Menschenfrauen gezeugten Kinder sind die Riesen, die Nephelim.
  • Die Nephelim sind riesig, fressen alles, Vieh und Mensch, und sind eine Bedrückung der Erde.
  • Shemichaza hat zwei Söhne, Ohajah und Hawajah.
  • Ohajah und Hawajah träumen:
    • Ein Traum: eine riesige Steintafel. Alles wird ausgelöscht, bis auf 4 Zeilen. Die eine Version: Die Tafel versinkt im Wasser. Die andere Version: Ein Engel kommt und löscht die Zeilen der Tafel, bis auf 4 Zeilen, Worte oder auch Namen.
    • Der andere Traum: ein paradiesischer Garten mit zahlreichen Bäumen. Ein Engel kommt und haut alle Bäume um, bis auf einen mit 3 Zweigen.
  • Die Träumer können die Träume nicht deuten. Ein Bote wird ausgesandt zu Henoch, dem Schreiber. Der Bote ist Mahawaj, Sohn des Wächters Baraq'el. Der macht eine weite Reise, denn Henoch ist nicht mehr in der Welt.
  • Henoch deutet die Träume: Alle Nephelim werden vernichtet werden, die Wächter werden den Untergang ihrer Kinder sehen. Die 4 übrig gebliebenen Worte bzw. der Baum mit den 3 Zweigen steht für Noach und seine drei Söhne.
  • Letzten Endes werden die Wächter gebunden bis zum Ende der Welt und ihre Nachkommen werden in der Sintflut vernichtet.

Literatur

  • P.W. Coxon: Art. Nephilim. In: K. van der Toorn; B. Becking; Pieter W. van der Horst (Hg.): Dictionary of Deities and Demons in the Bible. Leiden, Boston, Köln, 21999, 618-620.
  • Johann Heinrich Kurtz: Die Ehen der Söhne Gottes mit den Töchtern der Menschen. Eine theologische Untersuchung zur exegetischen dogmatischen und praktischen Würdigung des biblischen Berichtes Gen. 6,1-4. Berlin, 1857 (Google Books)

Einzelnachweise

  1. Morris Jastrow: Dictionary of the Targumim, the Talmud Babli and Yerushalmi, and the Midrashic. 1926, S. 924. [1]
  2. Luis’ Illustrated Blog mit Beispielen von Photofälschungen (englisch)
Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Nephilim aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.