Säulen des Herakles

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Der Felsen von Gibraltar (ca. 1810)

Als Säulen des Herakles (griech. αἱ Ἡράκλειοι στῆλαι hai Herakleioi stēlai) bezeichnete man in der Antike im äußeren Sinn jene beiden Felsenberge, die den Ausgang der Straße von Gibraltar (lat. Gaditanum Fretum) in den Atlantik markieren, nämlich den Felsen von Gibraltar (lat. Calpe) im Süden der Iberischen Halbinsel und den westlich der spanischen Exklave Ceuta in Marokko gelegenen Berg Dschebel Musa. Die beiden Säulen werden erstmals von dem griechischen Dichter Pindar erwähnt, der in seinem Dritten olympischen Gesang über einen Sieg des Theron von Akragas im Wagenrennen bei den olympischen Spielen des Jahres 476 v. Chr. schreibt:

„εἰ δ᾽ ἀριστεύει μὲν ὕδωρ, κτεάνων δὲ χρυσὸς αἰδοιέστατος, νῦν δὲ πρὸς ἐσχατιὰν Θήρων ἀρεταῖσιν ἱκάνων ἅπτεται οἴκοθεν Ἡρακλέος σταλᾶν. τὸ πόρσω δ᾽ ἔστι σοφοῖς ἄβατον κἀσόφοις. οὔ νιν διώξω: κεινὸς εἴην.“

„Doch so wahr als Wasser das Beste, das Gold vor allen Gütern ehrenwert: Also berührt nun Theron, gelangt an die Grenzen, Herakles' Säulen durch Tugenden seines Geschlechts. Ein höheres Ziel ist Weisen und Narren versagt. Ich verfolge es nicht, ich wäre wahrlich eitel.“

Andere Quellen bezeichnen Abyle (lat. mons Abila) unmittelbar beim spanischen Ceuta in Nordafrika, der heute Monte Hacho genannt wird, als die südliche Säule des Herakles.

Pindar zufolge brachte Herakles am Ausgang des Mittelmeeres die Inschrift „Nicht mehr weiter“ an, um hier das Ende der Welt zu markieren. Die lateinische Version dieses Spruches, Non plus ultra, fand als Devise Eingang in das spanische Wappen. Nach der Entdeckung Amerikas wurde sie mit dem Herrschaftsantritt Karls V. in Plus Ultra abgeändert.

„Nehmen Sie den alten Griechen. Er hatte sein Landgebiet. Bis zu den Säulen des Herkules war für ihn die Erde noch etwas, was konkret war. Dann kam das Unbestimmte, das ganz Unbestimmte. Er hatte ein Landbewußtsein. Es kam die neuere Zeit herauf, die Entdeckung Amerikas, das Segeln nach Ostindien, ähnliche Dinge. Erdenbewußtsein trat auf. Aus dem Landbewußtsein der Griechen wurde das Erdenbewußtsein der neueren Zeit. Geradeso wie für den Griechen dasjenige, was außerhalb der Säulen des Herkules lag, unbestimmt war, so ist heute dasjenige, was außerhalb des Erdenbewußtseins ist, für den Menschen unbestimmt, bloß mathematische Phantasie, Galileische, Newtonsche Phantasie und so weiter. Diese Phantasie muß durch die realen Tatsachen ersetzt werden. Wir müssen umwandeln das Erdenbewußtsein in das Weltenbewußtsein, wie man umwandelte das Landbewußtsein der Griechen in das Erdenbewußtsein. Wir stehen heute an diesem Punkte, und wir kommen auch sozial nicht vorwärts, wenn wir nicht den Weg finden, ebenso wie das Landbewußtsein der Griechen in das Erdenbewußtsein der modernen Zeit umgewandelt wurde, das Weltenbewußtsein der Zukunft herauszuentwickeln aus dem Erdenbewußtsein der neueren Zeit.“ (Lit.:GA 191, S. 29)

Geistige Bedeutung

Auf dem Einweihungsweg bedeutet das Hinausgehen über die «Säulen des Herakles» in den Okeanos den Übergang in jene übersinnliche Sphäre, die überhaupt kein sinnlich-äußeres Korrelat mehr hat, die jenseits der Fixsternsphäre liegt, dorthin, wo man sonst nur unbewusst im tiefen Schlaf ist, wenn Ich und Astralleib aus dem oberen Teil des Leibes herausgehoben sind (vgl. Faust II: finstere Galerie). Es ist das Reich der gestaltlosen Urbilder, der höchsten platonischen Ideen – das obere Devachan in anthroposophischer Ausdrucksweise. Im Hebräischen werden diese beiden Säulen als Jakim und Boas bezeichnet.

Brunetto Latini spricht von diesen beiden Säulen in seinem Tesoretto:

„Brunetto Latini schildert, wie er hingeführt wird vor die Göttin Natura. Dann schreitet er durch gewisse Stufen: die Sinne, die Temperamente, die Elemente, die Planeten, den Ozean, wo er also schon draußen ist, wo er an der Grenze des Menschlichen, an den Säulen des Herkules, hinübergetreten ist in das außen sich Ausbreitende, wo nicht einmal mehr das in Betracht kommt, was schon bei den Elementen der Fall ist, daß er nicht unterscheiden kann, wo er gewissermaßen sich selber verloren hat und in dem Meere des Daseins schwimmt.

Diese Säulen des Herkules spielen dann in der Symbolik eine große Rolle als Jakim- und Boas-Säule, wobei nur zu bemerken ist, daß in den heutigen Geheimgesellschaften diese Säulen nicht mehr in der richtigen Weise aufgestellt werden können, auch nicht mehr aufgestellt werden sollen, weil sich diese richtige Aufstellung eben bei der wirklichen innerlich erlebten Initiation erst zeigt. Außerdem kann man sie im Raume nicht so aufstellen, wie sie in Wirklichkeit eben sich aufgestellt zeigen, wenn der Mensch seinen Leib verläßt.“ (Lit.:GA 187, S. 126)

Durch diese beiden Säulen muss man auch schreiten, wenn man mit dem geistigen Bewusstsein zurückgeht durch die Kulturepochen bis in die atlantische Zeit:

„Wir leben jetzt innerhalb der gegenwärtigen Rasse. Ihr ist vorangegangen die griechisch-lateinische, die ägyptisch-babylonisch-assyrische Rasse, die uralt persische Rasse und die indische Rasse. In all diesen Rassen waren eure Seelen verkörpert. Und jetzt steht ihr zwischen zwei Säulen, den Säulen des Herkules. Wäre man einstmals durch diese geschritten von Osten nach Westen, so wäre man gekommen in das alte atlantische Land, das von der großen Flut hinweggespült worden ist, die in den Sagen und Mythen der verschiedenen Völker als Sintflut erhalten ist. Auch da waren eure Seelen in atlantischen Leibern schon verkörpert. Aber sie waren in ganz anderen Lebensverhältnissen, da die Verhältnisse der Erde um euch herum ganz verschieden von den späteren waren. Nicht so wie nach der Flut waren vorher Regen und Sonnenschein verteilt in der Luft, sondern die Luft war noch erfüllt von dichten schweren Wassernebelmassen. Das bewirkte, daß das Seelenleben ganz anders wurde nach der Flut. Der Mensch versteht Allweisheit der Natur um ihn herum, wenn die Luft durchsetzt ist von dem Wasser, von den Wassern der Weisheit. Nicht unartikulierte Laute sind ihm dann das Rieseln der Quelle, das Rauschen der Bäume des Waldes, das Sausen der Wasserwellen, das Rollen des Donners, sondern weisheitsvolle Ausdrücke des die Wirklichkeit durchflutenden Geistes. Erst mit dem Zurücktreten des Wassers aus der Luft muß der Mensch die Gesetze und Gebote seines Handelns, die Regeln des sozialen Zusammenwirkens mit andern durch die Vermittlung des Menschenmundes hören. Gebote und Gesetze gab es erst in der nachatlantischen Zeit. Alles, was hier mit euch geschieht, hat eine tief sinnbildliche Bedeutung. Daß ihr rückwärts geführt worden seid, bedeutet, daß ihr jetzt sinnbildlich durchwandert habt die Strecke rückwärts, die in Wirklichkeit eure Seelen vorwärts gegangen sind durch die vorhin genannten Rassen und Zeiten hindurch.“ (Lit.:GA 265, S. 209)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Wie kann die Menschheit den Christus wiederfinden? Das dreifache Schattendasein unserer Zeit und das neue Christus-Licht, GA 187, Dornach, 29. Dezember 1918 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis, GA 191 (1989), ISBN 3-7274-1910-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
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Weblinks

 Wikisource: Herakles – Quellen und Volltexte


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