Schachtelhalme

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Schachtelhalme
Equisetum sylvaticum 240405.jpg

Junger Wald-Schachtelhalm (Equisetum sylvaticum)

Abteilung: Gefäßpflanzen (Tracheophyta)
Farne
Klasse: Equisetopsida
Ordnung: Schachtelhalmartige
Familie: Schachtelhalmgewächse
Gattung: Schachtelhalme
der Ordnung
Equisetales
Dumort.
der Familie
Equisetaceae
Rich.
der Gattung
Equisetum
L.

Die Schachtelhalme (Equisetum) sind die einzige rezente Gattung in der Klasse der Equisetopsida innerhalb der Farne.

Schachtelhalm-Arten wachsen oft auf feuchten Böden oder im Wasser. Der Acker-Schachtelhalm gilt als Ackerunkraut, ist aber auch eine bedeutsame Heilpflanze.

Beschreibung

Illustration aus Billeder af nordens flora, Volume 2 des Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale)

Schachtelhalm-Arten sind ausdauernde Pflanzen. Sie breiten sich vegetativ mit ihren Rhizomen aus. Die Arten der Gattung Schachtelhalme (Equisetum) überschreiten, mit Ausnahme einer tropischen Art, selten Wuchshöhen von 2 Metern.

Sie sind leicht an ihren Sprossen zu erkennen. Jeder Spross ist aus einer Reihe von Knoten (Nodi) mit dazwischenliegenden Internodien aufgebaut. An jedem Knoten entspringen unscheinbare Blätter (Mikrophylle), und bei manchen Arten auch Seitensprosse. Sowohl die Blätter als auch die Verzweigungen sind wirtelig angeordnet.

Als Hygrophyten besitzen die meisten Arten an den Spitzen der Mikrophylle Hydathoden, die der verstärkten Wasserabgabe dienen.[1]

Guttation an den Hydathoden der Mikrophylle vom Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile)

Der Name Schachtelhalm rührt daher, dass man die Sprossachse aus der von den Blättern gebildeten Scheide herausziehen und wieder zurückstecken kann. Rhizome werden bis zu 6 Meter lang. Die Vermehrung ist durch Ausläufer und durch einzelne, zerhackte Sprossstücke möglich.

Die Sporenbehälter (Sporangien) befinden sich zu fünft bis zehnt an der Unterseite der Sporangienträger („Sporophylle“), die wie einbeinige Tischchen aussehen. Diese sind schraubig in zapfenförmigen Sporophyllständen an der Sprossspitze angeordnet. Die Sporen sind stets gleich gestaltet, unabhängig vom Geschlecht (Isosporie). Die fossilen Calamiten waren zum Teil heterospor, sodass man davon ausgeht, dass die Heterosporie verloren ging. Sie besitzen an der Außenschicht (Exospor) zwei Bänder (Hapteren) mit spatelförmigen Enden, die im feuchten Zustand schraubig um die Spore gewickelt sind. Trocknen die Sporen aus, so entfalten sich die Hapteren und bewirken somit eine Verklettung untereinander. Manche Arten tragen die Sporophyllstände an den grünen Sprossen, andere haben spezielle (nicht grüne) Sprosse ausschließlich für die Vermehrung.

Paläobotanik

Die rezenten Schachtelhalme sind die letzten Überlebenden einer ehemals artenreichen Gruppe innerhalb der Gefäßsporenpflanzen (Pteridophyta), der Equisetopsida. Zu diesem Taxon gehört auch die Familie der Calamitaceae zu der die fossilen Vertreter der Kalamiten (Calamites) und der Gattung Arthropitys gezählt werden, die durch Fossilien aus dem Perm und Karbon bekannt sind. Sie waren verholzt, erreichten Wuchshöhen von bis zu 30 Metern und 1 Meter Stammdurchmesser und bildeten einen wichtigen Bestandteil der Steinkohlenwälder. Die ersten Schachtelhalme traten im oberen Devon vor etwa 375 Mio. Jahren auf (Pseudobornia bronni). Die Schachtelhalme können deshalb als „lebende Fossilien“ bezeichnet werden.

Nutzung

Arzneilich werden nur die unfruchtbaren Sommerwedel des Acker-Schachtelhalms (Equisetum arvense) als harntreibendes Mittel verwendet sowie bei Rheuma, Entzündungen, Nierenleiden, Harngrieß, früher auch bei Tuberkulose eingesetzt. Nach Kneipp hat Schachtelhalm sehr zusammenziehende Kräfte; sie reinigen Blut, Magen, Nieren und Blase, sind aber auch äußerlich reinigend und zusammenziehend bei Ausschlag und Wunden.

Eine Eigenart der Schachtelhalme ist die Einlagerung von Silicat (als Ligninersatz) in die Zellwand. Die Pflanze enthält bis zu 7 % Kieselsäure. Diese Einlagerungen machen Schachtelhalme zu einem sanften Scheuermittel (Zinnkraut).

Trivialnamen

Für die Schachtelhalme bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Cattensagel (mittelniederdeutsch), Cattenzagel (mittelniederdeutsch), Chatzaschwanz (St. Gallen), Handwerkskraut (Elsass), Haorfleiten (Altmark), Heermos (Ostpreußen), Herrmuss (Ostpreußen), Kandelwisch (Erzgebirge), Kanntenkraut, Kannenkraut (Eifel, Thüringen), Kattenrocken (Münsterland), Kattensteert (Altmark, Mecklenburg), Kattenswans (Altmark), Kattstart (Pommern), Katzenhelm, Katzenschwanz (Schweiz), Katzenstiel (Luzern, Bern, Appenzell), Katzwedel (Elsass, Schwaben, Allgäu), Katzenzagel, Katzenzagil (althochdeutsch), Katzenzahl (Schlesien, Lausitz), Katzenzügel (Siebenbürgen), Kazzinzagel (althochdeutsch), Kazzunzagel (althochdeutsch), Kreibisch (Schlesien), Lidrüske (Ostfriesland), Negenknee (Holstein, Dithmarschen), Pferdeschwanz, Pferdsszagel (bereits 1533 erwähnt), Pherdeszail (althochdeutsch), Pintz (mittelhochdeutsch), Pip`nstal (Altmark), Preibusch (Leipzig), Reibisch (Schlesien), Rossschwanz, Rosswadel, Rosswedel, Rosszagel, Rug (Mecklenburg), Rugen (Mecklenburg), Rugstirt (Mecklenburg), Scafrisch (niederdeutsch), Scaften (mittelhochdeutsch), Scafthon (althochdeutsch), Scafthouwe (althochdeutsch), Scaghen (mittelhochdeutsch), Scaprich, Schaberausch, Schabraus, Schachtelhalm (Tirol), Schachtelheu (Memmingen), Schäfzenheu (Schwaben), Schaferusch, Schafrisch, Schaphrysch, Schaffrisch (Pommern, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, mittelniederdeutsch, neuniederdeutsch), Schaffrusch (Pommern, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, mittelniederdeutsch, neuniederdeutsch), Schaffruss (Pommern, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, mittelniederdeutsch, neuniederdeutsch), Schafftelhouwe (mittelhochdeutsch), Schafftenhouwe (mittelhochdeutsch), Schaffthew (mittelhochdeutsch), Schafheu (Luzern, Bern, mittelhochdeutsch), Schafriet (mittelniederdeutsch, neuniederdeutsch), Schafrisch (mittelniederdeutsch, neuniederdeutsch), Schafstroh (Bern), Schaftelen (Luzern, Bern, Vierwaldstätten, Graubünden), Schaftenhöuwe (althochdeutsch), Schafthowe (althochdeutsch) Schaftheu, Schaopries (Altmark), Scharp-Risch (Bremen), Schaftris (mittelhochdeutsch), Scheftelhew (bereits 1419 erwähnt), Schnagt (Eifel bei Nürnburg), Taubenkunkel, Taubenrocken, Taubentrock, Zikrokt (Siebenbürgen), Zinngras (Tirol), Zinnheu (Steiermark) und Zinnkraut (Sachsen, Linz, Salzburg, Tirol, Schwaben).[2]

Siehe auch

Literatur

  • Nele Wellinghausen: Farnpflanzen. Bestimmungsschlüssel für alle heimischen Farne, Bärlappartigen und Schachtelhalme. 7. Auflage. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung (DJN), Hamburg 1997, ISBN 3-923376-13-8.
  • Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  • Verhandlungen der Kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher. Zwei und dreissigster Band (Vier und zwanzigster Band), Zweite Abtheilung, Blochmann, Dresden 1867, online auf biodiversitylibrary.org, abgerufen am 28. September 2018.
  • Li-Bing Zhang, Nicholas J. Turland: Equisetaceae, S. 67 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 2–3: Lycopodiaceae through Polypodiaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2013, ISBN 978-1-935641-11-7.

Weblinks

 Wiktionary: Schachtelhalm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons-logo.png Commons: Schachtelhalme (Equisetaceae) - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1.  Peter Sitte, Elmar Weiler, Joachim W. Kadereit, Andreas Bresinsky, Christian Körner: Lehrbuch der Botanik für Hochschulen. Begründet von Eduard Strasburger. 35. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-1010-X, S. 746.
  2. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 140 f.(online).

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