Schema

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Ein Schema (von griech. σχήμα skhḗmaGebärde, Gestalt, Haltung“, aus ἔχειν ékhein „besitzen, zurückhalten“, abgleitet von indogerm. *segh-, verwandt mit „Sieg“[1]) resultiert aus der gedanklichen Reduktion eines komplexen Systems oder Prozesses auf das Wesentliche und wird gegebenenfalls in übersichtlicher Form grafisch dargestellt. Das Schema vermittelt dabei zwischen den abstrakten Begriffen und der konkreten Anschauung.

Eine zentrale Rolle spielt der Schematismus in Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft, die auf der Grundannahme beruht: „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.[2]

Schemata können nützlich sein, um eine Zusammenhang von einem bestimmten Blickpunkt aus übersichtlich darzustellen. Man mauss sich dann aber stets vor Augen halten, dass man es nur mit einem sehr einseitigen Bild der Wirklichkeit zu tun hat.

„Man darf, wenn man mit seinem Erkennen in die Wirklichkeit hineingehen will, niemals schematisieren, niemals die Ideen nur nebeneinander setzen, sondern man muß sich klar sein, daß in der Wirklichkeit alles nur so betrachtet werden kann, daß irgendwo etwas als das Hervorstechende erscheint, daß aber die übrigen Elemente der Wirklichkeit darinnen leben, und daß überall, was sonst im Hintergrunde sich hält, wiederum an einem anderen Orte der Wirklichkeit das Hervorstechendste ist und das andere sich im Hintergrunde hält.“ (Lit.:GA 202, S. 58)

„Und das ist das, was immer wiederum insbesondere den Anthroposophen gesagt werden muß, man sollte nicht vor der Welt die Vorstellung hervorrufen, als ob schon alles gesagt wäre, wenn man solche abstrakten Begriffe hinpfahlt, wie physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Wenn man bloß sagt: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich - , so hat man gar nichts gesagt als vier Worte. Denn es ist natürlich ein großer Unterschied, ob dieses selbe aus der Fülle der Erkenntnis heraus zunächst gesagt wird als eine Gliederung, die man zur Hilfe nehmen kann, um etwas daran aufzureihen, oder ob dann damit so verfahren wird, daß man es dogmatisiert und als Dogmen mitteilt.

Daher macht es einen so abstoßenden Eindruck, wenn einfach tradiert wird: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich. Es kommt überall dabei darauf an, wie man solche Sachen sagt. Man braucht nicht so weit zu gehen, wie einmal in einem anthroposophischen Vortrage gesagt worden sein soll: Der Einfachheit halber teilen wir den Menschen in sieben Glieder ein. - Der Unfug ist schon groß, wenn man glaubt, irgend etwas Reales zu treffen, indem man nur irgendein Schema hinstellt. Es ist zunächst dazu da, damit man Richtungslinien hat, innerhalb derer die Beobachtungen gemacht werden können.“ (Lit.:GA 206, S. 133)

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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Einzelnachweise

  1.  Wiktionary: Schema – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  2. Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft, AA III, 75