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Gestalt

Aus AnthroWiki

Als Gestalt (mhd. gestalt; ahd. gistalt; von idg. *stel- „stehen, stellen, aufstellen, machen“) wird zumeist die äußere Form, der Umriss oder Wuchs von Gegenständen und Lebewesen bezeichnet, während die Struktur ihren inneren Aufbau beschreibt. Wenn es sich um ein Lebewesen handelt, darf die Gestalt allerdings nicht statisch aufgefasst werden, sondern muss lebendig beweglich sich metamorphosierend vorgestellt werden, worauf schon Goethe hingewiesen hatte.

„Die Gestalt ist ein Bewegliches, ein Werdendes, ein Vergehendes. Gestaltenlehre ist Verwandlungslehre. Die Lehre der Metamorphose ist der Schlüssel zu allen Zeichen der Natur.“

– Goethe: Fragmente zur vergleichenden Anatomie[1]

„Der Deutsche hat für den Komplex des Daseins eines wirklichen Wesens das Wort Gestalt. Er abstrahiert bei diesem Ausdruck von dem Beweglichen, er nimmt an, daß ein Zusammengehöriges festgestellt, abgeschlossen und in seinem Charakter fixiert sei.
Betrachten wir aber alle Gestalten, besonders die organischen, so finden wir, daß nirgend ein Bestehendes, nirgend ein Ruhendes, ein Abgeschlossenes vorkommt, sondern daß vielmehr alles in einer steten Bewegung schwanke. Daher unsere Sprache das Wort Bildung sowohl von dem Hervorgebrachten, als von dem Hervorgebrachtwerdenden gehörig genug zu brauchen pflegt.
Wollen wir also eine Morphologie einleiten, so dürfen wir nicht von Gestalt sprechen; sondern, wenn wir das Wort brauchen, uns allenfalls dabei nur die Idee, den Begriff oder ein in der Erfahrung nur für den Augenblick Festgehaltenes denken.
Das Gebildete wird sogleich wieder umgebildet, und wir haben uns, wenn wir einigermaßen zum lebendigen Anschaun der Natur gelangen wollen, selbst so beweglich und bildsam zu erhalten, nach dem Beispiele mit dem sie uns vorgeht.“

– Goethe: Zur Morphologie: Die Absicht eingeleitet (1817)[2]

Im erweiterten Sinn kann man auch von einer Geistgestalt sprechen. So erscheint etwa die Gestalt der Toten zunächst noch wie ein Schattenbild seiner physischen Gestalt, verwandelt sich dann aber immer mehr zu einem physiognomischen Ausdruck seiner moralisch-geistigen Qualitäten.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Goethe: Fragmente zur vergleichenden Anatomie
  2. ↑ Goethe-HA Bd. 13, S 55