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Sklavenhaltergesellschaft

Aus AnthroWiki

Sklavenhaltergesellschaft ist ein Begriff, den Karl Marx geprägt hat. Er bezeichnet damit die antiken Gesellschaften auf der Basis ihrer Produktionsweise, die den Reichtum durch die Schaffung und Akkumulation von Mehrwert durch Sklavenarbeit produzierten. Mit diesem Terminus vervollständigt er die Trias Sklavenhaltergesellschaft, Feudalismus und Kapitalismus als Ergebnisse einer Geschichte von Klassenkämpfen. Im Mittelpunkt seiner Untersuchungen standen jedoch die Verhältnisse im 18. Jahrhundert.

Einordnung in die Abfolge der Klassenkämpfe

Vor der „Sklavenhaltergesellschaft“ ist nach Friedrich Engels der Urkommunismus anzusetzen, in dem „die Geschichte“ noch gar nicht begonnen hat. Nach der „Sklavenhaltergesellschaft“ folgen die durch unfreie Arbeit (Fron u.a.) gekennzeichneten Produktionsverhältnisse des Feudalismus. Diese sind von der „Asiatischen Produktionsweise“ zu unterscheiden.

Zur Begriffsgeschichte

Der Ausdruck rief bereits im 19. Jahrhundert heftige Abwehr hervor, einmal, weil die Antike mit ganz anderen Schwerpunkten aufgefasst und sehr bewundert wurde, und zum andern, weil die „Sklavenhaltergesellschaft“ theoriegemäß am markantesten durch eine Revolution der Sklaven hätte beendet werden müssen, was die Übergänge der Antike zum europäischen Mittelalter aber gerade nicht traf. Hier hat der Nichtmarxist Arnold J. Toynbee eine Lücke geschlossen, indem er anhand des Römischen Reiches darlegte, dies habe sich in den umliegenden barbarischen Gesellschaften ein zum gleichen Kulturkreis gehöriges äußeres Proletariat geschaffen, das in der Völkerwanderungszeit die Produktionsverhältnisse der Sklaven haltenden Spätantike umstürzte. Noch in den marxistischen Debatten des 20. Jahrhunderts bereitete der Ausdruck eher Verlegenheit (mit Ausnahmen, z. B. in Gestalt von Charlotte Welskopfs Polis-Studien). Althistoriker im Herrschaftsbereich der Sowjetunion leisteten ihm oft Lippenbekenntnisse und forschten empirisch wie ihre „westlichen“ Kollegen.

Unabhängig davon gibt es eine umfangreiche historische und soziologische Debatte zur Rolle der antiken Sklavenarbeit, an der sich auch Max Weber beteiligt hat. Seine These dazu lautet: Mit der Konsolidierung des Römischen Reiches ging der Sklavennachschub durch Versklavungen besiegter Völker zurück. Außerdem war die Geburtenrate unter den Sklaven gering, so dass das Imperium Romanum bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. durch Sklavenschwund in eine schleichende Strukturkrise geriet.

Eine detaillierte Aufarbeitung der griechischen antiken Sklavenhaltergesellschaft mittels marxscher Begriffe, nämlich das Buch The Class Struggle in the Ancient Greek World, verfasste der englische Althistoriker Geoffrey de Ste Croix.

Siehe auch

Literatur

  • Isolde Stark (Hrsg.): Elisabeth Charlotte Welskopf und die Alte Geschichte in der DDR. Beiträge der Konferenz vom 21. bis 23. November 2002 in Halle/Saale. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08457-6 Rezension Rezension
  • Geoffrey de Ste Croix: The Class Struggle in the Ancient Greek World from the Archaic Age to the Arab Conquests. Duckworth, London 1982, ISBN 0-7156-1701-X
Dieser Artikel basiert ganz oder teilweise auf einer für AnthroWiki adaptierten Fassung des Artikels Sklavenhaltergesellschaft aus der freien Enzyklopädie de.wikipedia.org und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.