Revolution

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Revolution (spätlat. revolutio „Umdrehung, Zurückwälzung“) bezeichnet heute im weitesten Sinn einen plötzlichen, oft auch gewaltsamen Wandel in geistiger, wissenschaftlicher, technischer, sozialer, politischer und/oder wirtschaftlicher Hinsicht und bildet damit den Gegenbegriff zur Evolution, die vergleichsweise langsam, stetig und weitgehend friedlich verläuft.

Allgemeines

Das Wort ist seit dem 15. Jahrhundert gebräuchlich und bezeichnete zunächst in der Astronomie die Umdrehung der Himmelskörper. In diesem Sinn wurde es auch von Nikolaus Kopernikus in seinem auch im geistesgeschichtlich revolutionären Werk De revolutionibus orbium coelestium (1543) verwendet. Im England des 17. Jahrhundert wurde der Begriff für die Wiederherstellung („Zurückwälzung“) der alten vorabsolutistischen Herrschaftsform durch die Glorious Revolution (1688). Im Sinne eines gewaltsamen sozialen und politischen Umsturzes von unten, d.h. durch die breite Volksmasse, wird der Begriff erst seit der Französischen Revolution verstanden.

Anthroposophie und Russische Revolution

Angesichts der Russischen Revolution (1917) bemerkte Rudolf Steiner:

„Aber mit diesen Revolutionen hat es seine Eigentümlichkeit. Revolutionen waren in der Welt da. Eine der größten Revolutionen war diejenige, die durch das Heraufkommen des Christentums sich vollzogen hat. Was war das für eine Revolution? Eine geistige Revolution war das. Dasjenige, was umgewandelt worden ist, das waren die Verhältnisse im geistigen Leben. Was Neues in der Menschheit wirklich heraufkommen kann auf diesem Wege durch eine Metamorphose in der Entwickelung, das können nur geistige Impulse zunächst sein.

Die christliche Umwälzung war eine geistige. Und was sie in ihrem Gefolge hatte an Rechtsleben und an Wirtschaftsleben, war eine Folge der geistigen Umwälzung, die durch das Christentum sich vollzogen hat. Daher war sie, diese Umwälzung, eine große, und derjenige, der die Entwickelung des Christentums kennt, der weiß, wie tief einschneidend dasjenige war, was durch das Christentum als eine geistige Umwälzung in die Welt gekommen ist.

Betrachten wir aber jetzt eine Umwälzung der Rechtsverhältnisse, der politischen Verhältnisse: Wir finden solche Umwälzungen in der Französischen Revolution oder in der kontinentalen Revolution des Jahres 1848. Man studiere diese Revolutionen und man wird finden: Einiges haben sie erreicht, einiges haben sie an die Stelle des Alten gesetzt; aber vieles ist zurückgeblieben, das durchaus nicht eine Lösung vorher erhobener Forderungen war, sondern eine Lösung früher aufgestellter Forderungen war, Reste, die zurückblieben von diesen politischen Revolutionen, von den drei Elementen des menschlichen Lebens. Man kann sie verfolgen, die Umwälzungen auf geistigem Gebiete, auf politisch-rechtlichem Gebiete; eine Umwälzung auf geistigem Gebiete, diejenige durch das Christentum; eine Umwälzung auf politisch-rechtlichem Gebiete, die Umwälzung der Französischen Revolution und der Revolution des Jahres 1848. Jetzt will man eine Umwälzung auf wirtschaftlichem Gebiete. Das wirtschaftliche Leben aus sich selber heraus kann sich mechanisieren, kann sich aus sich selber nicht umgestalten. Wer weltgeschichtliche Zusammenhänge kennt, der weiß, daß es geistige Umwälzungen geben kann, weil vom Geiste aus alles übrige Leben befruchtet werden kann, daß auch noch etwas bleibt von den Rechtsverhältnissen, die im seelischen Zusammenleben der Menschen begründet sind, wenn sie sich in einer Umwälzung vollziehen. Wenn aber das Äußere selbst, rein aus sich gebildet, umgestaltet werden soll, so ist dies eine Illusion. Es ist einfach ein Gesetz der weltgeschichtlichen Entwickelung, daß da, wo eine bloß wirtschaftliche Revolution vollzogen werden soll, wie im gegenwärtigen Rußland, diese wirtschaftliche Revolution der Totengräber sein muß der modernen Zivilisation, ehe sie nicht wieder aufnimmt etwas wirklich Geistiges.

Wahr ist es, Lenin und Trotzki sind die letzten konsequenten Ausbildner dessen, was im Darwinismus der Masse seit Jahrzehnten gelebt hat. Aber indem man versucht, das zu verwirklichen, was man in den Ideen als bloße Wirtschaftsideen einseitig ausbilden konnte, und woran man glauben konnte, solange es nicht praktisch wurde, wird man im selben Augenblicke, wo man es ins Leben einführen will, zum Totengräber der Zivilisation. Und Tod nur könnte sich im europäischen Osten ausdehnen unter dem Einflüsse solcher Ideen, wenn nicht eingesehen würde, daß wir nötig haben in unserer Zeit etwas ganz anderes: eine Erneuerung des geistigen Lebens.“ (Lit.:GA 329, S. 213ff)

Es wird nie wieder eine Revolution geben

"Es wird nie wieder eine Revolution geben, denn die würde eine völlige Verelendung praktisch der gesamten Bevölkerung voraussetzen. Aber in dem Moment, wo die Verelendung beginnt, und sie wird beginnen, allein schon auf Grund der fortschreitenen Umweltzerstörung, des fortschreitenden Klimawandels und der fortschreitenden Überbefölkerung, wird man irgendwann Gegenmaßnahmen ergreifen, und die graben dem Revolutionsdruck unweigerlich das Wasser ab. Jedenfalls wird man niemals bis zur Revolution warten. Auch das Kapital selbst hat an einer drohenden Revolution kein Interess und wird sofort Zugeständnisse machen, um den Revolutionsdruck rauszunehmen. Die Revolution hat also an sich keine Chance mehr. Aber wir brauchen natürlich Kompensation für die leider nicht mehr mögliche Weltrevolution." (Joachim Stiller)

Siehe auch

Literatur

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Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
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Weblinks

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