Tapferkeit

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Tapferkeit oder Starkmut (griech. ἀνδρεία andreia, bei Platon noch griech. αγαθὸς agathós = "gut", lat. fortitudo), auch Herzhaftigkeit genannt, ist eine der vier von Platon genannten Kardinaltugenden. Diese Tugend hängt mit den Kräften des Herzens zusammen und zielt auf die Beherrschung des rhythmischen Systems. Hier ergreift die Moralität unmittelbar den Astralleib.

"Der Brustteil, der das Herz umschließt, wäre das Gebiet, wo die Herzhaftigkeit, der Starkmut, die seelische Tüchtigkeit aus der Moralitätssphäre einstrahlt. Wir können sagen: Da ergreift die Moralität, indem sie weiterstrahlt, insbesondere das Astralische und belebt den Brustteil mit dem Herzen." (Lit.: GA 170, S. 79)

"Eine andere Tugend ist diejenige, welche wir mit einem Worte, das eigentlich schwer zu bilden ist, die mutartige Tugend nennen können. Sie ist von derartiger Gemütsverfassung, daß sie dem Leben gegenüber nicht passiv bleibt, sondern geneigt ist, die Kräfte anzuwenden. Die mutartige Tugend kommt, wie man sagen könnte, aus dem Herzen. Von einem solchen, der diese Tugend im gewöhnlichen Leben hat, kann man sagen: Er hat das Herz auf dem rechten Fleck. - Und das ist auch ein guter Ausdruck dafür, wenn wir imstande sind, nicht feige uns zurückzuziehen von den Dingen, die das Leben von uns verlangt, sondern wenn wir fähig sind, uns in die Hand zu nehmen, einzugreifen verstehen, wo es notwendig ist. Wenn wir in solcher Weise unsere Aktivität in Bewegung zu setzen geneigt sind, kurz, wenn wir wacker sind - der Ausdruck «wacker» ist auch ein guter für diese Tugend -, dann haben wir diese Tugend des wackeren Lebens. Man könnte auch sagen, diese Tugend, die mit einem gesunden Gemütsleben zusammenhängt, das im richtigen Momente die Tapferkeit erzeugt, deren Fehlen die Feigheit im Leben mit sich bringt, diese Tugend kann natürlich im physischen Verlaufe des Lebens nur durch gewisse Organe geübt werden. Diese Organe, zu denen das physische und das Ätherherz gehört, sind solche, welche nicht so vollendet sind wie diejenigen, die der Weisheit dienen. Diese Organe sind noch auf dem Wege, anders zu werden, und werden auch in Zukunft anders werden.

Zwischen dem Gehirn und dem Herzen ist ein großer Unterschied in bezug auf das kosmische Werden. Nehmen Sie einmal an, ein Mensch geht durch die Pforte des Todes, geht durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Sein Gehirn ist überhaupt ein Götterprodukt. Das Gehirn ist von Kräften durchzogen, die, wenn man durch die Pforte des Todes geht, eigentlich ganz fortgehen und beim nächsten Leben wird dann das Gehirn vollständig neu aufgebaut, auch die inneren Kräfte dazu, nicht nur das Materielle. Also auch die Kräfte dazu werden neu aufgebaut. Das ist beim Herzen nicht der Fall. Beim Herzen liegt die Sache so, daß nicht das physische Herz, wohl aber die Kräfte, die im physischen Herzen tätig sind, bestehen bleiben. Diese Kräfte gehen zurück in das Astralische und in das Ich und bleiben auch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Dieselben Kräfte, die in unserem Herzen darinnen klopfen, klopfen auch das nächste Mal bei unserer neuen Inkarnation. Das, was im Gehirn funktioniert, ist fort, das kommt nicht in einer nächsten Inkarnation heraus. Aber die Kräfte, die das Herz durchzucken, sind auch in der nächsten Inkarnation wieder da. Wenn wir in ein Haupt hineinschauen, können wir sagen: Darin funktionieren unsichtbare Kräfte, die das Gehirn zusammensetzen. Aber wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, werden diese Kräfte dem Kosmos übergeben. Wenn wir aber den Herzschlag eines Menschen vernehmen, vernehmen wir geistige Kräfte, die nicht nur in dieser Inkarnation vorhanden sind, sondern auch in einer nächsten Inkarnation leben werden, die hindurchgehen durch den Tod und durch die neue Geburt. Solche Dinge ahnte das Volksgemüt in wunderbarer Weise. Daher legt es so viel Wert auf das Fühlen des Herzschlages, nicht weil man den physischen Herzschlag so sehr wertschätzt, sondern weil wir auf ein viel Ewigeres blicken, wenn wir den Herzschlag eines Menschen in Betracht ziehen. Wenn wir die Tugend des Mutartigen, des Wakkeren haben, so können wir nur einen Teil von gewissen Kräften für dieses Mutartige verwenden. Den andern Teil müssen wir verwenden für die Organe, die als Werkzeug für das Mutartige dienen. Das sind Organe, für die wir immer noch ein Stück der Kräfte verwenden müssen. Sind wir nicht mutartig begabt, entwickeln wir die Tugend der Wackerheit nicht, lassen wir uns gehen, treten wir feige vom Leben zurück, überlassen wir uns der Schwere unseres Wesens, dann können wir nicht diejenigen Kräfte beleben, die mitleben müssen mit der Auslebung der Tugend der Wackerheit, des Mutartigen.

Während wir feige im Leben dastehen, bleiben auch die Kräfte untätig, die unser Herz durchzucken sollen. Sie sind eine Saat für Luzifer. Der bemächtigt sich ihrer, und wir haben sie dann im nächsten Leben nicht. Feige sein dem Leben gegenüber bedeutet, Luzifer eine Anzahl Kräfte auszuliefern, die uns fehlen, wenn wir in unserer nächsten Inkarnation unsere Herzen aufbauen wollen, die eigentlich die Organe, die Werkzeuge des Mutartigen sind. Wir kommen mit defekten, unausgebildeten Organen zur Welt." (Lit.: GA 159, S. 18ff)

Literatur

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