Thrud

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Thor und seine Tochter neben dem versteinerten Zwerg – Illustration von W. G. Collingwood (1854–1932), Erstveröffentlichung 1908

Thrud (altnord. Þrúðr „Kraft“) ist in der nordischen Mythologie die Tochter der Sif und des Donnergottes Thor.

Überlieferung

Die Überlieferung über die Thrud ist spärlich. Da in den Quellen neben Thrud sonst von keiner weiteren Tochter Thors die Rede ist, wird teilweise vermutet, dass es sich im Alvíssmál um Thrud handelt.[1] Bei der Begebenheit im Alvíssmál wird Thors Tochter jedoch nicht namentlich erwähnt. Insofern ist trotz großer Wahrscheinlichkeit nicht völlig gesichert, dass es sich in der Alvissmál-Erzählung ebenfalls um Thrud handelt.[2]

Im Alvíssmál hält der Zwerg Alvíss (»Allwissender«) um die Hand von Thors Tochter (Thrud?) an. Thor, der gegen die Heirat ist, fragt den Zwerg die ganze Nacht aus, wie einzelne Naturobjekte bei den verschiedenen Wesen – Asen, Alfen, Zwerge, Riesen, Menschen usw. – genannt werden. Als der erste Strahl der Sonne auf Alvíss trifft, wird er in Stein verwandelt. Die Begebenheit findet sich nur im Alvíssmál, einem sehr jungen eddischen Gedicht, das vor allem verschiedene poetische Ausdrücke vermittelt. Die Forschung nimmt an, dass die Freiersage eine Erfindung des Dichters vom Alvíssmál selbst ist.

Geistiger Hintergrund

Rudolf Steiner bringt Thor und seine Tochter Thrud in Zusammenhang mit den aus der persischen Mythologie bekannten 28 - 31 Izards. Der Anführer der Izards, der seinem Rang nach zwischen den Amshaspands und den Izards steht, wurde laut Steiner in der germanischen Mythologie als Thor oder Donar verehrt, dem in der römischen Mythologie Jupiter entspricht und der einer der höchsten Engel [3] ist und auf einen weiteren Aufstieg verzichtet hat:

„Der Anführer der achtundzwanzig Izards kommandierte zunächst die Naturkräfte, wie sie Tag für Tag wirkten. Im großen Laufe des Jahres wirkte das alles rhythmisch und harmonisch. Im Tageslaufe wirkte es etwas unregelmäßig. Furchtbare Blitze, Donner, Gewitter durchzuckten jene Luft im Erdenumkreis, die noch ganz das Astralische in sich hatte. Dann wechselte der Gott, der Führer der Izards, der da draußen gewirkt hatte, seinen Schauplatz und wirkte im Innern, in den achtundzwanzig Nervenströmen des Rückenmarks. Er ging aus jenem geistigen Erdenumkreis heraus und entfaltete seine Kräfte zuletzt im Menschen. Die germanische Mythe nennt diesen Gott Thor oder Donar. Er ist derselbe nach germanischer Anschauung, der später nach römischer Anschauung Jupiter genannt wird. Er wird richtig verehrt als Gewittergott, der die Stürme verursacht hat. Er wird auch angesehen als vermählt mit Sif, der astralischen Erdenatmosphäre; diese beiden haben nun eine Tochter, die etwas ganz besonders Charakteristisches ist. Wodurch kommt diese Tochter zustande? Dadurch, daß Thor sich ins Innere des Menschen zurückgezogen hat und durch die achtundzwanzig Nervenstränge wirkt. Durch die achtundzwanzig Nervenstränge nehmen die Menschen das Astrale äußerlich nicht wahr, aber in gewissen Ausnahmezuständen nehmen sie das wahr, zum Beispiel im traumhaften Schlafzustand. Solche, die besonders veranlagt waren, das wahrzunehmen, die sagten dann nach dem Volksglauben: «Mich drückt die Thrud», - und das ist keine andere Gestalt als die Tochter des Thor. Da haben die Leute noch gewußt, daß die Thrud dort geboren ist, wo Thor mit seiner Gattin wohnt. Daher nannten sie es «Thrudheim».“ (Lit.:GA 101, S. 42f)

Anmerkungen

  1. Zum Beispiel von Wolfgang Golther: Handbuch der germanischen Mythologie, Kettwig 1987, 3. Auflage (Nachdruck der revidierten Ausgabe von 1908), S. 282.
  2. Rudolf Simek und Arnulf Krause (vgl. Literaturangaben) stellen keinen Bezug zu Thrud her.
  3. vgl. (Lit.:GA 121, S. 138ff)

Literatur

  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart (3. Aufl.) 2006. ISBN 978-3-520-36803-4.
  • Arnulf Krause: Reclams Lexikon der germanischen Mythologie und Heldensage, Stuttgart 2010.
  • Rudolf Steiner: Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole, GA 101 (1987)
  • Rudolf Steiner: Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie, GA 121 (1982)
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Weblinks

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Einzelnachweise


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