Vivisektion

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Als Vivisektion (von lat. vivus „lebendig“ und sectio „Schnitt“) wird ein vornehmlich zu Forschungs- und Lehrzwecken durchgeführter operativer Eingriff in den lebendigen Organismus von Tieren und gegebenfalls auch Menschen bezeichnet, insbesondere, wenn er ohne Narkose oder wenigstens lokaler Betäubung durchgeführt wird und daher entsprechende Schmerzen verursacht. Nach dem Tierschutzgesetz dürfen solche Tierversuche heute nur unter gewissen Auflagen durchgeführt werden.

„Man kann — und das wird sich uns ergeben, warum das ist — ganz gewiß einiges erreichen für menschliche Heilung aus dem Tierversuch, aber nur dann, wenn man sich gründlich klar darüber ist, welch ein durchgreifender Unterschied bis in die einzelnsten Details hinein doch zwischen der tierischen und der menschlichen Organisation ist. Daher wird es sich darum handeln, gerade die Bedeutung des Tierversuches in der entsprechenden Weise immer mehr und mehr für die Entwickelung der Medizin klarlegen zu können.“ (Lit.:GA 312, S. 32)

„Haben denn die früheren Menschen, die Menschen früherer Zeitalter so unendlich viel mehr Menschenkenntnis besessen als wir? - Und so sonderbar es klingen mag, es muß bejaht werden. Allerdings die Menschen früher waren in naturwissenschaftlicher Beziehung nicht so aufgeklärt wie wir; aber in der Art, wie diese älteren Menschen etwas gewußt haben über die Welt, haben sie mehr gewußt als wir. Ich habe es schon einmal in diesen Vorträgen auseinandergesetzt, der Mensch ist uns nach und nach ein Schlußpunkt geworden. Wir betrachten alle übrigen Geschöpfe der Welt und sagen: Die haben sich hinentwickelt bis zum Menschen-Schlußpunkt; da hören wir auf und reden über den Menschen außerordentlich wenig. - Unsere Physiologie, sie sucht ja sogar im Tierversuch sich auch über den Menschen aufzuklären. Wir haben die Möglichkeit verloren, den Menschen als eine wirkliche, in sich begründete Wesenheit in die Welt hineinzustellen. Menschenwissen haben wir zum größten Teil verloren.

Sehen Sie, das ist dasjenige, was Anthroposophie wiederum der Menschheit zurückbringen möchte, daß man ein Wissen hat über die Welt, aber daß der Mensch nicht davon ausgeschlossen ist, oder höchstens als Schlußpunkt dann hingestellt ist, daß aus alldem, was man über die Welt wissen kann, nun auch wirklich die Kraft kommt, auch in den Menschen wirklich hineinzuschauen nach Seele, Körper und Geist, daß man auch wirklich wissen kann, was der Geist im Menschen macht, daß man wissen kann: der Geist in intellektueller Form sondert im Menschen allerlei Stoffe ab, wie ich es eben geschildert habe. Dazu kommt ja unsere heutige Weltbetrachtung nicht. Sie bleibt vor dem Menschen stehen bis zum Tier hin, macht eine Biologie, gliedert diese dann um zu Physiologie; aber der Mensch wird nicht erfaßbar. Daher wirkt der Mensch gewiß heute aus den Instinkten heraus noch viel; aber aus dem Wissen, aus der Erkenntnis heraus wird der Mensch nicht mehr geliebt.“ (Lit.:GA 305, S. 177)

Vivisektionen waren schon in der Antike gebräuchlich. So berichtet etwa Celsus (* um 25 v. Chr.; † um 50 n. Chr.), dass an der medizinischen Hochschule von Alexandria Vivisektionen zum Tode Verurteilter üblich gewesen seien[1]. Bereits Herophilos von Chalkedon (* um 325 v. Chr.; † um 255 v. Chr.), der als „Vater der Anatomie“ gilt[2], soll Vivisektionen an Menschen und Tieren vorgenommen haben. Von der Antike spannt sich der Bogen bis in die jüngste Vergangenheit. So waren etwa in der Zeit des Nationalsozialismus zwar Vivisektionen an Tieren streng verboten[3], jedoch wurden in den Konzentrationslager Vivisektionen an Menschen ohne Narkose in beträchtlichem Umfang durchgeführt. Der später in Brasilien untergetauchte KZ-Arzt Josef Mengele (1911-1979) erlangte diesbezüglich traurige Berühmtheit.

Rudolf Steiner hat darauf hingewiesen, dass der Weg zur praktischen schwarzen Magie damit beginnt, in ein Lebewesen zu schneiden und dabei Lust an dessen Schmerz zu empfinden.

„Der Schwarzmagier dürstet danach, zu töten, Leere um sich her zu schaffen in der Astralwelt, weil diese Leere um ihn her das Feld für ihn schafft, auf dem er seine egoistischen Leidenschaften entfalten kann. Dazu bedarf er der Kraft, derer er sich bemächtigt, indem er die Lebenskraft alles Lebendigen an sich reißt, das heißt, indem er tötet.

Deshalb lautet das erste Gesetz der schwarzen Magie: Man muß das Leben besiegen. Daher lehrt man in gewissen schwarzmagischen Schulen die Schüler die abscheuliche, grausame Praktik, lebenden Tieren Messerstiche zu versetzen, mit genauer Angabe der Körperstelle des Tieres, die in dem, der das Opfer vollzieht, diese oder jene Kraft erwachsen läßt. Äußerlich gesehen, kann man Gemeinsamkeiten zwischen der schwarzen Magie und der Vivisektion konstatieren. Die heutige Wissenschaft ist infolge ihres Materialismus auf die Vivisektion angewiesen. Die Gegenströmung gegen die Vivisektion entspringt tief moralischen Gründen. Aber man wird in der Wissenschaft so lange nicht zur Abschaffung der Vivisektion gelangen, als die Medizin nicht das höhere Schauen wiedergewonnen hat. Nur weil sie die Hellsichtigkeit verloren hat, hat die Medizin zur Vivisektion ihre Zuflucht nehmen müssen. Wenn wir aufs neue die Astralwelt erobert haben werden, die sich von uns zurückgezogen hat, wird die Hellsichtigkeit dem Arzt gestatten, sich auf geistige Weise in den inneren Zustand der kranken Organe zu versenken, und die Vivisektion wird als überflüssig unterlassen werden.“ (Lit.:GA 94, S. 64f)

„Wenn die Absicht besteht, in ein Lebewesen zu stechen oder zu schneiden mit der Absicht, in dem Schmerze desselben Seligkeit zu fühlen, dann liegt darin das Abc der schwarzen Künste. Was darüber hinausgeht, kann nicht gestreift werden. Aber Sie werden es schon scheußlich genug finden, wenn Ihnen gesagt wird, daß der schwarzmagische Anfänger zu schneiden und zu stechen hat in lebendiges Fleisch, nicht so wie der Vivisektor schneidet — es ist dies auch schon etwas Schlimmes, doch findet das Wesen der Vivisektion seine Überwindung in den Vivisektoren selber, indem diese in Kamaloka an sich selbst die Schmerzen werden zu spüren haben, die sie ihren Opfern zugefügt haben, und deshalb die Vivisektion in Zukunft lassen werden —, sondern wer in systematischer Weise ins Fleisch schneidet und daraus Befriedigung empfindet, der fängt an, auf die abschüssige Bahn der schwarzen Magie zu kommen.“ (Lit.:GA 104, S. 239)

„Der Mensch vollbringt wahrend seines Lebens nicht nur solche Dinge, welche Genuß bereiten, sondern er lebt hier zusammen mit anderen Menschen und Geschöpfen; bewußt oder unbewußt, absichtlich oder unabsichtlich verursacht er Menschen und Tieren Freude und Leid, Lust und Schmerz. Auch das trifft man wieder beim Durchlaufen der Kamaloka-Zeit. Man kommt zurück an die Stelle, den Ort und Moment, wo man den anderen Wesen Schmerz bereitete. Damals machte man den Schmerz anderen fühlbar, nunmehr muß man dieselben Schmerzen in der eigenen Seele erleiden. All die Qualen, die ich je einem anderen Wesen bereitet habe, muß ich nun in der eigenen Seele durchmachen. Ich stecke gleichsam in dem Menschen, in dem Tiere drinnen und lerne kennen, was das andere Wesen durch mich gelitten hat, und nun muß ich alle diese Qualen und Schmerzen selbst erleiden. Dem kann man nicht entgehen. Das ist aber nicht etwa die Wirkung von Karma, sondern nur das Loslösen vom Irdischen. Ganz besonders fürchterlich ist dadurch das Kamaloka des Vivisektors. Der Theosoph darf nicht Kritik üben an dem, was die Welterscheinungen bieten, wohl aber kann er begreifen, wie der moderne Mensch zu solchen Dingen kommen konnte. Im Mittelalter würde kein Mensch daran gedacht haben, und in alter Zeit würde es jeder Arzt für den größten Unsinn gehalten haben, das Leben zu zerstören, um das Leben kennenzulernen, denn wahr ist es, daß noch im Mittelalter ein großer Teil der Menschen hellsehend war und die Ärzte den Menschen durchschauen konnten und sahen, was in ihm beschädigt war und was ihm fehlte. So zum Beispiel Paracelsus; er durchschaute den physischen Leib. Aber die Zeit der materiellen Kultur mußte kommen, wo das Hellsehen verlorenging. Namentlich bei den heutigen Ärzten und Naturforschern sehen wir dies, und die Vivisektion war eine Folge davon. Somit ist sie zu begreifen, aber niemals zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Unfehlbar treten die Folgen eines solchen Qualen verursachenden Lebens ein: Der Vivisektor muß nach dem Tode selbst genau alle die Qualen durchmachen, die er den Tieren zugefügt hat, seine Seele steckt gleichsam drinnen in jedem Schmerz, den er bereitet hat. Seine Absichtslosigkeit, das Vorschieben der Wissenschaft, «der gute Zweck», sind keine Entschuldigungen. Das Gesetz des geistigen Lebens ist unbeugsam.“ (Lit.:GA 95, S. 35f)

Rudolf Steiner hat aber auch deutlich gemacht, dass das bloße Politisieren gegen Erscheinungen wie der Vivisektion schädlich ist:

„Ich habe in einem andern Zusammenhange schon auf den Sinn der «Policy» aufmerksam darauf gemacht, wo fortwährend von Policy gesprochen wird, von dem In-Szene-Setzen von gewissen Gedanken, um dieses oder jenes zu erreichen. Aber wie ist dieses überhaupt verbreitet in der Welt! Aus dieser Politisierung des Gedankenlebens geht in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum geradezu das Schlimmste hervor. Eine Zeit, die noch glauben konnte in einer gewissen Weise, wenn sie Gedanken bildete, inspiriert zu sein, konnte auf ihren Konzilien meinetwillen dieses oder jenes Dogma, das dann verwendet wurde, um das oder jenes in der Welt zu erreichen, beschließen. Unsere Zeit, die aber wahrhaftig in ihrem materialistischen Gefüge inspirationslos ist, wird, wenn sie den Gedanken nicht so knüpft, daß er in Verantwortung gegenüber der unpersönlichen Wahrheit geknüpft ist, den Gedanken nur aus der persönlich-willkürlichen oder aus der vereinsmäßig-willkürlichen oder sonst irgendwie gemeinsamkeits-willkürlichen Aspiration heraus fassen. Und da wird der Gedanke nicht in die Welt gestellt, weil man seine Richtigkeit einsieht, sondern weil man mit ihm politisieren will. Diese Politisierung des Gedankenlebens geht immer weiter und weiter. Und man erzieht sich nicht so, daß man zu dem richtigen, zu dem wahren Gedanken kommt, sondern man erzieht sich so, daß man zu einem Gedanken kommt, mit dem man politisieren kann, zum Beispiel mit dem Gedanken des Nichtvivisezierens der Tiere. Aber man faßt den Gedanken nicht in seinem Wahrheitsgehalt, sondern durch seine politische Agitationskraft. Man agitiert mit dem Gedanken, man politisiert mit dem Gedanken in Abstinenzvereinen, in Anti-Vivisektionsvereinen. Man faßt einen Gedanken nicht in seiner Realität - Abstinenz, Vivisektion oder dergleichen-, sondern man politisiert ihm gegenüber.Überall wird mit den Gedanken politisiert. Sie werden in politische Getriebe hineinversenkt.“ (Lit.:GA 272, S. 318f)

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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Einzelnachweise

  1. De medicina, prooemium 23–26. 40–44, 74)Deutsche Übersetzung in: Aulus Cornelius Celsus: Über die Arzneiwissenschaft in acht Büchern. Übersetzt und erklärt von Eduard Scheller. Braunschweig 2. Aufl. 1906 (Nachdruck: Darmstadt: WBG 1967), S. 24 [prooem. 23–26]. 27f. [prooem. 40–44]. 33 [prooem. 74].
  2. Ferdinand Peter Moog: Zum Gleichnis vom tapferen Feldherrn bei Herophilos. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 22, 2003, S. 30–39, hier: S. 30.
  3. „Tierliebe Menschenfeinde“