Transsignifikation

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Die Transsignifikation ist ein theologisches Erklärungsmodell der Wandlung der Gestalten von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi bei der Feier der Eucharistie.

Die Transsignifikationslehre

In der theologischen Diskussion vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil um die Realpräsenz Jesu Christi in den eucharistischen Gestalten versuchten einige Theologen, neue Erklärungsmodelle für die Transsubstantiationslehre der römisch-katholischen Kirche zu finden. Vor allem sollte eine Alternative zum Substanzbegriff entwickelt werden. Die Arbeiten zum Thema von Jean de Baciocchi und später von Edward Schillebeeckx und Piet Schoonenberg weisen in der Diskussion um den Substanzbegriff auf die sich in der Eucharistie verändernde Bedeutung der eucharistischen Gestalten hin und beschreiben dies mit Transsignifikation. Die Transsignifikation geht also von einer Bedeutungswandlung der Gestalten von Brot und Wein aus, die die Identität der Gestalten selbst betreffe. Ein damit verwandets Erklärungsmodell ist die Transfinalisation, wonach bei der Eucharistie der Zweck (lat. finis; griech. τέλος telos) der eucharistischen Gestalten von Brot und Wein verwandelt wird.

Die Kritik des römisch-katholischen Lehramts gegenüber einer solchen Interpretation der Transsubstantiationslehre bezieht sich auf die ungeklärte beziehungsweise noch diskutierte ontologische Dimension dieser Wandlung. Eine bloße subjektive Bedeutungswandlung durch die Kommunizierenden reiche nicht aus, sondern es handle sich um eine objektive Wesenswandlung. Diese Kritik wurde mit dem Hinweis, dass sich bei einer Wandlung der Identität der res auch dessen „Substanz“ ändere, zu entkräften versucht. In der am 3. September 1965 veröffentlichten Enzyklika Mysterium fidei („w:Geheimnis des Glaubens“) von Papst Paul VI. heißt es dazu:

„Auch darf man die Sichtweise des sakramentalen Zeichens nicht so deuten, als ob die Symbolbedeutung, die nach allgemeiner Meinung der heiligen Eucharistie ohne Zweifel zukommt, die Sichtweise der Gegenwart Christi in diesem Sakrament ganz und erschöpfend zum Ausdruck bringe. Gleichfalls ist es nicht gestattet, das Geheimnis der Wesensverwandlung zu behandeln, ohne die wunderbare Wandlung der ganzen Substanz des Brotes in den Leib und der ganzen Substanz des Weines in das Blut Christi - von der das Konzil von Trient spricht - zu erwähnen, so als ob sie nur in einer sogenannten „Transsignifikation“ und ,,Transfinalisation“ bestünde. Schließlich geht es nicht an, eine Ansicht zu vertreten und zu praktizieren, derzufolge Christus, der Herr, in den konsekrierten Hostien, die nach der Feier des Meßopfers übrigbleiben, nicht mehr gegenwartig wäre.“

Paul VI.: Mysterium fidei[1]

Literatur

  • Joseph M. Powers: Eucharistie in neuer Sicht („Eucharistic Theology“). Herder Verlag, Freiburg/B. 1968.
  • Edward Schillebeeckx: Die eucharistische Gegenwart. Zur Diskussion über die Realpräsenz („Christus’ tegenwoordigheid in de Eucharistie“). 2. Aufl. Patmos Verlag, Düsseldorf 1968 (Theologische Perspektiven).
  • Notger Slenczka: Realpräsenz und Ontologie. Untersuchung der ontologischen Grundlagen der Transsignifikationslehre. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-56273-X (zugl. Dissertation, Universität Göttingen 1990).

Einzelnachweise

  1. Paul VI.: Mysterium fidei - offizielle deutsche Übersetzung auf der Website des Vatikans, abgerufen am 11. Juli 2019


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