Voltaire

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François-Marie Arouet (Voltaire), Porträt von Nicolas de Largillière (nach 1724/1725 entstanden)

Voltaire [vɔltɛːʀ] (eigentlich François-Marie Arouet [fʀɑ̃swa maʀi aʀwɛ], * 21. November 1694 in Paris; † 30. Mai 1778 ebenda) war ein französischer Philosoph und Schriftsteller. Er ist einer der meistgelesenen und einflussreichsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung.

In Frankreich nennt man das 18. Jahrhundert auch „das Jahrhundert Voltaires“ (le siècle de Voltaire). Als Lyriker, Dramatiker und Epiker schrieb er in erster Linie für ein Publikum gebildeter Franzosen, als Erzähler und Philosoph für die gesamte europäische Oberschicht im Zeitalter der Aufklärung, deren Mitglieder für gewöhnlich die französische Sprache beherrschten und französische Werke zum Teil im Original lasen. Viele seiner Werke erlebten in rascher Folge mehrere Auflagen und wurden häufig auch umgehend in andere europäische Sprachen übersetzt. Voltaire verfügte über hervorragende Kenntnisse der englischen und der italienischen Sprache und veröffentlichte darin auch einige Texte. Er verbrachte einen beträchtlichen Teil seines Lebens außerhalb Frankreichs und kannte die Niederlande, England, Deutschland und die Schweiz aus eigener Erfahrung.

Mit seiner Kritik an den Missständen des Absolutismus und der Feudalherrschaft sowie am weltanschaulichen Monopol der katholischen Kirche war Voltaire ein Vordenker der Aufklärung und ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution. In der Darstellung und Verteidigung dessen, was er für richtig hielt, zeigte er ein umfangreiches Wissen und Einfühlungsvermögen in die Vorstellungen seiner zeitgenössischen Leser. Sein präziser und allgemein verständlicher Stil, sein oft sarkastischer Witz und seine Kunst der Ironie gelten oft als unübertroffen.

Siehe auch

Werke

Voltaire-Büste aus dem Jahr 1778 von Jean-Antoine Houdon (Sammlung der National Gallery of Art)

Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Witz und Sarkasmus kritisierte Voltaire die Missstände seiner Zeit, aber auch persönliche Gegner. Meisterhaft beherrschte er hierbei insbesondere das Stilmittel der Ironie. Anerkennung erhielt er für die spielerische Eleganz seiner kürzeren Gedichte, die perfekten Verse und Reime seiner Tragödien und Epen sowie die Prägnanz seiner darstellenden Prosa. Auch in der Parodie ist Voltaire ein Meister. So parodiert die philosophische Erzählung Candide den Liebes-, Abenteuer- und Reiseroman seiner Zeit.

Voltaire hinterließ mit weit über 700 einzelnen Texten (die er zumindest in seinen späten Lebensjahren einem Sekretär diktierte) eines der umfangreichsten und umfassendsten Werke der Literatur- und Geistesgeschichte. Die Einzelheiten der Drucklegung und Veröffentlichung vieler Schriften sind, nicht zuletzt wegen der oft fast konspirativen Umstände, bis heute ungeklärt und nur unvollständig erforscht. Meilensteine der Bibliografie sind die Arbeiten und Werkverzeichnisse von Adrien-Jean-Quentin Beuchot, Georges Bengesco, Louis Moland und Theodore Besterman.

Die derzeit maßgebliche Werkausgabe ist die im Erscheinen begriffene, von Theodore Besterman 1968 am Institut et Musée Voltaire in Genf begonnene und von der Voltaire Foundation an der Universität Oxford fortgeführte, erste historisch-kritische und vollständige Werkausgabe The Complete Works of Voltaire / Les Œuvres complètes de Voltaire (OCV).[1]

Literatur

  • Johann Christoph von Zabuesnig (Hg.), Historische und kritische Nachrichten von dem Leben und den Schriften des Herrn von Voltaire und anderer Neuphilosophen unserer Zeiten. Gesammelt und herausgegeben von Johann Christoph von Zabuesnig, Erster Band, Mit Erlaubnis der Oberen, Augsburg bey den Gebrüdern Veith, Buchhändlern, 1777.
  • Hans Schumann: Monsieur – Madame: der Briefwechsel zwischen der Zarin und dem Philosophen. Manesse, Zürich 1991, ISBN 3-7175-8186-4, (Korrespondenz zwischen Katharina der Grossen und Voltaire).
  • Alfred J. Ayer: Voltaire, eine intellektuelle Biographie. Athenäum, 1987, ISBN 3-610-09223-8.
  • Theodore Besterman: Voltaire. Winkler, München 1971.
  • Georg Brandes: Voltaire. Reiss, Berlin 1923.
  • Nicholas Cronk (Hrsg.): The Cambridge Companion to Voltaire. CUP, Cambridge 2009, ISBN 978-0-521-84973-9.
  • Ian Davidson: Voltaire. A life. Profile Books, London 2012, ISBN 978-1-84668-232-2.
  • Friedegund Freitag: Voltaire in Gotha. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2014, ISBN 978-3-95462-234-4.
  • Georg Holmsten: Voltaire. 14. Auflage. Rowohlt, 2002, ISBN 3-499-50173-2.
  • Wilhelm Kreiten: Voltaire, Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte des Liberalismus. Freiburg im Breisgau 1878. (2. Auflage. 1884)
  • Joachim G. Leithäuser: Voltaire. Leben und Briefe. Cotta, Stuttgart 1961.
  • Jean Orieux: Das Leben des Voltaire. Insel, 1994, ISBN 3-458-33351-7.
  • René Pomeau (Hrsg.): Voltaire en son temps. 5 Bde., Voltaire Foundation, Oxford 1985–1994.
  • Josef Popper-Lynkeus: Voltaire. Löwit, Wien/ Leipzig 1925.
  • David Friedrich Strauß: Voltaire. Sechs Vorträge. Strauß, Bonn 1895.
  • Ira Owen Wade: The Intellectual Development of Voltaire. Princeton University Press, Princeton 1969.
  • Klaus-Gunther Wesseling: Voltaire In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 13, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7, Sp. 1–55.
  • David Bodanis: Emilie und Voltaire. Eine Liebe in Zeiten der Aufklärung. Rowohlt, Reinbek 2007
  • Gudrun Hentges: Schattenseiten der Aufklärung. Die Darstellung von Juden und „Wilden“ in philosophischen Schriften des 18. und 19. Jahrhunderts. Schwalbach 1999
  • Arthur Hertzberg: The French Enlightenment and the Jews. The Origins of Modern Anti-Semitism. N. Y. & London, 1968 ISBN 0-231-03049-5; häufige Neuaufl.; zuletzt Columbia UP, 1990 ISBN 0-231-07385-2.

Weblinks

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Primärtexte

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 Wikisource: Voltaire – Quellen und Volltexte

Einführende Sekundärliteratur

Spezielleres

Organisationen

Einzelnachweise

  1. Liste aller bis November 2015 erschienenen OCV-Bände
Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Voltaire aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.