Münchner Kongress 1907

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Saal des Münchener Kongresses mit gemalten Siegeln und Säulen im Jahr 1907. Rudolf Steiner sitzt in der ersten Reihe (5 v.l.) neben Marie Steiner (4 v.l.) (1907)

Der Kongress der Föderation Europäischer Sektionen der Theosophischen Gesellschaft wurde zu Pfingsten vom 18. - 21.Mai 1907 in München in der Tonhalle (Kaim-Säle), Türkenstraße 5 abgehalten und sollte die gemeinsame Arbeit der Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft aus verschiedenen Ländern zu fördern suchen. Nachdem Anfang Juni 1906 auf dem Pariser Kongress der Entschluss gefasst worden war, den nächsten Kongress in München zu veranstalten, begannen Rudolf Steiner und Marie von Sievers gemeinsam mit den Münchner Freunden mit der sorgfältigen Planung der Tagung. Ein Hauptanliegen war von Beginn an die künstlerisch-esoterische Gestaltung der Tagung. Vor allem aber wollte Steiner, die von ihm von Anfang an vertretene christlich-rosenkreuzerische Esoterik in der internationalen Theosophischen Gesellschaft verankern. Das wurde aber, wie sich später zeigte, von den meisten nichtdeutschen Theosophen, die viel stärker dem östlichen Schulungsweg zugeneigt waren, abgelehnt. Rudolf Steiner schreibt dazu in «Mein Lebensgang»:

"Die Art des Münchner Wirkens führte dazu, daß der Theosophische Kongreß, der 1907 von der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft veranstaltet werden sollte, in München stattfand. Diese Kongresse, die vorher in London, Amsterdam, Paris abgehalten wurden, enthielten Veranstaltungen, die theosophische Probleme in Vorträgen oder Diskussionen behandelten. Sie waren den gelehrten Kongressen nachgebildet. Auch die administrativen Fragen der Theosophischen Gesellschaft wurden behandelt.

An alledem wurde in München manches modifiziert. Den großen Konzertsaal, der für die Tagung dienen sollte, ließen wir — die Veranstalter — mit einer Innendekoration versehen, die in Form und Farbe künstlerisch die Stimmung wiedergeben sollte, die im Inhalt des mündlich Verhandelten herrschte. Künstlerische Umgebung und spirituelle Betätigung im Räume sollten eine harmonische Einheit sein. Ich legte dabei den allergrößten Wert darauf, die abstrakte, unkünstlerische Symbolik zu vermeiden und die künstlerische Empfindung sprechen zu lassen.

In das Programm des Kongresses wurde eine künstlerische Darbietung eingefügt. Marie von Sivers hatte Schures Rekonstruktion des eleusinischen Dramas schon vor langer Zeit übersetzt. Ich richtete es sprachlich für eine Aufführung ein. Dieses Drama fügten wir dem Programm ein. Eine Anknüpfung an das alte Mysterienwesen, wenn auch in noch so schwacher Form, war damit gegeben — aber, was die Hauptsache war, der Kongreß hatte Künstlerisches in sich. Künstlerisches, das auf den Willen hinwies, das spirituelle Leben fortan nicht ohne das Künstlerische in der Gesellschaft zu lassen. Marie von Sivers, welche die Rolle der Demeter übernommen hatte, wies in ihrer Darstellung schon deutlich auf die Nuancen hin, die das Dramatische in der Gesellschaft erlangen sollte. — Außerdem waren wir in einem Zeitpunkt, in dem die deklamatorische und rezitatorische Kunst durch Marie von Sivers in dem Herausarbeiten aus der inneren Kraft des Wortes an dem entscheidenden Punkte angekommen war, von dem aus auf diesem Gebiete fruchtbar weitergegangen werden konnte.

Ein großer Teil der alten Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft aus England, Frankreich, namentlich aus Holland waren innerlich unzufrieden mit den Erneuerungen, die ihnen mit dem Münchner Kongreß gebracht worden sind. — Was gut gewesen wäre, zu verstehen, was aber damals von den wenigsten ins Auge gefaßt wurde, war, daß mit der anthroposophischen Strömung etwas von einer ganz andern inneren Haltung gegeben war, als sie die bisherige Theosophische Gesellschaft hatte. In dieser inneren Haltung lag der wahre Grund, warum die anthroposophische Gesellschaft nicht als ein Teil der theosophischen weiterbestehen konnte. Die meisten legten aber den Hauptwert auf die Absurditäten, die im Laufe der Zeit in der Theosophischen Gesellschaft sich herausgebildet haben und die zu endlosen Zänkereien geführt haben." (Lit.: GA 028, S. 464f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Mein Lebensgang, GA 28 (2000), ISBN 3-7274-0280-6; Tb 636, ISBN 978-3-7274-6361-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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