Platonisches Weltenjahr

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Das Platonische Weltenjahr mit seiner Dauer von etwa 25 920 Jahren - das ist die Zeit, die die Sonne als Folge der Präzessionsbewegung der Erdachse braucht, um rückläufig durch alle 12 Zeichen des Tierkreises wieder zu ihrem Ausgangspunkt (Frühlingspunkt) zurückzugelangen - ist von grundlegender Bedeutung für die menschheitliche Entwicklung. So dauert eine Kulturepoche (siehe auch -> Weltentwicklungsstufen) durchschnittliche solange, als die Sonne braucht, um ein Tierkreiszeichen zu durchlaufen, also 2160 Jahre, entsprechend einem 1/12 des platonischen Jahres. Wäre das menschliche Dasein völlig harmonisch in diesen kosmischen Rhythmus eingebunden, würde der Mensch alle 2160 Jahre zu einer neuen irdischen Inkarnation herabsteigen. Da wir aber in einer männlichen und einer weiblichen Inkarnation sehr unterschiedliche Erfahrungen sammeln können, ist es aber notwendig, dass sich der Mensch in der Regel zweimal in jeder Kulturperiode inkarniert. Tatsächlich findet man gegenwärtig starke Abweichungen von dieser kosmisch bedingten Regel und die Inkarnationen folgen meist in viel kürzeren Abständen aufeinander. Gerade darin liegt die Basis für die menschliche Freiheit, dass der Mensch heute nicht mehr zwanghaft an diese kosmischen Gesetze gebunden ist, sondern in hohem Maße unabhängig davon wurde, um sich später aus freiem Antrieb wieder harmonisch in das kosmische Gefüge einzuordnen.

Was das individuelle Leben des Menschen betrifft, so hängt naturgemäß besonders sein rhythmisches System (-> Dreigliederung des menschlichen Organismus), also Atem und Kreislauf, eng mit diesem großen kosmischen Kreislauf zusammen (-> Atemrhythmus). Aber auch die mittlere Lebensdauer des Menschen mißt sich am platonischen Weltenjahr:

"Nicht wahr, wir wissen alle, daß die Sonne im Frühling, am 21. März, an einem bestimmten Punkt des Himmels aufgeht. Wir nennen diesen Punkt den Frühlingspunkt. Wir wissen aber auch, daß dieser Frühlingspunkt nicht jedes Jahr derselbe ist, sondern daß er fortrückt. Wir wissen, daß jetzt die Sonne in den Fischen aufgeht. Vor dem fünfzehnten Jahrhundert ist sie im Widder aufgegangen. Die Astronomie hat das beibehalten, «im Widder» zu sagen, aber das stimmt nicht mit der Wirklichkeit. - Diese Nebenbemerkung ist in diesem Augenblick nicht wichtig. - Also dieser Frühlingspunkt rückt vor; immer ein Stück weiter vorgerückt im Tierkreis geht die Sonne im Frühling auf. Daraus ist leicht zu sehen, daß sie in einer gewissen Zeit durch den ganzen Tierkreis wandelt, daß der Aufgangspunkt durch den ganzen Tierkreis wandelt. Nun, die Zeit, die notwendig ist, damit die Sonne so durch den ganzen Tierkreis wandelt, ist etwa 25 920 Jahre. Also wenn Sie den Frühlingspunkt in einem gewissen Jahr nehmen: im nächsten Jahr ist er vorgerückt, im nächsten Jahr wieder vorgerückt. Vergehen 25 920 Jahre, so kommt der Frühlingspunkt wieder auf denselben Punkt zurück. Also 25 920 Jahre ist ein für unser Sonnensystem außerordentlich bedeutungsvoller Zeitraum: Die Sonne vollendet einen Weltenschritt, möchte ich sagen, indem sie in ihrem Frühlingsaufgang auf denselben Punkt zurückkehrt. Nun hat Plato, der große griechische Philosoph, diese 25 920 Jahre ein Weltenjahr genannt - das große platonische Weltenjahr. Merkwürdig ist nun - schon sehr merkwürdig, aber wenn man auf diese ganze Merkwürdigkeit eingeht, unendlich tief bedeutungsvoll erscheinend - das Folgende.

Normal hat der Mensch in der Minute 18 Atemzüge. Sie ändern sich: In der Kindheit sind sie etwas zahlreicher, im Alter weniger zahlreich, aber durchschnittlich sind beim normalen Menschen 18 Atemzüge richtig. Rechnen wir uns einmal aus, wieviel das Atemzüge in einem Tage macht. Es ist eine einfache Rechnung: 18 mal 60, dann haben wir in einer Stunde 1080; das mal 24, die Stunden am Tage, ergibt 25 920 Atemzüge in einem Tage. Sie sehen daraus, daß dieselbe Zahl gewissermaßen regiert den menschlichen Tag mit Bezug auf seine Atemzüge, wie das große Weltenjahr durch diese Zahl regiert wird im Umgang des Frühlingspunktes durch den Tierkreis.

Das ist eines der Zeugnisse, welches uns zeigt, daß wir nicht bloß so eine allgemeine, verschwommene, dunkel-mystische Redensart gebrauchen, wenn wir sagen: Mikrokosmos - Abbild des Makrokosmos, sondern daß der Mensch wirklich in einer wichtigen Tätigkeit, von der sein Leben in jedem Augenblick abhängt, von derselben Zahl regiert wird, von demselben Maß regiert wird, wie der Sonne Umlauf, in den er hineingestellt ist.

Aber jetzt nehmen wir einmal noch etwas anderes: Nicht wahr, das Patriarchenalter, wie es gewöhnlich genannt wird, ist 70 Menschenjahre. 70 Menschenjahre sind natürlich nicht eine unbedingt bindende Zahl für den Menschen. Man kann selbstverständlich viel älter werden, aber der Mensch ist eben ein freies Wesen und übersteigt zuweilen weit solche Grenzpunkte. Aber halten wir uns an diese Patriarchenzeit und sagen wir: Der Mensch lebt durchschnittlich, normal, 70 bis 71 Jahre. Und untersuchen wir, wieviel Tage das sind, dann haben wir, nicht wahr, 365,25 Tage für das Jahr. Nehmen wir zunächst dieses mal 70, da haben wir 25 567,5; und nehmen wir 71, so hätten wir 365,25 mal 71 = 25 932,75. Sie sehen, bei 70 Jahren bekommen wir 25 567,5 Tage, bei 71 Jahren 25 932,75 Tage. Daraus ersehen Sie aber, daß zwischen 70 und 71 Jahren eben der Zeitpunkt liegt, wo das menschliche Leben genau 25 920 Tage umfaßt, so daß das Patriarchenalter eben dasjenige ist, welches 25 920 Tage umfaßt. Sie haben also den menschlichen Tag dadurch bestimmt, daß er 25 920 Atemzüge hat. Sie haben die menschliche Lebenszeit dadurch bestimmt, daß sie 25 920 Tage zählt. Nun wollen wir noch etwas untersuchen. Und das ist jetzt nicht schwer. Sie werden leicht einsehen, daß, wenn ich 25 920 Jahre, die der Sonnen-Frühlingspunkt braucht, um durch den Tierkreis hindurchzugehen, dividiere durch 365,25, so muß ich herausbekommen ungefähr 70 oder 71. Da bekomme ich 70 bis 71 heraus, denn ich habe es durch Multiplikation auch erhalten. Das heißt, wenn ich das platonische Jahr so behandle, daß es eben ein großes Jahr ist, und ich es dividiere, so daß ich einen Tag herausbekomme, so werde ich bekommen, was dann der Tag für das platonische Jahr ist. Was ist das? Das ist ein menschlieher Lebenslauf. Ein menschlicher Lebenslauf verhält sich zum platonischen Jahr wie ein Tag des Menschen zu einem Jahr.

Die Luft ist um uns herum. Wir atmen sie ein und atmen sie aus. Sie ist zahlenmäßig so geregelt, daß sie, indem sie 25 920 mal geatmet wird, unseren Lebenstag abgibt. Was ist denn aber eigentlich dasjenige, was nun ein Lebenstag ist? Ein Lebenstag besteht ja darin, daß unser Ich und Astralleib aus unserem physischen Leib und Ätherleib herausgehen und wieder hineingehen. So daß Tag auf Tag sich das folgt: Das Ich und der Astralleib gehen hinaus, gehen hinein, gehen hinaus, gehen hinein, so wie der Atem aus- und eingeht. Viele unserer Freunde werden sich erinnern, daß ich sogar, um die Sache klarzumachen, in öffentlichen Vorträgen diesen Wechsel von Wachen und Schlafen mit einem langen Atemzug verglichen habe. So wie wir beim Atemzug die Luft aus- und einatmen, so gehen, indem wir aufwachen und einschlafen, Astralleib und Ich in den Ätherleib und physischen Leib hinein und hinaus. Damit aber ist nichts anderes gesagt, als: Es gibt ein Wesen, es kann ein Wesen vorausgesetzt werden, welches atmet, so wie wir atmen in einer achtzehntel Minute, ein Wesen, welches atmet, und dessen Atmen unser Aus- und Eingehen des Astralleibes und des Ich bedeutet. Dieses Wesen ist nichts anderes als das wirklich lebendige Erdenwesen. Indem die Erde Tag und Nacht erlebt, atmet sie, und ihr Atemprozeß trägt unser Schlafen und Wachen auf seinen Flügeln. Das ist der Atmungsprozeß eines größeren Wesens. Und jetzt nehmen Sie den Atmungsprozeß eines größeren Wesens, der Sonne, die da herumgeht. So wie die Erde einen Tag zubringt mit dem Herauslassen und Hereinholen des Ich und Astralleibes in den Menschen, so bringt das große, aber geistig der Sonne entsprechende Wesen uns Menschen hervor; denn die 70 bis 71 Jahre sind ja, wie wir nachgewiesen haben, ein Tag des Sonnenjahres, des großen platonischen Jahres. Unser gesamtes Menschenleben ist eine Aus- und Einatmung dieses großen Wesens, dem das platonische Jahr zugeteilt ist. Sie sehen: Wir haben einen Weinen Atem in einer achtzehntel Minute, der unser Leben regelt; wir stehen im Leben der Erde drinnen, deren Atemzug Tag und Nacht umfaßt: das entspricht unserem Hinaus- und Hereingehen des Ich und Astralleibes in den physischen und Ätherleib; und wir sind selber hereingeatmet von dem großen Wesen, dem der Sonnenumlauf entspricht als sein Leben, und unser Leben ist ein Atemzug dieses großen Wesens. Nun sehen Sie, wie wir im Makrokosmos drinnenstehen, wirklich drinnenstehen als ein Mikrokosmos, derselben Gesetzmäßigkeit in bezug auf die universellen Wesen unterliegend, wie der Atemzug in uns unserem menschlichen Wesen unterliegt. Da regiert Zahl und Maß. Aber was das Großartige, Bedeutungsvolle und uns tief zu Herzen Gehende ist: Zahl und Maß regiert in gleicher Art den großen Kosmos, den Makrokosmos und den Mikrokosmos. Es ist nicht eine bloße Redensart, es ist nicht bloß etwas mystisch Erfühltes, sondern etwas, was uns gerade die weisheitsvolle Betrachtung der Welt lehrt, daß wir als Mikrokosmos in dem Makrokosmos drinnenstehen." (Lit.: GA 175, S 44ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha, GA 175 (1982), Zweiter Vortrag, Berlin, 13. Februar 1917
  2. siehe auch: Rudolf Steiner: Entsprechungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos. Der Mensch - eine Hieroglyphe des Weltenalls, GA 201 (1987), Vierter Vortrag, Dornach, 16. April 1920 (hier wird insbesondere auch auf die Nutationsperiode und den damit verbundenen Mondenrhythmus und seine Beziehung zum menschlichen Seelenleben eingegangen)
  3. Die wesentliche Grundlage für ein Verständnis der Beziehung des Menschenwesens zu den astronomischen Verhältnissen findet sich in: Rudolf Steiner: Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie. Dritter naturwissenschaftlicher Kurs, GA 323 (1983)
  4. Gisela Gorrissen: Astrosophie des Tierkreises und der Planeten. Der Mensch im Spannungsfeld zwischen Kosmos und Erde, Urachhaus Vlg., Stuttgart 2002, S. 18 - 21
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