Sonne

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Sonne
Die Sonne
Sonnensiegel nach Rudolf Steiner
Das Zeichen der Sonne nach Agrippa von Nettesheim[1]

Die Sonne (hebr. ‏חמה‎, Chamah, auch Zorn, abgeleitet von: ‏חַם‎, heiß; astronomisches Zeichen: ) ist heute ein Fixstern. Die okkulte Forschung Rudolf Steiners zeigt, dass das nicht immer so war und dass sie sich künftig zu einem noch höheren Dasein weiterentwicklen wird. Erst nach einer Reihe von Verkörperungen bzw. Weltentwicklungsstufen, die zugleich Bewusstseinsstufen darstellen, ist die Sonne vom Planeten, der sog. alten Sonne, zum Fixstern-Dasein aufgestiegen und sie wird später einmal soweit entwickelt sein, dass aus ihr ein neues Tierkreis-System entsteht. Die alte Sonne unterschied sich von der heutigen vor allem dadurch, dass erstere im rhythmischen Wechsel aufleuchtete und sich wieder verfinsterte und damit eine Art Lichatmung hatte, während die heutige Sonne immer leuchtet.

Am Tageshimmel erschein die Sonne dem menschlichen Blick als Sonnenscheibe und hinterlässt, anders als der annähernd gleich groß erscheinende Mond, keinen plastisch-räumlichen Eindruck.

Die Sonne als Sitz erhabener geistiger Wesen

Die Sonne ist der Sitz der erhabenen geistigen Wesen der 2. Hierarchie, also der Kyriotetes, Dynameis und Exusiai (Elohim). Damit diese hier einen geeigneten Wohnplatz finden konnten, mussten zuerst die dichtesten Elemente ausgeschieden werden. Von dem ursprünglich gemeinsamen Himmelskörper trennten sich darum die dichte Erde und die anderen Planeten ab. Die Sonne besteht seit dem aus dem Luftelement, der Wärme, dem Lichtäther, dem Klangäther und dem Lebensäther. Von hier durchströmen die belebenden Kräfte unser Sonnensystem und tatsächlich zeigt sich die Sonne dem okkulten Blick gleichsam als Ätherleib, als Lebensleib unseres ganzen Planetensystems.

„Die zweite Hierarchie, sie steht hinter alledem, was sonnenbeschienen ist. Und was ist denn nicht sonnenbeschienen und sonnenerhalten im Umkreise desjenigen, was wir durch unsere Sinne darleben? Alles ist sonnenbeschienen und sonnenerhalten.

Diese Wesenheiten der zweiten Hierarchie haben vorzugsweise in der Sonne ihren Wohnsitz. Von der Sonne aus beherrschen sie die sichtbare Welt, die ihre Offenbarung ist. So daß wir sagen können: Haben wir hier die Erde, haben wir auf die Erde herabschauend irgendwo die Sonne, so haben wir hinter dem Sonnenwirken, in dem Sonnen wirken, durch das Sonnenwirken das Wirken der zweiten Hierarchie, der Exusiai, Kyriotetes, Dynamis.

Zeichnung aus GA 236, S. 276

Auf den Strahlungen, die die Taten der zweiten Hierarchie sind, werden alle sinnlichen Eindrücke getragen, die auf den Menschen ausgeübt werden können, alle die Eindrücke, die wahrend des Tages im Wachen an unsere Sinne herankommen. So daß wir in einem gewissen Sinne richtig sprechen, wenn wir sagen: In und durch und hinter dem Wirken des Sonnenhaften im Umkreise unseres physisch-sinnlichen Daseins steht die übersinnliche Welt der zweiten Hierarchie.“ (Lit.:GA 236, S. 275f)

Die Sonnensphäre ist das Herrschaftsgebiet der Elohim, der Geister der Form. Von der Sonne aus strahlen sechs der Elohim, der Schöpfergötter, von denen in der Genesis gesprochen wird, Licht und Liebe der Erde zu. Jahve, der siebente der Elohim, sendet mit dem vom Mond reflektierten Sonnenlicht seine Weisheit zur Erde, nachdem sich später auch noch der Mond von der Erde abgelöst hatte.

Der führende Erzengel der Sonnensphäre ist Michael.

„Nun, Sonne ist für denjenigen, der wirklich erkennt, nicht der physische Gasball, als den ihn die heutige Physik beschreibt, sondern eine Summe von geistigen Wesen. Und die hauptsächlichsten geistigen Wesenheiten, die von der Sonne aus sozusagen das Geistige, das Spirituelle ausstrahlen, wie physisch das Sonnenlicht oder ätherisch das Sonnenlicht strahlt, die gruppieren sich alle um ein gewisses Wesen, das wir nach einer alten christlich-heidnischen, christlich-jüdischen Benennung könnten wir auch sagen, als das Michael-Wesen bezeichnen können. Michael wirkt aus der Sonne. Und das, was geistig die Sonne der Welt zu geben hat, kann man auch dasjenige nennen, was Michael mit den Seinigen der Welt zu geben hat.“ (Lit.:GA 243, S. 138f)

Christus als führender Sonnengeist

Der höchste führende Sonnengeist aber war der Christus selbst. Er war schon der oberste Führer der alten Sonnenentwicklung und auch während der eigentlichen Erdenentwicklung war zunächst die Sonne seine Heimat und hier wirkte er als schöpferischer Geist, als schaffendes Weltenwort, durch die Gemeinschaft der sieben Elohim.

"Das, was man da an materialistischen Kosmologien heute entwickelt, das ist ja pure Phantasterei. So hat man sich nicht vorgestellt in älteren Zeiten: die Sonne - ein Gasball, der da draußen schwimmt, sondern die Sonne war ein Geistwesen. Das ist sie auch für den wirklichen Weltanschauer heute noch: ein Geistwesen, das sich nur äußerlich in der Weise repräsentiert, wie das Auge eben die Sonne wahrnehmen kann. Und dieses zentrale Geistwesen empfand die ältere Menschheit als eins mit dem Christus. Die ältere Menschheit wies auf die Sonne, wenn sie von dem Christus sprach." (Lit.: GA 207, S. 183)

Um die Folgen des Sündenfalls auszugleichen, stieg der Christus aber zum Heil der Menschen im Laufe eines langen kosmischen Entwicklungsprozesses, in dem er die Vorstufen zum Mysterium von Golgatha durchlebte, auf die Erde herab und verband sich mit dieser durch das Mysterium von Golgatha, damit auch sie einst Sonne werde und so zu einer höheren Daseinsform aufsteige.

"Diese wirkliche Sonne besteht aus geistigen Wesenheiten, die sich der physischen Sonne bedienen, wie die Menschen sich der Erde bedienen. Die inneren Geheimnisse dieses Sonnendaseins zu schauen und zu offenbaren, das war die Aufgabe des großen Sonnenorakels. Für dieses war das Sonnenlicht nicht einfach etwas Physisches, sondern jeder Sonnenstrahl ist die Tat der geistigen Wesenheiten, welche auf der Sonne ihren Schauplatz haben. Diese großen Wesenheiten waren zur Zeit der alten Atlantis noch ausschließlich auf der Sonne. Später änderte sich dies, indem die große Wesenheit, welche später Christus genannt wurde, sich mit der Erde vereinte. Man kann daher das Sonnenorakel auch das Christus-Orakel nennen. Die Vereinigung der Christus-Wesenheit mit der Erde geschah, als auf Golgatha das Blut des Christus Jesus floß. Da vereinte sich sein Wesen mit der Atmosphäre der Erde, wie dies heute noch im hellseherischen Rückblick wahrgenommen werden kann. So kam die Christus-Wesenheit von der Sonne auf die Erde. Als bei Damaskus das Licht der geistigen Erleuchtung auf den Saulus-Paulus fiel, da sah Paulus den mit der Erde vereinten Christus und wußte zugleich, daß er es war, der auf Golgatha sein Blut vergossen hatte." (Lit.: GA 109, S. 12)

"Christus «starb von der Sonne», er starb kosmisch von der Sonne zur Erde herab, er kam zur Erde herunter. Von dem Momente von Golgatha ab war auf der Erde zu schauen dasjenige, was sein Lebensgeist war. Wir lassen den Lebensäther, den Ätherleib, den Lebensleib zurück nach dem Tode; nach diesem kosmischen Tode ließ der Christus den Geistesmenschen auf der Sonne zurück, und im Umkreise der Erde den Lebensgeist. So daß vom Mysterium von Golgatha ab die Erde von dem Lebensgeiste Christi wie von einem Geistigen umweht war." (Lit.: GA 240, S. 291)

Sonne und Herz

Die Sonne steht in enger Beziehung zum menschlichen Herzen.

„Das physische Herz des Menschen ist ja für den Okkultisten ein außerordentlich interessantes, ein außerordentlich bedeutungsvolles Organ; denn dieses physische Menschenherz kann nur verstanden werden, wenn man das ganze gegenseitige Verhältnis, auch das geistige Verhältnis, in dem die Sonne zur Erde steht, ins Auge faßt. Schon als die alte Sonne nach der Saturnzeit eine Art planetarischer Vorgänger der Erde war, schon da begann sozusagen sich vorzubereiten jenes Verhältnis, das heute da ist zwischen diesen beiden Himmelskörpern, zwischen der Sonne und der Erde. Und zwar muß das Verhältnis zwischen Sonne und Erde so ins Auge gefaßt werden, daß man dabei die Erde, wie sie heute ist, ganz und gar so auffaßt, wie sie gleichsam zuerst selber sich von den Sonnenwirkungen nährt, wie sie diese Sonnenwirkungen in sich aufnimmt und verarbeitet. Was die Erde in ihrer festen Grundsubstanz an Sonnenkräften in sich aufnimmt, was sie in ihrer Luft- und Wasserhülle, in den wechselnden Wärmeverhältnissen aufnimmt, was sie in dem die Erde umflutenden Licht aufnimmt, was sie selbst aufnimmt in demjenigen, was nun nicht mehr physisch irgendwie wahrnehmbar ist als Anteil der Erde an der Sphärenharmonie, was die Erde aufnimmt an Lebenskräften, die sie direkt von der Sonne empfängt, alles das steht in Verbindung mit den inneren Kräften, die auf das menschliche Herz vom Blutkreislauf aus wirken. Im Grunde genommen wirken alle diese Kräfte auf den Blutkreislauf und von diesem auf das Herz. Alles, was äußere Theorie in dieser Beziehung ist, ist grundfalsch. Diese äußere Theorie macht heute das Herz zu einer Pumpe, welche das Blut durch den Körper pumpt, so daß man im Herzen zu sehen hätte das Organ, das den Blutkreislauf reguliert. Das Umgekehrte ist wahr. Der Blutkreislauf ist das, was das Ursprüngliche ist, und das Herz gibt in seinen Bewegungen einen Widerklang dessen, was in der Blutzirkulation vor sich geht. Das Blut treibt das Herz, nicht umgekehrt das Herz das Blut. Aber dieser ganze Organismus, der da beschrieben ist und der sich in der Herztätigkeit konzentriert, der ist nichts anderes als das menschliche mikrokosmische Spiegelbild jener makrokosmischen Wirkungen, die die Erde erst von der Sonne empfängt. Was die Erde von der Sonne hat, spiegelt sich wider in dem, was das Blut mit dem Herzen zu tun hat.“ (Lit.:GA 145, S. 38f)

Sonnenlicht und Gold

"Der Fixstern wäre nicht sichtbar, wenn er nicht in sich zu den Geistern der Weisheit, die normal fortgeschritten sind, auch solche hätte, die nicht ihr Ziel erreicht haben, die auf untergeordneter Stufe stehengeblieben sind, entweder auf der Stufe der Geister der Bewegung oder der Geister der Form. Stehengebliebene Geister der Weisheit, die nicht ihr Ziel erreicht haben, die haben wir als die Träger des Lichtes in der lichtlosen Geistsubstanz der Fixsterne anzuerkennen. Und wenn wir uns nun darüber klar sind, daß uns also eigentlich von den Fixsternen, somit auch von unserer Sonne, physisch Leuchtendes nur entgegendringt, weil sich den normalen Geistern der Weisheit die zurückgebliebenen beigesellen und zu Trägern des Lichtes, zu Luzifer, zu Phosphoros werden, so werden wir uns jetzt auch klar darüber sein, daß derselbe Grund, der die Sonne sichtbar macht, der uns von dem Fixstern das Licht zusendet, auch der ist, der die ätherischen Lebensströme nach der Erde schickt und das Gold bewirkt. Deshalb war es notwendig, daß eben von dem Monde aus die anderen Kräfte entgegenwirken, welche — als Ätherströme nimmt der okkulte Blick das wahr — zum Silber führen. Wenn es nun aber wirklich Geister der Weisheit gibt, welche den Mond der Sonne entgegenstellen, um einen Ausgleich zu schaffen, so müssen wir uns sagen: Diese Geister der Weisheit auf dem Monde können nicht leuchten, denn Geister der Weisheit leuchten nicht. Wenn daher der okkulte Blick die Geister auf dem Monde sucht, so findet er sie nicht leuchtend. Aber ausschließen müssen diese Geister der Weisheit, die auf dem Monde eine Kolonie begründeten, die luziferischen Geister gerade vom Monde, sonst würde ja keine Waage gehalten werden.

Daher darf vom Mond kein Eigenlicht ausströmen, sondern nur das Licht, das als Sonnenlicht zurückgeworfen wird." (Lit.: GA 136, S. 195f)

Die dreifache Sonne

Das Sonnengeheimnis

In allen Einweihungsschulen kannte man das Sonnengeheimnis, das Geheimnis der dreifachen Sonne. Man wusste, dass hinter der äußeren Sonne noch eine seelische und eine geistige Sonne wirkt.

„Diese Sonne, von der die Physik spricht, diese Sonne ist nur ein Element in der ganzen Sonne. Dieser Sonne liegt zugrunde ein Seelisches und ein Geistiges. Und das Geistige, das dieser Sonne zugrunde liegt, sprach ja noch der griechische Weise als das allgemeine Weltgute an, als das Gute der Welt, als das einheitliche, die Welt durchwallende Gute. Das war ihm der Geist der Sonne. Ihm wäre es, diesem griechischen Weisen, als stärkster Aberglaube vorgekommen, so zu denken, wie der heutige Physiker denkt, daß da draußen im Weitenraume einfach eine glühende Kugel schwebe; sondern ihm war diese glühende, schwebende Kugel die Offenbarung des einheitlich Guten, das in der Welt zentral wirksam ist. Und mit diesem zentralen Guten, das geistiger Art ist, ist wiederum verbunden ein Seelisches: der Helios, wie es die Griechen nannten. Und erst das dritte, der physische Ausdruck des Guten und des Helios, war dann die physische Sonne. Es sah also der Mensch damals an Stelle der Sonne ein Dreifaches. Und mit diesem Dreifachen, das in der Sonne in alten Zeiten gesehen worden ist, brachten diejenigen Menschen, welche in der Zeit des Mysteriums von Golgatha dachten - ausgerüstet mit dem Wissen dieses Mysteriums von Golgatha, ausgerüstet mit dem Wissen der alten Mysterien - , mit diesem dreifachen Sonnenmysterium brachten diese Weisen das Christus-Mysterium zusammen, das Mysterium von Golgatha selber. Mit der Sonnenverehrung war verbunden für diejenigen, die etwas wußten, die Christus-Verehrung. Mit der Sonnenweisheit war wiederum für diejenigen, die etwas wußten, verbunden die Christus-Weisheit.“ (Lit.:GA 183, S. 60f)

Diese dreifache Sonne ist zugleich Lichtquelle, Lebensquelle und Liebesquelle.

„Zu allen Zeiten hat man schon innerhalb der instinktiven Erkenntnis gesprochen von einer dreifachen Sonne, von der Sonne als Lichtquelle, Lebensquelle, Liebesquelle. Diese Trinität ist durchaus in der Sonne enthalten.“ (Lit.:GA 208, S. 91)

Lichtquelle
Sonne Lebensquelle
Liebesquelle

„Diese göttliche Tätigkeit in ihrem Wirken auf den Menschen in seinem Verhältnis zur Welt, die empfand besonders die Weisheit des zweiten nachatlantischen Zeitraumes sehr stark, erlebte sie sehr stark: Gott im Lichte, Gott in der Finsternis. Gott im Lichte: das Göttliche mit luziferischer Färbung; Gott in der Finsternis: das Göttliche mit ahrimanischer Färbung. So erlebte die persische Kultur die Außenwelt. Und die Sonne war der Repräsentant dieser Außenwelt - Sonne als göttliche Lichtquelle: zweite nachatlantische Zeit.

Dagegen erlebte man mehr diejenige Sphäre, die zwischen dem Urteilen und Fühlen ist, in der dritten nachatlantischen Kultur, der ägyptisch- chaldäischen. Da hatte man nicht so das Erleben, daß man das Göttliche draußen erlebte in Licht und Finsternis; da hatte man das Erleben, daß man das Göttliche erlebte im Zusammenstoßen des Vorstellens mit dem Fühlen. So sind nämlich eigentlich die Götterwirkungen bei den Ägyptern und Chaldäern, daß der Mensch hineingoß in sein Urteil: in die Verneinung etwas von seinen Antipathien, in das Bejahen etwas von seinen Sympathien [...] Sie können es noch den ägyptischen Grab- und anderen Figuren anfühlen, daß in ihnen etwas liegt, das künstlerisch gebildet worden ist mit dem sympathisierenden Bejahen und dem antipathisierenden Verneinen. Man kann keine Sphinxe schaffen, ohne daß man hereinbringt, was sympathisierendes und antipathisierendes Ideenleben hat. Da empfand man nicht bloß Licht und Finsternis, da empfand man etwas, was etwas hat von dem Lebendigen, was man im Sympathisieren und Antipathisieren hat. Man empfand die Sonne als göttliche Lebensquelle.

Und kommen wir in die griechisch-lateinische Zeit, da war dem Menschen das unmittelbare Zusammensein mit der Außenwelt schon in hohem Grade abhandengekommen [...] Das griechische Wesen kann nur verstanden werden, wenn man sich klar darüber ist, daß der Grieche sich schon sehr stark in seine Leibhaftigkeit eingelebt hatte, noch nicht so stark wie wir, aber schon sehr stark sich eingelebt hatte. Die alten Perser hatten sich nicht sehr stark in ihre Leiblichkeit eingelebt. Sie glaubten eigentlich nicht, daß sie so richtig in ihrer Leiblichkeit innerhalb ihrer Haut lebten, namentlich wenn sie Weise waren, sondem sie glaubten, daß sie auf den Wellen des Lichtes eigentlich das ganze Universum durchwoben, durchwellten. Der Grieche war schon ganz so, daß er eigentlich in seinem Leibe drinnen mit diesem Weltenwesen schlief [...]

Das alles bewirkte, daß die Griechen die Sonne auch nicht mehr als eigentlichen Lebensquell wahrnehmen konnten, sondern daß die Griechen die Sonne wahrnahmen wie etwas, was sie innerlich durchdringt. Und sie fühlten dasjenige Element, wo die Sonne innerlich lebt im Menschen, das fühlten sie als das Element des Eros, als das Element der Liebe. Eros, das Sonnenhafte im Menschen, das war es, was in dem eigentlichen griechischen inneren Erleben war; darum: die Sonne als göttliche Liebesquelle.

Und dann trat etwa vom 4. nachchristlichen Jahrhundert ab, das ich überhaupt in seinem eigentümlichen Charakter nach den verschiedensten Seiten charakterisiert habe, das Zeitalter ein, wo die Sonne überhaupt nicht mehr anders empfunden wird denn als eine physische Nebelkugel draußen im Räume, wo die Sonne eigentlich für den Menschen verfinstert ist. Der Perser empfand die Sonne wirklich als den Reflektor des den Raum durchwogenden und durchwuchtenden Lichtes. Der Ägypter und Chaldäer empfand die Sonne als das das Universum durchwellende und durchpulsende Leben. Der Grieche empfand die Sonne als das, was dem organischen Wesen Liebe einträufelte, was den Eros durch die Wellen des Empfindens leitet. Indem es immer weiter und weiter in den Menschen hineinstieg, dieses Sonnenerleben, verschwand es in seinen Untergründen, in die Meerestiefe der Seele hinein. In den Meerestiefen der Seele tragt heute der Mensch das Sonnennähe. Er soll es nicht erreichen, weil der Hüter der Schwelle davorsteht, weil es unten ist in jenen Untergründen, von denen die alten Mysterienlehren gesagt haben, man soll es nicht aussprechen, weil gerade sündhaft ist der Mund, der es ausspricht, wie das Ohr sündhaft ist, das es hört. Und da gab es denn im 4. Jahrhundert Schulen, welche hauptsächlich lehrten für die weitere Verbreitung des Christentums: Das Sonnengeheimnis darf nicht ausgesprochen werden; es muß eine Zivilisation kommen, welche das Sonnengeheimnis nicht kennt.

Hinter alldem, was äußerlich in der Welt geschieht, stehen ja die innerlichen, ich möchte sagen, aus dem Universum heraus lehrenden Kräfte. Ein Werkzeug solcher lehrenden Kräfte war der römische Kaiser Konstantin. Unter ihm hat das Christentum diejenige Form angenommen, die die Sonne verleugnet.

Dann war noch einer da, der allerdings die Entwickelung der Zeit weniger in Betracht gezogen hat als seinen Enthusiasmus für das, was er noch von seinen Mysterienlehrern gelernt hat als den letzten Überrest der alten, instinktiven Weisheit: das war Julian Apostata. Und Julian Apostata ist aus dem Grunde von Mörderhand gefallen, weil er bestrebt war, das dreifache Sonnengeheimnis als alte Tradition zu überliefern. Die Welt wollte mit dem nicht mitgehen.“ (Lit.:GA 208, S. 167ff)

Raum, Zeit und Christus

„Indem wir zur Sonne hinaufblicken, müssen wir an dem Sonnenschein die für das Räumliche verborgene Zeit erblicken. Im Inneren der Sonne ist die Zeit. Und aus dieser im Inneren der Sonne webenden Zeit heraus ist der Christus in den Raum hineingekommen auf die Erde.“ (Lit.:GA 236, S. 245f)

„Die physische Wissenschaft spricht von einer Bewegung der Sonne. Sie kann das. Denn man kann ja innerhalb des Raumesbildes, das uns als Kosmos umgibt, an gewissen Erscheinungen sehen, daß die Sonne in Bewegung ist. Aber es ist eben nur das in den Raum hereinragende Abbild der Sonnenbewegung. Und wenn man von der wirklichen Sonne spricht, so ist es einfach ein Unsinn, zu sagen, die Sonne bewegt sich im Räume. Weil der Raum von der Sonne ausgestrahlt wird! Die Sonne strahlt nicht nur das Licht aus, die Sonne macht auch den Raum. Und die Bewegung der Sonne selber ist nur innerhalb des Raumes eine räumliche; außerhalb des Raumes ist sie eine zeitliche. Das, was da von der Sonne erscheint, daß sie dem Sternbilde des Herkules zueilt[2], das ist nur ein Abbild einer zeitlichen Entwickelung des Sonnenwesens. Ja, seinen intimen Jüngern hat der Christus gesagt: Sehet hin auf das Leben der Erde. Es ist verwandt mit dem Leben des Kosmos. Insofern ihr schaut auf die Erde und den umliegenden Kosmos, ist es der Vater, der dieses Weltenall durchlebt. Der Vatergott ist der Gott des Raumes. Ich aber habe euch zu künden, daß ich von der Sonne gekommen bin, von der Zeit, von der Zeit, die den Menschen nur aufnimmt, wenn er stirbt. Ich habe euch mich selbst gebracht aus der Zeit heraus. Nehmet ihr mich auf, sagte der Christus, so nehmet ihr die Zeit auf und verfallt nicht dem Raume. Aber da müßt ihr auch den Übergang finden von der einen Dreiheit - dem Physischen, Ätherischen, Astralischen - zu der anderen Dreiheit: dem Ätherischen, Astralischen bis zu der Geistselbstigkeit. Die Geistselbstigkeit ist ebensowenig im Irdischen zu finden, wie das Physisch-Irdische im Kosmos zu finden ist. Aber ich bringe euch von ihm die Botschaft, denn ich bin aus der Sonne.

Zeichnung aus GA 236, S. 248

Ja, die Sonne hat einen dreifachen Aspekt. Lebt man innerhalb der Sonne und sieht von der Sonne auf die Erde (siehe Zeichnung, rot), so hat man Physisches, Ätherisches, Astralisches zu sehen. Oder man schaut auf dasjenige, was in der Sonne selber ist, dann hat man fortwährend zu sehen Geistselbstigkeit. Man sieht Physisches, wenn man sich an die Erde erinnert oder hinschaut auf sie. Schaut man weg, so blickt man nach der anderen Seite auf die Geistselbstigkeit. Man pendelt hin und her zwischen dem Physischen und der Geistselbstigkeit. Stabil bleibt dazwischen nur das Ätherische und das Astralische. Sieht man aber hinaus in das Weltenall, dann verschwindet das Irdische vollständig. Ätherisches, Astralisches und Geistselbstigkeit ist da. Das wird Euer Anblick sein, wenn Ihr in die Sonnenzeit kommt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

Man stelle sich also vor, der Mensch kapsele sich ganz ein mit seiner Seelenverfassung in dem Erdenwesen: er kann das Göttliche empfinden, denn aus dem Göttlichen heraus ist er geboren. Ex deo nascimur. Stellen wir uns vor, er kapsele sich nicht bloß innerhalb der Raumeswelt ein, sondern er nehme an den Christus, der aus der Zeitenwelt in die Raumeswelt hereingekommen ist und die Zeit selber in den Raum der Erde gebracht hat. Damit überwindet er im Tode den Tod. Ex deo nascimur. In Christo morimur.

Aber der Christus bringt die Botschaft: Dann, wenn der Raum überwunden ist und man die Sonne als den Schöpfer des Raumes kennenlernt, in der Sonne sich fühlt durch den Christus, in die lebendige Sonne sich hineinversetzt fühlt, dann verschwindet das Physisch- Irdische; das Ätherische, das Astralische ist da. Das Ätherische lebt auf, jetzt nicht als Himmelsbläue, sondern als hellrötliche Erglänzung des Kosmos. Und aus diesem Hellrötlichen glänzen nicht die Sterne herunter, sondern die Sterne berühren uns mit ihren Liebewirkungen. Und der Mensch kann sich fühlen — wenn er sich in all das wirklich hineinversetzt - stehend auf der Erde, das Physische abgestreift, das Ätherische da, ihn durchstrahlend und ausstrahlend als das Lilarötliche; die Sterne nicht glänzende Punkte, sondern Liebesstrahlungen wie das menschliche Liebestreicheln.

Aber indem man dieses empfindet, das Göttliche in sich, das göttliche Weltenfeuer als das Wesen des Menschen aus ihm herausflammend, sich fühlend im ätherischen Weltenall, erlebend die Geistesäußerungen im astralischen Welten-Erstrahlen: dann bringt das hervor in dem Menschen das innere Erleben des Geist-Erstrahlenden, zu dem der Mensch berufen ist im Weltenall.

Als diejenigen, denen Christus das verkündet hatte, genügend lange sich durchdrungen hatten von diesem Gedanken, da empfanden sie die Wirkung dieses Gedankens in den feurigen Zungen des Pfingstfestes. Da empfanden sie das Sterben durch das Abfallen und Abtropfen des Physischen der Erde. Da empfanden sie aber: das ist nicht der Tod, sondern für das Physische der Erde geht die Geistselbstigkeit des Universums auf: Per spiritum sanctum reviviscimus.

So kann man hinblicken auf diese Dreigliederung der einen Jahreshälfte: Weihnachtsgedanke - Ex deo nascimur; Ostergedanke - In Christo morimur; Pfingstgedanke - Per spiritum sanctum reviviscimus.“ (S. 249ff)

Die Sonne als Hohlraum und Reflektor

„Wo Raum bloß ist, ist nichts; aber wo die Sonne ist, ist weniger als nichts. Da ist in dem Raum ein Loch, da ist gar kein Raum, und in diesem Loch im Raum, da leben in der Tat geistige Wesenheiten, leben die Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Sie leben in diesem Loch - allerdings, indem sich überallhin ihr Dasein erstreckt - als die Wesenheiten Exusiai, Dynamis, Kyriotetes, die Sie angeführt finden in meiner «Geheimwissenschaft». Und mit ihnen lebt der Mensch den größten Teil seines Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zusammen. Mit ihnen im Verein, mit denjenigen Menschenseelen ferner, die mit ihm durch die Todespforte gegangen sind und mit denen er einen karmischen Zusammenhang hat, und mit anderen Wesenheiten noch, von denen die Menschen kaum eine Ahnung haben können, wird dann in gemeinschaftlicher Arbeit das Karma ausgearbeitet für das nächste Erdenleben.

In diesem Sonnengebiete geht es anders zu als hier auf der Erde. Warum stellen sich denn unsere gescheiten Naturforscher - gescheit sind sie wirklich - die Sonne als einen glühenden Gasball vor? Weil sie aus einem gewissen illusionären materialistischen Instinkt heraus wollen, daß sie sich in der Sonne etwas vorstellen können, wo etwas Physisches vor sich geht. Es geht in der Sonne gar nichts Physisches vor sich. Das geht nur höchstens vor in der Sonnenkorona, gar nicht im Sonnenraum. Der ist reinste geistige Welt. Da drinnen gibt es keine Naturgesetze. Die Materialisten möchten, daß auch in der Sonne die Naturgesetze walten; abei da gibt es keine Naturgesetze, die sind ausgeschlossen. Da walten einzig und allein jene Gesetze, welche die entsprechenden karmischen Folgen erzeugen aus dem Guten, und welche, wenn der Mensch jetzt verstümmelt die Sonne betritt, durch die Liebe der Venuswesen ergänzend wirken auf seine Verstümmelung, die als Ergebnis seines bösen Karma da ist.“ (Lit.:GA 239, S. 142f)

Tafel 6 (GA 201)

„Das Herz - Sie können das embryologisch verfolgen - ist ja nichts weiter eigentlich als das Ergebnis der Blutzirkuiation. Versteht man dasjenige, was das Herz im menschlichen Leibe ist, dann lernt man auch verstehen, daß die Sonne nicht das ist, was Newton meint, der allgemeine Seilzieher, der da seine Seile, Gravitationskraft genannt, hinüberschickt nach den Planeten, nach Merkur, Venus, Erde, Mars und so weiter - da zieht er an den Seilen, die man nur nicht sieht, die Anziehungskräfte sind, oder er spritzt ihnen das Licht hinaus und dergleichen (Tafel 6, oben, Umkreis und Radien rot) - , sondern, so wie die Herzbewegung das Ergebnis ist des Lebendigen der Zirkulation, so ist die Sonne nichts anderes als das Ergebnis des ganzen Planetensystems. Die Sonne ist Resultat, nicht Ausgangspunkt (dieselbe Tafel, unten). Das lebendige Zusammenwirken des Sonnensystems ergibt in der Mitte eine Aushöhlung, die da spiegelt. Und das ist die Sonne. Ich habe deshalb öfters zu Ihnen gesagt, die Physiker würden höchst erstaunt sein, wenn sie in die Sonne fahren könnten und dort das ganz und gar nicht finden würden, was sie jetzt meinen, sondern bloß einen Hohlraum finden würden, noch dazu einen saugenden Hohlraum, der alles vernichtet in sich, so daß er mehr ist als ein Hohlraum. Ein Hohlraum, der tut doch wenigstens nichts anderes als aufnehmen das, was man in ihn hineingibt. Aber die Sonne ist ein solcher Hohlraum, daß wenn man etwas in ihren Raum hineinbringt, sie es dann sofort aufsaugt und verschwinden läßt. Da ist nicht nur nichts, da ist weniger als nichts. Und dasjenige, was uns zuscheint im Lichte, das ist Rückstrahlung desjenigen, was erst aus dem Weltenraum hinkommt - so wie die Bewegung des Herzens nichts anderes ist als dasjenige, was aus der Lebendigkeit von Durst und Hunger und so weiter, in der Zusammenwirkung der Organe, in der Blutbewegung im Herzen sich staut.“ (Lit.:GA 201, S. 50f)

„Es ist wahr, die Menschen mußten durchgehen, um zur Freiheit zu kommen, durch den Glauben, daß da draußen ein Gasball durch die Welt wandle, während die Physiker sehr erstaunt sein würden, wenn sie dorthin wandern könnten und gar keinen Gasball, sondern im Gegenteil einen Hohlraum, ja weniger als einen Raum finden würden, und entdecken würden, was die Sonne ist: daß die Sonne nicht da draußen ein leuchtender Gasball ist, der Licht ausstrahlt - Unsinn ist das! -, sondern daß das zunächst ein bloßer Reflektor ist, der nicht

Zeichnung aus GA 208, S. 171

Licht ausstrahlen kann, höchstens zurückwerfen kann. Dann aber haben wir in Wirklichkeit geistig Licht ausstrahlend Saturn, Jupiter, Mars, Merkur, Venus, Mond. Und während es physisch so erscheint, als ob die Sonne denen allen Licht gäbe, strahlen die eigentlich alle gegen die Sonne das Licht, und die Sonne ist der Reflektor. So ist es physisch. So haben es aus instinktivem Erkennen die Alten, die Urperser noch erkannt und haben in diesem Sinne die Sonne als die irdische Lichtquelle anerkannt, aber eigentlich nicht als die Lichtquelle, sondern als den Lichtreflektor. Dann wurde sie der zurückstrahlende Lebensreflektor und der zurückstrahlende Liebesreflektor.

Diese Anschauung wollte Julian Apostata geltend machen, und er ist aus dem Wege geräumt worden. Die Menschen mußten eben durchgehen, um zur Freiheit zu kommen, durch den Aberglauben von dem im Raum vorhandenen Gasball, der Licht ausstrahlt, welchen Aberglauben wir ja heute in allen Physikbüchern als eine absolute Wahrheit hingestellt finden. Wir müssen wiederum durchdringen zu dem, was wahr ist in dieser Sache.“ (Lit.:GA 208, S. 171f)

„Und wenn wir anfragen, wie diejenigen, die nun in totaler Anschauung, das heißt, in physischer, seelischer und geistiger Anschauung das Weltenall erkennen konnten, sich vorstellten die Sonne, so können wir etwa folgendes sagen: Sie stellten sich die Sonne zunächst als Geistwesen vor (Zeichnung I). Dieses Geistwesen, das dachten sich die Initiierten als den Quell alles Moralischen. Dasjenige also, wovon ich in meiner «Philosophie der Freiheit» sagte, daß die moralischen Intuitionen aus diesem Quell herausgenommen werden, sie werden innerhalb der Erde herausgenommen; von den Menschen erglänzen sie, von dem, was in den Menschen als moralische Begeisterung leben kann (II).

Denken Sie einmal, wie unsere Verantwortlichkeit erhöht wird, wenn wir wissen: Wäre niemand auf der Erde, der für wahrhafte, echte

Zeichnung aus GA 202, S. 196 (Tafel 17)

Moral oder überhaupt geistige Ideale erglühen kann in seiner Seele, so würden wir nicht beitragen zu einem Fortgange unserer Welt, zu einer Neuschöpfung, sondern zu einem Absterben unserer Welt. Diese Leuchtekraft (Zeichnung III), die hier auf der Erde ist, wirkt ins

Zeichnung aus GA 202, S. 196 (Tafel 17)

Weltenall hinaus. Das ist allerdings eben für das gewöhnliche menschliche Wahrnehmen zunächst unwahrnehmbar, wie da hinausstrahlt von der Erde, was in dem Menschen Moralisches lebt. Ja, wenn über die ganze Erde heraufziehen würde ein trauriges Zeitalter, in dem Millionen und aber Millionen von Menschen nur in Ungeistigkeit vergehen würden - das Geistige zu gleicher Zeit hier einschließlich des Moralischen gedacht, denn so ist es ja auch - , dann würde, wenn nur ein Dutzend Menschen mit heller moralisch-geistiger Begeisterung da wären, doch die Erde erstrahlen geistig-sonnenhaft. Dasjenige, was da ausstrahlt, das strahlt nur bis zu einer gewissen Entfernung. In dieser Entfernung spiegelt es sich gewissermaßen in sich selbst, und es entsteht hier die Spiegelung desjenigen, was von dem Menschen ausstrahlt. Und diese Spiegelung, die sahen die Initiierten aller Zeiten als die Sonne an. Denn da ist nichts Physisches, ich habe es oft gesagt. Wo die äußere Astronomie davon redet, daß ein glühender Gasball ist, da ist nur die Widerspiegelung eines Geistigen, das physisch erscheint (IV).“ (Lit.:GA 202, S. 195ff)

Das Sonnengeheimnis und das Palladium

„Dieses Sonnengeheimnis, es wurde empfunden als das größte geistige Kleinod der Menschheit. Und es wurde symbolisiert durch dasjenige, was man das Palladium nannte. In Troja soll es einst gewesen sein, und die Mysterienpriester in Troja drüben sollen in diesem Palladium dasjenige gesehen haben, an dem sie gewissermaßen sakramental kulturell, kultusartig den Leuten enthüllt haben, was das Sonnenwesen ist. Dann wurde es nach Rom gebracht, und es war ein Geheimnis der in Rom Eingeweihten, daß Rom das Palladium bewahrt. Rom bewahrte das Palladium. Und im Grunde genommen haben die eingeweihten Priester der Römer und noch die ersten Kaiser der Römer, namentlich noch Augustus, durchaus aus dem Bewußtsein heraus gearbeitet in der Welt, gewirkt in der Welt, daß in Rom das größte Kleinod der Welt repräsentiert ist, wenigstens äußerlich-symbolisch, indem in dem geschätztesten römischen Tempel unter der Grundmauer das Palladium war, das nur diejenigen kannten, die von den größten Geheimnissen des römischen Daseins wußten. Aber auf geistige Art war es denen bekanntgeworden, die das Christentum der Welt zu bringen hatten. Und aus der Erkenntnis, daß Rom den Palladiumschatz bewahrt, ging der Zug der ersten Christen nach Rom. Es war durchaus etwas Spirituelles darinnen.

Aber als unter Konstantin das Christentum verweltlicht ist, wurde von Rom das Palladium weggenommen. Konstantin gründete Konstantinopel, und unter derjenigen Säule, die er dort sich selber errichten ließ, ließ er in den Boden hineinsenken das Palladium. Und das römische Christentum hat sich ferner so entwickelt, daß ihm das Wissen vom Sonnengeheimnis gerade durch denjenigen Kaiser weggenommen worden war, welcher das Christentum äußerlich in seinen Formen, in seinem starren Mechanismus in Rom festgelegt hatte. In der äußerlichen, weltlichen Befestigung des Christentums durch Konstantin ist dem Christentum die Weisheit von der Welt verlorengegangen, was auch äußerlich zum Ausdrucke kommt in dem Überführen des Palladiums nach Konstantinopel.

Namentlich in gewissen Teilen der slawischen Welt - die Leute deuten sich das ja alles in ihrem Sinne - herrscht, herrschte bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts herein der Glaube, daß das Palladium von Konstantinopel in nicht zu ferner Zukunft nach einer anderen, und wie man glaubte in der slawischen Welt, nach einer slawischen Stadt verbracht werden wird.

Jedenfalls wartet das Palladium darauf - nehmen Sie jetzt den Vorgang symbolisch äußerlich, aber das Wichtigere ist das Innere dabei -, daß aus dem schon auf dieses Palladium verfinsternd wirkenden Konstantinopel hervorgeht diejenige Lokalität, oder daß das Palladium wandert nach derjenigen Lokalität, die durch sich dieses Palladium völlig verfinstern würde. Ja, das Palladium wird nach dem Osten gebracht, wo die Dekadenz der alten Weisheit lebt, aber eben der Verfinsterung entgegenlebt. Und alles hängt in der weiteren Weltenentwickelung davon ab, daß ebenso, wie die Sonne ein Reflektor ist von dem Lichte, das ihr aus dem Universum gegeben wird, das Palladiumkleinod beleuchtet werde von einer Weisheit, die aus dem Schatze der Erkenntnis des Westens gefunden wird. Das Palladium, das alte Erbstück, das aus Troja nach Rom, von Rom nach Konstantinopel gebracht worden ist, das noch weiter in die Finsternis des Ostens gebracht werden soll, das Palladium, das Sonnenkleinod, es muß warten, bis man es geistig im Westen aus dem dunklen, finsteren Schatze der bloßen Naturerkenntnis heraus erlöst. So hängt mit den heiligsten Traditionen eigentlich der europäischen Entwickelung zusammen, was als Aufgabe für die Zukunft dasteht [...]

Die Sonne ist verschwunden in die Untergründe der Menschheit. Wir müssen durch geisteswissenschaftliche Entwickelung die Sonne wieder finden. Die Menschheit muß diese Sonne wieder finden, sonst verschwindet das Palladium in der Finsternis des Ostens. Heute ist es Sünde, wenn so etwas, was unrichtig ist, ausgesprochen wird, Sünde ist es, das Wort auszusprechen: Ex Oriente lux. - Nicht mehr kann das Licht aus dem Osten kommen. Der Osten ist in der Dekadenz. Aber er wartet - denn er wird das Kleinod, das Sonnenkleinod, wenn auch in der Finsternis, haben - , er wartet auf das Licht des Westens. Heute wandern die Menschen noch tief in der Finsternis, arrangieren Zusammenkünfte in der Finsternis, schauen hin - nach Washington. Aber erst diejenigen Washingtons werden Heil bringen, die aus dem Tone der geistigen Welt heraus so sprechen, daß sie nicht bloß die freien Wirtschaftstore für China, nicht bloß die Finsternis suchen, die das Palladium umgibt. Erst diejenigen Konferenzen werden Heil bringen, die im Westen so gehalten werden, daß man von dort will Licht hintragen, damit das Palladium wieder aufglänze. Denn wie ein fluoreszierender Körper ist das Palladium finster an sich; wird es von Licht durchströmt, dann leuchtet es auf. So wird es mit der Weisheit des Ostens sein: finster an sich, aufleuchten wird sie, fluoreszieren wird sie, wenn sie von der Weisheit des Westens, von dem geistigen Lichte des Westens durchdrungen wird.“ (Lit.:GA 208, S. 172ff)

Sonne und Mond

„Die Seele hängt mit der ganzen Weltentwickelung zusammen, und wenn wir in unserem Leibe sind, dann ist es die Sonne, die uns alles Äußerliche sichtbar macht, auch hörbar macht und so weiter, die uns aber hindert, in die geistige Welt hineinzuschauen. Wir kommen gewissermaßen, wenn wir zur geistigen Welt aufsteigen, auf die andere Seite der Sonne. Wir sind hier diesseits des Sonnenwesens; wir kommen auf die andere Seite der Sonne, wenn wir zur geistigen Welt vorschreiten. Und bei dem Übergang von der einen Seite des Sonnenlebens zu der anderen Seite des Sonnenlebens haben wir das Bewußtsein, von dem ich eben gesprochen habe, daß wir uns wie in der Sonne, mit der Sonne fühlen, mit der Sonne die Weltenwege machen und so weiter. So daß wir unser Seelisches gar nicht kennenlernen können, ohne daß wir dieses Seelische in innigem Zusammenhange betrachten mit der ganzen Weltentwickelung, mit dem ganzen Weltenwesen.

Was uns, ich möchte sagen, einsam an einen bestimmten Ort der Erde stellt, das ist unser physischer Leib, der auf das äußere Sonnenhafte eingestellt ist und der uns hindert, unser Seelisches zu verbinden mit dem All, der uns isoliert. Das Isolierende ist ja unser Organismus. So lebt denn der Mensch eigentlich im Sonnenhaften. Und Sie wissen, in dieses Sonnenhafte mischt sich - wollen wir jetzt rein den äußeren Tatbestand betrachten - das Mondenhafte herein, äußerlich so: die Sonne bescheint den Mond. In mondhellen Nächten wirft der Mond das Sonnenlicht zurück. Wir haben das Sonnenlicht vom Monde. Das heißt, wir haben eine Art von Abschattung, oder Abheilung könnte man sagen, der Welt in alledem, was nun unter dem Einfluß des Mondenhaften in die Welt kommt.

Nun kommt in die Welt herein nicht nur das silberglänzende Mondenlicht, das uns bei scheinendem Monde die Gegenstände so im Nebelhaften bespiegelt, wie uns sonst klar und hell und begrenzt in Konturen das Sonnenlicht bei Tag die Gegenstände spiegelt. Nicht nur dieser Abglanz des Sonnenlichtes von den Gegenständen kommt uns zu, sondern in den Wesen der Erde lebt das Mondenhafte auch dadurch, daß diese Wesen der Erde fortpflanzungsfähig sind. In allem Fortpflanzungsfähigen, was dann mit den Vererbungskräften verbunden ist, lebt das Mondenhafte.

Wenn der Mensch nur unter dem Einfluß des Sonnenhaften wäre, so würde er ja schon Mensch sein können auf der Erde, aber er würde nicht einen anderen Menschen hervorbringen können. Wenn bloß das Sonnenlicht immer vorhanden wäre, so würde die Erde gewissermaßen einen Dauerzustand darstellen. Es würde kein Wesen vergehen und kein neues entstehen. Alles Vererbbare, alles Fortpflanzungsmäßige wäre nicht da. So daß man sagen kann: Das Sonnenhafte ist auf der Erde das zunächst physisch Urkräftige. Es vertreibt unser Seelisches an der Kopfseite des Menschen; es macht da alles zum Bilde auf der Kopfseite. Real werden wir im gewöhnlichen Seelenleben erst durch unsere Triebe, durch unsere Emotionen; im höheren Seelenleben, wenn wir durch das Herz den Geist durchschauen, aber auch wenn wir außerhalb des Sonnenhaften kommen.

Also das Sonnenhafte ist das in der Sinneswelt Urkräftige, möchte man sagen. Damit es nicht ganz allein mächtig ist, damit dieses Sonnenhafte nicht dauernd werde, damit nicht alle Pflanzen dauernd werden, sondern absterben und neue hervorbringen, nicht alle Tiere dauernd werden, sondern absterben und vorher neue hervorgebracht haben, ebenso beim Menschen, ist beigemischt in der Entwickelung der Welt dem Sonnenhaften das Mondenhafte. Und so ist auch dem Menschen das Mondenhafte eingegliedert.“ (Lit.:GA 212, S. 79ff)

„Im Monde sind vorzugsweise konzentriert menschliche Willenskräfte, besser gesagt Kräfte, welche verwandt sind den menschlichen Willenskräften, Kräfte, welche verwandt sind alledem, was aus dem Untersinnlichen auf den Menschen wirkt. Also vom Monde strahlen aus diejenigen Kräfte, die mit dem Untersinnlichen des Menschenwesens verwandt sind. Der Physiker erzählt einem sehr schön, daß der Mond eine Art Schlacke sei, daß die Sonne irgend etwas wie ein glühender, brennender Weltenkörper sei, der eine Korona hat, der Strahlungen seines Feuers hinaussendet in die Welt; so daß ungefähr der Mensch die Vorstellung hat, wenn er da so wandern könnte langsam oder schnell und an die Sonne herankäme, so würde er in einen Glutkörper hineinkommen. Ich habe Ihnen schon öfter gesagt, das ist nicht der Fall; sondern die Wahrheit ist, daß dort, wo die Sonne ist, ein Hohlraum ist, ein Nichts ist, und daß nur von der Oberfläche der Sonne aus das Licht strahlt. In Wahrheit ist dort nichts, wo man vermutet, daß etwas Physisches ist; denn das Sonnenwesen ist durchaus übersinnlich, wie das Mondenwesen untersinnlich ist.“ (Lit.:GA 191, S. 51)

„Aus den Kräften der Erde hat der Mensch nur dasjenige, was ihm das Selbstbewußtsein verleiht. Auch die physische Leibesgrundlage dieses Selbstbewußtseins stammt aus dem, was die Erde bewirkt. Alles übrige im Menschenwesen ist außerirdischen-kosmischen Ursprungs. Der empfindende und gedankentragende Astralleib und seine ätherisch-physische Grundlage, alle Lebensregsamkeit im Ätherleib, ja sogar, was im physischen Leib physisch-chemisch wirkt, ist außerirdischen Ursprungs. So befremdend dies auch sein mag: das innerhalb des Menschen wirksame Physisch-Chemische stammt nicht aus der Erde.

Daß der Mensch dieses außerirdische Kosmische in sich entwickelt, ist Wirkung der Planeten und sonstiger Sterne. Was er so entwickelt, das trägt die Sonne mit ihren Kräften zur Erde. Das Menschlich-Kosmische wird durch die Sonne in den Bereich des Irdischen versetzt. Durch sie lebt der Mensch als Himmelswesen auf der Erde. Nur dasjenige, wodurch er über seine Menschenbildung hinausgeht, die Fähigkeit seinesgleichen hervorzubringen, ist eine Gabe des Mondes.

Selbstverständlich sind dies nicht die einzigen Wirkungen von Sonne und Mond. Von ihnen gehen auch hochgeistige Wirkungen aus.“ (Lit.:GA 26, S. 180f)

Ich (Sonne) und Astralleib (Mond)

„Das Sonnenlicht ist nicht nur physisch, es ist auch seelisch-geistig; als letzteres löste es sich los vom Kosmischen und wurde Ich. Ein Extrakt des Mondenlichtes ist der menschliche astralische Leib. Es ist alles sehr weise eingerichtet. Wenn das Menschen-Ich noch immer an die Sonne gebunden wäre, könnten die Menschen auch nur so wie die Pflanzen zwischen Schlafen und Wachen wechseln. Dem Einfluß der Sonne nach würden wir niemals schlafen können bei Tag, würden immer schlafen müssen bei Nacht; aber das ganze Kulturleben beruht auf dieser Emanzipation. Wir tragen unsere eigene Sonne in uns: das Ich ist ein Extrakt der Sonnenwirkung; das, was im Menschen als astralischer Leib lebt, ist ein Extrakt der Mondenwirkung. So sind wir im Schlaf in der geistigen Welt nicht angewiesen auf die kosmische Sonnenwirkung; unser Ich verrichtet, was sonst die Sonne tut; wir werden beschienen von unserem eigenen Ich und Astralleib.“ (Lit.:GA 140, S. 153)

Sonne, Mond und Schicksal

„Ebenso wie der Mond auf unsere Vergangenheit weist, so weist uns die Sonne auf die Zukunft. Und wir blicken hinauf zu den beiden Gestirnen, zu dem des Tages, zu dem der Nacht, und blicken oben auf die Verwandtschaft dieser beiden Gestirne, denn sie senden uns beide dasselbe Licht. Und wir blicken in uns, blicken auf all dasjenige, was in unser Schicksal einverwoben ist durch das, was wir in der Vergangenheit durchgemacht haben als Menschen und erblikken in diesem in unser Schicksal als Vergangenes Einverwobenes unser inneres Mondendasein. Und wir erblicken in dem, was immerzu als Schicksal bestimmend herantritt in der Gegenwart, das Sonnenhafte, nicht nur dasjenige, was in der Gegenwart wirkt, sondern was in die Zukunft hineinwirkt. Und wir sehen, wie sich Vergangenes und Zukünftiges im Menschenschicksal ineinanderwebt.

Und wir können im Menschenleben dieses näher betrachten, wie also Vergangenes und Zukünftiges zusammenhängt. Nehmen wir an, zwei Menschen finden sich zu irgendeiner Lebensgemeinschaft in einem gewissen Lebensalter. Wer nicht nachdenkt über so etwas, wer nicht nachsinnt, nun, der sagt: Da war ich, da war der andere, da war der Ort, zum Beispiel Müllheim, und in Müllheim haben wir uns gefunden. - Er denkt nicht weiter darüber nach.

Derjenige der tiefer nachdenkt, verfolgt das Leben des einen, der vielleicht dreißig Jahre alt geworden ist, das des anderen, der vielleicht fünfundzwanzig Jahre alt geworden ist, als sie sich gefunden TafeU haben. Er wird sehen können, wie merkwürdig, wie wunderbar das Leben dieser beiden Menschen von ihrer Geburt auf Erden an, Schritt für Schritt sich so entwickelt hat, daß sie zuletzt an diesem Ort sich zusammengefunden haben. Man kann schon sagen: Von den entferntesten Orten finden sich die Leute dann irgendwo einmal in der Mitte des Lebens zusammen. Und es ist so, als ob sie alle ihre Wege so angeordnet hätten, daß sie sich zusammenfinden.

Aber das alles können sie ja nicht mit Bewußtsein voneinander gemacht haben, denn sie hatten sich noch gar nicht gesehen, oder wenigstens nicht so beurteilt, daß sie in einer solchen Weise sich finden. Das alles verläuft im Unbewußten. Wir machen die Wege zu wichtigen Lebensabschnitten, zu wichtigen Lebenspunkten im tiefsten Unbewußten. Und aus diesem Unbewußten heraus wird das Schicksal zunächst gewoben.

Wenn wir dann solch einen Menschen hören wie Goethes Freund Knebel, der im höchsten Alter gesagt hat: Schaue ich zurück in mein Leben, so kommt es mir vor, als ob jeder Schritt derart angeordnet gewesen wäre, daß ich an einem bestimmten Punkte zuletzt ankommen mußte -, so fangen wir an, solche lebenserfahrenen Leute zu verstehen. Dann aber tritt der Moment ein, wo dasjenige, was nun zwischen diesen Menschen sich abspielt, in vollem Bewußtsein sich abspielt. Sie lernen sich kennen, sie lernen ihre Eigenschaften, Temperamente, Charaktere kennen, sie finden Sympathien oder Antipathien miteinander und so weiter.

Prüfen wir nun, wie das mit dem Weltenall zusammenhängt, so finden wir: Dasjenige, was Mondenkräfte sind, war wirksam in den Wegen, die die Menschen genommen haben bis zu dem Momente, wo sie sich gefunden haben. Dann beginnt die Sonnenwirkung. Da treten sie gewissermaßen in das helle Licht der Sonnenwirkung ein. Da sind sie mit ihrem eigenen Bewußtsein immer dabei und da beginnt Zukunft die Vergangenheit zu beleuchten, wie draußen im Weltenall die Sonne den Mond beleuchtet. Und indem die Zukunft die Vergangenheit beleuchtet, erhellt wiederum die Vergangenheit die Zukunft des Menschen, wie der Mond die Erde mit zurückgeworfenem Lichte beleuchtet.“ (Lit.:GA 234, S. 50ff)

Leben, Tod und Bewusstsein

„Nun gäbe es im Erdenwerden keine Geburten, durch alle Reiche der Natur hindurch gäbe es keine Geburten im Erdenwerden, wenn nicht die Gesetzmäßigkeit des alten Mondes waltete beziehungsweise seines Nachzüglers, welcher der Trabant unserer Erde ist. Alles Geborenwerden durch die Reiche der Natur und des Menschen hindurch hängt mit der Wirksamkeit des Mondes zusammen. Damit hängt auch zusammen, daß die Eingeweihten der alten Hebräer den Jahve als eine Mondgottheit betrachteten, Jahve als den Hervorbringenden, den die Hervorbringungen ordnenden Gott, als eine Mondgottheit ansahen. Dies sah man klar ein, daß kosmologisch allem Geborenwerden durch die Reiche hindurch zugrunde liegen die Mondengesetze. Und so konnte man auch gewissermaßen symbolisch ein tiefes Geheimnis der Kosmologie aussprechen, indem man sagte: Indem das Mondenlicht auf die Erde fällt, rührt von alldem, was durch dieses Mondenlicht dargestellt wird, alles sprießende, sprossende, alles geborenwerdende Leben her. - Man hat sich in den höchsten Mysterien in vorchristlichen Zeiten nicht gewendet an das Sonnenleben, man hat sich gewendet an das vom Monde reflektierte Sonnenleben, indem man von dem Geheimnis der Geburten gesprochen hat. Die eigentümliche Nuance, die über die vorchristlichen Weltanschauungen in ihren Tiefen ausgegossen ist, sie rührt schon einmal davon her, daß man in den alten Mysterien das Mondengeheimnis kannte.

Nur wie etwas ganz Verhülltes, wie etwas, das für die Menschen, die nicht gut vorbereitet sind, wenig erträglich ist, hat man das Sonnengeheimnis betrachtet, weil man wußte, daß es eine Täuschung, eine Maja ist, wenn man meint, durch den Strahl der Sonne, der auf die Erde fällt, werden hervorgelockt die sprießenden, sprossenden Wesen der verschiedenen Reiche. Man wußte, von dem Sonnenleben hängt nicht das Geborenwerden ab, sondern umgekehrt, das Versengtwerden, das Abnehmen des Lebens, das Hinsterben des Lebens. Das war das Mysteriengeheimnis, daß der Mond geboren werden läßt die Wesen und die Sonne sie sterben läßt. Wie hoch man also sonst auch aus andern Gründen das Sonnenleben verehrte in den alten vorchristlichen Mysterien, man verehrte das Sonnenleben als den Grund des Todes. Daß die Wesen sterben müssen, das ist nicht zuzuschreiben jener Sonne, die wir kennen aus der «Geheimwissenschaft» als die zweite Verkörperung der Erde, ist aber wohl zuzuschreiben der gegenwärtigen, uns so herrlich am Horizonte erscheinenden Sonne.

Nun ja, der Untergang des Lebens, das Gegenteil der Geburten, hängt mit dem Sonnenleben zusammen. Dafür aber auch etwas anderes, etwas, was noch nicht so wichtig war in der vorchristlichen Zeit, was aber in der nachchristlichen Zeit ganz besonders wichtig geworden ist: Alles bewußte Leben hängt mit dem Sonnenleben zusammen. Und dasjenige bewußte Leben, durch das der Mensch gerade im Verlaufe seines Erdenwerdens geht, jenes Bewußtsein, das insbesondere aufleuchtet im fünften nachatlantischen Zeitraum, dem wir selbst angehören, das hängt ganz intensiv mit dem Sonnenleben zusammen. Wir müssen nur dieses Sonnenleben so geistig betrachten, wie wir das in den verflossenen Vorträgen dieses Sommers schon getan haben. Ist die Sonne zwar der Schöpfer des Todes, des versengenden Lebens im Kosmos und auch für den Menschen, so ist doch die Sonne zu gleicher Zeit die Schöpferin des bewußten Lebens. Dieses bewußte Leben war in den vorchristlichen Zeiten nicht so wichtig, weil es ersetzt war durch das atavistisch-hellseherische Leben, das noch eine Mondenerbschaft war. Für die nachchristliche Zeit ist wichtig geworden, wichtiger als das Leben, das Bewußtsein; denn nur dadurch kann das Ziel des Erdenwerdens erfüllt werden, daß dieses Bewußtsein in entsprechender Weise von den Menschen erlangt wird. Sie müssen es schon entgegennehmen, dieses Bewußtsein, von dem Geber desselben, von dem aber auch das Todesleben, nicht das Leben der Geburten, kommt.

Daher tritt durch das Mysterium von Golgatha in die Erdenentwickelung ein, gewissermaßen als diejenige Macht, welche für diese Erdenentwickelung nun das Wichtigste geworden ist, der Sonnensohn, der Christus, der durch den Leib des Jesus von Nazareth gegangen ist. Das hängt also zusammen mit tiefen kosmischen Geheimnissen. Versuchet zu erkennen - so etwa sagten die alten Mysterieneingeweihten zu ihren Schülern - aus eurem Schlafleben, in das die Mondenkräfte hineinspielen, auch wenn ihr wach seid - wir wissen ja, daß der Mensch auch wachend zum Teil schläft - , das Mondenleben, das in dieses Schlafesleben so hineinspielt, wie in das Dunkel der Nacht der silberne Mondenschein hineinspielt. - Die christlichen Eingeweihten haben dagegen zu ihren Schülern zu sagen: Versuchet zu erkennen, daß aus dem wachen Leben das Bewußtsein herausleuchtet dadurch, daß in dieses wache Leben hineinspielen die Sonnenkräfte, so wie vom Morgen bis zum Abend die Sonne draußen im Erdenleben leuchtet.

Dieser Umschwung hat sich vollzogen durch das Mysterium von Golgatha. Und während in den vorchristlichen Zeiten das Wichtigste war, den Ursprung des Lebens zu erkennen, ist nunmehr das Wichtigste geworden, den Ursprung des Bewußtseins zu erkennen.“ (Lit.:GA 184, S. 18ff)

Dieses Bild ergibt sich, wenn man beobachtet, wie der Mond auf die Fortpflanzungskräfte und die Sonne namentlich durch die Sinnesorgane auf den Organismus wirkt. Ein umgekehrtes Bild ergibt sich, wenn man ins Auge fasst, wie der Mond auf das Gehirn und die Sonne auf Lebensorgane wie Herz, Lungen oder Nieren wirken.

„Dieses Sonnenhafte durchdringt alle Reiche der Natur, auch den Menschen. Es ist etwas, was im Menschen wirkt. Und gerade so, wie wir sonst studieren in der Physik, wie das ätherische Sonnenlicht durch das Auge eindringt, wie wir da durch das, was am Auge physischer Apparat oder demselben ähnlich ist, die Lichtwirkungen studieren, so können wir nun auch den geistigen Teil, das Sonnenhafte, den geistigen Teil der Sonnenwirksamkeit studieren. Den treffen wir aber wiederum in allen inneren Organen des Menschen an. Und wir werden gewahr, daß ein großer Teil der Organe - eigentlich alle Organe, aber die verschiedenen Organe mehr oder weniger - nach einem Pole hin ein sprießendes, sprossendes, ein nach Wachstum drängendes Leben, ein aufsteigendes Leben haben. Das beginnt mit geringerer sprießender, sprossender Kraft und steigert sich mit sprießender, sprossender Kraft im Wachstumbilden, im Ernährungfördern, auch im Verdauen, Verzehren und so weiter.

Dagegen gibt es in allen Organen ein absteigendes Leben, ein Degenerierendes. Jeder Evolution steht eine Devolution oder Involution entgegen. An dem aufsteigenden Leben der Organe, die wir in uns haben, arbeitet das Sonnenhafte, das durch den Kosmos sich ausbreitet. Das Absteigende kann man besonders am Gehirn beobachten. Dadurch, daß fortwährend durch die Vorstellungstätigkeit Gehirnmaterie herausplastiziert wird, muß fortwährend auch abgebaut werden gerade vom Gehirne aus. Und mit diesen abbauenden Kräften hat nun wiederum das Mondenhafte zu tun. Denn der Mond ist auch nicht bloß dasjenige, als was er uns physisch erscheint, sondern das Physische ist nur die physische Verkörperung desjenigen, was als Mondenhaftes den ganzen uns zugänglichen Kosmos durchdringt. Das dringt in uns und in alle Reiche der Natur ein. Dadurch aber, daß wir studieren können, sagen wir, an den Nieren, dem Herzen, den Lungen, an jedem einzelnen Organ den Sonnenprozeß und den Mondenprozeß, das Aufsteigende und Absteigende, das Fruchtende, Wachsende und das Degenerierende, dadurch begreifen wir aus dem Kosmos heraus das einzelne Organ. Es wird nicht früher eine vollständige, totale Physiologie geben, als bis man die Organe des Menschen alle aus dem Geiste des Kosmos heraus in ihrem aufsteigenden und absteigenden Leben begreift.“ (Lit.:GA 82, S. 173f)

Die Belebung des Menschenstaubes, zu dem der Leichnam zerfällt, durch die Sonnenkräfte

„Denn diese Tatsache des Todes führt ebenfalls dazu, Wichtigstes einzusehen. Der Menschenstaub nämlich - ich habe schon in einer der letzten Betrachtungen darauf hingewiesen - macht ganz besondere Wege durch. Ich habe darauf hingewiesen, daß er eigentlich den Weg nach oben anzutreten versucht. Es würde tatsächlich der Staub, der vom Menschen kommt, anders als anderer Staub, in den ganzen Kosmos hinein zerstäuben, ganz gleichgültig, ob der Leichnam verbrannt wird oder verwest, wenn er nicht ergriffen würde von der Sonnenkraft, von der Kraft, die in der Sonne ist. In der Tat, diejenige Kraft, die uns an der Oberfläche des glitzernden Steines erglänzt, oder wenn wir die Pflanzenfarben sehen, das ist nur eine Kraft der Sonne, das ist diejenige Kraft, die Julian, der Apostat, die sichtbare Sonne genannt hat. Dann haben wir die unsichtbare Sonne, welche der sichtbaren zugrunde liegt, wie die Seele dem äußeren physischen Menschenorganismus. Diese Kraft, die natürlich nicht mit den physischen Ätherstrahlen herunterkommt, sondern die darin erst wieder lebt, diese Kraft belebt in einer ganz besonderen Weise den Menschenstaub, so wie sie sonst nichts, nicht den mineralischen, nicht den pflanzlichen und nicht den tierischen Staub belebt. Eine fortwährende Wechselwirkung findet statt post mortem zwischen dem, was rein äußerlich, leiblich, vom Menschen übrigbleibt, und den Kräften, die von der Sonne herunterstrahlen. Beides begegnet sich. Die Kräfte, die da herunterströmen, um den Menschenstaub zu bewegen, sind allerdings diejenigen Kräfte, die der Tote selber - jetzt als geistig-seelische Individualität - nach dem Tode entdeckt. Während wir, indem wir in den physischen Leib hinein inkarniert sind, die physische Sonne sehen, entdeckt der Tote, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, die Sonne zuerst als das Weltenwesen, welches da unten auf der Erde Menschenstaub belebt. Das ist eine Entdeckung, die der Tote unter den allgemeinen Entdeckungen, die er nach dem Tode macht, auch macht. Er lernt kennen das Ineinander-Verwobenwerden von Sonnenkraft, von seelischer Sonnenkraft mit Menschenstaub. Und indem er dieses Gewebe kennenlernt zwischen Menschenstaub und Sonnenkraft, lernt er erstens überhaupt das Geheimnis der Wiederverkörperung kennen, von der andern Seite gesehen, vorbereitend die nächste Inkarnation, aus dem Kosmos heraus webend die nächste Inkarnation.“ (Lit.:GA 181, S. 228f)

Die Toten leben im Sonnenlicht und gestalten die Erde um

„Man kann sagen, die Menschen gestalten während der Zeit vom Tode bis zu einer neuen Geburt die Erde so um, daß deren Verhältnisse zu dem passen, was sich in ihnen selbst entwickelt hat. Wenn wir einen Erdenfleck betrachten in einem bestimmten Zeitpunkt und dann nach langer Zeit wieder in einem völlig veränderten Zustande, so sind die Kräfte, welche diese Veränderung herbeigeführt haben, bei den toten Menschen. In solcher Art stehen diese auch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt mit der Erde in Verbindung. Das übersinnliche Bewußtsein sieht in allem physischen Dasein die Offenbarung eines verborgenen Geistigen. Für die physische Beobachtung wirkt auf die Umgestaltung der Erde das Licht der Sonne, die Wandelungen des Klimas usw. Für die übersinnliche Beobachtung waltet in dem Lichtstrahl, der von der Sonne auf die Pflanze fallt, die Kraft der toten Menschen. Dieser Beobachtung kommt zum Bewußtsein, wie Menschenseelen die Pflanzen umschweben, wie sie den Erdboden wandeln und ähnliches. Nicht bloß sich selbst, nicht allein der Vorbereitung zu seinem eigenen neuen Erdendasein ist der Mensch nach dem Tode zugewandt. Nein, er ist da berufen, an der äußeren Welt geistig zu schaffen, wie er im Leben zwischen Geburt und Tod physisch zu schaffen berufen ist.“ (Lit.:GA 13, S. 120)

Die Sonne und der Zyanprozess im Menschen

Zyanprozess und Willensbildung

Im unteren Menschen besteht nach Rudolf Steiner eine beständige Tendenz zur Bildung von Blausäure bzw. Cyaniden, die aber wesentlich ist für die Anregung seiner Willenstätigkeit, die dieser latenten Blausäurebildung entgegenwirkt.

"Wenn der Mensch lebt vom rhythmischen System hin zum Gliedmaßen-Stoffwechselsystem, dann erweist dasjenige, was aus dem Kohlenstoff wird, seine Verwandtschaft mit dem, was aus dem Stickstoff wird, und es entsteht fortwährend die Tendenz, in der menschlichen Wesenheit nach unten hin Verbindungen zu schaffen von Kohlenstoff und Stickstoff. Diese Tendenz besteht. Man wird früher auch den Verdauungsprozeß selbst und namentlich den Ausscheidungsprozeß nicht durchsichtig bekommen, wenn man nicht die Tendenz der Verbindung des Kohlenstoffes mit dem Stickstoff ins Auge faßt. Diese Tendenz zur Verbindung von Kohlenstoff und Stickstoff führt zuletzt zur Bildung von Zyansäure, und tatsächlich besteht im Menschen nach unten fortwährend die Tendenz, Zyansäure zu erzeugen oder zyansaure Salze zu erzeugen. Wir haben nicht einmal einen ordentlichen Ausdruck für das, was da entsteht. - Was da entsteht, wird nur so weit getrieben, daß es gerade bis zu dem Punkt kommt, anzufangen zu entstehen, dann wird es, durch die Absonderungen der Galle namentlich, sofort aufgehoben. So daß wir nach unten gehend im Menschen eine Tendenz haben, Zyanverbindungen zu schaffen, die im Status nascendi aufgehoben werden durch die Gallenabsonderungen. Nun bedeutet aber Zyan-Verbindungen im Menschen schaffen, den Menschen zerstören. Es ist die schnellste Methode, wodurch man die Menschengestalt zerstören kann, wenn man sie mit Zyan durchdringt. Diese Tendenz besteht namentlich nach dem Gliedmaßen-Stoffwechselsystem hin. Fortwährend will der menschliche Organismus Zyanverbindungen schaffen, die gleich wieder zerstört werden. Aber in diesem Moment zwischen dem Entstehen und dem sogleich Aufgelöstwerden der Zyansäureverbindungen ergreift der Wille das Muskelsystem. - Im Paralysieren dieses Prozesses liegt die Möglichkeit für den Willen, einzugreifen, so daß der Mensch sich bewegen kann." (Lit.: GA 302a, S. 136f)

Zeichnung aus GA 351, S 35

Indem der Mensch durch seine Willensentfaltung die stoffliche Bildung der Blausäure verhindert, steigen aber zugleich feine ätherische Zyankali-Strömungen zur Sonne auf:

"Und diese Kraft, die da lebt in dem Zyankali, das sich bilden will, diese Kraft, die da lebt, die verbindet den Menschen auf der Erde mit der Sonne. So daß fortwährend das, was in der Blausäure lebt, vom Menschen in die Sonne hinaufströmt. Sie können also sagen, wenn Sie zur Sonne hinaufschauen: Ich habe eine Verbindung mit der Sonne; und die Kraft, die in mir lebt zur Rückbildung des Zyankalis, das sich fortwährend bilden will in meinem Leibe, diese Kraft, die geht von der Erde bis zur Sonne hinauf. Wenn Sie hier die Erde haben und hier die Sonne - ich muß sie jetzt groß zeichnen -, so gehen also von dem Menschen

Zeichnung aus GA 351, S 37

zur Sonne fortwährend solche Zyankaliströme, und von der Sonne gehen Ströme wieder zurück. Es strömt von dem Menschen zur Sonne dieses aufgelöste Zyankali, und von der Sonne strömt wiederum zurück dasjenige, was die Sonne macht aus diesem aufgelösten Zyankali. Und diese Entfernung, die ist zwanzig Millionen Meilen - eine Meile wird als sieben und ein halber Kilometer gerechnet. Wenn jetzt ein Licht angezündet wird auf der Sonne, so sehen wir es erst, weil das Licht so lange braucht, um herzukommen, sehr viel später. Also mit einem Weltenkörper, der so weit von uns entfernt ist, stehen wir einfach dadurch in Verbindung, daß wir diese Kraft ausströmen, die fortwährend bestrebt ist, Zyankali zu bilden. Namentlich in unseren Knochen ist fortwährend etwas wie ein Zyankaliherd, wie ein Quell von Zyankali [...]

Diesen Bezug, den ich Ihnen jetzt erzählt habe, den wissen die Menschen heute natürlich auch nicht, aber sie fühlen, daß sie zur Sonne gehören. Und sie fühlen das sehr stark. Denn wenn die Sonne untergeht - namentlich in alten Zeiten, wo die Menschen noch gesünder gelebt haben, bei Nacht geschlafen und bei Tag gewacht haben, da war es noch so -, dann spürt der Mensch, daß er die Sonne nicht so in sich aufnimmt. Da ist das Zyankali nur in ihm, allerdings nur in kleinen Mengen; dann schläft er ein. Es ist in der Tat die Sonne, die den Menschen immer aufweckt und einschläfert. Nur weil sich der Mensch etwas zurückbehält, kann er den Unfug begehen, daß er in der Nacht weiterschafft oder auch nicht schafft, sondern sich weitervergnügt. Aber es kommt auch das, was wir in der Nacht an Kräften aufbringen, durch den Zusammenhang dieser Kräfte mit der Sonne." (Lit.: GA 351, S. 36ff)

Wirkung von Zyankalivergiftungen auf die Sonne

Tödliche Blausäure- oder Zyankalivergiftungen haben nach Rudolf Steiner einschneidende Wirkungen auf das nachtodliche Leben des Menschen, die bei willentlicher Selbsttötung bis zur explosionsartigen Zerstörung der Seele und sogar der geistigen Individualität führen können. Das hat zugleich schädliche seelisch-geistige Rückwirkungen auf die Sonne, die einstmals mit der Erde und dem Mond verbunden war.

"Und noch früher haben sich Erde und Sonne getrennt. Die Sonne hat die Erde versorgt mit Blausäure, eigentlich mit Zyankali. Das braucht man, um seelisch-geistig zu leben, also wenn man nicht den physischen Körper hat. Man muß die Blausäure in der Umgebung haben, da wo man sie gerade nicht brauchen kann, wenn man als physischer Mensch leben soll. Den physischen Menschen löst die Blausäure gleich auf. Aber die Sonne ist auch solch eine feine Person: die hat uns zurückgelassen in der Luft den Stickstoff, als sie damals weg ist, sich getrennt hat; und in der Erde hat sie uns zurückgelassen das Zyankali und andere Zyanverbindungen. Diese bestehen aus Kohlenstoff, Stickstoff und Kalium [...]

Aber als eben das alles noch beieinander war, als Sonne, Mond und Erde ineinander waren, da konnte der Mensch nur als seelisch-geistiges Wesen leben, konnte nicht anders leben! Ja, meine Herren, damals war der Mensch fähig, trotzdem zu leben als seelisch-geistiges Wesen, trotzdem er niemals einen physischen Körper bekommen hat, weil Sauerstoff und Stickstoff und das alles nicht da war. Aber nun, wenn wir heute, so wie wir nun einmal sind auf der Erde, Zyankali in uns hineinbringen, dann vernichtet das in unserem Körper alle unsere Bewegungen und Lebenskräfte. Und das Schlimme ist, daß immer Gefahr vorhanden ist, wenn einer sich mit Zyankali vergiftet, daß das die Seele mitnimmt und der Mensch, statt daß er in der Seele weiterleben könnte, überhaupt in der ganzen Welt verteilt wird und namentlich im Sonnenlicht verteilt wird.

Wenn anthroposophische Erkenntnisse sich verbreiten würden, so würde sich kein Mensch mehr mit Zyankali vergiften. Es würde ihm gar nicht einfallen! Daß Vergiftungen mit Zyankali eintreten, das ist nur die Folge der materialistischen Weltanschauung, weil die Menschen glauben: tot ist tot, ganz gleichgültig, ob man durch Zyankali den Tod erleidet oder durch die innere Auflösung. Das ist aber nicht gleichgültig! Wenn man durch die innere Auflösung den Tod erleidet, dann haben Seele und Geist den gewöhnlichen Weg zu gehen in die geistige Welt hinein; sie leben eben weiter. Wenn Sie aber durch Zyankali sich vergiften, dann hat die Seele die Absicht, überall mit jedem Körperteilchen mitzugehen, und namentlich sich auszubreiten im Stickstoff und sich aufzulösen im Weltenall. Das ist der wirkliche Tod von Seele und Geist. Wenn nun die Menschen wissen würden, daß Seele und Geist der eigentliche Mensch ist, dann würden sie sagen: Wir können unmöglich diese furchtbare Explosion hervorrufen, die dann hervorgerufen wird in feiner Weise im ganzen Weltenall, wenn ein Mensch sich vergiftet mit Zyankali. - Denn jeder Mensch, der sich mit Zyankali vergiftet, der schaltet sich ein auf eine unrichtige Weise in den Strom, der von der Erde zur Sonne geht. Und man müßte, wenn man die richtigen Instrumente hätte, jedesmal, wenn sich ein Mensch durch Zyankali vergiftet, in der Sonne eine kleine Explosion sehen. Und die Sonne wird schlechter dadurch. Der Mensch verdirbt das Weltenall und auch die Kraft, die von der Sonne zur Erde strömt, wenn er sich vergiftet mit Zyankali. Der Mensch hat wirklich Einfluß auf das Weltenall. Wenn sich der Mensch mit Zyankali vergiftet, dann ist das so, daß er eigentlich die Sonne ruiniert! Und so ist es bei jeder Zyankalivergiftung." (Lit.: GA 351, S. 46f)[3][4]

Anmerkungen

  1. Agrippa von Nettesheim: Die magischen Werke, Fourier Verlag, Wiesbaden 1985, S 251
  2. Der Sonnenapex, auf den sich die Sonne aufgrund ihrer Bewegung um das Milchstraßenzentrum mit etwa 19,7 km/s zubewegt, liegt südwestlich der Vega im Sternbild Herkules. Rudolf Steiner hat auf die Bedeutung dieser Bewegung wiederholt hingewiesen.
  3. Weil diese Aussage so äußerst schwerwiegend ist, sei hier ausdrücklich wiederholt, daß die Veröffentlichung auf von Rudolf Steiner nicht persönlich überprüften Nachschriften beruht. Rudolf Steiner sagt dazu "Es wird eben nur hingenommen werden müssen, daß in den von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich Fehlerhaftes findet." (Zitiert nach Angabe in GA 351 S. 5). Zudem ist, da die Aussage zu einem der sogenannten Arbeitervorträge gehört, folgende Anmerkung von Marie Steiner zu beachten: [Diese Vorträge] "... waren aber für ein besonderes Publikum gedacht gewesen und in einer besonderen Situation ganz aus dem Stegreif gesprochen, wie es die Umstände und die Stimmung der zuhörenden Arbeiter eingaben - durchaus nicht im Hinblick auf Veröffentlichung und Druck. Aber gerade die Art, wie sie gesprochen wurden, hat einen Ton der Frische und Unmittelbarkeit, den man nicht vermissen möchte. Man würde ihnen die besondere Atmosphäre nehmen, die auf dem Zusammenwirken dessen beruht, was in den Seelen der Fragenden und des Antwortenden lebte. Die Farbe, das Kolorit möchte man nicht durch pedantische Umstellung der Satzbildung wegwischen. Es wird deshalb der Versuch gewagt, sie möglichst wenig anzutasten." (GELEITWORT zum Erscheinen von Veröffentlichungen aus den Vorträgen Rudolf Steiners für die Arbeiter am Goetheanumbau vom August 1922 bis September 1924 Marie Steiner, in GA 351, S. 14)
  4. Das Zitat enthält im Beginn eine Einschränkung, die besagt, daß die Gefahr einer solchen Wirkung des Zyankali bestehe, mithin muß das Zyankali diese Wirkung nicht haben. Am Ende gibt es eine weitere Einschränkung: Die Seele habe die Absicht, durch die Wirkung des Zyankali, sich aufzulösen. Es wird aber nicht gesagt, daß diese Absicht auch (immer) verwirklicht wird. Diese Einschränkungen passen aber nicht so recht zu der sonstigen Aussage, so daß von daher die Möglichkeit einer fehlerhaften stenographischen Mitschrift nicht ausgeschlossen scheint.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Geheimwissenschaft im Umriß, GA 13 (1989), ISBN 3-7274-0130-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Anthroposophische Leitsätze, GA 26 (1998), ISBN 3-7274-0260-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Damit der Mensch ganz Mensch werde, GA 82 (1994), ISBN 3-7274-0820-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen, GA 109 (2000), ISBN 3-7274-1090-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen, GA 136 (1996), ISBN 3-7274-1361-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Okkulte Untersuchungen über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, GA 140 (2003), ISBN 3-7274-1400-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen (physischer Leib, Ätherleib, Astralleib) und sein Selbst?, GA 145 (2005), ISBN 3-7274-1450-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  8. Rudolf Steiner: Erdensterben und Weltenleben. Anthroposophische Lebensgaben. Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft, GA 181 (1991), ISBN 3-7274-1810-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  9. Rudolf Steiner: Die Wissenschaft vom Werden des Menschen, GA 183 (1990), ISBN 3-7274-1830-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  10. Rudolf Steiner: Die Polarität von Dauer und Entwickelung im Menschenleben. Die kosmische Vorgeschichte der Menschheit., GA 184 (2002), ISBN 3-7274-1840-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  11. Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis, GA 191 (1989), ISBN 3-7274-1910-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  12. Rudolf Steiner: Entsprechungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos, GA 201 (1987), ISBN 3-7274-2012-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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