Anton Josef Kirchweger

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Aurea catena Homeri, Frankfurt und Leipzig 1723
Die Figur Abyssi Duplicatae oder Des doppelt flüchtig und fixen Abgrundes aus der Aurea catena Homeri (1723)

Anton Josef Kirchweger von Forchenbronn († 8. Februar 1746 in Gmunden, Oberösterreich[1]) war Arzt und Rosenkreuzer. Er gilt als Verfasser der 1723 anonym in Leipzig und Frankfurt bei Johann Georg Böhme erschienenen deutschsprachigen alchemistisch-hermetischen Schrift «Aurea catena Homeri», die vor allem in pietistischen Kreisen viel gelesen wurde.

Leben und Werk

Über Kirchwegers Leben ist wenig bekannt. Laut Hermann Kopp (1817-1892), einem der ersten Chemiehistoriker, war er mit Maximiliana Kirchwegerin verheiratet und wurde 1735 zum Physikus in Gmunden bestellt. Seine Werke zeigen, dass er in der Alchemie und Hermetik wohl bewandert war. Neben der «Aurea catena Homeri» verfasste er auch das 1790 in Berlin erschienene «Microscopium Basilii Valentini».

Der junge Goethe lernte die «Aurea catena Homeri» in Frankfurt im Kreis von Susanne von Klettenberg (1723-1774) kennen, als er sich von seiner schweren Erkrankung erholte, die er sich als Student in Leipzig zugezogen hatte. Das von Rudolf Steiner durchaus positiv bewertete Werk gab ihm manche Anregungen für seine Faust-Dichtung.

„Im 17. und 18. Jahrhundert drangen Lehren heraus aus kleinen Gesellschaften, die aber aus wohlerwogenen Gründen nicht von den Urhebern, sondern von andern Menschen aufgeschrieben wurden. Es sind nur spärliche Nachrichten, die aus den damaligen Geheimschulen herausdrangen. So findet man zum Beispiel noch heute Bücher, in deren vergilbten Blättern - vergilbt dem Äußeren nach - ganz wunderbare Dinge stehen. Ein solches Buch ist das von Goethe erwähnte «Aurea Catena Homeri». Was darinnen steht, wird von den heutigen Menschen, am meisten natürlich von den Aufgeklärtesten, für Phantasterei und Unsinn gehalten. Geht man aber mit den Mitteln der Geisteswissenschaft an diesen «Unsinn» heran, so steht da etwas ganz anderes. Da enthüllen sich dem, der sich hineinvertieft, die größten Geheimnisse. Früher konnten nur wenige, nur einzelne bis zu dieser Geheimwissenschaft vordringen, jetzt gibt es eine unbegrenzte Möglichkeit für alle, welche durch die Sehnsucht ihres Herzens dahin geführt werden.“ (Lit.:GA 118, S. 161)

„... man darf nicht verkennen, daß Goethe aus der Tiefe seines Erkenntnisstrebens heraus ein ahnungsvoller Geist war. Und da mußte es ihn, wenn er aufschlug die «Aurea Catena Homeri» und gleich die erste Seite erblickte, sonderbar anmuten, wenn er da ein tief auf die Seele wirkendes Zeichen sah: zwei ineinander verschlungene Dreiecke, an den Ecken in wunderbarer Weise gezeichnet die Zeichen der Planeten, herumgewunden im Kreise ein fliegender Drache und unten ein merkwürdig festgewordener, sich in sich selbst verfestigender Drache - und wenn er dann die Worte las, die da zu finden waren auf der ersten Seite, wie der flüchtige Drache die Strömung symbolisiert, die da immer dem festen Drachen jene Kräfte einflößt, die vom Weltenall herunterströmen, oder wie Himmel und Erde zusammenhängen, mit andern Worten, wie es dort heißt: «Wie des Himmels Geisteskräfte sich ergießen in der Erde Zentrum.»

Tief mußten auf Goethe solche geheimnisvolle Zeichen und Worte wirken. Jene zum Beispiel, die den ganzen Werdegang der Welt darstellten, wie man sagte «vom Chaos bis zu dem, was man nennt die universale Quintessenz» - ein merkwürdiger Übergang in sonderbar ineinandergreifenden Zeichen von der chaotischen Materie, die noch unterschiedlos ist, durch das mineralische, pflanzliche und tierische Reich hindurch —, bis hinauf zum Menschen und zu jenen Perspektiven, zu denen sich der Mensch hinentwickelt, in immer weiterer Verfeinerung.“ (Lit.:GA 57, S. 305f)

Schriften

  • Aurea catena Homeri. Oder: Eine Beschreibung von dem Ursprung der Natur und natürlichen Dingen, verlegt bei Johann Georg Böhme, Leibzig/Frankfurt 1723 e-rara.ch google
  • Microscopium Basilii Valentini, Sive Commentariolum Et Cribrellum über den großen Kreuzapfel der Welt, Berlin 1790 google urn:nbn:de:bvb:12-bsb10726811-4

Siehe auch

Literatur

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Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kopp, S. 38