Hermetik

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Bodenbild am Eingang des Doms von Siena: Hermes Trismegistos (Mitte) mit den Personifikationen von Orient (links) und Okzident (ganz links).[1]

Hermetik bezeichnet die spätantike religiöse Offenbarungs- und Geheimlehre des Hermes Trismegistos, des dreimal größten Hermes – so nannten die Griechen den ägyptischen Gott Thot und meinten damit synkretistisch aufwertend Hermes, den Götterboten und Gott der Weisheit. Die Hermetik beschreibt sich hauptsächlich im Corpus Hermeticum (nach dem ersten Teil der 17 auch als „Poimandres“ bezeichnet), dem Kybalion, der Tabula Smaragdina und der Picatrix.

Quellenlage, Datierung

Isaac Casaubon, der berühmte Humanist der Renaissance, bewies in De rebus sacris ecclesiasticis exercitationes XVI (1614, London) durch philologische Argumente, das Corpus Hermeticum kann nicht vor dem 1. vorchristlichen Jahrhundert entstanden sein. Es sei stark von griechischem astrologischen und neuplatonischen Gedankengut geprägt. Dieser Ansicht schloss sich die Mehrzahl der Forscher an. Vom Alten Ägypten gelangte das Corpus Hermeticum in den arabischen Raum und wurde u.a. über Córdoba und Harran in das Europa des Hohen Mittelalters gebracht. Die Tabula Smaragdina wurde zu einer Art „Glaubensbekenntnis“ der Alchemisten und beschreibt in typisch symbolischer Sprache alle vier Phasen des großen Werks der Alchemie. Nach Mircea Eliade in Geschichte der religiösen Ideen sei dieser Text in Spanien um 1150 aus dem Arabischen durch Gerhard von Cremona ins Lateinische übersetzt worden (Bd. 3/1, S. 149).

Hermetische Quellen

Die wichtigsten Werke der Hermetik sind

Viele andere Magiebücher beziehen sich direkt oder indirekt auf diese Werke. Inwieweit spezifische neuere Bücher mit der ursprünglichen Lehre übereinstimmen, ist umstritten.

Siebzehn Bücher des Hermes Trismegistos (Corpus Hermeticum)

Das Corpus Hermeticum enthält Traktate in Brief-, Dialog- und Predigtform. Sie beinhalten Einflüsse der ägyptischen und orphischen Mysterien, neuplatonische Gedanken von Wiedergeburt, Ekstase, Reinigung, Opfer und mystische Vereinigung mit Gott. Direkte Einflüsse des Corpus Hermeticum auf die christliche Gnosis des 3. und 4. Jahrhunderts sind nachweisbar.

  1. Das erste Buch - Poimandres
  2. Das andere Buch Hermetis - Das Gemüt an Hermes
  3. Das dritte Buch - Die Sermon oder Rede
  4. Das vierte Buch - Die geheiligte Rede Hermetis Trismegisti
  5. Das fünfte Buch - Von der Gottseligkeit und der Liebe zur Wahrheit
  6. Das sechste Buch - Eine allgemeine Rede Hermetis Trismegisti an Asclepium
  7. Das siebente Buch - Der Becher oder Einheit an Tatium
  8. Das achte Buch - Dass der unoffenbarte Gott am alleroffenbarlichsten sei
  9. Das neunte Buch - Dass von den wesentlichen Dingen nichts untergeht
  10. Das zehnte Buch - Dass das Gute alleine Gott ist
  11. Das elfte Buch - Von der Besinnung und dem Verstand
  12. Das zwölfte Buch - Schlüssel an Tatium
  13. Das dreizehnte Buch - Von dem gemeinen Gemüt
  14. Das vierzehnte Buch - Die verborgene Rede auf dem Berge
  15. Das fünfzehnte Buch - Recht weise zu sein
  16. Das sechzehnte Buch - Von den Seelen
  17. Das siebzehnte Buch - Von der Wahrheit

Kompletter Text unter Weblinks (Primärliteratur).

Ihre Funktion in der Moderne

Die hermetische Lehre versteht sich als eine Lehre der übergeordneten Naturgesetze. In ihr sind sowohl die Gesetze der Kausalität als besonders der Analogie zu finden. Die Hermetik steht damit außerhalb der Naturwissenschaft, die Analogien nicht in dieser Allgemeinheit, sondern nur nach Prüfung im Einzelfall zulässt.

Die hermetische Lehre bietet ein Erklärungsmodell für die Beziehungen der verschiedenen Dinge zueinander. Sie ist nach Meinung ihrer Anhänger nicht nur in der Lage, Voraussagen zu liefern, sondern man soll, sobald man diese Gesetzmäßigkeiten begriffen hat, diese auch benutzen, um die Realität den eigenen Wünschen anzugleichen – ein Vorgang, der Manipulation oder Magie genannt wird.

Manche gegenwärtigen Hermetiker glauben dank Rezeption der Quantenphysik, die Gesetze der Kausalität umfassen nicht die gesamte Realität und die Naturwissenschaft komme zunehmend wieder zu den alten hermetischen Gesetzen zurück. Diese These wird von Physikern abgelehnt.

Traditionelle Hermetiker

Die Lehre der Hermetik ist heutzutage wichtiger Bestandteil der Esoterik.

Auch Homöopathie wird teilweise als hermetisch bezeichnet. Daneben ist aber für die Medizin auch originär hermetisches Wissen relevant: In der Naturheilkunde spielen hermetische Vorstellungen etwa in der Spagyrik oder auch der Kräutermedizin eine Rolle.

Manche Hermetiker zählen den Dominikaner Albertus Magnus zu den ihren. Er unterteilte die Magie in „schwarz“ und „weiß“. Andere seien ihm gefolgt:

Eine umfassende Alchemistenliste findet sich in Alchemie.

Siehe auch

Literaturr

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Der Text der Tafel am unteren Bildrand lautet: Hermes Mercurius Trismegistus. Zeitgenosse von Moses. Die Tafel, auf die Hermes Trismegistus seine Hand stützt, enthält ein Zitat aus dem Asklepius (I,8). Der Text des überreichten Buches lautet in Anlehnung an Ciceros De natura deorum III,56: Empfanget Schrift und Gesetz, o Ägypter!
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