Athanasius der Große

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Athanasios der Große (griechische Ikone)

Athanasius der Große (auch Athanasius von Alexandria, griech. Ἀϑανάσιος Athanásios ‚der Unsterbliche‘; * um 300 in Alexandria; † 2. Mai 373 ebenda) war ein christlicher Kirchenvater und Patriarch von Alexandria. Als Verfechter der auf dem Konzil von Nicäa (325) formulierten Trinitätslehre wurde er zum entschiedenen Gegner des Arianismus.

„Nicht zu verwundern ist es, daß im Jahre 325 das nicäische Konzil so ausfiel, wie es eben ausgefallen ist. Damals standen die zwei Strömungen des Christentums sich noch gegenüber in dem Presbyter Arius und dem ganz im römischen Geiste erzogenen Athanasius. Arius glaubte an die allmähliche Entwickelung des Menschen. Er sah sie unbegrenzt; Vergöttlichung nannte er sie. Der Mensch kann sich Gott anähneln; das ist der wahre Arianismus. Dem stand gegenüber der römische Dogmatiker Athanasius, der da sagt: Die Gottheit Christi muß über alles, was mit Menschentum zusammenhängt, hinausgehoben werden zu der Abstraktheit, der Jenseitigkeit des im römischen Reiche sich allmählich herausentwickelnden Dogmatismus. So verwandelte sich das arianische Christentum zum athanasischen Christentum, und das letztere siegte. Worauf kam es dem römischen Cäsar an? Er tritt spräter selbst zum Christentum über, aber nicht zum athanasischen, sondern zum arianischen. Er wußte aber, daß das athanasische wenigstens scheinbar das alte römische Reich stützen konnte. Das Christentum sollte eine Stütze des römischen Reiches werden; das war die wichtige Frage, die sich im Beginne des 4. Jahrhunderts entschieden hat. Das war aber zu gleicher Zeit die Epoche der Weltgeschichte, wo die Germanen immer mächtiger und mächtiger geworden waren, und es nichts mehr half, durch Umwandlung und Ummodelung das alte römische Reich zu stützen; es wurde hinweggefegt von den Germanen.“ (Lit.:GA 51, S. 90f)

„Die arianischen Christen nahmen an, daß der Gott in jeder Menschenbrust wohne. Daher glaubten die Goten an eine Vergöttlichung des Menschen, wie Christus, der ihnen vorangegangen sei, sie den Menschen gezeigt hatte. Diese Anschauung war verknüpft mit einer tiefen Bildung des Gemütes. Die Goten waren von größter Duldsamkeit gegen jede andere religiöse Anschauung. Zwischen zwei christlichen Religionen, die voneinander so verschieden waren, war keine Verständigung möglich. War die absolute Toleranz eine Eigenschaft dieser Goten, fiel es ihnen nicht ein, einem anderen einen Glauben aufzuzwingen, so tritt uns hierin schon der Unterschied entgegen von der Art und Weise, wie zum Beispiel bei Karl dem Großen und Chlodwig, den Anhängern des athanasischen Glaubensbekenntnisses, das Christentum zu politischen Zwecken ausgebeutet wurde.

Die Arianer sahen in Christus einen Menschen, hochentwickelt über alle anderen Menschen zwar, aber Mensch unter Menschen. Ihr Christus gehörte zu den Menschen und wohnte in des Menschen Brust. Der Christus der athanasischen Christen ist Gott selbst, der hoch über den Menschen thronte. Athanasius hat gesiegt, dadurch ist die Kulturentwickelung wesentlich beeinflußt worden.“ (S. 111)

„Sie wissen ja wohl aus der äußeren Geschichte und Religionsgeschichte, daß ursprünglich unter den verschiedenen Formen, in denen das Christentum seinen Siegeszug, wenn ich so sagen darf, gemacht hat vom Osten nach dem Westen, diejenigen des Arianismus und des Athanasianismus waren. Jene Völker, die als gotische, auch langobardische, sogar als fränkische Völker, zunächst in der verschiedensten Weise an dem teilgenommen haben, was man mit Unrecht, aber doch eben die Völkerwanderung nennt, diese Völker waren ursprünglich Arianer.

Nun, der dogmatische Unterschied zwischen den Arianern und den Bekennern des Glaubens des Athanasius wird Sie heute ja wenig interessieren, aber er hat eine gewisse Rolle gespielt und man muß doch auf ihn zurückgehen. Der dogmatische Unterschied ist eben dieser, daß aus einer bestimmten Weltanschauungsrichtung heraus Arius entgegengetreten ist in Alexandrien im besonderen dem Athanasius. Und zwar war Athanasius der Anschauung, daß der Christus ein Gott ist wie der Vater-Gott, daß es also den Vater-Gott gäbe und vollständig gleicher Natur und Wesenheit mit dem Vater-Gott der Christus-Gott sei, von Ewigkeit mit ihm gleicher Natur und Wesenheit. Diese Anschauung ist dann übergegangen in den römischen Katholizismus, denn der römische Katholizismus bekennt sich heute noch zu dem Glauben des Athanasius. So daß also zu sagen ist mit Bezug auf den römischen Katholizismus, daß dem zugrunde liegt der Glaube, daß der Sohn ewig und gleicher Natur und Wesenheit mit dem Vater ist.

Arius trat dieser Anschauung entgegen. Arius war der Meinung, daß man nur sagen könne, es gäbe einen überragenden Gott, den Vater- Gott, und der Sohn-Gott, also der Christus, sei von dem Vater zwar vor der Zeit, aber doch eben geschaffen. Also er sei nicht gleicher Natur und Wesenheit, sondern etwas, was sich aus dem Vater-Gott erst entwickelt hat, was sich entwickelt hat aus dem Vater-Gott als etwas, das der Menschheit näher steht als der Vater-Gott, als etwas, das gewissermaßen die Vermittlung bildet zwischen dem in Höhen schwebenden Vater-Gotte, der zunächst für die menschlichen Erkenntniskräfte nicht zu erreichen ist, und dem, was der Mensch in sich selber findet.

Ja, so sonderbar das klingt, das scheint zunächst ein dogmatischer Unterschied zu sein. Es ist ein dogmatischer Unterschied nur für den heutigen Menschen, es war kein bloßer dogmatischer Unterschied in den ersten Jahrhunderten der christlichen Entwickelung. Denn das arianische Christentum, das ganz fußte, ganz gebaut war auf der Grundlage, die ich Ihnen eben jetzt auseinandergesetzt habe, von dem Verhältnis des Sohnes zum Vater, dieses arianische Christentum leuchtete instinktiv als etwas Selbstverständliches den Menschen ein, die ich genannt habe, den gotischen, den langobardischen, all den Völkern, die ja zunächst die römische Herrschaft ablösten nach dem Untergange und beim Untergange des römischen Reiches. Sie waren instinktiv Arianer. Sie wissen ja, daß Ulfilas die Bibel übersetzt hat; seine Übersetzung zeigt klar, daß er selber Arianer war. Die Goten noch, die Langobarden und so weiter, als sie nach Italien gekommen waren, sie waren Arianer, und erst als Chlodwig zum Christentum gekommen ist, traten die Franken zum Christentum über. Sie nahmen in einer gewissen Beziehung äußerlich — was ihnen innerlich nicht lag, denn sie waren innerlich früher auch Arianer gewesen -, das Glaubensbekenntnis des Athanasius an. Und als dann das Christentum namentlich unter jene Flagge gekommen ist, deren hauptsächlicher Träger Karl der Große war, da wurde alles zum Glaubensbekenntnis des Athanasius gebracht und damit die Hinüberleitung besorgt zu der römischen Papstkirche. Und ein großer Teil der ursprünglichen Völker, Barbarenvölker, Goten, Langobarden und so weiter, ging ja unter; dasjenige, was nicht volksmäßig unterging, wurde dann durch die Athanasianer vertrieben, ausgerottet. Der eigentliche Arianismus lebte sektenmäßig weiter fort, aber er verschwand in unmittelbarer Wirksamkeit als Volksreligion.“ (Lit.:GA 185, S. 201ff)

Siehe auch

Literatur

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