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Bechina

Aus AnthroWiki

Bechina (hebr. בְּחִינָה „Betrachtung, Hinsicht, Aspekt, Prüfung“; Plural: Bechamot) ist ein zentraler Begriff der lurianischen Kabbala. Luria will damit deutlich machen, dass ein und dasselbe Wesen je nach Betrachtungsweise unterschiedliche Aspekte zeigen kann.[1]

So kann etwa das System der 10 Sephiroth je nach Betrachtungsweise in Form konzentrischer Kreise (hebr. עִגּוּלים Igulim) oder mit Geraden (hebr. ישר Yosher) dargestellt werden. Gerade und Kreise sind zwei einander ergänzende Aspekte der Sephiroth.

Ein anderes Beispiel ist die Unterscheidung von innerem (hebr. אוֹר פנימה Or Pnimi) und umgebenden Licht (hebr. אור מקיף Or Makif). Jede Sephira ist von innerem Licht erfüllt und von äußerem Licht umgeben. Das umgebende Licht ist reicher und schöpfungsmächtiger als das innere Licht, da es dem Ain Soph, der höchsten Quelle des göttlichen Lichts, näher steht. Die weiter außen liegenden und daher größeren Kreise stehen dem umgebenden Licht näher und das sie erfüllende Licht ist daher ebenfalls von höherer Qualität und Lebendigkeit. Dieses innere Licht bildet zugleich für die weiter innen liegenden, kleineren Kreise wiederum ein umgebendes Licht. Jede Sephira - bis auf die innerste (Malchuth) - ist somit zugleich Spender und Empfänger von schöpferischem Licht[2]. Die Bennennung als inneres bzw. umgebendes Licht ist also durchaus relativ und hängt vom Blickwinkel ab.

Ein weiteres Beispiel ist die Unterscheidung des Inhalts und der Gefäße hebr. כלים Kelim der Sephirot. Was Gefäß und was Inhalt ist, hängt nach Luria von der Betrachtungsweise ab. Nimmt man für die Sefirot das Modell der konzentrischen Kreise, so sind zwei Sichtweisen möglich. Betrachtet man das System der Sefirot vom Zentrum aus, so ist der kleinste Kreis der Inhalt für den nächstgrößeren Kreis, der wiederum die Schale des kleinsten Kreises bildet - zugleich aber auch der Inhalt des darauf folgenden dritten Kreises ist usw. Von der Peripherie aus gesehen ist es genau umgekehrt. Hier ist der kleinste Kreis die Schale für den zweitkleinsten Kreis usw. Beide Betrachtungsweisen sind gleichzeitig gültig - es gibt also nach Luria keine eindeutige Unterscheidung zwischen Inhalt und Gefäß![3]

Einzelnachweise

  1. ↑ Karl Erich Grözinger: Jüdisches Denken. Theologie - Philosophie - Mystik: Band 2: Von der mittelalterlichen Kabbala zum Hasidismus, Campus Verlag, Frankfurt/Main 2005, S 635
  2. ↑ ebd., S 626ff
  3. ↑ ebd., S 636f