Bernhard von Clairvaux

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bernhard von Clairvaux – Darstellung aus einer hochmittelalterlichen Handschrift
Das Geburtshaus von Geburtshaus Bernhard von Clairvaux in Fontaine-lès-Dijon

Bernhard von Clairvaux (franz. Bernard de Clairvaux; * um 1090 auf Burg Fontaine-lès-Dijon bei Dijon; † 20. August 1153 in Clairvaux bei Troyes) war ein mittelalterlicher Theologe, Abt und Mystiker und einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens. Durch seine flammenden Predigten befeuerte er die Begeisterung für die Kreuzzüge. Einen wesentlichen Bestandteil der Ordensregeln des Templerordens bildete die von ihm verfasste Lobrede auf die neue Ritterschaft, in dem die Ideale des Rittertums mit denen des Mönchtums vereinigt wurden. 1174 wurde Bernhard heiliggesprochen und 1830 zum Kirchenlehrer erhoben; sein Gedenktag ist der 20. August. Seine Schriften wurden namentlich auch in der Schule von Chartres eifrig studiert.

„Es ist namentlich historisch außerordentlich bedeutsam, wenn man hinschaut auf die ungeheure Gewalt, die da plötzlich eine große Zahl von europäischen Menschen aller Stände ergriff, um etwas zu unternehmen, was mit den heiligsten Herzensangelegenheiten der europäischen Menschheit zusammenhängen sollte. Man fühlte allerdings, daß diese heiligsten Herzensangelegenheiten durchaus zusammenhingen mit der Befreiung Jerusalems von den Türken, mit der Eröffnung der Möglichkeit, daß die europäischen Christen wiederum die freien Wege nach der Grabstätte ihres Erlösers fanden. Wenn so trocken die historischen Tatsachen erzählt oder in den Büchern gelesen werden, so fühlt man zumeist nicht das ungeheure Feuer, das dazumal durch Europa brannte, als die edle Ritterschaft im ersten Kreuzzuge die Fahrt unternahm und als dann aus der ganzen Innigkeit und dem Feuer seines Seelenwesens heraus etwa ein Bernhard von Clairvaux oder andere wiederum dieses Feuer, diese Strömung angefacht haben. Es ist etwas ungeheuer Großes in der ersten Entstehung dieser Kreuzzüge.“ (Lit.:GA 216, S. 124)

„Die Vorzüge des katholischen Kultus in bezug auf die Kultur weiß die Geisteswissenschaft sehr wohl zu würdigen. Sie weiß auch, wie eine gewisse künstlerische Produktion sehr verwandt ist mit dem katholischen Kultus, der ja nur eine Fortsetzung verschiedener anderer Religionsbekenntnisse ist, viel mehr, als man gewöhnlich glaubt. In diesem Kultus ist tiefes Mysteriumwesen drinnenliegend. Das aber, was ich zu sagen habe, bezieht sich auf wesentlich anderes, jedenfalls nicht auf den katholischen Kultus, der seine innere volle Berechtigung hat, der ein ungeheuer Anregendes für das Produktive des Menschen ist. Aber, was ich auseinandersetzen muß, ist dies: daß die kirchlichen Formen gewisse Aufgaben erhalten haben, Aufgaben, die sie damals noch im höchsten Maße gehabt haben, auch heute übrigens noch haben, als so inbrünstige Naturen wie Bernhard von Clairvaux aus der Kirche herauswuchsen ihres Gottes wegen. Man muß immer unterscheiden: die Kirche - und solche Persönlichkeiten wie Bernhard von Clairvaux und zahlreiche andere. Was aber hatte die Kirche für eine Aufgabe? Sie hat die Aufgabe, die Seelen möglichst fernzuhalten von der Christus-Erkenntnis, möglichst zu bewirken, daß die Seelen dem Christus nicht sehr nahetreten. Und die Geschichte des kirchlichen Lebens vom 3., 4. Jahrhunderte an und dann weiterhin ist im wesentlichen eigentlich die Geschichte des Entfernens des menschlichen Gemütes von dem Verständnis des Mysteriums von Golgatha. Es liegt eine gewisse Gegnerschaft gegen das Christus-Verständnis in der kirchlichen Entwickelung. Diese negative Aufgabe der Kirche hat schon auch ihre Berechtigung. Sie hat die Berechtigung dadurch, daß die Menschen immer wieder von neuem darnach streben mußten, durch die Kraft ihres eigenen Gemütes, durch die Kraft ihrer eigenen Seele zu dem Christus hinzukommen. Und im Grunde genommen ist das Kommen der Menschen zu dem Christus durch alle diese Jahrhunderte ein fortwährendes Sich-Aufbäumen gegen das Kirchliche. Auch solche Leute wie Bernhard von Clairvaux bäumen sich eigentlich gegen das Kirchliche auf. Studieren Sie selbst Thomas von Aquino: er gilt denen, die kirchlich rechtgläubig waren, als ein Ketzer; er wurde verpönt, und die Kirche hat seine Lehre erst später aufgenommen. Der Weg zum Christus war eigentlich immer ein Wehren gegen die Kirche, und nur langsam und allmählich konnten sich die Menschen zu dem Christus hinarbeiten.“ (Lit.:GA 181, S. 370f)

Aufgrund seiner überrragenden geistigen Bedeutung erscheint Bernhard u.a. in Dante Alighieris Göttlicher Komödie und in Goethes Faust.

Siehe auch

Literatur

Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.
Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Bernhard von Clairvaux aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.