Templerorden

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Templer
Großmeisterwappen Hugos von Payns
An der Stelle der heutigen Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg, wo von 530 bis 614 die Basilika St. Maria stand, befand sich bis 1187 das erste Hauptquartier der Tempelritter
Historische Karte der Hafenstadt Damiette im Nildelta
Papst Bonifatius VIII. wird gefangen genommen. (Darstellung aus der Nuova Cronica des Giovanni Villani, 14. Jahrhundert)
Tatzenkreuz des Templerordens
Kopie eines Siegels der Tempelritter
Siegel der Tempelritter
Großmeisterwappen von Jacques de Molay
Aufnahme von Jacques de Molay in den Templerorden in der Komturei Beaune 1265 (Gemälde von François-Marius Granet, 1843)
Die Burg Chinon und das linke Ufer der Vienne
Das 2001 wiedergefundene «Chinon-Pergament», das die Unschuld der Templer belegt
Baphomet nach einer Phantasie von Eliphas Lévi (Abbildung in seinem Werk Dogme et Rituel de la Haute Magie (1854)
Verbrennung von Templern wegen angeblicher Sodomie und Ketzerei
Templer auf dem Scheiterhaufen auf der Île de la Cité
Westspitze der Île de la Cité und Pont Neuf heute

Der Templerorden wurde als geistlicher Ritterorden um 1119[1] in Jerusalem begründet und nach dem auf Drängen des französischen Königs Philipp IV. angestrengten Templerprozess am 22. März 1312 auf dem Konzil von Vienne von Papst Clemens V. offiziell aufgelöst[2].

Die Geschichte des Ordens im Überblick

Der Templerorden, genauer die Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem (lat. Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis), war die erste Ordensgemeinschaft, die die Ideale des Mönchtums und des vom Adel getragenen Rittertums vereinigte und wurde um 1119[1] in der Folge des Ersten Kreuzzugs (10961099) höchstwahrscheinlich von Hugo von Payns, Gottfried von Saint-Omer und sieben weiteren französischen Ritter[3] gegündet. Die Ordensritter wurden als Templer, Tempelritter oder Tempelherren bezeichnet. Der Name leitet sich davon ab, dass König Balduin II. dem Orden einen Flügel seines auf den Ruinen des Salomonischen Tempels errichteten Palastes als Quartier überlassen hatte. Als Motto wählten die Templer den Anfang von Psalm 115,1 LUT:

Non nobis Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam
„Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre“

Im Templerorden vereinigte sich der priesterliche Abel-Strom, dem auch Johannes der Täufer zugehörte, mit dem weltumgestaltenden Kain-Hiram-Strom, dem auch Christian Rosenkreutz zugehörte. Eng verbunden fühlten sich die Tempelritter dem Heiligen Gral und dem Gralsrittertum. Wohl nicht zufällig bezeichnete Wolfram von Eschenbach die Gralsritter in seinem «Parzival» als „Templeisen[4]. In verwandelter Form setzten sie damit auch den Manichäismus fort, der auch die geistige Grundlage der mittelalterlichen Ketzerbewegungen (Albigenser, Waldenser, Katharer) und später der Freimaurerei bildete (Lit.:GA 93, S. 68f). Auch Dante Alighieri scheint mit den geheimen Lehren der Templer vertraut gewesen zu sein[5]. Bei den Rosenkreuzern lebten ihre Impulse weiter (Lit.:GA 93, S. 153). Die Einweihungszeremonie der Templer zielte aber noch darüber hinaus auf das Wassermann-Zeitalter, also auf die zukünftige slawische Kulturepoche, in der das Christentum erst seine volle Blüte erreichen wird (Lit.:GA 92, S. 157).

Auf dem Konzil von Troyes 1129 wurde der Orden von der Kirche offiziell anerkannt und erhielt seine Ordensregeln, die auf denen des Benedikt von Nursia gründeten und von ursprünglich 72 bis 1260 auf 686 erweitert und schon bald ins Französische übertragen wurden, da nur wenige Tempelritter des Lateinischen mächtig waren. Einen wesentlichen Bestandteil der Ordensregeln bildete die von Bernhard von Clairvaux verfasste Lobrede auf die neue Ritterschaft, in dem die Ideale des Rittertums mit denen des Mönchtums vereinigt wurden.

Mit der am 29. März 1139 von Papst Innozenz II. erlassenen Bulle Omne datum optimum wurde der Orden unter Päpstlichen Schutz gestellt und erhielt zur Erfüllung seiner Aufgaben umfangreiche Privilegien, die durch die Bullen Milites Templi von Coelestin II. (1144) und Militia Dei von Eugen III. (1145) noch erweitert wurden. So wurde der Orden etwa von der Entrichtung des Zehnten befreit und durfte alle selbst eingenommenen Steuern und alle im Kampf erbeuteten Güter einbehalten, eigene Friedhöfe anlegen, eigene Kirchenbauten errichten und eigene Priester rekrutieren. Niemand sonst verfügte über so umfassende Privilegien, was vielen Neidern immer wieder Anlass zu heftiger Kritik gab.

Während der folgenden Kreuzzüge bildeten die Tempelritter eine direkt dem Papst unterstellte und sonst niemandem verantwortliche militärische Eliteeinheit. Neben ihren unmittelbaren militärischen Aufgaben sorgten sie auch für den Schutz der Pilger in das Heilige Land und entfalteten darüber hinaus vielfältige wirtschaftliche und organisatorische Aktivitäten. Sie vergaben Geldanleihen, die auch von Muslimen in Anspruch genommen wurden, und erfanden eine Art von Kreditbrief als frühen Vorläufer des Reiseschecks verbunden mit einer sehr fortschrittliche Form der Buchführung, wobei sie ihre umfangreichen praktischen Tätigkeiten stets in engem Einklang mit ihrer spirituellen Gesinnung auszuüben suchten.

Ein herber Rückschlag für die Ritterorden war der völlige Zusammenbruch des fünften Kreuzzuges (1217-1221), an dem auch Franz von Assisi teilnahm und vor dem Sultan Al-Kamil im Lager des muslimischen Heeres predigte. Mit dem Verlust der eben erst eroberten Hafenstadt Damiette im Nildelta war das Ende der christlichen Herrschaft im Orient bereits abzusehen - und die Tempelritter trugen daran durch ihr teils hochmütiges und eigensinniges Verhalten einen guten Teil der Schuld[6].

Als mit dem Fall von Akkon am 18. Mai 1291 die Kreuzzüge mit dem Verlust des Heiligen Landes endgültig scheiterten, zog sich der Templerorden nach Zypern zurück. Nach dem Verlust seiner zentralen Aufgabe stellte sich die drängende Frage nach einer Neuorientierung des Orden. Der 1292 nach dem Tod des Großmeisters Thibaud Gaudin neu bestellte Großmeister Jacques de Molay hoffte allerdings, anders als sein Gegenkandidat Hugues de Pairaud, auf eine Wiederbelebung der Kreuzzugs-Idee und konnte dem Orden keine neue, der heraufdämmernden Bewusstseinsseele angemessene Aufgabe geben. Dies mag mit einer der inneren Gründe für den Untergang des Templerordens gewesen sein.

Den äußeren Hintergrund bildeten die Auseinandersetzung von König Philipp IV. dem Schönen mit Papst Bonifatius VIII. (1235-1303), die einander gegenseitig das Recht absprachen, den französischen Klerus zu besteuern. In der berühmten, am 18. November 1302 erlassenen päpstlichen Bulle «Unam Sanctam» forderte er im Sinne der das ganze Mittelalter prägenden Zwei-Schwerter-Theorie die Unterordnung der weltlichen Macht unter die geistliche Macht und drohte Philipp mit der Exkommunikation. Dieser bezichtigte seinerseits den Papst der Häresie und Sodomie und ließ am 7. September 1303 Bonifatius VIII. in seiner Residenz in Anagni in Mittelitalien durch Bewaffnete unter Führung Wilhelm von Nogarets festnehmen. Nach drei Tagen befreiten zwar die aufgebrachten Bürger der Stadt den Papst, doch dieser starb kaum ein Monat später in Rom. Um das «Attentat von Anagni» zu rechtfertigen, suchte Philipp von nun an eine nachträgliche Verurteilung Bonifatius VIII. zu erreichen.

Von diesen Auseinandersetzungen waren auch die geistlichen Ritterorden betroffen. Zu den anderen großen Ritterorden, dem Lazarus-Orden, dem Deutschherren-Orden und den Johannitern, die sich besser auf die neue Situation einstellen konnten, standen die Templer in enger Beziehung, aber auch in Konkurrenz. Namentlich mit den Johannitern kam es auch gelegentlich zu blutigen Auseinandersetzungen. Vielfach wurde zu dieser Zeit die Zusammenlegung der Ritterorden propagiert. Der einflussreiche katalanische Theologe und Philosoph Ramon Llull (1232-1316) trat schon 1192 vehement für die Vereinigung der Ritterorden unter der Führung eines «Krieger-Königs» ein und der bei den Templern hochverschuldete französische König Philipp der Schöne erwog ernsthaft, seine französische Krone zugunsten eines solchen „Weltkönigtums“ zurückzulegen und sich als «Allerchristlichster König» an die Spitze der vereingten Ritterorden zu stellen, womit er zugleich über deren Vermögen verfügen hätte können. In einer wenig diplomatisch formulierten Denkschrift sprach sich Jacques de Molay allerdings gegen die Zusammenlegung aus und Philipp wurde die Ordensmitgliedschaft verweigert, was den König zweifellos schwer verärgerte.

Papst Clemens V. bat am 6. Juni 1306 Jacques de Molay brieflich zu Gesprächen nach Paris bzw. Portiers, worauf dieser Zypern verließ. Schon bei seiner Ankunft in Marseilles gegen Ende Dezember oder Anfang Januar muss de Molay mit heftigen Gerüchten über den Orden konfrontiert worden sein, die bereits um die Mitte 1305 von vier Verleumdern ausgestreut und von einem gewissen Noffo Dei aus Florenz, der die Geschichte von Esquieu de Floyrac während der gemeinsamen Haft erfahren hatte, dem König zugetragen worden waren[7][8]. König Philipp, dem dies in seiner beständigen Auseinandersetzung mit dem Papsttum sehr gelegen kam, warf daraufhin die Templerfrage erstmals am 25. Juni 1305 in Lyon bei der Krönung von Papst Clemens V. auf. De Molay musste umgehend handeln und forderte selbst eine päpstliche Untersuchung der Vorwürfe, worüber Clemens V. den König noch im August 1307 unterrichtete.

Dazu kam zur selben Zeit noch die sog. «Schatzmeister-Affäre»: Jean de Tours der Jüngere, zugleich Schatzmeister des Pariser Tempels und Finanzminister des Königs, hatte entgegen der Vorschrift und ohne Wissen und Zustimmung des Großmeisters Philipp IV. ein überaus hohes Darlehen gewährt und wurde von de Molay deswegen seines Amtes enthoben und aus dem Orden ausgeschlossen. Philipp bot daraufhin die Rückzahlung des Darlehens an und bat um die Wiedereinsetzung von Jean de Tour, was de Molay aber ablehnte. Als daraufhin auch Papst Clemens V. intervenierte, soll er dessen Schreiben kurzerhand ins Feuer geworfen haben[9][10].

Äußerlich, aber mit einem starken okkult-schwarzmagischen Hintergrund, wurde der Untergang des Ordens nun von Philipp dem Schönen rasch vorangetrieben. In seinem engsten Berater und Kanzler Wilhelm von Nogaret, der bereits Spitzel in den Templerorden eingeschleust hatte, fand er einen kongenialen Erfüllungsgehilfen. Freitag, den 13. Oktober 1307 wurden auf Befehl des Königs durch einen genialen Schachzug die meisten Templer mit einem Schlag verhaftet. Durch teils massive Folter wurden Geständnisse erpresst und die Ordensritter der Häresie angeklagt. Ihnen wurde vorgeworfen das Kreuz zu bespucken, Christus zu verleugnen und statt dessen den Götzen Baphomet anzubeten und Sodomie zu betreiben. Am 24. Oktober wurde Jacques de Molay erstmals von dem französischen Großinquisitor Guillaume Imbert verhört und gab zu, bei seiner Ordensaufnahme in Beaune Christus verleugnet und neben das hingehaltene Kreuz gespuckt zu haben, wie es üblich gewesen sei. Danach gefragt, ob er zur Sodomie aufgefordert worden wäre, beteuerte er, dergleichen nie getan zu haben. Mit der am 22. November 1307 unterzeichneten Bulle Pastoralis praeminentie bestätigte Clemens V. die Verhaftungen und forderte alle Fürsten auf, dem lobenswerten Beispiel Philips IV. zu folgen und alle Templer in ganz Europa zu verhaften und deren Güter zu beschlagnahmen.

Im August 1308 wurden de Molay und seine engsten Gefolgsleute auf der Burg Chinon neuerlich von einer päpstlichen Kommission befragt[11]. Das lange geheim gehaltene, mit 17. bis 20. August 1308 datierte Chinon-Dokument belegt, dass der Papst daraufhin die Buße der Tempelritter akzeptierte, sie von jeder Schuld freisprach und ihnen die Absolution erteilte[12]. Offiziell folgte Clemens V. aber weiterhin den Wünschen Philipps IV.

Am 12. Mai 1310 wurden 54 Templer vor Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt[13][14][15]. 1312 wurde der Orden von Papst Clemens V., einem gebürtigen Franzosen[16], der 1309 auf Drängen Philipps, mit dem er befreundet war, seine Residenz nach Avignon[17] verlegt hatte, nach dem Aufsehen erregenden Templerprozess aufgelöst und seine Güter auf den Johanniterorden übertragen.

Am 18. März 1314 wurde Jacques de Molay, der letzte Großmeister der Templer, nachdem er sein Geständnis widerrufen hatte, zum Tode verurteilt und noch am selben Abend gemeinsam mit seinem letzten noch lebenden Gefolgsmann Geoffroy de Charnay in Paris hingerichtet. Noch am Scheiterhaufen beschwor de Molay seine Unschuld und prophezeite den Tod von König Philipp und Papst Clemens innerhalb von Jahresfrist. Hugues de Pairaud, der wie Geoffroy de Gonneville nicht widerrufen hatte, saß noch 1321[18] und dem Urteil zufolge vermutlich bis an sein Lebensende in Kerkerhaft.

Am 20. April 1314 starb Clemens V. plötzlich in der Provence und am 29. November desselben Jahres erlitt Philipp der Schöne bei einer Wildschweinhatz in Fontainebleau einen tödlichen Jagdunfall. Jacques de Molays „Templerfluch“ hatte sich erfüllt.

Der geistige Hintergrund des Templerordens

"Wir sehen in dieser Zeit unter vielem, das, wenn man es betrachtet, ich möchte sagen, zum Frohmachen der Menschenseele ist, wie unter vielem, was da entsteht, bald nachdem die Kreuzzüge ihre ersten Erfolge errungen haben, begründet wird im Jahre 1119 der Orden der Tempelherren. Fünf französische Ritter unter der Führung von Hugo de Payens tun sich zusammen und begründen an der geheiligt gehaltenen Stätte, auf der sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hat, einen Orden, der sich ganz weihen soll dem Dienste des Mysteriums von Golgatha, und der sein erstes wichtigstes Ordenshaus unmittelbar neben der Stätte hat, wo einst der Salomonische Tempel gestanden hat, so daß gewissermaßen zusammenwirken konnte an dieser Stätte uraltheilige, für das Christentum vorbereitete Weisheit und die salomonische Weisheit, mit allen Empfindungen und allen Gefühlen, die in höchstem Maße aus der heiligsten Begeisterung für das Mysterium von Golgatha und seinen Träger entstanden sind. Neben den gewöhnlichen, damals üblichen Mönchsgelübden, der Pflicht des Gehorsams gegenüber den geistlichen Oberen, verpflichteten sich die ersten Tempelherren, in intensivster Weise mitzuwirken dazu, hereinzubeziehen in den Bereich europäischer Machtentfaltung die Stätten, auf denen sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hat. An nichts sollten sie denken - so war es in den geschriebenen und namentlich in den ungeschriebenen Ordensregeln enthalten - , als wie sie in ihrem Herzen, in ihrer Seele ganz sich erfüllen können mit dem geheiligten Geheimnis von Golgatha, und wie sie dienen können mit jedem Tropfen ihres Blutes der Hereinbeziehung der geheiligten Stätte in den Machtbereich des europäischen Willens. In jedem Augenblick ihres Lebens sollten sie denken, sollten sie empfinden, daß sie ganz nur dieser Aufgabe gehören, und daß sie nichts scheuen werden, um diese Aufgabe mit all der Kraft, die jedem einzelnen zur Verfügung steht, zu verwirklichen. Ihr Blut sollte ihnen nicht selber gehören, sondern einzig und allein der Aufgabe, die wir gekennzeichnet haben. Und wenn sie einer dreifachen Übermacht gegenüberstehen - so war ihnen befohlen - , dürfen sie nicht fliehen; jeder Templer muß seine Stelle behaupten, auch wenn drei Ungläubige ihm diese Stelle streitig machen wollen. Und in jedem Augenblick ihres Lebens mußten sie denken, daß das Blut, das in ihren Adern rinnt, nicht ihnen gehört, sondern ihrer großen geistigen Aufgabe. Was sie an Vermögen erwerben sollten, das sollte keinem einzelnen gehören. Nicht der einzelne sollte irgendeinen Besitz haben, sondern nur der ganze Orden. Vom einzelnen sollte derjenige, der aus der Reihe der Feinde einen besiegt, kein anderes Gut erbeuten als die hänfene Schnur, die um die Lenden gegürtet war, das Zeichen ihrer freiwillig übernommenen Arbeit für dasjenige, was man dazumal als das Heil für den europäischen Geist ansah. Eine große, gewaltige Aufgabe, weniger dem Nachdenken als dem tiefen Empfinden, war gestellt, eine Aufgabe, die dahin ging, das Seelenleben als individuelles, als persönliches nur deshalb zu stärken, damit dieses einzelne Seelenleben ganz aufgehen könne in dem fortlaufenden Strom der christlichen Entwickelung." (Lit.: GA 171, S. 118f)

Der Templerorden wird zuweilen bezeichnet als der "reinste Orden" der Welt.

"Im Sinne der Tempelrittergründung war zuerst das, was die Templer für Jerusalem geleistet hatten, und dann das, was zur Verchristung der ganzen europäischen Kultur geleistet werden konnte. Denn allmählich breiteten sich die Templer aus in einflußreichen Gesellschaften über England, Frankreich, Spanien und einen Teil Italiens, über Mitteleuropa, überall breiteten sich die Templer aus. Und bei einzelnen Templern bildete sich in einem höchsten Grade aus dieses ganze Erfülltsein der Seele mit dem Empfinden von dem Mysterium von Golgatha, mit dem Empfinden von all dem, was mit dem christlichen Impulse zusammenhängt...

... etwas ganz großartig Gewaltiges war dadurch im Kreise der Templer vor sich gegangen, ohne daß diese Templer gekannt hätten die Regeln der christlichen Initiation durch etwas anderes als durch den Opferdienst. Zuerst in den Kreuzzügen, dann in dem geistigen Wirken in Europa, wurde ihre Seele von der intensiven Hingabe an die christlichen Impulse und an das Mysterium von Golgatha so inspiriert, daß das Resultat war das Erleben der christlichen Einweihung bei vielen Templern, bei einer stattlichen Anzahl der Templer." (Lit.: GA 171, S. 123f)

Ihr hingebungsvolles Streben führte viele Templer ohne geregelte Schulung bis hin zur christlichen Einweihung.

"Dadurch entwickelte sich ein besonderes mystisches Leben, durch das diejenigen, die diesem sogenannten geistlichen Orden angehörten, immer mehr für die Welt wirken konnten als andere geistliche Orden. Denn wenn in solcher Weise eben im Zusammenhange mit dem Leben der Umwelt mystisch gelebt wird, dann strömt das, was mystisch erlebt wird, in die unsichtbaren, in die übersinnlichen Kräfte der Umwelt des Menschen hinein, wird objektiv, ist dann nicht bloß innerlich in der Seele des Menschen, sondern wirkt im geschichtlichen, im historischen Werden weiter. Durch solche Mystik wird nicht nur seelisch etwas erlebt für das einzelne menschliche Individuum, sondern es wird Seelisches; objektiv gestaltete Mächte, die vorher nicht da waren in der spirituellen Strömung, welche die Menschheit trägt und hält, die werden geboren, die sind dann da. Wenn der Mensch sein Tagewerk vollbringt mit seiner Hände oder mit seiner sonstigen Werkzeuge Arbeit, so stellt er etwas Äußerliches, Materielles in die Welt hinein. Mit solcher Mystik, wie die Tempelritter sie entfaltet haben, wird Geistiges in das Geisttum der Erde hineingestellt. Dadurch aber, daß dieses geschah, wurde die Menschheit wirklich eine Etappe weitergebracht in ihrer Entwickelung." (Lit.: GA 171, S. 197)

Die Templer mussten dabei aber auch all die Anfechtungen durch die Widersachermächte erleben, die jede geistige Entwicklung notwendig begleiten:

"Nun ergibt sich immer für eine solche Initiation, wie sie jetzt die Folge war bei einer Reihe der Tempelritter, auch die Möglichkeit, nicht nur zu sehen das Beseligende, das Göttliche, sondern auch die luziferischen und ahrimanischen Kräfte zu sehen. Alles das, was dem Göttlichen entgegenwirkt, alles das, was den Menschen in die ahrimanische Welt hinunterzieht und in die luziferische Welt hinaufzieht, all das erscheint neben dem Einblick in die normalen geistigen Welten dem, der eine solche Initiation durchmacht. All die Leiden und all die Versuchungen und all die Anfechtungen, die an den Menschen herankommen durch die dem Guten gegnerischen Mächte, denen steht der also Initiierte gegenüber, und er hat schon Augenblicke, in denen vor seinem geistigen Blicke, vor dem Seelenblicke schwindet die gute geistige Welt, und er sich wie gefangen sieht von dem, was Macht über ihn gewinnen will, und sich in den Händen sieht der ahrimanisch-luziferischen Mächte, die ihn ergreifen wollen, die sich seines Willens, Denkens, Fühlens, Empfindens bemächtigen wollen...

So lernte manch solcher Tempelritter kennen jenen teuflischen Drang, der sich des menschlichen Wollens und Fühlens bemächtigt, herabzuwürdigen das Mysterium von Golgatha. Und in den Traumbildern, von denen solch ein Initiierter heimgesucht werden kann, erschien manchem visionär - das war bei der Art, wie diese Initiation entstanden war, durchaus möglich, namentlich da ja die luziferischen Kräfte versuchend an der Seite standen - gewissermaßen die Kehrseite der Verehrung des Symbols des Kruzifixus. Er sah in der Vision, wie die menschliche Seele fähig werden konnte, zu verunehren das Kreuzessymbolum, zu verunehren die heilige Handlung der Konsekration der Hostie; er sah jene menschlichen Kräfte, welche dahin drängen, ins alte Heidentum wiederum zurückzuführen, anzubeten das, was die Heiden angebetet haben und zu verachten den christlichen Fortschritt. Wie die Menschenseele solchen Anfechtungen erliegen kann, das wußten diese Menschen, weil sie es bewußt überwinden mußten." (Lit.: GA 171, S. 124ff)

Der geistige Blick der Tempelritter war, wie Rudolf Steiner betonte, weit in die Zukunft gerichtet, noch über unser gegenwärtiges Bewusstseinsseelenzeitalter hinaus in die sechste nachatlantische Kulturepoche, das Wassermannzeitalter, in dem das Christentum erst zur vollen Blüte gelangen würde. In diese Richtung wollten sie arbeiten. Wie einst Hiram Abiff, der Baumeister des Salomonischen Tempels, von dem auch die Tempellegende berichtet, gehörten sie der werktätig arbeitenden Kains-Strömung an und standen dadurch in einem gewissen Gegensatz zu der priesterlichen Abel-Strömung, mit der sie sich aber vereinigen sollten.

„Zweierlei Strömungen haben wir nach der Sage beim Eingang des Menschengeschlechtes in die Welt: Die Kainskinder, die einer der Elohim mit Eva gezeugt, die Kinder der Welt, bei denen wir die großen Künste und äußeren Wissenschaften finden. Das ist die eine Strömung, die geächtet wurde und dann durch das Christentum geheiligt werden soll, wenn das fünfte Prinzip in die Welt gekommen ist. Die andere Strömung sind die Gotteskinder, die den Menschen gebracht haben bis zur Erfassung des fünften Prinzips. Es sind die, die Adam geschaffen hat. Dann wurden die Kainssöhne aufgerufen, um jetzt dasjenige in einer Hülle einzufassen, was die Gottessöhne, die Abel-Seth-Kinder geschaffen hatten.

In der Bundeslade ist der heilige Name des Jahve geborgen. Aber das, was die Welt umgestalten soll, was für das Allerheiligste die Umhüllung schaffen soll, das soll wieder hergestellt werden durch die Kainssöhne. Gott hat des Menschen Leib geschaffen, darin geht des Menschen Ich auf und zerstört zunächst diesen Tempel. Der Mensch kann sich nur retten, wenn er sich zuerst das Haus baut, das ihn hinüberträgt über die Wasser der Leidenschaften, wenn er sich die Arche Noah baut. Dieses Haus muß der Mensch wieder aufrichten. So baut am Äußeren, was als die Kainskinder in die Welt gekommen ist, und was die Gotteskinder gebracht haben, das baut am Inneren.“ (Lit.:GA 93, S. 152f)

„Die Tempelritter sagten damals: Alles, was wir bisher erlebt haben, ist eine Vorbereitung zu dem, was der Erlöser gewollt hat. Denn sie sagten: Es gibt eine Zukunft des Christentums, eine neue Aufgabe. Und wir haben die Aufgabe, die verschiedenen Sekten des Mittelalters und die Menschen überhaupt auf jenes Zukünftige vorzubereiten, wo das Christentum in einer neuen Klarheit erstehen wird, in dem, was der Erlöser eigentlich gewollt hat. Wir haben das Christentum in der vierten Unterrasse aufgehen sehen, in der fünften wird es sich weiterentwickeln, aber in der sechsten soll es erst die wiederauferstandene Glorie feiern. Das haben wir vorzubereiten. Wir müssen die Seelen der Menschen so lenken, daß ein echtes, wahres, reines Christentum zum Ausdruck kommt, in dem der Name des Höchsten seinen Wohnsitz hat.“ (Lit.:GA 93, S. 146)

Die Weisheit, die die Templer zu erringen strebten, ist nur durch die Vergeistigung des Astralleibs zum Geistselbst (Manas) zu erreichen, das im Bild der göttlichen Jungfrau Sophia geschaut wurde.

„Wenn Sie die Lehren der Templer verfolgen, so ist da etwas im Mittelpunkte, was als etwas Weibliches verehrt wurde. Dieses Weibliche nannte man die göttliche Sophia, die göttliche Weisheit. Manas ist das fünfte Prinzip, das geistige Selbst des Menschen, das aufgehen soll, dem ein Tempel errichtet werden sollte. Und wie das Fünfeck vom Eingang des Salomonischen Tempels den fünfgliedrigen Menschen charakterisiert, ebenso charakterisiert dieses Weibliche die Weisheit des Mittelalters. Dante hat mit seiner «Beatrice» nichts anderes als diese Weisheit zur Darstellung bringen wollen. Nur der versteht Dantes «Göttliche Komödie», der sie von dieser Seite betrachtet. Daher finden Sie auch bei Dante dieselben Symbole, die bei den Templern, den christlichen Ritterschaften, den Gralsrittern und so weiter zum Ausdruck kommen.“ (Lit.:GA 93, S. 152)

In diesem Streben verbanden sich die Tempelritter, wie Steiner berichtete, auch mit dem Geheimnis des Heiligen Grals:

"Die Tempelritter hatten aus dem Orient die Einweihungsweisheit des heiligen Gral herübergebracht nach dem Berge des Heils, Mons salvationis, der Einweihungsstätte des Christentums. Eine Einweihungszeremonie wies direkt hin auf die Zukunft des ganzen Menschengeschlechtes. Es wurde gesagt: Eine Zeit wird kommen, da wird das Christentum eine neue Phase erleben. - Der Fortgang der menschlichen Geisteskultur wurde von jeher bewußt nach dem Fortgang der Sonne bezeichnet. Vor dem Jahre 800 vor Christus ging die Sonne während circa 2200 Jahren durch das Sternbild des Stieres. Da verehrte man drüben in Asien als das Göttliche den Stier. Noch vorher wurden aus demselben Grunde in Persien die Zwillinge verehrt: Gutes und Böses, die Dualität. Um 800 vor Christus trat die Sonne in das Zeichen des Widders oder Lammes. Darauf weist hin die Sage von Jason und dem goldenen Vlies. Christus nennt sich selbst das Lamm Gottes, weil er in diesem Zeichen erschien. [Heute steht die Sonne im Zeichen der Fische.] Die Tempelritter weisen hin auf das nächste Sternbild; die Sonne wird dann eintreten in das Sternbild des Wassermannes. Da wird das Christentum erst wirklich aufgehen, das Heidentum verbunden mit dem Christentum sein. Diese Kultur wird einen neuen Johannes auferwecken. Dieser Zeitpunkt tritt ein, wenn die Sonne im Zeichen des Wassermannes stehen wird. Johannes heißt Wassermann; er wird der Verkünder sein einer neuen Zeit des Christentums. Man sagt, die Tempelritter hätten auf Johannes den Täufer hingewiesen, nicht auf Christus. Aber der Johannes, von dem sie reden, ist der Wassermann." (Lit.: GA 92, S. 156f)

In diesem Zusammenhang lassen sich die Visionen, die die Tempelritter durch die Auseinandersetzung mit den Widersachermächten erlebten, auch noch von einer ganz anderen Seite beleuchten:

"Daß ein «Johannes-Aquarius» kommen wird, der den alten Johannes erst zur Wahrheit machen und einen Christus verkünden wird, der den Tempel wiedererneuert, wenn der große Zeitpunkt gekommen sein wird, wo der Christus neuerdings zur Menschheit sprechen wird, diesen Zeitpunkt dann zu verstehen, das wurde in den Tiefen der Mysterien der Templer gelehrt.

Und weiter sagten die Templer: Jetzt sind wir an einem Zeitpunkt, wo die Menschen noch nicht reif sind, die große Lehre zu verstehen, noch müssen wir sie auf den Täufer Johannes vorbereiten, der mit Wasser tauft. - Das Kreuz wurde vor den hingestellt, der Templer werden wollte, und ihm wurde gesagt: Du sollst dieses Kreuz jetzt verleugnen, um es später zu verstehen, erst ein Petrus werden, erst wie Petrus, der Fels, der den Herrn verleugnet hat, die Lehre verleugnen. Das wurde als eine Vorschule dem zukünftigen Templer beigebracht.

[...]

Nachdem dem Templer dies alles dargestellt worden war, zeigte man ihm eine symbolische Gestalt des göttlichen Wesens in einer ehrwürdigen Mannesgestalt mit einem großen Barte. (Symbol des Vaters.) Wenn die Menschen sich hinaufentwickelt und eigene Führer in den Meistern erhalten haben werden, wenn diejenigen da sein werden, die die Menschen führen können, dann wird vor den Menschen als das Wort des führenden Vaters, der Meister stehen, der die Menschen zum Begreifen des Christus hinführt." (Lit.: GA 93, S. 149ff)

Das starke geistige Streben der Templer brachte zugleich auch eine gewisse Gefahr, einseitig der lichtvollen luziferischen Versuchung zu verfallen.

"Die Kirche bildete sich als Fortsetzung der alten Priesterweisheit heraus. Daneben entstand aber die Strömung, die selbst nach Licht suchte, die luziferischen Menschen wie zum Beispiel die Tempelritter. Sie sagten, man müsse sich selbst Licht und Wahrheit suchen." (Lit.: GA 97, S. 169)

Dieser luziferische Einschlag rief notwendig ahrimanische Gegenkräfte auf den Plan.

"Diese Seelen, die ganz sich hingeben wollten dem Geistigen, an sie konnten leicht jene Kräfte kommen, welche das Geistige von der Erde wegheben wollen, die nicht wollen, daß das Geistige auf der Erde ausgebreitet werde, daß der Geist das Erdensein durchdringe. Und immer ist ja die Gefahr vorhanden, daß die Seelen erdenfremd und erdenmüde werden, und daß die Menschheit auf der Erde mechanisiert werde.

Da haben wir auf der einen Seite gewaltig aufstrebendes geistiges Leben, von dem wir voraussetzen dürfen, daß die luziferische Versuchung ihm nahestehen kann, weil da ein guter Anhaltspunkt ist für die luziferische Versuchung. Dann haben wir aber in derselben Zeit, in welcher der Templerorden rasch sich ausbreitete über die verschiedenen christlichen Länder Europas, im Westen Europas die Möglichkeit scharfen Einsetzens ahrimanischer Mächte. Denn in der Zeit, in welcher der Templerorden durch seine Tätigkeit zu großem Ansehen und auch zu großem Reichtum - als Orden, nicht als einzelner Templer - gekommen war und sich ausgebreitet hatte auch über den Westen Europas, in dieser Zeit des ausgehenden 13., des beginnenden 14. Jahrhunderts, da haben wir im Westen herrschend einen Mann, eine menschliche Persönlichkeit, welche, man kann geradezu sagen, in der Seele eine Art Begeisterung empfand durch die moralische Macht oder respektive unmoralische Macht des Goldes; eine Persönlichkeit, die geradezu in einseitiger Weise die Vermaterialisierung der Weisheit aus dem Golde heraus zu ihrer Inspiration bilden konnte. Erinnern Sie sich an das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie, wo der goldene König zum Repräsentanten der Weisheit geworden ist! Es kann allerdings, weil in den einzelnen Stoffen auch geistige Kräfte stecken - denn der Stoff ist immer nur scheinbar, geistige Kräfte stecken dahinter, wenn sie auch der Materialist nicht wahrzunehmen vermag -, es kann geradezu das Gold zum Inspirator werden. Eine hochbegabte, mit außerordentlicher, mit höchster Klugheit ausgestattete Persönlichkeit ist zugänglich dieser Inspiration durch das Gold mit geradezu ärgster ahrimanischer Weisheit. Das ist der von 1285 bis 1314 in Frankreich regierende König Philipp der Schöne, Philipp IV. Philipp IV. der Schöne kann geradezu ein genial-habsüchtiger Mensch genannt werden, ein Mensch, der den instinktiven Drang in sich verspürte, nichts anderes anzuerkennen in der Welt als das, was mit Gold aufgewogen werden kann, und niemandem wollte Philipp der Schöne eine Macht über das Gold zugestehen als nur allein sich selber." (Lit.: GA 171, S. 120f)

Dieser "Orden, der es tatsächlich fertiggebracht hatte, die ganze Wirtschaft selbstlos zu verwalten, so daß kein Mensch mehr durch den anderen ausgenutzt wurde" (Lit.: G. Klockenbring, S. 33), war aufgrund seines selbstlosen Reichtums, den "Haß-Inspirationen" und der Geldgier des damaligen französischen Königs Philipps des Schönen, der zuvor erfolglos versucht hatte, in den Templerorden aufgenommen zu werden, massiv ausgesetzt, nachdem jener im Zusammenwirken mit Papst Clemens V., begonnen hatte, gegen den Orden vorzugehen.

"Solch eine Leidenschaft, die auf eine solch materielle Weise angeregt wird und die so intensiv ist, die erzeugt zugleich in der Seele starke Machtkräfte; sie erzeugt aber auch, wenn auch nach dem Ahrimanischen hin gehende, Erkenntnisse. Und so konnte es sein, daß in der Seele Philipps IV. des Schönen gewisse Erkenntnisse aufgingen, ich möchte sagen, von nachgeordneter Art, von derjenigen Weise des Erkennens, die wir aufflammen gesehen haben in herbster, abscheulicher Weise in den mexikanischen Mysterien. Was man bewirken kann, wenn man in der richtigen Weise Leben überwindet in der Welt, wenn auch in anderer Weise als die mexikanischen Eingeweihten, wenn auch nicht in so unmittelbarer, sondern mittelbarer Weise, das ging Philipp IV. dem Schönen auf. Und wie aus tief unterbewußten Impulsen heraus fand er die Mittel, aus dem Töten von Menschen heraus unterbewußte Impulse der Menschheitsentwickelung einzuverleiben. Dazu brauchte er seine Opfer. Und in einer ganz merkwürdigen Weise stimmte zusammen dieser teuflische Instinkt Philipps IV. des Schönen mit demjenigen, was sich auf der anderen Seite im Schoße der Templer notwendigerweise entwickelte durch ihr den gekennzeichneten Dingen geweihtes Leben." (Lit.: GA 171, S. 123)

Clemens V., der am 5. Juni 1305 zum Papst gewählt worden war, hielt sich abwechselnd in Bordeaux, Poitiers und Toulouse auf. Im März 1309 bestimmte er schließlich auf Drängen des Königs Avignon zum neuen Sitz der Päpste, womit das so genannte babylonische Exil der Kirche begann, das erst 1377 Papst Gregor XI. beendete.

"Eine völlige Kreatur in den Händen Philipps IV. des Schönen von Frankreich war der Papst Clemens V., der vorher Bischof von Bordeaux gewesen war und dann in Avignon residierte, der nach und nach durch den gewaltigen Willen Philipps des Schönen so weit gekommen war, daß er gar nicht mehr einen eigenen Willen hatte, sondern wirklich seine kirchliche Gewalt nur dazu verwendete, um Philipp dem Schönen zu dienen, allem, was Philipp der Schöne wollte." (Lit.: GA 171, S. 122)

Durch einen Brief vom 6. Juni 1306 wurde Großmeister Jacques de Molay von Clemens V. nach Frankreich gebeten für Gesprächen über die Pläne für einen neuen Kreuzzug und über die Zusammenlegung mit dem Johanniterorden. Als de Molay in Paris ankam, wurde er bereits von massiven, von Verleumdern ausgestreuten Gerüchten über die Templer konfrontiert, denen Hochmut, Habgier und fehlendes karitatives Engagement vorgeworfen wurde. Clemens V. war schon bei seiner Papstkrönung in Lyon am 14. November 1305 von Philipp IV., mit dem er befreundet war, über diese Gerüchte informiert worden. Wilhelm von Nogaret schleuste indessen seine Spitzel in den Templerorden ein. De Molay musste handeln und forderte nun selbst eine päpstliche Untersuchung, wie der Papst König Philipp in einem Schreiben vom 24. August 1307 mitteilte[19].

Am 14. September 1307, dem symbolträchtigen Fest der Kreuzerhöhung, ließ Philipp IV. die Haftbefehle für die Tempelritter ausfertigen und an alle zuständigen Stellen versenden mit der Auflage, die versiegelten Briefe genau zur gleichen Zeit am Freitag, den 13. Oktober 1307 zu öffnen und laut den enthaltenen Befehlen zu verfahren. Auf einen Schlag konnten so die meisten Templer verhaftet werden, nur wenigen gelang die Flucht. Geständnisse wurden, wenn nötig, durch grausame Folter erzwungen und umgehend der erste Verfahrensgang des Templerprozesses eingeleitet. Von den 138 im Temple von Paris festgenommenen Templern gestanden alle außer fünf die ihnen vorgeworfenen Vergehen. Ab 19. Oktober 1307 wurde die Inquisition hinzugezogen und am 24. Oktober fand das erste Verhör des Großmeisters Jacques de Molay durch den dominikanischen Inquisitor Guillaume Imbert statt.

Die Tempelritter wurden der Ketzerei angeklagt; bei seltsamen Ritualen würden sie das Kreuz bespucken, Christus verleugnen und statt dessen den Götzen Baphomet anbeten und Sodomie im Sinne homosexueller Handlungen begehen. Durch den geschickten Einsatz der Folter und der dadurch erzwungenen Bewusstseinstrübung konnte Philipp sehr leicht derartige Visionen aus den Gefangenen herauspressen lassen.

"Bafomet, das ist ein Wesen der ahrimanischen Welt, welches den Leuten erschien, wenn sie gefoltert wurden. Das ist raffiniert gemacht worden. Dann haben sie eine Menge von Visionärem mitgenommen, als sie ins Bewusstsein zurückgekommen sind." (Lit.: GA 300a, S. 130)

"Möglichst viele Leute zu foltern, das gehörte mit in die Intentionen Philipps des Schönen. Und die Folterung wurde in der grausamsten Weise vollzogen, so daß eine große Zahl, ja die größte Zahl der gefolterten Tempelritter bis zur Bewußtlosigkeit gefoltert wurden. Das wußte Philipp IV. der Schöne, was da herauskommt, wenn das Bewußtsein getrübt wurde, wenn diese Leute auf der Folter liegen unter den entsetzlichsten Qualen; er wußte: da kommen die Bilder der Anfechtungen heraus! Und nun wurde unter Anstiftung Philipps IV. des Schönen eine Katechisierung zusammengestellt, ein Katechismus von Suggestionsfragen, so daß man die Fragen so stellte, daß immer in der Frage herausgefordert wurde die Antwort, und die Antwort gegeben aus dem durch die Folter getrübten Bewußtsein. Die Frage wurde gestellt: Habt ihr die Hostie verleugnet und bei der Konsekration nicht die Konsekrations worte gesprochen? - Und die Tempelritter gestanden das, weil ihr Bewußtsein getrübt war durch die Folter, weil die dem Guten entgegenstehenden Mächte aus ihren Visionen heraus sprachen. Und sie klagten sich an, während sie in ihrem bewußten Leben dem Kreuzessymbolum, dem Kruzifixus, die höchste Verehrung entgegenbrachten, daß sie es bei der Aufnahme anspeien; und sie klagten sich an aller der schlimmsten Verbrechen, die in dieser Zeit sonst als Anfechtungen in ihrem Unterbewußtsein lebten. Und so stellte man zusammen aus dem, was die Tempelritter gestanden haben auf der Folter, daß diese Tempelritter angebetet hätten ein Idol statt des Christus, ein Idol eines Menschenkopfes, dessen Augen leuchtend werden, daß sie bei ihrer Aufnahme widerwärtigen Prozeduren schlimmster geschlechtlicher Art unterworfen würden, daß sie die Wandlung nicht in der richtigen Weise vollziehen, daß sie die schlimmsten geschlechtlichen Laster treiben, daß sie eben bei ihrer Aufnahme abschwören das Mysterium von Golgatha; und man hatte die ganze Katechisierung so eingerichtet, daß selbst der Großmeister des Templerordens unter der Folter gezwungen worden ist, aus dem Unterbewußten heraus diese Zugeständnisse zu machen." (Lit.: GA 171, S. 126f)

"Den Ausblick über diese den Menschen angemessenen geistigen Welten hatten die Templer herabgedrückt bekommen während der Folterung; das Oberbewußtsein war ihnen abgelähmt, und ihr innerer Seelenblick wurde während der Folterung nur auf das gerichtet, was sie erlebt hatten als ein zu Überwindendes, was als Anfechtung in ihnen war, worüber sie Sieg über Sieg in ihrer Seele erreicht hatten. Das wurde ihnen heraufgedrängt in das Bewußtsein, in das abgelähmte, getrübte Bewußtsein während der Folterung. Und so kam es, daß diese gefolterten Tempelritter in den Augenblicken, in denen sie der Folterung unterzogen wurden, vergaßen ihren Zusammenhang mit dem Mysterium von Golgatha, vergaßen, wie sie wohnten mit ihrer Seele in den geistig ewigen Welten, und das, was sie überwunden hatten, das, was als Anfechtung in ihnen lebte, das stand vor ihnen als Vision, wenn sie auf der Folter lagen, und sie gestanden als einen Gebrauch innerhalb des Ordens, was sie — jeder einzelne für sich — überwunden hatten. Sie gestanden das als ihre Fehler, was sie gerade erlebt hatten so, daß sie Sieg über Sieg darüber errungen hatten. Als der Mensch mußte jeder dieser Templer erscheinen, der von jedem dieser Templer, dieser wahren Templer - selbstverständlich, Auswüchse gibt es überall - innerlichst überwunden war, der überwunden werden mußte, um gerade mit höheren Kräften das Allerbeste, Höchste, Heiligste zu erreichen. Das wußte man auf sehen der Gegner. Man wußte: weil ja das gewöhnliche Bewußtsein abgelähmt war, so war, ebenso wie auf der anderen Seite im Guten das Mysterium von Golgatha herausgestellt war, damit jetzt herausgestellt, verobjektiviert und der Menschheitsentwickelung einverleibt das, was in diesem bösen Bewußtsein lebte. Das war ein historischer Faktor geworden." (Lit.: GA 171, S. 200)

Zwar protestierte Papst Clemens V. am 27. Oktober 1307 offiziell gegen die Verhaftung der Templer, die angewandte Folter und die Einziehung der Güter, doch davon ließ sich Philipp IV. nicht beeindrucken. Schon am nächsten Tag, den 28. Oktober 1307, ließ er den Großmeister Jacques de Molay und einige seiner Mitbrüder vor einer Versammlung von Prälaten und Doktoren der Universität auftreten, wo der Großmeister sämtliche dem Orden vorgeworfenen Vergehen eingestand und sogar ein Schreiben besiegelte, in dem er alle Templer zum Geständnis aufforderte. Seine wahren Beweggründe dafür blieben unbekannt; jedenfalls wurde in der Folge für die geständigen Ritter das Todesurteil ausgesetzt und in lebenslange Haft umgewandelt. Nach wochenlangen zähen Verhandlungen mit Philipp unterzeichnete Clemens V. am 22. November die Bulle Pastoralis Praeeminentiae, die die Verhaftung der Templer in allen Ländern und deren Überstellung an die Kirche anordnete.

Mit seinen engsten Gefolgsleuten wurde der Großmeister Jacques de Molay in der Burg Chinon eingekerkert und im August 1308 neuerlich von Kardinälen des Papstes befragt. Das lange verschollene und erst 2001 im Geheimarchiv des Vatikan zufällig wiedergefunde und mit 17. August 1308 datierte sogenannte Chinon-Dokument belegt, dass der Papst daraufhin die Buße der Tempelritter akzeptierte, sie von jeder Schuld freisprach und ihnen die Absolution erteilte[12]. Dennoch gab der Papst schließlich dem Druck des französischen Königs nach. Am 12. Mai 1310 wurden 54 Templer vor den Toren von Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt[13][14], am 27. Mai weitere 5 und wenig später 9 in Senlis[15].

„In jenem Jahr wurden am Dienstag, dem XII. Tag des Mai, am Fest der Heiligen Nereus, Achelleus und Pancratius, zwischen Terze und Mittag, zwischen Saint-Antoine de Paris und der Windmühle, 54 Templer wegen ihres Unglaubens verbrannt. Das Gleiche geschah kurz darauf in Senlis: neun; das gleiche darauf in Paris: fünf, unter ihnen Bruder Jean de Tavemy, ehemaliger Almosenier König Philipps von Frankreich.“

Guillaume d'Ercuis[15]

Auf dem Generalkonzil von Vienne wurde mit der päpstlichen Bulle Vox in excelso am 22. März 1312 der Templerorden aufgehoben. Mit der Bulle Ad providam wurden die Templergüter am 2. Mai 1312 auf die Johanniter (Orden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem) übertragen. Der finanzielle Gewinn für König Philipp IV. beschränkte sich auf die Erstattung der allerdings sehr hoch angesetzten Prozesskosten.

Im Dezember 1312 wurde das weitere Verfahren gegen den Großmeister und seine Getreuen einer Kardinalskommision übertragen. Am 18.März 1314 wurde das Urteil, das auf lebenslänglichen Kerker lautete, verkündet. Jacques de Molay und sein letzter noch lebender Gefolgsmann Geoffroy de Charnay wiederriefen daraufhin öffentlich all ihre früher gemachten Geständnisse und beharrten auf der Unschuld ihres Ordens. Noch am Abend desselben Tages wurden sie auf Befehl Philipps IV. auf der Westspitze der Île de la Cité nahe der Pont Neuf öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Geoffroy de Paris, ein damaliger Augenzeuge und Chronist, schildert das düstere Geschehen, wie folgt:

„Als der Großmeister die züngelnden Flammen sah, entkleidete er sich ohne zu zögern. Ich sage das, weil ich es mit eigenen Augen gesehen habe. Dann machte er sich, völlig nackt, mit feierlichem Schritt auf den Weg, das Gesicht durchgeistigt, ohne zu zittern, obwohl man an ihm zerrte und zog, ihn sogar auf das Gröbste misshandelte. Er wurde gepackt, von Kopf bis Fuß wie ein Paket verschnürt und an den Pfahl gebunden. Eben wollte man ihm die Hände mit einem Strick zusammenbinden, als er zum Henker sagte: «Lasst mich ein wenig die Hände falten, denn jetzt ist der Augenblick gekommen, dies zu tun. Ich stehe vor dem Tod. Gott weiß das ich unschuldig bin. Bald, in einem knappen Jahr, wird jene, die uns zu Unrecht verurteilt haben, ein großes Unglück treffen. Ich sterbe in dieser Überzeugung.» Und als sie ihm schließlich die Hände gebunden hatten, sagte er: «Meine Herren, ich bitte euch, dreht mein Gesicht Notre-Dame zu.»
Einen Monat später, am 20. April starb Clemens V. plötzlich in der Provence, im Alter von kaum fünfzig Jahren. Am 29. November desselben Jahres erlitt Philipp der Schöne in Fontainebleau einen tödlichen Jagdunfall. Nur 46 Jahre zählte der König, als er durch seinen Sturz vom Pferd bei der Wildschweinhatz das Leben verlor.“

Geoffroy de Paris: zit. nach Bruno Nardini, S. 202 - 203

So wurde durch das Leben der Templer und die grausame Art ihres Untergangs zwei geistige Strömung der Menschheitsentwicklung einverwoben, die für unser gegenwärtiges Bewusstseinsseelenzeitalter von nachhaltiger Bedeutung sind:

"Was in die ätherische Welt einfloß von den geistigen Impulsen der Templer, das lebte ätherisch weiter; und durch dieses Weiterleben im Ätherischen wurde manche Seele dazu bereitet, aufzunehmen die Inspirationen, die ich beschrieben habe, die aus den geistigen Welten von den Templerseelen selber kommen. Das ist der konkrete Vorgang, der sich abgespielt hat in der neueren Zeit.

In dasjenige, was aus den Templerseelen floß, ist aber immer mehr und mehr, und zwar gerade in der Breite des Lebens, eingeströmt dasjenige, was aus mephistophelisch-ahrimanischen Impulsen fließt, was durchtränkt ist von dem mephistophelisch-ahrimanischen Elemente, was inauguriert wurde auf den Folterbänken der Templer dadurch, daß sie unter der Folter Unwahres über sich selber aussagen mußten. Dies nicht allein, aber dies mit als einer der Gründe, der geistigen Gründe zum modernen Materialismus, dies gehört zu dem, was man verstehen muß, wenn man innerlich den Sinn der modernen materialistischen Entwickelung verstehen will." (Lit.: GA 171, S. 208f)

Der Untergang des Templerordens ist nach Rudolf Steiner eine Wirkung des Sonnendämons Sorat, zu einer Zeit, in der sich zum zweiten Mal die Zahl des Tieres 666 erfüllt hat:

"Aber, meine lieben Freunde, die Zahl 666 ist einmal da in jener Zeit, in welcher der Arabismus hineinschießt in das Christentum, um der abendländischen Kultur das Siegel des Materialismus aufzudrücken, sie ist ein zweites Mal da, nachdem wieder 666 Jahre verlaufen sind: 1332, im 14. Jahrhundert (Tafel 6). Und da haben wir ein neues Erheben des Tieres aus den Fluten des Weltgeschehens heraus. Es erscheint demjenigen, der so schaut wie der Apokalyptiker, das Weltgeschehen wie ein fortwährendes Fluten einer Epoche von 666. Das Tier erhebt sich, bedrohend das Christentum mit seinem Suchen nach dem wahren Menschentum, geltend machend gegen das Menschentum das Tiertum; es regt sich Sorat. Im 14. Jahrhundert sehen wir wieder sich erheben den Sorat, den Widersacher.

Es ist die Zeit, in welcher aus tiefen Seelenuntergründen heraus, viel mehr als aus dem Orientalismus heraus, der Tempelherren- Orden in Europa stiften wollte eine Sonnenansicht des Christentums, eine Ansicht vom Christentum, die wiederum hinaufschaute zu dem Christus als einem Sonnenwesen, als einem kosmischen Wesen, die wiederum etwas wußte von den Geistigkeiten der Planeten und der Sterne, die wußte, wie im Weltengeschehen zusammenwirken die Intelligenzen weit auseinanderliegender Welten, nicht bloß die Wesenheiten eines Planeten, und die auch etwas wußte von den mächtigen Oppositionen, die stattfinden durch solche widerspenstigen Wesenheiten wie den Sonnendämon Sorat, der einer der mächtigsten Dämonen innerhalb unseres Systems ist. Im Grunde ist es Sonnendämonie, welche im Materialismus der Menschen wirkt.

Es ist heute natürlich von einem gewissen Gesichtspunkt aus schwierig, davon zu sprechen, was aus der europäischen Zivilisation geworden wäre, wenn der so mächtige, auch äußerlich mächtige Tempelherren-Orden - man hat ihm seine Schätze ja genommen - seine Absichten hätte ausführen können. Aber in den Herzen und Seelen derjenigen, die nicht früher ruhen konnten, als bis dieser Orden 1312 untergegangen war und Jakob von Molay 1314 den Tod gefunden hatte, in den Herzen derjenigen, die die Widersacher des kosmischen, des in den Kosmos hinausschauenden Christus waren, lebte Sorat wieder auf, und nicht zum geringsten Teile so, daß er sich der damaligen Gesinnung der römischen Kirche bediente, um gerade die Templer zu töten. Damals war ja das Hervortreten dieses Sorat schon anschaulicher, denn es umschwebt ein grandioses Geheimnis den Untergang dieses Tempelherren- Ordens. Wenn man in das hineinschaut, was in diesen Menschen, die dazumal als Templer hingerichtet worden sind, vorging während ihrer Folterungen, dann bekommt man schon eine Vorstellung davon, wie das von Sorat angestiftet war, was in den Visionen der gefolterten Templer lebte, so daß sie sich selbst verleumdeten und man eine billige Anklage gegen sie hatte, die aus ihrem eigenen Munde kam. Das furchtbare Schauspiel stand vor den Menschen, daß diejenigen, die etwas ganz anderes vertraten, während ihrer Folterung nicht davon sprechen konnten, sondern daß die verschiedenen Geister aus den Heerscharen des Sorat aus ihnen sprachen und über den Orden selbst die schändlichsten Dinge aus dessen eigenen Angehörigen sprachen." (Lit.: GA 346, S. 119f)

Siehe auch

Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 Das exakte Gründungsdatum ist unbekannt, dürfte aber etwa zwischen 1118 und 1121 liegen.
  2. Alain Demurger: Die Templer. Aufstieg und Untergang. München, 4. Aufl. 1994, S. 260.
  3. Als weitere Gründungsmitglieder gelten: Andreas von Montbard (ein Onkel Bernhards von Clairvaux), Gundomar, Gudfried, Roland, Payen von Montdidier, Gottfried Bisol und Archibald von Saint-Amand.
  4. „Wolfram war in Jerusalem gewesen, hatte die Templer kennen gelernt und hat sie in seinem Epos zu den Hütern des Gral gemacht und damit zu denjenigen, die das Geheimnis des Gral kannten.“ (Lit.: Strelka, S. 52)
  5. "Diese Zugehörigkeit Alighieris zum Orden der Tempelherren ist es, die im Verlauf unserer Erörterung bis zur Unbestreitbarkeit erhärtet werden soll. In ihr liegt in der Tat der Schlüssel zu Dantes gesamten literarischem Schaffen, vor allem zur Göttlichen Komödie, die sich uns als eine durch und durch templarische Glückseligkeitslehre offenbaren wird, sowohl was die Ereignisse in den drei Jenseitsreichen als auch die sie bewohnenden Geister, ja sogar die moralische Struktur ihres Aufbaus betrifft. Insonderheit werden wir uns mit dem zu befassen haben, was wir schon hier als die templarische Gnosis Dantes bezeichnen möchten, die seit seinen Jugendtagen die eigentliche Herrin seines Geistes war und die auch die Zentralsonne seiner zur Glückseligkeitslehre erhobenen gesellschaftsphilosophischen Gedankenwelt ist. - Gnosis aber im Sinne eines streng geheimgehaltenen Erkennens, das nur gleichverschwiegenen Eingeweihten in Allegorien kundgegeben werden kann, um nicht die Gefahren der Profanierung heraufzubeschwören; im Sinne eines Esoterismus, der aus neuplatonischen, orientalischen und joachimitisch-kirchenreformerischen Quellen zugleich gespeist wird. Nicht aber Gnosis im Sinne von eigentlicher Häresie; obgleich wir Dante dem Konzil von Vienne gegenüber, während dessen Tagung (1311-13I2) der Templerorden aufgehoben wurde, in einer Haltung finden werden, die wir heute immerhin als dogmatisch unzulässig bezeichnen müssen." (Lit.: Robert L. John: Dante, Springer-Verlag, Wien 1946, S. 5)
  6. „Ohne Zweifel trifft die Templer Palästinas ein gerütteltes Maß von Schuld an diesem Unglück. Sie hatten sich in ihrem hochmütigen und eigenbrödlerischen Oppositionsgeist hinter den ebenso unfähigen wie herrschsüchtigen, aus Spanien stammenden Kardinallegaten Pelagius gesteckt und dessen unvernünftigen Starrsinn zum Nachsehen der syrischen Barone und des Königs Jean de Brienne von Jerusalem bis zu einem Grad von Verblendung gesteigert, der schließlich die unendlichen Mühen und Opfer dieses Kreuzzuges samt und sonders zunichte machte und die Kreuzzugsbegeisterung des Abendlandes zum endgiltigen Absterben brachte.“ (Lit.: John, S. 115)
  7. Demurger, Die Verfolgung der Templer, S. 32f
  8. „Der Templerprozeß, der so blitzartig begann, war geraume Zeit hindurch vorbedacht und in aller Stille vorbereitet. Nach außen hin kam der Stein dadurch ins Rollen, daß dem Hof in Paris plötzlich die Anzeige eines gewissen Noffo Dei aus Florenz vorlag, der in seinem Pariser Kerker, wo er seinem· wahrscheinlichen letzten Ende entgegensah, von einem Mithäftling namens Esquinus de Floyran aus B6ziers, einem angeblich ehemaligen Tempelprior von Monf<llucon, im Vertrauen die schändlichen Dinge, die sich im Templerorden abspielten, erfahren haben wollte. Es versteht sich, daß beiden die Freiheit rasch geschenkt war, - durch Verwendung Nogarets selber.“ (Lit.: John, S. 126)
  9. Alain Demurger: Der letzte Templer, S 223ff
  10. Jean de Tour muss aber doch wieder in den Orden aufgenommen worden sein, denn er wurde am 13. Oktober mit den anderen Templern verhaftet und laut Protokoll am 26. Oktober verhört.
  11. Bei seiner Befragung am 20. August 1308 gab Jaccques de Molay laut des Dokuments von Chinon an, „dass jener ihm, der ihn aufgenommen hat, bevor er den Mantel zuknöpfte ein bestimmtes Kreuz zeigte, sagte, Gott zu verleugnen, dessen Bildnis auf demselben Kreuz gemalt war, und darauf zu spucken: was er machte; er spuckte jedoch nicht auf das Kreuz, sondern auf die Erde, wie er sagte. Er sagte auch, dass er die Verleugnung mit Worten ohne Überzeugung machte. Ausführlich über das Laster der Sodomie, den Götzen in Form eines Kopfes und die unmoralischen Küsse befragt, sagte er nichts zu wissen. Befragt, ob er die soeben gesagten Sachen auf Wunsch, für Geld, aus Dankbarkeit, Sympathie, Angst oder Hass oder Anstiftung von irgendjemandem oder aus Furcht vor der Folter gebeichtet habe, verneinte er. Befragt, ob ihm nach seiner Inhaftierung Fragen gestellt wurden, oder ob er gefoltert wurde, verneinte er. Nach oben beschriebener Art und Form glaubten wir Kardinäle nach all dem, dass derselbe Bruder, Ordensgroßmeister Jacques, die in unseren Händen die nun eingestandene und jede andere Irrlehre abschwor und auf die heiligen Evangelien Gottes den Eid leistete und ergeben die Vergünstigung der Absolution von diesen Sachen erbat, die Vergünstigung der Absolution in der Art der Kirche erteilen zu können und ihn selbst wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufzunehmen und ihn der Gemeinschaft der Gläubigen und der kirchlichen Sakramente zurückgegeben zu können.
  12. 12,0 12,1 Das Chinon-Dokument ist die Abschrift einer Befragung des Großmeisters und anderer Würdenträger der Templer durch die Gesandten des Papstes. Das Pergament, das "versehentlich" falsch archiviert worden war, wurde erst 2001 zufällig von der italienischen Wissenschaftlerin Barbara Frale wiedergefunden und von Historikern eingehend geprüft. Am 25. Oktober 2007 wurde das Dokument zusammen mit einer Reproduktion der Prozessakten in dem Buch "Processus contra Templarios" in einer Auflage von 799 Stück veröffentlicht. Das 800. Exemplar wurde Papst Benedikt XVI. feierlich überreicht.
  13. 13,0 13,1 Alain Demurger: Der letzte Templer: Leben und Sterben des Grossmeisters Jacques de Molay, S. 330
  14. 14,0 14,1 Andreas Meyer: Die letzten Templer. Band I, S. 215ff
  15. 15,0 15,1 15,2 Alain Demurger: Die Verfolgung der Templer, S. 262ff
  16. Clemens V., ursprünglich Bertrand de Got, (* zwischen 1250 und 1265 in Villandraut, Frankreich; † 20. April 1314 in Roquemaure, Frankreich) war vom 5. Juni 1305 bis zum 20. April 1314 Papst der katholischen Kirche.
  17. Das Avignonesische Papsttum, auch das babylonische Exil der Kirche genannt, währte von 1309 bis 1377.
  18. Demurger „Les Templiers“, 2005, 483
  19. A. Meyer: Die letzten Templer, Band I, S. 133ff

Literatur

  • Theodor Merzdorf: Die Geheimstatuten des Ordens der Tempelherren, Halle 1877 pdf
  • Inge Ott: Das Geheimnis der Tempelritter, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 2005
  • Peter Tradowsky: 13. Oktober 1307 / Zur Vernichtung des Templerordens vor 700 Jahren (Freie Vereinigung für Anthroposophie MORGENSTERN), Berlin 2007
  • Marcus Schneider: Templerwirken und Gegenwartskarma. 700 Jahre Gegnerschaft 1307 - 2007, 2 Vorträge, als Hörbuch-CDs, ISBN 978-3-03752-28-4
  • Judith von Halle: Die Templer. Band I. Der Gralsimpuls im Initiationsritus des Templerordens, Vlg. für Anthroposophie, Dornach 2012, ISBN 978-3037690413
  • Judith von Halle: Die Templer, Bd II: Der Gralsimpuls im Initiationsritus des Templerordens, Vlg. für Anthroposophie, Dornach 2013, ISBN 978-3037690468
  • Andreas Meyer: Die letzten Templer. Band I: Die Geschichte der Templer und die Motive der Protagonisten des Templerprozesses aus Sicht der historischen Forschung, Infolücke-Verlag (ILV), Basel 2014, ISBN 9783905955958
  • Andreas Meyer: Die letzten Templer. Band II: Geisteswissenschaftliche Forschungen und Hintergründe zur Entstehung, Vernichtung und Fortentwicklung des Templerimpulses, Infolücke-Verlag (ILV), Basel 2014, ISBN 9783905955965
  • Bernhard Steiner: Ein Impuls für die nächste Kulturepoche. In: "Wochenschrift DAS GOETHEANUM", Nr. 15-16, 11. April 2014, S. 3
  • René Becker: Vor 700 Jahren. In: "Wochenschrift DAS GOETHEANUM", Nr. 12, 21. März 2014, S. 5
  • Robert Bouchal, Gabriele Lukacs: Das geheime Netz der Templer. Wege und Spuren in Österreich., Pichler Verlag, Wien - Graz - Klagenfurt 2010
  • Gérard Klockenbring: Vom Beitrag Frankreichs zur Aufgabe Europas. In: Europa und sein Genius. Herausgegeben von Heinz Eckhoff, Fischer TB, Frankfurt a.M. 1986, S. 18 - 39
  • M.J. Krück von Poturzyn: Der Prozess gegen die Templer, Stuttgart 1963
  • Bruno Nardini: Das Handbuch der Mysterien und Geheimlehren, Goldmann TB Esoterik, München 1994, S. 169 - 203
  • Jules Viard (Hrsg.): Les Grandes Chroniques de France, Band 8: Philippe III. le Hardi, Philippe IV le Bel, Louis X. le Hutin, Philippe V le Long, Champion / Société de l'histoire de France, 1934
  • Sabine Delmarti: Jacques de Molay: son histoire, sa personnalité, son rôle au sein de l'ordre des Templiers, son héritage, Paris 1999 ISBN 2-7328-3442-4
  • Alain Demurger: Der letzte Templer. Leben und Sterben des Großmeisters Jacques de Molay, München 2004 ISBN 3-406-52202-5
  • Alain Demurger: Die Templer. Aufstieg und Untergang 1120-1314, München 1991 ISBN 3-406-38553-2
  • Alain Demurger: Die Verfolgung der Templer. Chronik einer Vernichtung. 1307-1314, Verlag C.H.Beck 2017, ISBN 9783406706653
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  • Rudolf Steiner: Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit. Goethe und die Krisis des neunzehnten Jahrhunderts, GA 171 (1984), ISBN 3-7274-1710-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Rudolf Steiner: Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldorfschule 1919 bis 1924, GA 300 a-c (1995)
  • Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, V, GA 346 (2001), ISBN 3-7274-3460-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Weblinks

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