Baphomet

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Dämon Baphomet als Verkörperung einer dualistischen Weltordnung. Zeichnung von Eliphas Lévi.[1]

Mit dem Namen Baphomet wurde in südfranzösischen Protokollen des Templerprozesses eine angeblich von den Tempelrittern verehrte Götzenfigur bezeichnet.

„Bafomet, das ist ein Wesen der ahrimanischen Welt, welches den Leuten erschien, wenn sie gefoltert wurden. Das ist raffiniert gemacht worden. Dann haben sie eine Menge von Visionärem mitgenommen, als sie ins Bewusstsein zurückgekommen sind.“ (Lit.:GA 300a, S. 130)

Baphomet und die Templer

Das historische Fundament des Baphomet ruht in den Protokollen, die während des Templerprozesses redigiert wurden. Einer der Anklageartikel im Prozess gegen die Templer von 1307 lautete, die Ordensbrüder würden ein „Idol verehren“. Während der unterschiedlichen Verfahren des Prozesses bekannten nur wenige Zeugen eine solche Anbetung. Die Beschreibungen variieren. In den Protokollen der Anklage ist zum Beispiel nach Aussage Larchants von einem „Idol als ein Kopf mit Bart“ die Rede, dem die Templer angeblich huldigten. Manche erklärten es zu einer schwarzen Statue, andere als einen Kopf mit zwei oder drei Gesichtern (vgl.: Ianus, Dreifaltigkeit) oder auch als vierfüßige Gestalt.

Der Terminus „baffomet“ erscheint hierbei nur in einigen Protokollen, die im Süden Frankreichs aufgenommen wurden. Es wurde weder ein Beweis für die tatsächliche Verehrung noch ein existierendes Götzenbild des Baphomet gefunden. Die Aussagen in den Protokollen divergieren derart, dass es bisher nicht möglich ist, daraus einen Beleg für die Existenz und Gestalt des Baphomet zu entnehmen. Zudem wurden diese Aussagen oft unter Folter erzwungen. Zuweilen mag auch die eigene Phantasie der Folternden in die unter der Folter gemachten Aussagen der Tempelritter eingeflossen sein. Daneben flossen auch schlicht erfundene Aussagen in die Protokolle der Templerverhöre ein. [2]

Etymologie

Das Siegel Baphomets, auch Samael/Lilith-Pentagram oder Ziegen-Pentagramm genannt, erschien erstmals 1897 in dem Buch La Clef de la Magie Noire des französischen Okkultisten Stanislas de Guaita.

Über die Herkunft und Bedeutung des Wortes „Baphomet“ gab es einige Spekulationen:

  • „Abufihamet“ – soll arabischen Ursprungs sein und „Vater des Verstehens“ bedeuten.
  • „Mahomet“ – soll eine Anspielung auf die Verehrung Muhammads sein. Im Mittelalter wurde Mohammed tatsächlich oft „Mahomet“ geschrieben.
  • „Tem Ohp Ab“ – soll als Ananym laut dem Okkultisten Eliphas Lévi von den Templern verwendet worden sein, um ihre Beziehung zum Tempel Salomons zu verdeutlichen: „Templi omnium hominum pacis abbas“, was soviel heißt wie: „Abt des Tempels des Friedens aller Menschen“.
  • Über die aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammende jüdische Atbash-Umkehrung wird in hebräischer Schrift aus „Baphomet“ (בפומת) „Sophia“ (שופיא), was auf Pistis Sophia hinweisen könnte. Diese Entdeckung machte Hugh J. Schonfield; ein Beleg, dass die Templer sich mit der Atbash-Umkehrung beschäftigten, existiert bislang allerdings nicht.

Textvergleiche mit zeitgenössischer provenzalischer Literatur (und nur in Prozessprotokollen aus dem provenzalisch-sprachigen Raum taucht "Baffomet" auf) favorisieren die zweite These: Denn "Baffomet" (die später oft gebrauchte gräzisierte Form "Baphomet" kommt in den Originalprotokollen nicht vor!) ist nichts anderes als das provenzalische Wort für den Propheten Mohammed, beziehungsweise für das angebliche Idol, welches man den Moslems in einigen Chansons de geste zuschrieb. Zum Beispiel findet man die "Götter Bafum/Bafumet et Travagan" und Mohammed als ihren Abgesandten im provenzalischen Gedicht über das "Leben des Heiligen Honorat", fertiggestellt im Jahre 1300. In der Chanson "Simon de Pouille", geschrieben vor 1235, spricht man von einem sarazenischen Idol genannt "Bafumetz", und bereits der Chronist des Ersten Kreuzzugs, Raimund d'Aigulhers, nennt die Moscheen "Bafumarias". Nach einem Idol befragt, beschrieben die Templer das, was sie über Idole aus den Chansons de gestes oder Heiligenviten wussten. [3]

Eliphas Lévis Baphomet

Der Magier und okkultistische Schriftsteller Eliphas Lévi Zahed zeichnete im 19. Jahrhundert Baphomet erstmalig als Dämon mit gehörntem Ziegenkopf, weiblichen Brüsten und einem Pentagramm auf der Stirn. Baphomet wird von Eliphas Lévi auch Bock des Sabbat oder Bock von Mendes genannt, möglicherweise in Anlehnung an Herodots Bericht[4], dass der Gott von Mendes - der griechische Name für Djedet, Ägypten - mit dem Gesicht und den Beinen einer Ziege dargestellt wurde. Lévi gibt dazu folgende Beschreibung:

„Pantheistische und magische Figur des Absoluten. Die Fackel zwischen den beiden Hörnern stellt die ausgleichende Intelligenz des Dritten dar; der Kopf der Ziege, ein synthetischer Kopf, der einige Eigenschaften des Hundes, des Stiers und des Esels in sich vereint, steht für die Verantwortung der Materie allein und die Sühne der körperlichen Sünden in den Körpern. Die Hände sind menschlich, um die Heiligkeit des Werkes zu zeigen, sie machen oben und unten das Zeichen der Esoterik, um den Eingeweihten das Mysterium zu empfehlen, und sie zeigen zwei Mondsicheln, eine weiße, die oben ist, die andere schwarze, die unten ist, um die Beziehungen von Gut und Böse, von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit zu erklären. Der untere Teil des Körpers ist verschleiert, ein Bild für die Mysterien der universellen Zeugung, das nur durch das Symbol des Caduceus ausgedrückt wird. Der Bauch der Ziege ist geschuppt und muss grün gefärbt sein; der Halbkreis darüber muss blau sein; die Federn, die bis zur Brust reichen, müssen verschiedene Farben haben. Die Ziege hat die Brust einer Frau und trägt somit nur die Zeichen der Mutterschaft und der Arbeit, also die erlösenden Zeichen der Menschlichkeit. Auf seiner Stirn, zwischen den Hörnern und unterhalb der Fackel, befindet sich das Zeichen des Mikrokosmos oder Pentagramms, das nach oben zeigt, das Symbol der menschlichen Intelligenz, das, so unter der Fackel platziert, die Flamme der letzteren zu einem Bild der göttlichen Offenbarung macht. Dieses Pantheon muss einen Würfel als Sitz und entweder eine Kugel allein oder eine Kugel und einen dreieckigen Hocker als Trittbrett haben. In unserer Zeichnung haben wir ihm nur den Ball gegeben, um die Figur nicht zu sehr zu verkomplizieren.“

Eliphas Lévi: Dogme et rituel de la haute magie, Tome Premier (Dogme), VI[5]

Lévi lässt keinen Zweifel daran, dass es sich dabei um den Teufel in seinen vielfältigsten Erscheinungsformen handelt:

„DER TEUFEL. Ja, wir begegnen hier dem Phantom aller Schrecken, dem Drachen aller Theogonien, dem Ahriman der Perser, dem Typhon der Ägypter, dem Python der Griechen, der alten Schlange der Hebräer, dem fantastischen Ungeheuer, der Alptraum, der Croquemitaine, der Wasserspeier, die große Bestie des Mittelalters, und - schlimmer als alle diese - der Baphomet der Templer, das bärtige Idol der Alchemisten, die obszöne Gottheit von Mendes, die Ziege des Sabbats. Das Frontispiz zu diesem 'Ritual' gibt die exakte Figur des schrecklichen Herrschers der Nacht wieder, mit all seinen Attributen und all seinen Charakteren [...] Ja, nach unserer tiefen Überzeugung verehrten die Großmeister des Templerordens den Baphomet und ließen ihn von ihren Eingeweihten verehren; ja, es gab in der Vergangenheit, und es mag auch in der Gegenwart noch Versammlungen geben, die von dieser Figur geleitet werden, die auf einem Thron sitzt und eine brennende Fackel zwischen den Hörnern hat. Aber die Anbeter dieses Zeichens halten es nicht, wie wir, für eine Darstellung des Teufels; im Gegenteil, für sie ist es der Gott Pan, der Gott unserer modernen Philosophenschulen, der Gott der alexandrinischen theurgischen Schule und unserer eigenen mystischen Neuplatoniker, der Gott von Lamartine und Victor Cousin, der Gott von Spinoza und Plato, der Gott der primitiven gnostischen Schulen; der Christus auch der dissidenten Priesterschaft [...] Die Geheimnisse des Sabbats sind auf verschiedene Weise beschrieben worden, aber sie tauchen immer in Grimoires und in magischen Versuchen auf; die Offenbarungen, die zu diesem Thema gemacht wurden, können unter drei Köpfen klassifiziert werden: 1. diejenigen, die sich auf einen fantastischen und imaginären Sabbat beziehen; 2. diejenigen, die die Geheimnisse der okkulten Versammlungen von wahren Adepten verraten; 3. die Offenbarungen von törichten und kriminellen Versammlungen, die die Operationen der schwarzen Magie zum Ziel haben.“

Eliphas Lévi: Dogme et rituel de la haute magie, Tome Second (Rituel), Paris 1861, S. 208ff.[6]

Lévis Darstellung entstand aus verschiedenen weitaus älteren Gottheiten heidnischen Ursprungs. So findet man gehörnte Fruchtbarkeitsgötter im alten Ägypten und bei keltischen Darstellungen. Entsprechungen der Armhaltung und Fackelsymbolik können im römischen Mithraskult in dem Brüderpaar Cautes und Cautopates entdeckt werden, den personifizierten knabenhaften Sinnbildern von Morgen und Abend, Leben und Tod mit erhobener oder gesenkter Fackel.

Lévis Baphomet ist heute weit verbreitet und wurde von Satanisten übernommen. Verwendung findet sie in der „Satanischen Bibel“ von Anton LaVey. Seine Faszination erklärt sich durch ihre vielschichtige synkretistische Symbolik. Die Figur vereint Gut und Böse, Mensch und Dämon, Frau und Mann, Mensch und Tier und enthält darüber hinaus Elemente der Alchemie („Solve et coagula! – Löse und verbinde!“).

Der Taxil-Schwindel verursachte die Verschwörungstheorie, die Freimaurer würden Baphomet, wie ihn Lévi darstellte, als Götzen anbeten.

Solche modernen Darstellungen entbehren jeglichen historischen Kontextes mit den Tempelrittern und sind auch nicht mit Funden aus der Zeit der Templer belegbar.

Literatur

  • Eliphas Lévi: Dogme et rituel de la haute magie, Paris 1861, Tome Premier (Dogme), Tome Second (Rituel)
  • Rudolf Steiner: Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldorfschule 1919 bis 1924, GA 300 a-c (1995)
  • Anke Krüger: Schuld oder Präjudizierung? Die Protokolle des Templerprozesses im Textvergleich (1307–1312) in: Historisches Jahrbuch 117/1997, Seite 340–377
  • Anke Krüger: Das „Baphomet-Idol“. Ein Beitrag zur Provenienz der Hauptvorwürfe gegen den Templerorden, in: Historisches Jahrbuch 119/1999, Seite 120–133
  • Allan Oslo: Die Geheimlehre der Tempelritter. Königsfurt 2001, ISBN 3-93-393988-7
  • Peter Partner: The Murdered Magicians. The Templars and their Myth. Oxford, New York 1982, ISBN 0-19-215847-3 (vor allem Seite 138 ff. und 164 ff.)
  • Bruno Nardini: Das Handbuch der Mysterien und Geheimlehren, Goldmann TB, München 1994, Kapitel: Das Geheimnis der Tempelritter, S. 169 - 203
  • Eliphas Levi: Transzendentale Magie, Ansata, Bern, München, Wien, 1998, ISBN 978-3-7787-7171-6
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Category:Baphomet - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. Eliphas Lévi: Dogme et rituel de la haute magie, Tome Second (Rituel), Paris 1861 (Frontispiz) archive.org
  2. Bruno Nardini: Das Handbuch der Mysterien und Geheimlehren, Goldmann TB, München 1994, S. 185 - 191
  3. Quelle: Krüger, A.: Das Baphomet-Idol. Ein Beitrag zur Provenienz der Hauptvorwürfe gegen den Templerorden, in: Historisches Jahrbuch 119 (1999), 120-133.
  4. Herodot: Historien II, 42, 46 und 166.
  5. Im französichen Original:

    „Figure panthéistique et magique de l’absolu. Le flambeau placé entre les deux cornes représente l’intelligence équilibrante du ternaire ; la tête du bouc, tête synthétique qui réunit quelques caractères du chien, du taureau et de l’âne, représente la responsabilité de la matière seule et l’expiation, dans les corps, des péchés corporels. Les mains sont humaines, pour montrer la sainteté du travail, elles font le signe de l’ésotérisme en haut et en bas, pour recommander le mystère aux initiés, et elles montrent deux croissants lunaires, l’un blanc qui est en haut, l’autre noir, qui est en bas, pour expliquer les rapports du bien *etdu mal, de la miséricorde et de la justice. Le bas du corps est voilé, image des mystères de la génération universelle, exprimée seulement par le symbole du caducée. Le ventre du bouc est écaillé, et doit être coloré en vert; le demi-cercle qui est au-dessus doit être bleu; les plumes, qui montent jusqu’à la poitrine, doivent être de diverses couleurs. Le bouc a un sein de femme, et ne porte ainsi de l’humanité que les signes de la maternité et ceux du travail, c’est-à-dire les signes rédempteurs. Sur son front, entre ses cornes et au-dessous du flambeau, on voit le signe du microcosme ou le pentagramme la pointe en haut, symbole de l’intelligence humaine, qui, placé ainsi au-dessous du flambeau, fait de la flamme de ce dernier une image de la révéla- tion divine. Ce panthée doit avoir pour siège un cube, et pour marche- pied soit une boule seule, soit une boule et un escabeau triangulaire. Dans notre dessin nous lui avons donné la boule seulement, pour ne pas trop compliquer la figure.“ (Lit.: Eliphas Lévi: Dogme et rituel de la haute magie, Tome Premier (Dogme), Paris 1861 archive.org)

  6. Im französischen Original:

    „LE DIABLE. Oui , nous abordons ici le fantôme de toutes les épouvantes, le dragon de toutes les théogonies, l’Arimane des Perses, le Typhon des Égyptiens, le Python des Grecs, l’antique serpent des Hébreux, la vouivre, le graouilli, la tarasque, la gargouille, la grande bêle du moyen âge, pis encore que tout cela, le Baphomet des templiers, l’idole barbue des alchimistes, le dieu obscène de Mendès, le bouc du sabbat. Nous donnons en tête de ce Rituel la figure exacte de ce terrible empereur de la nuit avec tous ses attributs et tous ses caractères [...] Oui, dans notre conviction profoilde, les grands; maîtres de l’ordre des templiers adoraient le Baphomet et le faisaient adorer à leurs initiés; oui, il a existé et il peut exister encore des assemblées présidées par cette figure, assise sur un trône avec sa torche ardente entre les cornes; seulement les adorateurs de ce signe ne pensent pas comme nous, que ce soit la représentation du diable, mais bien celle du dieu Pan, le dieu de nos écoles de philosophie moderne, le dieu de théurgistes de l’école d’Allexandrie et des mystiques néoplatoniciens de nos jours, le dieu de Lamartine et de M. Victor Cousin, lie dieu de Spinosa et de Platon, le dieu des écoles gnostiques primitives; le Christ même du sacerdoce dissident [...] Les mystères du sabbat ont été diversement racontes, mais ils figurent toujours dans les grimoires et dans les procès de magie. On peut diviser toutes les révélations qui ont été faites à ce sujet en trois séries : 1° celles qui se rapportent à un sabbat fantastique et imaginaire; 2° celles qui trahissent les secrets des assemblées occultes de vrais adeptes; 3° les révélations d’assemblées folles et criminelles ayant pour objet les pratiques de la magie noire.“ (Lit.: Eliphas Lévi: Dogme et rituel de la haute magie, Tome Second (Rituel), Paris 1861, S. 208ff. archive.org)


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Baphomet aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.