Judentum

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Die Siedlungsgebiete der Zwölf Stämme Israels.

Das Judentum ist, neben dem Christentum und dem Islam, die dritte abrahamitische Religion. Gegenwärtig bekennen sich zu ihr weltweit etwa 13,5 Millionen Menschen. Die jüdische Religion sieht sich als die älteste der monotheistische abrahamitische Religion, da sich Christentum und Islam teilweise darauf beziehen.

Die jüdische Religion, Kultur und Tradition

Der Begriff des Judentums umfasst nicht nur religiöse Aspekte, sondern die ganze Kultur und Tradition des durch seine gemeinsame Geschichte verbundenen jüdischen Volkes, das sich im engsten Sinn von dem Stamm Juda ableitet, der einer der Zwölf Stämme Israels war. Juda (hebr. יהודה Jehuda), der Stammvater des Stammes Juda, war nach dem Tanach der vierte Sohn Jakobs, der nach Abraham und Isaak der dritte Stammvater Israels war. Unabhängig von der ethnischen Abkunft gilt im weitesten und eigentlichsten Sinn als Jude, und damit als Träger des Judentums, wer entweder von einer jüdischen Mutter abstammt oder durch einen formellen Akt (Gijur) zum Judentum übergetreten ist.

Die Wurzel des Judentums liegt in dem Bund, den Gott mit Abraham geschlossen hat, der aber nach der Tora ausdrücklich alle Völker der Welt mit einschließt:

"Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden." (Gen 12,3 EU)

Nach jüdischer Auffassung werden daher auch Nicht-Juden des Heils Gottes teilhaftig, sofern sie nur ein entsprechend moralisches Leben führen. Dem Judentum sind daher auch, im Gegensatz zum Christentum und Islam, missionarische Tätigkeiten weitgehend fremd.

"Voran gingen den Juden (beim Auszug aus Ägypten) die Wetterwolke oder Feuersäule: Erdenwirksamkeit! Wir könnten tief in Einzelheiten uns einlassen, überall würden wir finden, daß der Geist der Erde waltet in dem, wovon Moses als von der Offenbarung des Jahvegottes spricht Geologie ist die Verkündigung des Moses. Niemals wird man den tiefgehenden Unterschied der hebräischen von der griechischen Weltanschauung verstehen, wenn man nicht wissen wird, daß die griechische Weltanschauung Meteorologie ist und die hebräische Geologie. Alles das, was der Grieche sich entfalten fühlt um sich herum, das denkt er in Zusammenhang mit den von dem Kosmos her in die Erdenelemente, in die Umgebung der Erde in Luft, in alles das, was in der Nähe der Erde ist, ergossenen Kräften. Alles das, womit die hebräische Weltanschauung sich umgeben fühlt, ist gebunden an die Kräfte, die von der Erde aus nach oben sich entfalten, die an die Erde gebunden sind. Ja, auch die Leiden des hebräischen Volkes, sie kommen von dem Wüstencharakter, von dem, was an die Erde und ihre Wirksamkeit gebunden ist. Für die Juden ist das Wichtigste am Menschen das, was zusammenhängt mit der Erde und ihren Kräften. Als der die Erde geistig durchwaltende Gott fühlt sich Jahve." (Lit.: GA 149, Seite 68).

Hinsichtlich der Zukunft des Judentums vertrat Rudolf Steiner folgende Auffassung:

„Es ist schwer, über ein Thema zu sprechen, das viel Leidenschaft auslöst. Die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten dulden keine Sympathie und Antipathie, wenn sie richtig aufgenommen werden sollen.

Die Juden entwickelten das intellektuelle, kombinatorische Denken. Dieses machte den Menschen zur selbständigen Persönlichkeit. Dasselbe Volk bereitete durch Generationen einen Leib, der zum Träger von Jesus werden konnte. Der menschgewordene Christus brachte die Erlösung von der todbringenden Absonderung des menschlichen Wesens vom göttlichen. Da das jüdische Volk aber diesen neuen Impuls nicht aufnahm, wurden die von ihm entwickelten Eigenschaften zu retardierenden Kräften. Was im Alten beharrt – die Blutsverbundenheit einerseits, der in sich verfestigte Intellektualismus andererseits – wirkt fortschritthemmend. Unter Umständen kann das jüdische Volk aber auch als Hefe, als ein Ferment wirken. Das betrifft aber nicht den einzelnen, denn die einzelne Seele entwickelt sich weiter und benützt die Inkarnationen in einem bestimmten Volk nur als eine für sie notwendige Stufe.“ (Lit.: Zitiert nach Margarita Woloschin: Die Grüne Schlange. Lebenserinnerungen (1954), Seite 205)

„Sie können überall nachforschen: die Juden haben eine große Begabung für Musik, dagegen eine sehr geringe Begabung für Bildhauerei, Malerei und dergleichen. Die Juden haben eine große Begabung für den Materialismus, aber wenig Begabung für die Anerkennung der geistigen Welt, weil sie von der ganzen außerirdischen Welt einzig den Mond eigentlich verehrt haben und das kaum mehr gewußt haben. Der jüdische Charakter und der griechische Charakter sind vollständige Gegensätze. Die Griechen waren vorzugsweise auf die Bildhauerei, Malerei aus, auf die Baukunst wenigstens bildhauerisch aus. Die Juden sind das musikalische Volk, das Priester-Volk, das vorzugsweise das Innere ausbildet, was aus der ursprünglichen Begabung vom Mutterleibe herrührt.“ (Lit.:GA 353, S. 79)

Teils heftig als antisemitisch kritisiert werden Aussagen Rudolf Steiners, in denen er den Zionismus entschieden ablehnte und die Mission des jüdischen Volkes als bereits erfüllt darstellte.

„Die Juden haben also den einen Jehova verehrt und dadurch die Menschen davon abgehalten, sich zu verlieren in die Vielgeisterei. Nun ist es natürlich so, daß die Juden sich dadurch auch immer von den anderen Menschen unterschieden haben, und dadurch vielfach - wie immer derjenige, der sich unterscheidet, Abneigung und Antipathie hervorruft - die Abneigung und Antipathie hervorgerufen haben. Aber heute handelt es sich darum, sich zu sagen, daß eine solche Weise, die Kultur nicht auseinandertreiben zu lassen, sondern zusammenzuhalten, wie es jahrhundertelang bewirkt worden ist durch die Juden, in der Zukunft nicht mehr notwendig sein wird, sondern in der Zukunft muß das ersetzt werden durch eine starke geistige Erkenntnis. Dann wird auch das Verhältnis zwischen der einigen Gottheit und den vielen Geistern sich vor der Erkenntnis, vor dem Bewußtsein des Menschen darstellen. Dann braucht nicht im Unbewußten ein einziges Volk zu wirken. Daher habe ich es von Anfang an bedenklich gefunden, daß die Juden, als sie nicht mehr recht aus und ein gewußt haben, die zionistische Bewegung begründet haben. Einen Judenstaat aufrichten, das heißt, in der allerwüstesten Weise Reaktion treiben, in der allerwüstesten Weise zur Reaktion zurückkehren, und damit sündigt man gegen alles dasjenige, was auf diesem Gebiet heute notwendig ist.

Sehen Sie, ein sehr angesehener Zionist, mit dem ich befreundet war, der legte mir einmal seine Ideale auseinander, nach Palästina zu gehen und dort ein Judenreich zu gründen. Er tat selber sehr stark mit an der Begründung dieses jüdischen Reiches, tut heute noch mit und hat sogar in Palästina eine sehr angesehene Stellung. Dem sagte ich: Solch eine Sache ist heute gar nicht zeitgemäß; denn heute ist dasjenige zeitgemäß, dem jeder Mensch, ohne Unterschied von Rasse und Volk und Klasse und so weiter sich anschließen kann. Nur das kann man eigentlich heute propagieren, dem sich jeder Mensch ohne Unterschied anschließen kann. Aber jemand kann doch nicht von mir verlangen, daß ich mich der zionistischen Bewegung anschließe. Da sondert ihr ja wiederum einen Teil aus von der ganzen Menschheit! - Aus diesem einfachen, naheliegenden Grunde kann eigentlich eine solche Bewegung heute nicht gehen. Sie ist im Grunde genommen die wüsteste Reaktion. Natürlich erwidern einem dann solche Menschen etwas Merkwürdiges; sie sagen: Ja, in der Zeit hat es sich doch herausgestellt, daß die Menschen so etwas wie Allgemeinmenschliches gar nicht wollen, sondern fordern, daß sich alles aus dem Volkstümlichen heraus entwickeln soll.

Dieses Gespräch, das ich Ihnen jetzt erzählt habe, hat stattgefunden vor dem großen Kriege 1914 bis 1918. Ja, sehen Sie, meine Herren, daß die Menschen die großen allgemeinmenschlichen Prinzipe nicht mehr wollen, sondern sich absondern, Volkskräfte entwickeln wollen, das hat eben gerade zu dem großen Krieg geführt! Und so ist das größte Unglück dieses 20. Jahrhunderts gekommen von dem, was die Juden auch wollen. Und so kann man sagen: Da alles dasjenige, was die Juden getan haben, jetzt in bewußter Weise von allen Menschen zum Beispiel getan werden könnte, so könnten die Juden eigentlich nichts Besseres vollbringen, als aufgehen in der übrigen Menschheit, sich vermischen mit der übrigen Menschheit, so daß das Judentum als Volk einfach aufhören würde. Das ist dasjenige, was ein Ideal wäre. Dem widerstreben heute noch viele jüdische Gewohnheiten - und vor allen Dingen der Haß der anderen Menschen. Und das ist gerade dasjenige, was überwunden werden müßte. Die Dinge werden nicht überwunden, wenn alles beim alten bleibt. Und wenn sich die Juden zum Beispiel beleidigt fühlen, wenn man sagt: Ihr seid keine Bildhauer, ihr könnt da nichts leisten - so kann man sich sagen: Es müssen doch nicht alle Leute Bildhauer sein! Sie können doch durch ihre persönlichen Fähigkeiten anderswo etwas leisten! - So sind die Juden eben nicht zur Bildhauerei geeignet; sie haben ja auch in die Zehn Gebote das eine aufgenommen: «Du sollst dir von deinem Gotte kein Bild machen», weil sie eben überhaupt in der bildlichen Anschaulichkeit nichts Übersinnliches darstellen wollen. Dadurch aber wird man gerade auf das Persönliche zurückgewiesen.

Nicht wahr, Sie können sich das sehr einfach vorstellen: Wenn ich ein Bild mache, auch nur ein geschildertes, wie es oftmals in der Geisteswissenschaft geschieht, so kann sich der andere dieses Bild merken, sich erbauen, daran erkennen - was er eben will. Wenn ich aber kein Bild mache, dann muß ich immer bei der Wirkung selber persönlich dabei sein; dann sondert sich das nicht ab von mir. Daher nimmt es einen persönlichen Charakter an. Das hat auch das Judentum; alles, was bei den Juden ist, nimmt auch einen persönlichen Charakter an. Die Menschen müssen dazu kommen, in dem anderen Menschen das Geistige zu sehen. Heute beherrscht noch alle Dinge der Juden das Rassenmäßige. Sie heiraten vor allen Dingen untereinander. Sie sehen also noch das Rassenmäßige, nicht das Geistige. Und das ist es, was notwendig wäre zu sagen auf die Frage: Hat das jüdische Volk seine Mission in der menschlichen Erkenntnisentwickelung erfüllt? - Es hat sie erfüllt; denn es mußte früher ein einzelnes Volk da sein, das einen gewissen Monotheismus bewirkte. Heute muß es aber die geistige Erkenntnis selber sein. Daher ist diese Mission erfüllt. Und daher ist diese jüdische Mission als solche, als jüdische, nicht mehr notwendig in der Entwickelung, sondern das einzig Richtige ist, wenn die Juden durch Vermischung mit den anderen Völkern in den anderen Völkern aufgehen.“ (Lit.:GA 353, S. 202ff)

Siehe auch

Portal
 Wikipedia:Portal: Judentum – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Judentum

Literatur

  • Margarita Woloschin: Die grüne Schlange. Lebenserinnerungen einer Malerin", S. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt a. M. 1982, Neuauflage, dort S. 201/202
  • Ralf Sonnenberg (Hrsg.), Yuval Lapide (Vorwort): Anthroposophie und Judentum: Perspektiven einer Beziehung. Mit einem Vorwort von Yuval Lapide, Info3-Verlag 2009, ISBN 978-3924391430

Weblinks