Tempellegende

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Modell des Salomonischen Tempels mit dem ehernen Meer (links) und dem zentralen Altar (rechts) im Vorhof.

Die Tempellegende oder Hiramlegende, die an den Bau des Salomonischen Tempels 1 Kön 6,1 LUT und insbesondere an den Guß des Ehernen Meers 1 Kön 7,23 LUT anknüpft, bildet die Grundlage der Freimaurerei und wurde nach den Angabe Rudolf Steiners im 15. Jahrhundert von Christian Rosenkreutz selbst gegeben. Der 951 v. Chr. nach sieben Jahren (1 Kön 6,38 EU) Bauzeit eingeweihte Tempel wurde im Auftrag Salomos auf dem Tempelberg Moria in Jerusalem mit Hilfe phönizischer Baumeister errichtet, die nach der Überlieferung von Hiram Abif angeführt wurden, der aus dem Kainsgeschlecht stammte.

Inhalt

Modell des ersten Jerusalemer Tempels im Jüdischen Gemeindehaus in Frankfurt (Oder), Brandenburg, Deutschland. Angefertigt von Illya Strambrandt 2009.

Was Christian Rosenkreutz lehrte, konnte er nur an wenige Schüler, nicht mehr als zehn, direkt weitergeben, für die anderen musste er seine Lehre in einen Mythus einkleiden, der ungefähr folgenden Inhalt hat:

"Es gab eine Zeit, da schuf einer der Elohim den Menschen; einen Menschen, den er Eva nannte. Mit Eva verband sich der Elohim selbst und es wurde von Eva Kain geboren. Darauf schuf der Elohim Jahve oder Jehova den Adam. Adam verband sich ebenfalls mit Eva und aus dieser Ehe ging Abel hervor.

Wir haben es also bei Kain mit einem unmittelbaren Göttersohn zu tun und bei Abel mit einem Sprößling des als Mensch geschaffenen Adam und der Eva. Nun geht der Mythus weiter.

Die Opfergaben, welche Abel dem Gotte Jahve darbrachte, waren dem Gotte angenehm. Aber die Opfergaben des Kain nicht, denn Kain war nicht auf direktes Geheiß von Jahve entstanden. Die Folge davon war, daß Kain den Brudermord beging. Er erschlug Abel. Deshalb wurde er von der Gemeinschaft mit Jahve ausgeschlossen. Er ging in entfernte Gegenden und wurde dort der Stammvater eines eigenen Geschlechts.

Adam verband sich weiterhin mit Eva und zum Ersatz von Abel wurde Seth geboren, der auch in der Bibel vorkommt. So entstanden zwei Menschengeschlechter: das erste von Eva und dem Elohim abstammend, das Geschlecht Kains; und das zweite von den bloßen Menschen abstammend, die auf Geheiß des Jahve sich verbunden haben.

Von dem Geschlecht des Kain stammen alle ab, die auf der Erde Künste und Wissenschaften ins Leben gerufen haben, zum Beispiel Methusael, der die Schrift, die Tau-Schrift erfunden hat und Tubal-Kain, der die Bearbeitung der Erze und des Eisens lehrte. So entstand in dieser Linie, direkt von dem Elohim abstammend, die Menschheit, die sich in Künsten und Wissenschaften ausbildet. Aus diesem Geschlecht der Kains ging auch hervor Hiram. Der war der Erbe alles dessen, was innerhalb der verschiedenen Generationen der Kainssöhne an Wissen, Kunst und Technik aufgespeichert worden war. Hiram war der bedeutendste Baukünstler, den man sich denken kann.

Aus der anderen Linie, aus dem Geschlechte Seths stammte Salomo, der sich auszeichnete in alledem, was von Jahve oder Jehova herrührte. Er war ausgestattet mit der Weisheit der Welt, mit alledem, was die ruhige, klare, abgeklärte Weisheit bei den Jehovasöhnen liefern kann. Dies war eine Weisheit, die man wohl mit Worten aussprechen kann, die dem Menschen tief ins Herz gehen, ihn erheben kann, aber nicht eine solche, welche das unmittelbare Objekt angreifen und etwas Wirkliches an Technik, Kunst und Wissenschaft hervorbringen kann. Es war eine Weisheit, die eine unmittelbare inspirierte Gabe des Gottes ist, nicht eine von unten herausgearbeitete, aus der menschlichen Leidenschaft, aus dem Menschenwollen hervorquillende Weisheit. Die fand sich bei den Kainssöhnen, bei denen, die unmittelbar von dem anderen Elohim abstammten. Das waren die strengen Arbeiter, die alles selbst erarbeiten wollten.

Nun beschloß Salomo einen Tempel zu bauen. Er bestellte dazu als Baumeister den Sprößling der Kainssöhne: Hiram. Es war zu der Zeit, da die Königin von Saba, Balkis, nach Jerusalem kam, weil sie von dem weisen Salomo gehört hatte. Und sie war in der Tat, als sie ankam, entzückt von der erhabenen, klaren Weisheit und Schönheit des Salomo. Er warb um sie und erlangte auch ihr Jawort. Da hörte diese Königin von Saba auch von dem Tempelbau. Nun wollte sie auch den Baumeister Hiram kennenlernen. Als sie ihn sah, machte sein bloßer Blick auf sie einen ungeheuren Eindruck und nahm sie ganz gefangen.

Nun entspann sich etwas wie Eifersuchtsstimmung zwischen Hiram und dem weisen Salomo. Die Folge davon war, daß Salomo gern etwas gegen Hiram getan hätte; aber er mußte ihn behalten, damit der Tempel fertig gebaut werden konnte.

Es kam nun folgendes. Der Tempel war bis zu einer ganz bestimmten Stufe fertig. Nur eines fehlte noch, was das Meisterstück des Hiram sein sollte: nämlich das Eherne Meer. Dieses Meisterstück Hirams sollte darstellen den Ozean, in Erz gegossen, und den Tempel schmücken[1]. Alle Erzmischungen waren in wunderbarer Weise von Hiram veranlagt worden und alles war zu dem Guß vorbereitet. Nun machten sich aber drei Gesellen[2] ans Werk, die Hiram beim Tempelbau für unfähig befunden hatte, zu Meistern ernannt zu werden. Sie hatten ihm deshalb Rache geschworen und wollten die Ausführung des Ehernen Meeres verhindern. Ein Freund Hirams, der davon erfuhr, teilte Salomo diesen Plan der Gesellen mit, damit er ihn vereiteln würde. Aber Salomo ließ aus Eifersucht gegen Hiram der Sache ihren Lauf, weil er Hiram verderben wollte. Die Folge war, daß Hiram zusehen mußte, wie der ganze Guß zerstob, weil die drei Gesellen einen ungehörigen Stoff der Masse zugefügt hatten. Er versuchte noch durch Zugießen von Wasser das aufschäumende Feuer zu löschen, aber es wurde dadurch nur schlimmer. Während er schon nahe daran war, an dem Zustandekommen des Werkes zu verzweifeln, erschien ihm Tubal-Kain selbst, einer seiner Ahnherren. Dieser sagte ihm, er solle sich ruhig in das Feuer hineinstürzen, er sei durch das Feuer nicht verwundbar. Hiram tat es und gelangte bis zum Mittelpunkt der Erde. Tubal-Kain führte ihn zu Kain, der dort im Zustande der ursprünglichen Göttlichkeit war. Hiram wurde nun in das Geheimnis der Feuerschöpfung eingeweiht, in das Geheimnis des Erzgusses und so weiter. Er erhielt von Tubal-Kain noch einen Hammer und ein Goldenes Dreieck, das er am Halse zu tragen habe. Dann kehrte er zurück und war nun imstande, das Eherne Meer wirklich herzustellen, den Guß wieder in Ordnung zu bringen.

Hierauf gewinnt Hiram die Hand der Königin von Saba. Er aber wird von den drei Gesellen überfallen und getötet. Doch ehe er starb, gelang es ihm noch, das Goldene Dreieck in einen Brunnen zu werfen. Als man nun nicht weiß, wo Hiram ist, wird er gesucht. Salomo selbst ist ängstlich und will hinter die Sache kommen. Man fürchtete, die drei Gesellen könnten das alte Meisterwort verraten und es wurde daher ein neues verabredet. Die ersten Worte, die fallen, wenn man Hiram wieder findet, sollten das neue Meisterwort sein. Als Hiram nun aufgefunden wurde, konnte er noch einige Worte sprechen[3]. Er sagte: Tubal-Kain hat mir verheißen, daß ich einen Sohn haben werde, der viele Söhne haben wird, die die Erde bevölkern und mein Werk - den Tempelbau - zu Ende führen werden. Dann bezeichnete er noch den Ort, wo das Goldene Dreieck zu finden sei. Es wurde zu dem Ehernen Meer gebracht und beide an einem besonderen Ort des Tempels, im Allerheiligsten, aufbewahrt. Sie können nur von denen gefunden werden, die Verständnis dafür haben, was diese ganze Tempellegende von dem Tempel des Salomo und seinem Baumeister Hiram zu bedeuten hat." (Lit.: GA 93, S. 59ff)

Eva als die große Erdenmutter

Eva erscheint hier als die große Erdenmutter, die die Summe all dessen umfasst, was durch die alte Saturn-, Sonnen- und Mondenentwicklung herübergekommen ist, wo die Grundlage für den physischen Leib, den Ätherleib und Astralleib des Menschen geschaffen wurden. Eva repräsentiert derart die drei Mütter von denen auch im zweiten Teil der Faust-Tragödie Goethes die Rede ist.

„Wenn es heißt, daß der Elohim sich mit Eva verband, so müssen wir nicht glauben, daß unter Eva irgend etwas Ähnliches verstanden wird wie die gegenwärtige Frau. Eva war die Menschheit der polarischen Rasse, eine von der heutigen Menschheit ganz verschiedene, nämlich eine viel einfachere. Wenn wir an die Blutwärme denken und alles andere uns fortsuggerieren, wenn wir an diese [Blutwärme] denken, die in jeder Ecke und in jedem Winkel unseres Körpers vom Kopf bis zum Fuß pulsiert, wenn wir [sie] uns in jeder Einzelheit unseres Körpers vorstellen, aber uns denken, daß alles übrige verschwunden ist und nichts übriggeblieben ist als dieser blutwarme Mensch, dann können wir uns eine Vorstellung bilden davon, wie die Eva aussah, mit der sich der Elohim verband. Die Erde war damals dunkel, aber in der zweiten oder hyperboräischen Epoche durchdrangen die Sonnengeister diese dunkle Eva mit Licht, und diese Sonnenstrahlen enthielten nicht nur Licht, sie enthielten auch Nahrung, und was nicht als Nahrung verbraucht wurde, um die Menschheit oder Eva zu ernähren, war verfügbar zum Zwecke der Fortpflanzung, und auf diese Weise entstand Kain aus der Verbindung des Elohim mit Eva.

In der lemurischen oder Mondepoche erschaffte der Elohim Jahve, der auch einer von den Sonnengeistern war und ausgesandt worden war, um die Mondentwickelung zu leiten, den Adam, das heißt: er teilte die Menschheit in Geschlechter, und wenn es heißt, daß Adam die Eva ehelichte, so bedeutet das, daß die beiden Geschlechter sich vereinigten zum Zwecke der Fortpflanzung, und aus dieser Verbindung entstand Abel.

Die ursprünglich vereinigten Sonnenkräfte und Reproduktionskräfte hatten sich getrennt und brachten zwei Menschenklassen hervor. Kain und Abel bekämpfen sich Tag für Tag in unseren Körpern, ja sogar stündlich streiten sie miteinander, denn Abel wird dargestellt durch das Blut der Arterien, das aus den Lungen kommt und vom Herzen, erfüllt mit dem lebengebenden Geist der Luft, dem reinen und stärkenden Sauerstoff. Kain dagegen wird dargestellt durch das Venenblut, das erfüllt ist mit der giftigen, todbringenden Kohlensäure.

Wäre das alles, so hätte damals die Menschheit aufgehört zu existieren. Doch lebt Abel in Seth weiter, der wieder verjüngte Abel, der wieder den Lebensatem erhielt, den Sauerstoff in den Lungen. Daher tritt Seth, sooft Abel getötet wird, an dessen Stelle. Als die Sonnenkraft sich teilte, wurde das Abel-Seth-Geschlecht der Träger der göttlichen Weisheit und der Intuition, seine Angehörigen waren Priester und Könige «durch die Gnade Gottes». Physisch betrachtet sind sie negativ oder weiblich (nicht notwendig physisch weiblich).

Das Kains-Geschlecht besitzt die Kraft der Fortpflanzung (nicht notwendig geschlechtlich) statt der intuitiven Weisheit. Sie sind positiv, männlich (nicht notwendig physisch männlich) und sind die Weltarbeiter, die wissenschaftlichen Forscher und so weiter. Dies wird vielleicht verständlicher aus dem folgenden Diagramm:


Zeichnung aus GA 265, S. 396

Gottessöhne . ..[4] physisch weiblich, ätherisch männlich, besitzen Intuition: Abel


Die Sonnenkraft enthält Nahrung, Intuition und Fortpflanzung


Töchter der Menschen .. .[4] physisch männlich, ätherisch weiblich, besitzen die Reproduktionskraft: Kain.


In der atlantischen Zeit wurde ein Versuch gemacht, diese zwei Klassen zu vereinigen, doch führte das zur schwarzen Magie der schlimmsten Art. Darauf wird hingedeutet in der Bibelstelle: «Die Söhne Gottes vermählten sich mit den Töchtern der Menschen.»

Die Ankunft der Königin von Saba bedeutet den Versuch der Gegenwart. Die Wissenschaft, die durch Hiram dargestellt ist, kann sich jetzt mit der Seelenweisheit vereinigen, die symbolisiert wird durch die Königin von Saba. Die Amme ist der in die Zukunft schauende Prophet, der Vogel Had-Had ist ein Geist der Intelligenz, die zur Seele herabsteigt und sie von der Offenbarung, wie sie durch Salomo dargestellt wird, hinwendet zur selbsterworbenen Erkenntnis, die ihren Ausdruck findet in Hiram.

Der Tempel stellt die Erdenentwickelung dar. Salomo ist gleich einem Spiegel, der die kosmische Weisheit widerspiegelt, ohne irgendwelche eigene Anstrengung. Hiram andererseits sieht das Bild und arbeitet es aus. Er besitzt nicht die Fähigkeit, direkt aus der göttlichen Quelle zu schöpfen; er ist die materielle Erkenntnis, die das gegenständlich machen kann, was Salomo nur sehen kann.

Darum wird Balkis, die Seele, unzufrieden und löst ihre Verbindung mit Salomo, als sie die Schönheit Hirams erkennt, und sie gewinnt den Ring von Salomos Hand zurück, als er trunken ist.

Daß Hiram den Tau-Hammer schwingt, um auf Balkis' Wunsch die Arbeiter herbeizurufen, stellt symbolisch dar, auf welche Weise alle großen, weltbewegenden Ereignisse zustande gebracht wurden, wenn sie wie die Ameisen jahrelang arbeiteten, um einen bestimmten Zweck zu erreichen: durch die Macht der Massensuggestion. Diese wurde angewendet, so daß sie zur Arbeit sich einfanden wie auf eigenen Antrieb. Es würde Unrecht sein, jetzt eine solche Kraft anzuwenden, aber zu jener Zeit waren die Menschen nicht so individualisiert [wie heute], und wenn Tempel gebaut werden sollten, die dem Fortschritt der Menschheit dienen sollten, brauchten die Priester damals ganz mit Recht solche Mittel, um ihren Zweck zu erreichen. Die Kreuzzüge und Jeanne d'Arcs Heer sind andere Beispiele von solcher Massensuggestion. Manchmal sind Fanatiker, die zum Teil ohne inneres Gleichgewicht sind, sehr stark in dieser Richtung.

Als Hiram sich in das Feuer wirft, trifft er unterwegs Tubal-Kain. Der führt Hiram zum Mittelpunkt der Erde (wo die Ich-Pflanze wächst; Kain war ein Ackerbauer), und dort finden sie Kain in seinem unschuldigen Zustand. Kain gibt dem Hiram einen neuen Hammer und ein neues Wort.“ (Lit.:GA 265, S. 393ff)

Die Kainssöhne

Die Kainssöhne sind nach dieser Legende die Söhne jener Elohim, die auf der Weltentwicklungsstufe des alten Mondes ein wenig zurückgeblieben sind. Damals wurde der menschliche Astralleib aus dem Kama, aus der allgemeinen astralen Substanz herausgebildet und Kama, das Feuer der Leidenschaft, nach und nach mit Weisheit durchdrungen. Andere Elohim schritten über diese Verbindung von Weisheit und Leidenschaft hinaus und als sie während der Erdentwicklung den irdischen Menschen schufen, waren sie nicht mehr von Leidenschaft durchdrungen und statteten den Menschen mit ruhiger, abgeklärter Weisheit aus. Das waren die Söhne Seths. Die anderen Elohim aber, die noch mit Kama verbunden waren, gaben den Kainssöhnen ein leidenschaftliches Element, so dass sie sich mit feurigem Enthusiasmus für die Weisheit begeistern konnten. Aus der leidenschaftlichen Begeisterung der Kainssöhne gingen alle Künste und Wissenschaften hervor, während die priesterliche Abel-Seth-Strömung von abgeklärter und völlig leidenschaftsloser Frömmigkeit und Weisheit beseelt war. Diese beiden gegensätzlichen Strömungen waren bis zur Griechisch-Lateinischen Zeit immer vorhanden.

Hiram erscheint in der Tempellegende als Repräsentant der initiierten Kainssöhne der vierten und fünften nachatlantischen Kulturepoche und die Königin von Saba gibt ein Bild der menschlichen Seele, die sich zwischen der abgeklärten, leidenschaftslosen Weisheit und Frömmigkeit Salomons und der erdumwandelnden Tatkraft der Kainssöhne zu entscheiden hat.

"Das Eherne Meer ist jener Guß, der entsteht, wenn in der entsprechenden Weise Wasser mit Erz vermischt ist. Die drei Gesellen machen es falsch, der Guß wird zerstört. Aber indem Tubal-Kain dem Hiram die Mysterien des Feuers enthüllt, ist Hiram imstande, Wasser und Feuer in der richtigen Weise zu verbinden. Dadurch entsteht das Eherne Meer. Es ist das, was das Geheimnis der Rosenkreuzer ist. Es entsteht, wenn das Wasser der ruhigen Weisheit sich verbindet mit dem Feuer des astralen Raumes, dem Feuer der Leidenschaft. Dadurch muß eine Verbindung Zustandekommen, die «ehern» ist, die getragen werden kann in die folgenden Zeitalter, wenn hinzukommt das Geheimnis von dem heiligen Goldenen Dreieck, das Geheimnis von Atma-Buddhi-Manas. Dieses Dreieck, mit all dem, was es im Gefolge hat, wird der Inhalt des erneuerten Christentums der sechsten Unterrasse sein. Das wird vorbereitet durch die Rosenkreuzer und dann wird das, was im Ehernen Meer symbolisiert wird, verbunden sein mit der Erkenntnis von Reinkarnation und Karma. Dies ist die neue okkulte Lehre, die dem Christentum wieder eingefügt wird. Atma-Buddhi-Manas, das höhere Selbst, ist das Geheimnis, das offenbar werden wird, wenn die sechste Unterrasse dazu reif sein wird. Dann wird Christian Rosenkreutz nicht mehr als Warner dazustehen brauchen, sondern es wird alles, was Kampf bedeutet hat auf dem äußeren Plan, den Frieden finden durch das Eherne Meer, durch das heilige Goldene Dreieck." (Lit.: GA 093, S. 66)

Christus und das Mysterium von Golgatha

Als sich der Christus mit der Erde verband, trat ein ganz neues Element in die Erdentwicklung ein. Der Christus ist nicht bloß Weiheit, sonder er ist die inkarnierte Liebe. Die Liebe ist

"ein hohes göttliches Kama, das zu gleicher Zeit Buddhi ist; ein rein flutendes Kama, das nichts für sich will, sondern alle Leidenschaften in unendlicher Hingabe nach außen richtet, ein umgekehrtes Kama ist. Buddhi ist umgekehrtes Kama. (Lit.: GA 093, S. 63)

Dadurch bereitet sich innerhalb der Strömung der Söhne der Weisheit eine neue, höhere Frömmigkeit vor, die allerdings enthusiastisch sein kann, aber nicht vom Feuer des alten Monden-Kama genährt wird, sondern aus der christlichen Liebe, dem umgekehrten Kama. Diese neue, christliche Frömmigkeit wird im vierten nachatlantischen Zeitalter veranlagt, kann sich aber noch nicht mit der Strömung der Kainssöhne verbinden. Sie bleiben zunächst noch Gegner:

"Würde nämlich das Christentum unbedingt schnell alle Menschen ergreifen, so würde es sie zwar mit Liebe erfüllen können, aber das einzelne menschliche Herz, das individuelle menschliche Herz wäre nicht dabei. Es wäre keine freie Frömmigkeit, es wäre nicht das Gebären des Christus in sich selbst als Bruder, sondern bloß als Herrn. Dazu müssen noch durch die ganze fünfte Unterrasse hindurch die Kainssöhne wirken. Sie wirken in ihren Initiierten und bauen den Tempel der Menschheit, aufgebaut aus weltlicher Kunst und weltlicher Wissenschaft." (Lit.: GA 093, S. 63)

Aber ein neues Christentum wird künftig entstehen, in dem sich beide Strömungen vereinigen, ein Christentum, das im Besitz der Geheimnisse des Ehernen Meers und des Goldenen Dreiecks ist:

"Dieses Christentum hat ein anderes Symbol; nicht mehr den gekreuzigten Gottessohn, sondern das Kreuz, von Rosen umwunden. Das wird das Symbol des neuen Christentums der sechsten Unterrasse sein. Aus dem Mysterium der Rosenkreuzerbruderschaft wird sich dieses Christentum der sechsten Unterrasse entwickeln, das das Eherne Meer und das Goldene Dreieck kennen wird." (Lit.: GA 093, S. 65f)

Weitere Erläuterungen

In einer handschriftlich 1906 von Rudolf Steiner festgehaltenen Fassung, die noch zusätzlich Erläuterungen enthält, lautet die Tempellegende so:

"Im Beginn der Erdenentwickelung stieg einer der Lichtgeister oder Elohim aus dem Sonnenbereich in den Erdenbereich und verband sich mit Eva, der Urmutter des Lebendigen. Aus dieser Verbindung entstand Kain, der erste der Erdenmenschen. Darauf bildete ein anderer aus der Reihe der Elohim, Jahve oder Jehova, den Adam; und aus der Verbindung des Adam mit Eva entstand Abel, des Kain Stiefbruder. Die Ungleichheit der Abstammung von Kain und Abel (geschlechtliche und ungeschlechtliche Abstammung) bewirkte Streit zwischen Kain und Abel. Und Kain erschlug den Abel. Abel war durch die geschlechtliche Abstammung, Kain durch den moralischen Fall des Lebens in der geistigen Welt verlustig gegangen. Für Abel gab Jehova dem Elternpaar den Ersatzsohn Seth. Von Kain und Seth stammen zwei Menschentypen ab. Die Nachkommen Seths konnten in besonderen (traumhaften) Bewußtseinszuständen in die geistige Welt schauen. Die Nachkommen Kains waren dieses Schauens ganz verlustig gegangen. Sie mußten sich im Laufe der Generationen hindurch durch allmähliche Ausbildung der menschlichen Erdenkräfte zur Wiedererringung der spirituellen Fähigkeiten hinaufarbeiten.

Einer der Nachkommen Abel-Seths war der weise Salomo. Er hatte sich die Gabe traumhaften Hellsehens noch ererbt; ja hatte sie in einem besonderen Grade als Anlage mitbekommen; so kam es, daß seine Weisheit so weithin berühmt war, daß symbolisch von ihm berichtet wird, er habe auf einem Throne von Gold und Elfenbein gesessen (Gold und Elfenbein Symbole der Weisheit).

Aus dem Kainsgeschlechte stammten Menschen, die sich im Laufe der Zeit immer mehr und mehr die Hinaufentwickelung der menschlichen Erdenkräfte angelegen sein ließen. Einer dieser Menschen war Lamech, der Bewahrer der T-Bücher, in welchen, soweit dies durch Erdenkräfte möglich war, die Urweisheit wiederhergestellt war, so daß diese Bücher den uneingeweihten Menschen unverständlich sind. Ein andrer Nachkomme der Kain-Menschheit ist Tubalkain, welcher in der Bearbeitung der Metalle es weit brachte, ja die Metalle kunstvoll zu Musikinstrumenten zu formen verstand. Und als Zeitgenosse Salomos lebte Hiram Abiff oder Adoniram aus dem Kainsgeschlecht, der in seiner Kunst so weit gelangt war, daß diese unmittelbar an das Schauen der höheren Welten grenzte, eben noch eine dünne Wand gegen die Initiation für ihn zu durchstoßen war. Der weise Salomo erdachte den Plan eines Tempels, der in seinen Formteilen symbolisch die Menschheitsentwickelung zum Ausdrukke bringen sollte. Durch seine Traumweisheit konnte er die Gedanken dieses Tempels in allen Einzelheiten ersinnen; doch fehlte ihm die Kenntnis der Erdenkräfte zum wirklichen Bau, welche nur durch Ausbildung der Erdenkräfte im Kainsgeschlecht zu erringen waren. Es verband sich deshalb Salomo mit Hiram-Abiff. Dieser baute nun den die Menschheitsentwickelung symbolisch ausdrückenden Tempel.

Salomos Ruhm war gedrungen bis zur Königin von Saba, Balkis. Diese begab sich eines Tages an den Hof Salomos, um diesen zu ehelichen. Es wurden ihr alle Herrlichkeiten des salomonischen Hofes gezeigt; auch der gewaltige Tempel. Sie konnte aus den Vorstellungen heraus, die sie bis dahin gewonnen hatte, nicht begreifen, wie ein Baumeister, der nur menschliche Kräfte zur Verfügung hatte, so etwas habe leisten können. Sie hatte ja nur erfahren, daß die Führer von Arbeitern durch den Besitz von atavistischen magischen Kräften genügende Scharen von Arbeitern hatten zusammenführen können, um die alten gewaltigen Bauten aufzuführen. Sie verlangte den ihr seltsam-merkwürdigen Baumeister zu sehen. Als er ihr begegnete, machte sein Auge sogleich einen tief bedeutsamen Eindruck auf sie. Dann sollte er ihr zeigen, wie er durch bloße Menschen-Verabredung die Arbeiter führe. Er nahm seinen Hammer, bestieg einen Hügel, und auf ein Zeichen mit dem Hammer eilten große Scharen von Arbeitern herbei. Die Königin von Saba merkte, daß Menschen- Erdenkräfte zu solcher Bedeutung sich entwickeln können.

Bald darauf erging sich die Königin mit ihrer Amme (Amme steht symbolisch für eine prophetische Person) vor den Toren der Stadt. Sie begegneten Hiram Abiff. In dem Augenblicke, als die beiden Frauen den Baumeister erblickten, flog aus den Lüften der Vogel Had-Had auf den Arm der Königin von Saba.

Die prophetische Amme deutete dieses dahin, daß die Königin von Saba nicht für Salomo, sondern für Hiram Abiff bestimmt sei. Von diesem Augenblicke an dachte die Königin nur mehr daran, wie sie das Verlöbnis mit Salomo lösen könne. Es wird weiter erzählt, daß nun «im Rausche» dem König der Verlobungs-«ring» vom Finger gezogen wurde, so daß sich nun die Königin für die dem Hiram Abiff bestimmte Braut betrachten konnte. (Es liegt das Bedeutungsvolle diesem Zug der Legende zugrunde, daß in der Königin von Saba zu sehen ist die alte Sternenweisheit, die bis in jene Zeitepoche verbunden war den alten atavistischen Seelenkräften, die in Salomo symbolisiert sind. Die okkulten Legenden drücken in den Symbolen von weiblichen Personen die Weisheit aus, welche sich mit dem männlichen Teil der Seele vermählen kann. Mit der Zeit Salomos ist die Epoche eingetreten, in welcher diese Weisheit übergehen soll von den atavistischen alten Kräften an die neu erworbenen Erden- Ich-Kräfte. Der «Ring» ist immer das Symbol des «Ich». Salomo wird noch im Besitz eines nicht voll-menschlichen Ich gedacht, sondern eines solchen, welches nur der Widerschein ist des «höheren Ichs» der Engel im atavistischen Traum-Hellseher-Bewußtsein. Der «Rausch» deutet darauf hin, daß dieses Ich wieder verloren wird innerhalb der halbbewußten Seelenkräfte, durch die es erworben ist. Hiram ist erst im Besitze eines real-menschlichen «Ich».)

Von diesem Zeitpunkte an ergreift den König Salomo eine heftige Eifersucht gegen seinen Baumeister. Es haben es daher drei verräterische Gesellen leicht, das Ohr des Königs für eine Tat zu finden, durch welche sie Hiram Abiff verderben wollen. Sie sind dessen Gegner, weil sie von ihm zurückgewiesen werden mußten, als sie den Meistergrad und das Meisterwort verlangten, für die sie nicht reif sind.

Diese drei verräterischen Gesellen beschließen nun, dem Hiram Abiff das Werk zu verderben, das er als die Krönung seines Wirkens am Hofe Salomos vollbringen soll. Es ist dies der Guß des «Ehernen Meeres». Das ist ein aus den sieben Grundmetallen (Blei, Kupfer, Zinn, Quecksilber, Eisen, Silber, Gold) in solchen Maß Verhältnissen hergestellter künstlicher Guß, der völlig durchsichtig ist. Die Sache war vollendet, bis auf einen allerletzten Einschlag, der vor versammeltem Hof - auch vor der Königin von Saba - gemacht werden sollte, und durch welchen die noch trübe Substanz bis zur völligen Klarheit sich umbilden sollte. Nun mischten die drei verräterischen Gesellen etwas Unrechtes in den Guß, so daß, statt daß sich dieser klärte, Feuerfunken aus ihm sprühten. Hiram Abiff suchte das Feuer durch Wasser zu beruhigen. Das gelang nicht, sondern die Flammen schlugen nach allen Seiten. Die versammelten Leute eilten nach allen Seiten auseinander. Hiram Abiff aber hörte aus den Flammen und der glühenden Masse eine Stimme: «Stürze dich in das Flammenmeer; du bist unversehrbar.» Er stürzte sich in die Flammen und merkte bald, daß sein Weg nach dem Mittelpunkte der Erde zuginge. Auf halbem Wege traf er seinen Vorfahren Tubalkain. Dieser führte ihn nach dem Erdmittelpunkte, wo sich der große Vorfahre Kain befand, in dem Zustande, wie er vor der Sünde war. Hier erhielt Hiram Abiff von Kain die Erklärung, daß die energische Entfaltung der menschlichen Erdenkräfte zuletzt zu der Höhe der Initiation führe, und daß die auf diesem Wege erlangte Initiation im Erdenverlaufe an Stelle des Schauens der Abel-Seth-Söhne treten müsse, das verschwinden werde. Symbolisch wird die mutverleihende Kraft, welche Hiram Abiff von Kain erhält, dadurch ausgedrückt, daß gesagt wird, Hiram habe einen neuen Hammer von Kain erhalten, mit dem er an die Erdenoberfläche zurückkehrte, das Eherne Meer berührte und dadurch dessen völlige Durchsichtigkeit bewirken konnte. (Mit dieser Symbolik ist dasjenige gegeben, was in gehöriger Meditation die innere Wesenheit der Menschenentwickelung auf der Erde zur Imagination erhebt. Das Eherne Meer kann als Symbol dessen gelten, was der Mensch geworden wäre, wenn nicht die drei verräterischen Kräfte in der Seele Platz gegriffen hätten: Zweifel, Aberglaube, Illusion des persönlichen Selbstes. Durch diese Kräfte ist die Erden- Menschheitsentwickelung zur Feuerentfaltung in der lemurischen Zeit gekommen, welche durch die Wasserentwickelung der atlantischen Zeit nicht gedämpft werden kann. Es muß vielmehr eine solche Entwickelung der menschlichen Erdenkräfte stattfinden, daß in der Seele der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wird, der in Kain vor dem Brudermorde vorhanden war. Es können sich nicht die traumhaften Seelenkräfte der Kinder Abel-Seths gegen die Erdenkräfte halten, sondern nur die zur vollen realen Ich-Entwickelung kommenden Nachkommen Kains.)" (Lit.: GA 265, S. 365ff)

„Auch in diesem Teil der Legende liegt tiefer Sinn. Bevor der Mensch herabgestiegen ist aus dem Schoße der Gottheit in irdische Verkörperungen, war er in geistiger Umgebung, die er wahrnehmen konnte. Er horte das göttliche Schöpferwort. Er verkörperte sich in den Metallmassen, die damals noch im Feuer flüssig waren. Bevor dies geschah, konnten drei Gesellen nichts ihm anhaben: Zweifel, Aberglaube und die Illusion des persönlichen Selbst. Zweifel konnte er nicht haben an der geistigen Welt, denn sie war ja um ihn. Aberglaube konnte ihn nicht befallen, denn er sah das Geistige in seiner wahren Gestalt. Der Aberglaube besteht aber in der Vorstellung des Geistigen unter falscher Gestalt. Die Illusion des persönlichen Selbst konnte ihn nicht befallen, denn er wußte sich in der allgemeinen Geistigkeit; er war durch das Eingeschlossensein in seinen Körper noch nicht herausgetrennt aus dieser allgemeinen Geistigkeit. Hätten sich diese drei verräterischen Gesellen nicht an seine Fersen geheftet, es wäre sein Leib ein reiner harmonischer Zusammenhang der Stoffe geworden. Sie mischten den Einschlag hinein, der ihn das göttlich-geistige Schöpferwort vergessen machte. Der Guß wurde dadurch zerstört. Es stellt dann die Fahrt des Hiram Abiff zum Erdmittelpunkte das Vordringen des Menschen auf dem okkulten Pfade vor. Dadurch gelangt die Menschheit wieder in den Besitz des T, des göttlichen Schöpferwortes, lernt die Menschennatur (Kain) kennen, wie sie vor dem Falle war und wie sie in Reinheit schaffen kann.“ (Lit.:GA 265, S. 370)

In der esoterischen Stunde vom 27. Mai 1923 schildert Steiner den Guss des Ehernen Meeres und den Tod Hirams in einer etwas anderen Variante, in der auch das neue Meisterwort genannt wird:

"Von diesem Zeitpunkt an ergreift den König Salomo heftige Eifersucht gegen seinen Baumeister Hiram Abiff. Dieser hatte beim Tempelbau drei Gesellen, die den Meistergrad von.ihm forderten. Sie hatten aber ihre Untüchtigkeit gezeigt, indem sie einen für den Tempelbau unersetzbaren mächtigen Balken zu kurz geschnitten hatten. Hiram hatte das Unglück gut gemacht dadurch, daß er durch seine besonderen Kräfte den Balken hatte in die richtige Länge dehnen können. Sie sind nun die Gegner Hiram Abiffs, weil sie von ihm zurückgewiesen werden mußten, als sie den Meistergrad und das Meisterwort von ihm verlangten, für das sie noch nicht reif waren. Die drei verräterischen Gesellen haben es leicht, das Ohr des Königs für die Tat zu finden, durch welche sie Hiram Abiff verderben wollen.

Die Vollendung des Tempelbaus sollte durch ein Werk gekrönt werden, in dem Hiram Abiff die Spannung und Feindschaft zwischen den Kain- und Abel-Söhnen zu versöhnen gedachte. Es war das eherne Meer, dessen Guß aus den sieben Grundmetallen (Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber) und Wasser, dem Metall der Erde, so gemischt werden sollte, daß der fertige Guß völlig durchsichtig sein sollte. Die Sache war vollendet bis auf einen allerletzten Einschlag, der vor versammeltem Hof, auch vor der Königin von Saba, gemacht werden sollte und durch welchen die noch trübe Substanz bis zur völligen Klarheit umgewandelt werden sollte. Nun mischten die drei verräterischen Gesellen, die die Aufgabe hatten, den letzten Bestandteil hinzuzufügen, das Wasser in falschem Verhältnis zu, und statt durchsichtig zu werden, versprühte der Guß in verheerenden Flammen. Hiram Abiff suchte das Feuer zu beruhigen, das gelang nicht, die Flammen schlugen nach allen Seiten auseinander.

Hiram Abiff aber hörte aus den Flammen und aus der glühenden Masse eine Stimme: Stürze dich hinein in das Feuermeer, du bist unversehrbar. Er stürzte sich in die Flammen und merkte, daß sein Weg nach dem Mittelpunkte der Erde führte. Auf halbem Wege traf er Tubal Kain, seinen Vorfahren. Dieser führte ihn zum Erdmittelpunkt, wo sich der große Vorfahr Kain befand in dem Zustande, wie er vor der Sünde, dem Abel-Mord, war. Dieser gab ihm das goldene Dreieck mit dem Meisterwort. Auf halbem Wege nach oben übergab ihm Tubal Kain einen Hammer und wies ihn an, damit den Guß des ehernen Meeres zu berühren. Es erhält Hiram Abiff von Kain die Erklärung, daß die energische Entfaltung der menschlichen Erdenkräfte zuletzt zu der Höhe der Initiation führe, und daß die auf diesem Wege erlangte Initiation im Erdenlaufe an Stelle des alten Schauens treten müsse, daß dieses verschwinden werde. Mit dem Hammer geht Hiram an die Erdoberfläche zurück; er berührt mit diesem das eherne Meer, der Guß gelingt, und er konnte dessen völlige Durchsichtigkeit bereiten.

Hiram wollte sein Werk, den Tempel, zum letzten Male sehen und begab sich nachts dahin. Da lauerten ihm die falschen Gesellen auf. Der erste versetze ihm an dem einen Tore einen Schlag auf die linke Schläfe, daß das Blut herunterfloß bis auf die Schulter. Hiram Abiff wandte sich zum zweiten Tor, um den Tempel zu verlassen. Da versetzte ihm der zweite Geselle einen Schlag auf die rechte Schläfe, daß das Blut bis auf die Schulter floß. Er wandte sich zum dritten Tor. Da traf ihn der Schlag des dritten Gesellen auf die Stirn, so daß er zusammenbrach. Er schleppte sich noch hinaus bis zu einem Brunnen, in den er das goldene Dreieck versenkte. Die drei Gesellen verscharrten seine Leiche. Vor seinem Tod konnte Hiram noch das goldene Dreieck mit dem Meisterwort versenken in einen tiefen Brunnen. Auf seinem Grabe wuchs ein Kassia-Baum, eine Akazie. Den Wissenden war bekannt, daß aus dem Grabe eines Eingeweihten ein Kassia-Baum herauswächst. Als man seinen Leichnam fand, ertönte das neue Meisterwort: «Mach ben ach». Das bedeutet: Das Geistig-Seelische hat sich vom Physisch-Leiblichen getrennt - oder: Anderssein des Leibes.[5] Man suchte dann das goldene Dreieck und fand es in dem Brunnen. Es wurde auf das Dreieck ein kubischer Stein gelegt mit den zehn Geboten und so wurde es verborgen im Tempel eingemauert.

Mit dieser Symbolik ist dasjenige gegeben, was in Meditation die innere Wesenheit der menschlichen Entwicklung auf der Erde zur Imagination erhöhte. Das eherne Meer kann als Symbol dessen gelten, was der Mensch geworden wäre, wenn nicht die drei verräterischen Kräfte in der Seele Platz gefunden hätten. Diese drei verräterischen Kräfte sind: Zweifel, Aberglaube, Illusion des persönlichen Selbst.

Hiram Abiff wurde wiedergeboren als Lazarus und war so derjenige, der als erster von Christus eingeweiht wurde. Mit ihm setzte ein die (Versöhnung der Differenz), die zwischen der Kain- und Abelströmung stand." (Lit.: GA 265, S. 458ff)

In einer weiteren Mitschrift dieser esoterischen Stunde findet sich noch folgende wichtige Ergänzung, die eine Verbindung zum Brand des ersten Goetheanums herstellt:

"Hiram Abiff wurde wiedergeboren als Lazarus und wurde so derjenige, der als erster von Christus eingeweiht wurde. Mit ihm setzte ein die Strömung der Mitte, die zwischen der Kain- und Abelströmung stand. Die Kain-Strömung fand im Laufe der Zeiten ihre Hauptvertreter in der F. (Freimaurerei-Strömung), während das Abelitentum seinen Ausdruck fand in der Priesterströmung der (katholischen ?) Kirche. Beide Menschheitsströmungen blieben einander streng feindlich. Nur einmal vereinten sie sich in Eintracht: in ihrem Haß gegen die Strömung der Mitte. Das Ergebnis dieser einträchtigen Vereinigung beider sonst feindlicher Richtungen war die Vernichtung des Johannesbaues (Goetheanums)." (Lit.: GA 265, S. 460f)

Meditationsanweisung für den Beginn der Tempellegende

„Es besteht die Notwendigkeit, sich die Tempellegende als imaginativen Erkenntnisimpuls anzueignen. Diese Legende ist so geordnet, daß aus der Durchdringung der Seele mit ihren Bildern allmählich - bei fortgesetzter Meditation der Legende - eine vom physischen Erkenntnisapparat unabhängige Anschauung der Menschheitsevolution sich bildet. In dem Folgenden soll die Legende so gegeben werden, wie sie die Grundlage der Meditation bilden soll, wenn die bezeichnete Wirkung erstrebt wird.

Im Beginne des Erdenwerdens stieg aus geistigen Höhen einer der Lichtgeister oder Elohim herab und verband sich mit Eva, der Erdenmutter. Aus dieser Verbindung erstand Kain, der erste Erdenmensch, wesentlich so lebend, daß sein Atem im Aufnehmen und Abgeben von Wärmesubstanz bestand.

Eva, die Erdenmutter lebte als ein Wesen, webend im Elemente der Luft. Die Meditation hat sich darauf zu beziehen, inwiefern Luft in Verbindung mit Licht ergibt den Wärmeatem.

Dann stieg ein andrer der Lichtgeister, Jahve, aus geistigen Höhen herab und bildete aus dem atomisierten Erdenelemente (Erdenstaub) den Adam. Aus der Verbindung des Adam mit Eva erstand Abel, des Kain Stiefbruder.

Die Meditation hat sich darauf zu beziehen, inwiefern der Mensch des Erdenelementes in Verbindung mit dem Luftwesen Eva ergibt Abel, dessen Stoffelement das atomisierte Wasser ist.

Es entstand Streit zwischen Kain, dem Feuermenschenwesen und Abel, dem Wassermenschenwesen. Und Kain tötete Abel.

Das Feuerwesen entzog dem Erdenplaneten das Wassermenschenwesen.

Kain hatte eine Erkenntnis, welche ursprünglich als Feuerelement in die Dinge drang; das war hellsehende Erkenntnis. Durch das Berühren mit dem Abel - dem Wassermenschenwesen - verfinstert sich des Kain Hellsehertum. Von ihm stammen die Erdenmenschen, welche sich aus der Finsternis in fortschreitender Evolution zum Lichte emporarbeiten müssen.

Jahve gab dem Adam und der Eva den Seth als Ersatz. Abel-Seth ist nun der Stammvater der Priestergeschlechter, welche zwar Erdenmenschen sind, aber im Elemente der Luft atmen. In diesen Urvätern der Menschheit vergeistigt sich durch die Einwohnung Jahves die Luftatmung zum Hellsehen primitiver Art. In Träumen offenbaren sich die göttlichen Geheimnisse.

Es soll der Inhalt dieser Menschheitsevolution durch das folgende okkulte Schriftzeichen meditiert werden.


Zeichnung aus GA 265, S. 391

oberer Atmungsvorgang
geistiger Teil

Atmung

unterer Atmungsvorgang
stofflicher Teil


Der vergeistigte Atmungsvorgang, der als ein aufsteigender Atmungsstrom in den Raum des Hauptes geht, kommt als imaginativer Erkenntnisvorgang den Urvätern zum Bewußtsein.

In diesen Bildern sind in Mysterienart alle Vorgänge enthalten, gemäß denen sich die beiden Evolutionsströme der Menschheit entwickelten. Der mehr aus dem Elemente des Feuers gebildete Erkenntnisapparat der Söhne Kains nahm die sinnlichen Wahrnehmungen auf und verarbeitete sie intellektuell. Der aus dem Elemente des Wassers gebildete Hellseherapparat der Söhne Abel-Seths war weniger eingestellt auf die Sinneswahrnehmung. Ihr Erkenntnisapparat lebte sich aus in Visionen, welche ohne unmittelbare Sinneswahrnehmung sich die geistigen Erlebnisse zum Bewußtsein bringen konnte.

Man gewinnt eine Anschauung von diesen Vorgängen durch das folgende Schema:

Zeichnung aus GA 265, S. 392

Die Ur-Vorgänge, die hier für die imaginative Erkenntnis skizziert wurden, leben fort im Menscheninnern. Man kann sie vollständig nicht in abstrakten Begriffen klarlegen, weil diese grob und unvollständig sind im Verhältnis zur Kompliziertheit der wirklichen Vorgänge. So aber, wie die Darstellung hier gegeben ist, kann sie bildhaft in der Seele lebendig gemacht werden. Dann wirken die Bilder in der Seele. Und da in der Seele die Elemente enthalten sind, welche die Wahrheit geben, so erwecken die Bilder nach und nach die lebendige Anschauung. Man erlangt auf diesem Wege ein unmittelbares Wissen dessen, was geschehen ist.

Es ist gut, wenn man die gegebenen Bilder als eine Grundlage für die gemeinsame Besprechung bei F. M.-Versammlungen nimmt. Man macht sich dann in der versammelten Gruppe zunächst mit den Bildern bekannt. Dann meditiert in der Zwischenzeit bis zur nächsten Versammlung ein jedes Mitglied über die Bilder. Dann werden in der nächsten Versammlung die durch die Meditation gewonnenen Resultate gegenseitig mitgeteilt und besprochen. Man kann dadurch einen genaueren und erweiterten Einblick in den Inhalt der Bilder gewinnen. Mit dieser Erweiterung meditiert man dann wieder in der Zwischenzeit bis zur nächsten Versammlung. Dieser Prozeß wird weiter fortgesetzt. Ein befriedigendes Resultat wird man erst nach einer größeren Reihe von Versammlungen gewinnen.

Es ist dies einer der Wege - und zwar ein sehr sicherer -, auf denen man sich der imaginativen Erkenntnis nähert. Diese hat man erlangt, wenn die Bilder so sich mit der inneren Regsamkeit der Seele identifiziert haben, daß man in der Seele diese Bilder als inneres Lebens- und als Erkenntniselement empfindet.

Man sollte eigentlich zunächst mit diesem kleinen Stück der Tempellegende beginnen und so den imaginativen Erkenntnisprozeß in die Wege leiten.

Dann kann man noch meditieren über das folgende okkulte Schriftzeichen, aus dem in der Seele eine wichtige Erkenntnisgrundlage werden kann:

Zeichnung aus GA 265, S. 393

Ein anderes Exemplar des Textes gibt die Zeichnung so wieder:

Zeichnung aus GA 265, S. 394

“ (Lit.:GA 265, S. 389ff)

Literatur

  1. Charles William Heckethorn: Geheime Gesellschaften, Geheimbünde und Geheimlehren, Autorisierte deutsche Ausgabe, bearbeitet von Leopold Katscher, Leipzig, Rengersche Verlagsbuchhandlung 1900 (neu verlegt im Anaconda Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-86647-087-3) [1]
  2. Gérard de Nerval: Die Tempellegende: Die Geschichte von der Königin aus dem Morgenland und von Sulaiman, dem Fürsten der Genien Edition Perceval, Band 12, Verlag am Goetheanum 2001, ISBN 978-3723508657
  3. Rudolf Steiner: Die Tempellegende und die Goldene Legende, GA 93 (1991)
  4. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

  1. Adobepdf small.gif Die Tempellegende - aus Charles William Heckethorn «Geheime Gesellschaften, Geheimbünde und Geheimlehren», Leipzig 1900
  2. The Lost Master's Word (englisch)
  3. Tempellegende - im Wortlaut Rudolf Steiners aus verschiedenen Vorträgen zusammengestellt.

Einzelnachweise

  1. In der Bibel wird das Eherne Meer so beschrieben:

    23 Und er machte das Meer, gegossen, von einem Rand zum andern zehn Ellen weit rundherum und fünf Ellen hoch, und eine Schnur von dreißig Ellen war das Maß ringsherum. 24 Und um das Meer gingen Knoten an seinem Rand ringsherum, je zehn auf eine Elle; es hatte zwei Reihen Knoten, die beim Guss mitgegossen waren. 25 Und es stand auf zwölf Rindern, von denen drei nach Norden gewandt waren, drei nach Westen, drei nach Süden und drei nach Osten, und das Meer stand obendrauf, und ihre Hinterteile waren alle nach innen gekehrt. 26 Die Wanddicke des Meeres aber war eine Hand breit und sein Rand war wie der Rand eines Bechers, wie eine aufgegangene Lilie, und es gingen zweitausend Eimer hinein. 1 Kön 7,23 LUT

  2. Nach freimaurerischer Tradition heißen die drei Gesellen Jubela, Jubelo und Jubelum und sollen auch den drei Herbststernzeichen Waage, Skorpion und Schütze entsprechen, also der Zeit der absteigenden Sonne von Michaeli bis Weihnachten; vgl. Dr. Josef Schauberg: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei mit besonderer Rücksicht auf die Mythologieen und Mysterien des Alterthums, Band II, Zürich 1861, Seite 212f
  3. In Charles William Heckethorns «Geheime Gesellschaften, Geheimbünde und Geheimlehren» wird diese Szene so dargestellt:

    "In seiner Eifersucht gab er [Salomo] den drei Gesellen, die den Guß des ehernen Meeres verdorben hatten, den Wink, daß ihm die Beseitigung des Nebenbuhlers erwünscht wäre. Vor der geplanten Abreise erschien Hiram nochmals im Tempel und hier wurde er von den Dreien erschlagen. Doch gelang es ihm vor dem Aushauchen des letzten Seufzers, das goldne Dreieck, das er um den Hals trug und auf dem das Meisterwort eingraviert war, in einen tiefen Brunnen zu werfen. Die Mörder hüllten den Leichnam ein, begruben ihn auf einem einsamen Hügel und pflanzten einen Akazienzweig aufs Grab.

    Als Hiram sich sieben Tage lang nicht zeigte, mußte Salomo, wenngleich ungern, dem Wunsche des Volkes nachgeben und ihn suchen lassen. Drei Meister entdeckten die Leiche, und da sie jene drei Gesellen des Mordes verdächtigten, weil sie wußten, daß Hiram ihnen den Meistergrad verweigert hatte, beschlossen sie vorsichtshalber, das Meisterwort abzuändern. Das erstbeste Wort, welches während der Emporhebung des Leichnams zufällig fallen würde, sollte das künftige Meisterwort werden. Als nun einer von ihnen sah, daß sich die Haut vom Körper loslöste, rief er aus: «Makbenach!» (etwa «Bruder erschlagen» oder «Fleisch vom Knochen getrennt») und so wurde «Makbenach» zum Kennwort des Meistergrades. Man erwischte die drei Mörder und sie entleibten sich, um nicht in die Hände der Gerechtigkeit zu fallen; ihre Köpfe wurden dem König überbracht. Da sich das goldne Dreieck nicht bei der Leiche Hirams vorfand, forschte man danach und fand es schließlich in jenem Brunnen. Salomo ließ es auf einen dreieckigen Altar legen, der sich in einem geheimen Gewölbe unterhalb des entlegensten Teiles des Tempels befand; um das goldne Dreieck noch besser zu verbergen, stellte man darauf einen kubischen Stein, der die zehn Gebote enthielt. Schließlich wurde das Gewölbe, dessen Vorhandensein nur 27 Erwählten bekannt war, zugemauert." (Lit.: Heckethorn, S 393)

  4. 4,0 4,1 Die Pünktchen finden sich so in der Vorlage.
  5. Nach einer anderen Mitschrift heißt die Übersetzung: «Erdensohn des Leides»