Makbenach

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Makbenach oder Mach ben ach (etwa «Bruder erschlagen» oder «Fleisch vom Knochen getrennt», mit der eigentlichen Bedeutung: „Erdensohn des Leides“ oder „Das Geistig-Seelische hat sich vom Physisch-Leiblichen getrennt“, vgl. GA 265, S. 456) ist nach der Tempellegende, auf die sich auch die Freimaurer berufen, das neue Meisterwort, das nach dem Tod von Hiram Abif weitergeben wurde. Hiram wurde beim Bau des Salomonischen Tempels von drei Gesellen ermordert, denen er die Meisterschaft verweigert hatte. Um sich zu rächen, hatten sie zuvor schon den Guß des ehernen Meeres verdorben. Salomon, der ebenfalls eifersüchtig auf Hiram war, weil Balkis, die Königin von Saba, die Verlobung mit ihm gelöst und sich Hiram zugewandt hatte, ließ die Gesellen gewähren. In Charles William Heckethorns «Geheime Gesellschaften, Geheimbünde und Geheimlehren» wird die Szene so dargestellt:

„In seiner Eifersucht gab er [Salomo] den drei Gesellen, die den Guß des ehernen Meeres verdorben hatten, den Wink, daß ihm die Beseitigung des Nebenbuhlers erwünscht wäre. Vor der geplanten Abreise erschien Hiram nochmals im Tempel und hier wurde er von den Dreien erschlagen. Doch gelang es ihm vor dem Aushauchen des letzten Seufzers, das goldne Dreieck, das er um den Hals trug und auf dem das Meisterwort eingraviert war, in einen tiefen Brunnen zu werfen. Die Mörder hüllten den Leichnam ein, begruben ihn auf einem einsamen Hügel und pflanzten einen Akazienzweig aufs Grab.

Als Hiram sich sieben Tage lang nicht zeigte, mußte Salomo, wenngleich ungern, dem Wunsche des Volkes nachgeben und ihn suchen lassen. Drei Meister entdeckten die Leiche, und da sie jene drei Gesellen des Mordes verdächtigten, weil sie wußten, daß Hiram ihnen den Meistergrad verweigert hatte, beschlossen sie vorsichtshalber, das Meisterwort abzuändern. Das erstbeste Wort, welches während der Emporhebung des Leichnams zufällig fallen würde, sollte das künftige Meisterwort werden. Als nun einer von ihnen sah, daß sich die Haut vom Körper loslöste, rief er aus: «Makbenach!» (etwa «Bruder erschlagen» oder «Fleisch vom Knochen getrennt») und so wurde «Makbenach» zum Kennwort des Meistergrades. Man erwischte die drei Mörder und sie entleibten sich, um nicht in die Hände der Gerechtigkeit zu fallen; ihre Köpfe wurden dem König überbracht. Da sich das goldne Dreieck nicht bei der Leiche Hirams vorfand, forschte man danach und fand es schließlich in jenem Brunnen. Salomo ließ es auf einen dreieckigen Altar legen, der sich in einem geheimen Gewölbe unterhalb des entlegensten Teiles des Tempels befand; um das goldne Dreieck noch besser zu verbergen, stellte man darauf einen kubischen Stein, der die zehn Gebote enthielt. Schließlich wurde das Gewölbe, dessen Vorhandensein nur 27 Erwählten bekannt war, zugemauert.“ (Lit.: Heckethorn, S 393)

Ähnlich schildert die Szene auch Rudolf Steiner:

„Hiram wollte sein Werk, den Tempel, zum letzten Male sehen und begab sich nachts dahin. Da lauerten ihm die falschen Gesellen auf. Der erste versetze ihm an dem einen Tore einen Schlag auf die linke Schläfe, daß das Blut herunterfloß bis auf die Schulter. Hiram Abiff wandte sich zum zweiten Tor, um den Tempel zu verlassen. Da versetzte ihm der zweite Geselle einen Schlag auf die rechte Schläfe, daß das Blut bis auf die Schulter floß. Er wandte sich zum dritten Tor. Da traf ihn der Schlag des dritten Gesellen auf die Stirn, so daß er zusammenbrach. Er schleppte sich noch hinaus bis zu einem Brunnen, in den er das goldene Dreieck versenkte. Die drei Gesellen verscharrten seine Leiche. Vor seinem Tod konnte Hiram noch das goldene Dreieck mit dem Meisterwort versenken in einen tiefen Brunnen. Auf seinem Grabe wuchs ein Kassia-Baum, eine Akazie. Den Wissenden war bekannt, daß aus dem Grabe eines Eingeweihten ein Kassia-Baum herauswächst. Als man seinen Leichnam fand, ertönte das neue Meisterwort: «Mach ben ach».[1] Das bedeutet: Das Geistig-Seelische hat sich vom Physisch-Leiblichen getrennt - oder: Anderssein des Leibes.[2] Man suchte dann das goldene Dreieck und fand es in dem Brunnen. Es wurde auf das Dreieck ein kubischer Stein gelegt mit den zehn Geboten und so wurde es verborgen im Tempel eingemauert.

Mit dieser Symbolik ist dasjenige gegeben, was in Meditation die innere Wesenheit der menschlichen Entwicklung auf der Erde zur Imagination erhöhte. Das eherne Meer kann als Symbol dessen gelten, was der Mensch geworden wäre, wenn nicht die drei verräterischen Kräfte in der Seele Platz gefunden hätten. Diese drei verräterischen Kräfte sind: Zweifel, Aberglaube, Illusion des persönlichen Selbst.

Hiram Abiff wurde wiedergeboren als Lazarus und war so derjenige, der als erster von Christus eingeweiht wurde. Mit ihm setzte ein die (Versöhnung der Differenz), die zwischen der Kain- und Abelströmung stand.“ (Lit.:GA 265, S. 458f)

Im Aufnahmeritual in den dritten Grad der von Rudolf Steiner bis 1914 geführten erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule heißt es:

Teilnehmeraufzeichnung, aus der hervorgeht, daß in diesem Ritual ein vierter Altar (im Norden) figurierte.

Nachdem die Glockenschläge erklungen waren, heißt es:
(Zu den anwesenden Meistern):

      «Lasset uns nun suchen das Grab des Hiram Abiff.»
(Es folgt ein Umgang.)

      «Hier ist das Grab des Hiram Abiff. Einen Akazienzweig pflanze
      ich auf diesem Grabe zum Zeichen dafür, daß dein höheres Selbst
      herauslebe aus deinem niederen Selbst, wie dieser Akazienzweig
      aus deinem Grabe.»[3]

(Hierauf spricht einer):

      «Memento mori! Denke an den Tod, denke, daß alles Sterbliche
      an dir nicht du bist.»

(Sodann spricht der Generalgroßmeister):
      «Neugeboren soll er sein wie einstmals Hiram Abiff.»
(Dies wird von einem der Meister, der am Nordaltar steht, nachgesprochen.)

(Der Generalgroßmeister spricht):
      «Das Licht soll ihm leuchten aus dem Osten, wie einstmals Hiram
      Abiff.»
(Wieder von einem der Meister, der am Westaltar steht, nachgesprochen.)

(Der Generalgroßmeister spricht):
      «Sieger soll er sein über den Tod, wie einstmals Hiram Abiff.»
(Wieder von einem der Meister, der am Südaltar steht, nachgesprochen.)

(Nun tritt der Generalgroßmeister an den Sarg heran; dieser wird
geöffnet und der Generalgroßmeister spricht):
      «Mit dem Löwengriff des Meisters hebe ich dich aus diesem
      Grabe.»

(Er hebt ihn heraus und spricht in leisem Tone zu ihm das Meisterwort):
      «M.. b.. a..» [Mach ben ach] Die Knochen lösen sich aus dem
      Fleische heraus - mit dem Meistergriff.

“ (Lit.:GA 265, S. 200f)

Literatur

  1. Charles William Heckethorn: Geheime Gesellschaften, Geheimbünde und Geheimlehren, Autorisierte deutsche Ausgabe, bearbeitet von Leopold Katscher, Leipzig, Rengersche Verlagsbuchhandlung 1900 (neu verlegt im Anaconda Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-86647-087-3) [1]
  2. Rudolf Steiner: Die Tempellegende und die Goldene Legende, GA 93 (1991) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org


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Anmerkungen

  1. Hier fehlt nach den üblichen Überlieferungen das Zwischenglied: Salomo gab Auftrag, Hirams Leiche zu suchen. Da man glaubte, daß die Mörder Hiram das Meisterwort abgenötigt hätten, wurde vereinbart, bei der Suche zu schweigen. Das erste Wort, das einer der Meister bei der Ausgrabung der Leiche unbeabsichtigt spreche, sollte als neues Meisterwort gelten. Als man nach langem Bemühen den Leichnam fand, entrang sich in diesem Augenblicke einem unter ihnen das Wort «Mach ben ach». Dieses wurde als neues Meisterwort angenommen.
  2. In einer anderen Nachschrift heißt es: «Erdensohn des Leides».
  3. Akazie = Kassia; gilt als Symbol der Unsterblichkeit.