Königin von Saba

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Salomo empfängt die Königin von Saba. Gemälde von Giovanni Demin

Die Königin von Saba, nach islamischer Tradition auch Balkis und nach äthiopischer Überlieferung Makeda genannt, ist eine biblische Gestalt, die im 10. Jahrhundert vor Christus eine Reise zum Hof König Salomos in Jerusalem unternommen haben soll. Außer im Alten Testament, der frühesten schriftlichen Erwähnung, erscheint sie auch im Koran und in äthiopischen Legenden, nicht jedoch in Quellen aus dem antiken Saba im heutigen Jemen. Ob ihr Reich tatsächlich dort oder in der Region um Aksum in Äthiopien gelegen hat, ist daher bis heute ebenso ungeklärt wie die Frage, ob die legendäre Königin eine historische Person zum Vorbild hatte.

Biblische Quellen

In den alttestamentlichen Geschichtsbüchern finden sich Verweise im 1. Kön. 10,1-13 LUT (ca. 6. Jh. v. Chr.) und im 2. Chron. 9,1-9,12 LUT (ca. 5. Jh. v. Chr.). Die Königin erfährt von der Weisheit König Salomos und findet sich an seinem Hof in Jerusalem ein, um das Gehörte zu überprüfen. Überwältigt von dem, was sie sieht, schenkt sie ihm „hundertundzwanzig Zentner Gold und sehr viel Spezerei und Edelsteine“.

Im Neuen Testament wird die Königin von Saba als „Königin des Südens“ bezeichnet. In der Endzeit soll sie erneut erscheinen, um über die Menschen im Gericht Zeugnis zu geben (Mt 12,42 LUT; Lk 11,31 LUT).

Jüdische Quellen

Bei Flavius Josephus wird sie als Königin des Südens, Königin von Äthiopien, bezeichnet, die den Samen des Weihrauchbaums nach Palästina brachte (Antiquitates Judaicae, 94 n. Chr.).

Im Targum Sheni (vermutlich 8. Jahrhundert n. Chr.) wird, ausgehend vom Talmud, die biblische Geschichte durch ältere mündliche Überlieferungen ergänzt. Hier erscheint Salomo als Herr der Tiere, dem ein Wiedehopf die Nachricht von einer sagenhaft reichen Königin von Saba übermittelt.

Arabisch-islamische Quellen

Weitere Angaben über die Königin von Saba, die im Islam aufgrund ihrer Weisheit sehr geschätzt wird, finden sich im Koran (27. Sure, Verse 22 - 44) und bei den Autoren al-Tabari, al-Tha'alabi und al-Kisa'i.[1] Im islamischen Kulturkreis trägt sie den Namen Bilqîs (andere übliche Transkription Bilkis oder Balkis, auch Aziz). (Nach ihr ist auch die ausgestorbene Jemen-Gazelle (Gazella bilkis) benannt.)

Äthiopische Quellen

Die Königin von Saba, äthiopisches Fresko

Besondere Bedeutung hat die Legende der Königin in der äthiopischen Geschichte. Sie wird im 14. Jahrhundert in Aksum in dem Werk Der Ruhm der Könige (Kebra Nagast) festgehalten. Die Königin trägt den Namen Mâkedâ und soll Salomo in Jerusalem besucht haben. Dabei soll sie mit ihm Menelik, den Stammvater der äthiopischen Könige, gezeugt haben. Weiter heißt es, Menelik sei später selbst nach Jerusalem gereist und habe von dort die Bundeslade mit den beiden Tafeln der Zehn Gebote nach Äthiopien entführt. Die Dynastie der Salomoniden, die von 1270 bis 1975 über Äthiopien herrschte, führte sich auf diese Verbindung zwischen Makeda und Salomo zurück. Der letzte Kaiser Abessinienes, Haile Selassie, bezeichnete sich als 225. Nachfolger des Sohnes der Königin von Saba.

Die Tempellegende

Hauptartikel: Tempellegende

Eine bedeutende Rolle spielt die Königin von Saba in der Tempellegende, auf die sich auch die Freimaurer berufen. Im Text nach der Originalhandschrift Rudolf Steiners heißt es:

„Im Beginn der Erdenentwickelung stieg einer der Lichtgeister oder Elohim aus dem Sonnenbereich in den Erdenbereich und verband sich mit Eva, der Urmutter des Lebendigen. Aus dieser Verbindung entstand Kain, der erste der Erdenmenschen. Darauf bildete ein anderer aus der Reihe der Elohim, Jahve oder Jehova, den Adam; und aus der Verbindung des Adam mit Eva entstand Abel, des Kain Stiefbruder. Die Ungleichheit der Abstammung von Kain und Abel (geschlechtliche und ungeschlechtliche Abstammung) bewirkte Streit zwischen Kain und Abel. Und Kain erschlug den Abel. Abel war durch die geschlechtliche Abstammung, Kain durch den moralischen Fall des Lebens in der geistigen Welt verlustig gegangen. Für Abel gab Jehova dem Elternpaar den Ersatzsohn Seth. Von Kain und Seth stammen zwei Menschentypen ab. Die Nachkommen Seths konnten in besonderen (traumhaften) Bewußtseinszuständen in die geistige Welt schauen. Die Nachkommen Kains waren dieses Schauens ganz verlustig gegangen. Sie mußten sich im Laufe der Generationen hindurch durch allmähliche Ausbildung der menschlichen Erdenkräfte zur Wiedererringung der spirituellen Fähigkeiten hinaufarbeiten.

Einer der Nachkommen Abel-Seths war der weise Salomo. Er hatte sich die Gabe traumhaften Hellsehens noch ererbt; ja hatte sie in einem besonderen Grade als Anlage mitbekommen; so kam es, daß seine Weisheit so weithin berühmt war, daß symbolisch von ihm berichtet wird, er habe auf einem Throne von Gold und Elfenbein gesessen (Gold und Elfenbein Symbole der Weisheit).

Aus dem Kainsgeschlechte stammten Menschen, die sich im Laufe der Zeit immer mehr und mehr die Hinaufentwickelung der menschlichen Erdenkräfte angelegen sein ließen. Einer dieser Menschen war Lamech, der Bewahrer der T-Bücher, in welchen, soweit dies durch Erdenkräfte möglich war, die Urweisheit wiederhergestellt war, so daß diese Bücher den uneingeweihten Menschen unverständlich sind. Ein andrer Nachkomme der Kain-Menschheit ist Tubalkain, welcher in der Bearbeitung der Metalle es weit brachte, ja die Metalle kunstvoll zu Musikinstrumenten zu formen verstand. Und als Zeitgenosse Salomos lebte Hiram Abiff oder Adoniram aus dem Kainsgeschlecht, der in seiner Kunst so weit gelangt war, daß diese unmittelbar an das Schauen der höheren Welten grenzte, eben noch eine dünne Wand gegen die Initiation für ihn zu durchstoßen war.

Der weise Salomo erdachte den Plan eines Tempels, der in seinen Formteilen symbolisch die Menschheitsentwickelung zum Ausdrukke bringen sollte. Durch seine Traumweisheit konnte er die Gedanken dieses Tempels in allen Einzelheiten ersinnen; doch fehlte ihm die Kenntnis der Erdenkräfte zum wirklichen Bau, welche nur durch Ausbildung der Erdenkräfte im Kainsgeschlecht zu erringen waren. Es verband sich deshalb Salomo mit Hiram-Abiff. Dieser baute nun den die Menschheitsentwickelung symbolisch ausdrückenden Tempel.

Salomos Ruhm war gedrungen bis zur Königin von Saba, Balkis. Diese begab sich eines Tages an den Hof Salomos, um diesen zu ehelichen. Es wurden ihr alle Herrlichkeiten des salomonischen Hofes gezeigt; auch der gewaltige Tempel. Sie konnte aus den Vorstellungen heraus, die sie bis dahin gewonnen hatte, nicht begreifen, wie ein Baumeister, der nur menschliche Kräfte zur Verfügung hatte, so etwas habe leisten können. Sie hatte ja nur erfahren, daß die Führer von Arbeitern durch den Besitz von atavistischen magischen Kräften genügende Scharen von Arbeitern hatten zusammenführen können, um die alten gewaltigen Bauten aufzuführen. Sie verlangte den ihr seltsam-merkwürdigen Baumeister zu sehen. Als er ihr begegnete, machte sein Auge sogleich einen tief bedeutsamen Eindruck auf sie. Dann sollte er ihr zeigen, wie er durch bloße Menschen-Verabredung die Arbeiter führe. Er nahm seinen Hammer, bestieg einen Hügel, und auf ein Zeichen mit dem Hammer eilten große Scharen von Arbeitern herbei. Die Königin von Saba merkte, daß Menschen-Erdenkräfte zu solcher Bedeutung sich entwickeln können.

Bald darauf erging sich die Königin mit ihrer Amme (Amme steht symbolisch für eine prophetische Person) vor den Toren der Stadt. Sie begegneten Hiram Abiff. In dem Augenblicke, als die beiden Frauen den Baumeister erblickten, flog aus den Lüften der Vogel Had-Had auf den Arm der Königin von Saba.

Die prophetische Amme deutete dieses dahin, daß die Königin von Saba nicht für Salomo, sondern für Hiram Abiff bestimmt sei. Von diesem Augenblicke an dachte die Königin nur mehr daran, wie sie das Verlöbnis mit Salomo lösen könne. Es wird weiter erzählt, daß nun «im Rausche» dem König der Verlobungs-Ring vom Finger gezogen wurde, so daß sich nun die Königin für die dem Hiram Abiff bestimmte Braut betrachten konnte. (Es liegt das Bedeutungsvolle diesem Zug der Legende zugrunde, daß in der Königin von Saba zu sehen ist die alte Sternenweisheit, die bis in jene Zeitepoche verbunden war den alten atavistischen Seelenkräften, die in Salomo symbolisiert sind. Die okkulten Legenden drücken in den Symbolen von weiblichen Personen die Weisheit aus, welche sich mit dem männlichen Teil der Seele vermählen kann. Mit der Zeit Salomos ist die Epoche eingetreten, in welcher diese Weisheit übergehen soll von den atavistischen alten Kräften an die neu erworbenen Erden- Ich-Kräfte. Der «Ring» ist immer das Symbol des «Ich». Salomo wird noch im Besitz eines nicht voll-menschlichen Ich gedacht, sondern eines solchen, welches nur der Widerschein ist des «höheren Ichs» der Engel im atavistischen Traum-Hellseher-Bewußtsein. Der «Rausch» deutet darauf hin, daß dieses Ich wieder verloren wird innerhalb der halbbewußten Seelenkräfte, durch die es erworben ist. Hiram ist erst im Besitze eines real-menschlichen «Ich».)

Von diesem Zeitpunkte an ergreift den König Salomo eine heftige Eifersucht gegen seinen Baumeister. Es haben es daher drei verräterische Gesellen leicht, das Ohr des Königs für eine Tat zu finden, durch welche sie Hiram Abiff verderben wollen. Sie sind dessen Gegner, weil sie von ihm zurückgewiesen werden mußten, als sie den Meistergrad und das Meisterwort verlangten, für die sie nicht reif sind.

Diese drei verräterischen Gesellen beschließen nun, dem Hiram Abiff das Werk zu verderben, das er als die Krönung seines Wirkens am Hofe Salomos vollbringen soll. Es ist dies der Guß des «Ehernen Meeres». Das ist ein aus den sieben Grundmetallen (Blei, Kupfer, Zinn, Quecksilber, Eisen, Silber, Gold) in solchen Maß Verhältnissen hergestellter künstlicher Guß, der völlig durchsichtig ist. Die Sache war vollendet, bis auf einen allerletzten Einschlag, der vor versammeltem Hof - auch vor der Königin von Saba - gemacht werden sollte, und durch welchen die noch trübe Substanz bis zur völligen Klarheit sich umbilden sollte. Nun mischten die drei verräterischen Gesellen etwas Unrechtes in den Guß, so daß, statt daß sich dieser klärte, Feuerfunken aus ihm sprühten. Hiram Abiff suchte das Feuer durch Wasser zu beruhigen. Das gelang nicht, sondern die Flammen schlugen nach allen Seiten. Die versammelten Leute eilten nach allen Seiten auseinander. Hiram Abiff aber hörte aus den Flammen und der glühenden Masse eine Stimme: «Stürze dich in das Flammenmeer; du bist unversehrbar.» Er stürzte sich in die Flammen und merkte bald, daß sein Weg nach dem Mittelpunkte der Erde zuginge. Auf halbem Wege traf er seinen Vorfahren Tubalkain. Dieser führte ihn nach dem Erdmittelpunkte, wo sich der große Vorfahre Kain befand, in dem Zustande, wie er vor der Sünde war. Hier erhielt Hiram Abiff von Kain die Erklärung, daß die energische Entfaltung der menschlichen Erdenkräfte zuletzt zu der Höhe der Initiation führe, und daß die auf diesem Wege erlangte Initiation im Erdenverlaufe an Stelle des Schauens der Abel-Seth-Söhne treten müsse, das verschwinden werde. Symbolisch wird die mutverleihende Kraft, welche Hiram Abiff von Kain erhält, dadurch ausgedrückt, daß gesagt wird, Hiram habe einen neuen Hammer von Kain erhalten, mit dem er an die Erdenoberfläche zurückkehrte, das Eherne Meer berührte und dadurch dessen völlige Durchsichtigkeit bewirken konnte. (Mit dieser Symbolik ist dasjenige gegeben, was in gehöriger Meditation die innere Wesenheit der Menschenentwickelung auf der Erde zur Imagination erhebt. Das Eherne Meer kann als Symbol dessen gelten, was der Mensch geworden wäre, wenn nicht die drei verräterischen Kräfte in der Seele Platz gegriffen hätten: Zweifel, Aberglaube, Illusion des persönlichen Selbstes. Durch diese Kräfte ist die Erden- Menschheitsentwickelung zur Feuerentfaltung in der lemurischen Zeit gekommen, welche durch die Wasserentwickelung der atlantischen Zeit nicht gedämpft werden kann. Es muß vielmehr eine solche Entwickelung der menschlichen Erdenkräfte stattfinden, daß in der Seele der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wird, der in Kain vor dem Brudermorde vorhanden war. Es können sich nicht die traumhaften Seelenkräfte der Kinder Abel-Seths gegen die Erdenkräfte halten, sondern nur die zur vollen realen Ich-Entwickelung kommenden Nachkommen Kains.)“ (Lit.:GA 265, S. 365ff)

In einer weiteren Niederschrift der Tempellegende in der Originalhandschrift Rudolf Steiners, deren erster Teil allerdings fehlt, heißt es ergänzend:

„Von dieser Zeit an entbrannte Salomo in Eifersucht gegen seinen Baumeister. Es fanden daher drei verräterische Gesellen an ihm Unterstützung, welche in ihrer Eitelkeit das Meisterwort und den Meistergrad von dem Baumeister verlangt hatten, die er ihnen nicht geben konnte, weil sie noch unreif dazu waren. Diese beschlossen, sich in der folgenden Art zu rächen.

Hiram Abiff sollte als die Krönung seiner Arbeiten am Hofe Salomos das sogenannte Eherne Meer aufführen. Es sollte sein ein wundervoller Metallguß, in den hineingegossen waren alle Metalle der Erde in solcher Zusammenstimmung, daß ein herrliches harmonisches Ganze sich ergab. Alles daran war durch Hiram Abiff fertiggestellt, bis auf den letzten Handgriff. Dieser sollte bei einem besonderen Fest vollzogen werden. Der ganze Hof war dazu versammelt, auch die Königin von Saba. Die drei verräterischen Gesellen mengten im entscheidenden Augenblicke einen unrechten Einschlag in den Guß; und statt, daß sich das Ganze zum harmonischen Abschluß brachte, sprühten Funken aus dem Guß heraus. Hiram Abiff suchte durch beigemengtes Wasser die Flammen zu beruhigen. Da aber entstiegen furchtbare Flammenmassen dem Guß. Alles stieb auseinander, was von Menschen versammelt war. Hiram Abiff aber hörte eine Stimme aus dem Feuer, die ihm sagte: fürchte dich nicht, stürze dich in die Flammen; du bist unversehrbar. Er stürzte sich in das Flammenmeer. Er merkte bald, daß sein Flug zum Erdmittelpunkte gehe. In der Mitte des Weges traf er Tubalkain, der ihn zu seinem Ahnherrn Kain in den Mittelpunkt der Erde führte. Kain war in der Gestalt vor der Sündenbegehung. Er gab Hiram Abiff ein neues T-Zeichen und sagte ihm, damit werde er, zur Oberfläche der Erde zurückgekehrt, den Guß wiederherstellen. Und von ihm werde ein Geschlecht ausgehen, das Adams Kinder auf der Erde besiegen und den großen Dienst des Feuers wieder einführen, sowie die Menschheit zum göttlichen Schöpferworte zurückführen werde.

Auch in diesem Teil der Legende liegt tiefer Sinn. Bevor der Mensch herabgestiegen ist aus dem Schöße der Gottheit in irdische Verkörperungen, war er in geistiger Umgebung, die er wahrnehmen konnte. Er horte das göttliche Schöpferwort. Er verkörperte sich in den Metallmassen, die damals noch im Feuer flüssig waren. Bevor dies geschah, konnten drei Gesellen nichts ihm anhaben: Zweifel, Aberglaube und die Illusion des persönlichen Selbst. Zweifel konnte er nicht haben an der geistigen Welt, denn sie war ja um ihn. Aberglaube konnte ihn nicht befallen, denn er sah das Geistige in seiner wahren Gestalt. Der Aberglaube besteht aber in der Vorstellung des Geistigen unter falscher Gestalt. Die Illusion des persönlichen Selbst konnte ihn nicht befallen, denn er wußte sich in der allgemeinen Geistigkeit; er war durch das Eingeschlossensein in seinen Körper noch nicht herausgetrennt aus dieser allgemeinen Geistigkeit. Hätten sich diese drei verräterischen Gesellen nicht an seine Fersen geheftet, es wäre sein Leib ein reiner harmonischer Zusammenhang der Stoffe geworden. Sie mischten den Einschlag hinein, der ihn das göttlich-geistige Schöpferwort vergessen machte. Der Guß wurde dadurch zerstört. Es stellt dann die Fahrt des Hiram Abiff zum Erdmittelpunkte das Vordringen des Menschen auf dem okkulten Pfade vor. Dadurch gelangt die Menschheit wieder in den Besitz des T, des göttlichen Schöpferwortes, lernt die Menschennatur (Kain) kennen, wie sie vor dem Falle war und wie sie in Reinheit schaffen kann.

Eine andere Imagination ist das Folgende:

Zeichnung aus GA 265, S. 371

Das Auge ist das göttliche Kraftauge hinter aller vergänglichen Wesenheit, ja noch hinter der siebengliedrigen Menschennatur. Man erlangt davon eine Vorstellung, wenn man sich erinnert an des Augustinus' Worte:

«Der Mensch sieht die Dinge, wie sie sind.
Sie sind, wie Gott sie sieht.»

Das menschliche Sehen ist passiv, die Dinge müssen da sein, damit der Mensch sie sehen könne. Gottes Schauen schafft im Hinschauen die Dinge. Das Dreieck um das Auge ist

Geistselbst (Manas)
Lebensgeist (Budhi)
Geistesmensch (Atma)

Die Strahlen sind das «Ich» - es scheint die obere Dreiheit durch das Ich in die unteren Glieder der Menschennatur.

Diese sind symbolisiert:

1. durch den beleuchteten Teil der Wolken: der Astralleib
2. durch den unbeleuchteten Teil der Wolken: der Ätherleib
3. durch die darumliegende Finsternis: der physische Leib.

Tempellegende und dieses Strahlenauge sollen für den .-. bilden einen fortdauernden Meditationsstoff. Er soll sich immer wieder an diese erinnern; sie als Bilder (Imaginationen) im Geiste schauen. Dann wird er, wenn er die nötige Energie und Geduld darauf wendet, gewahr werden, daß sie Kräfte und Fähigkeiten wecken, die in ihm schlummerten, und durch deren Erweckung er in die höheren Welten hineinschauen kann. Denn nicht durch tumultuarische, äußerliche Mittel gelangt der Mensch zu den übersinnlichen Wahrnehmungsorganen, sondern durch solche intime Mittel wie die genannten, die in innerer, ruhiger Seelenarbeit innerlich rastlos und energisch angewendet werden. -

Sich aneignen Ausdrücke
für: rechter Winkel
      Richtung (direction) abbiegen
      wechselweise Buchstaben sprechen

      heil. Wort
      Paßwort
      Schürze
      Kelle und Kellenband.

“ (Lit.:GA 265, S. 369ff)

Historizität der Königin von Saba

Es bleibt offen, ob die Königin von Saba wirklich existiert hat, da noch keine Nennung der Königin in sabäischen Inschriften aus dieser Zeit gefunden wurde. Als biblische Erzählung können die Ursprünge auch auf ältere Traditionen der sumerischen und chaldäischen Mythologie zurückgehen. Belegt ist, dass es arabische Königinnen gab, z.B. Zabibê, Königin von Aribi 744-727 v. Chr. Der schriftliche biblische Text entstand vermutlich erst zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert v. Chr. Es ist denkbar, dass König Salomo zwar Verbindungen zu einer arabischen Königin unterhielt, dass der Name Saba aber eingefügt wurde, um die Bedeutung Salomos durch die Verbindung mit dem damals blühenden Sabäerreich hervorzuheben. Nach einer anderen Theorie basiert die Erzählung der Königin von Saba auf dem kanaanäischen Brauch der Heiligen Hochzeit. Das würde insbesondere erklären, warum die christlichen Äthiopier den Ursprung ihres Herrscherhauses aus einer unehelichen Beziehung zwischen Makeda und Salomo, aus der der legendäre König Menelik I. hervorging, ableiten.

Im Mai 2008 haben Archäologen der Universität Hamburg in Dungur bei Aksum Überreste eines Palastes unter neueren Palaststrukturen gefunden, der angeblich der sagenumwobenen Königin gehört haben soll, und über denen ihr Sohn Menelik einen jüdischen Tempel für die Bundeslade erbaut haben soll [2]. In der Fachwelt, u.a. an der Universität Hamburg, wird diese Interpretation des Fundes aber allgemein abgelehnt oder zumindest kritisch kommentiert[3]. Der Leiter der Ausgrabung, Prof. Dr. H. Ziegert, beruft sich auf mündliche Traditionen, die den Ort des Palastes der Königin von Saba in Aksum lokalisieren. Diese Traditionen können aber neueren Datums sein; der Ort der Ausgrabung wurde möglicherweise sogar erst mit Beginn der ersten Entdeckung der Palastreste in den 1970er Jahren mit der Legende der Königin von Saba in Verbindung gebracht. Die angeblich 3000 Jahre alte Überlieferung verweist außerdem nach Ziegert auf ein antikes Judentum in Äthiopien, von dem jedoch weder durch Inschriften, Schriftstücke oder Sprachreste (Lehnworte) irgendwelche Spuren nachweisbar sind. Im Gegenteil gibt es aus der Zeit vor der Christianisierung ausschließlich religiöse Kultstätten, die mit südarabischen Religionen in Verbindung stehen. Daher ist die Fachwelt längst dazu übergegangen, die Überlieferung eines alten äthiopischen Judentums für eine wesentlich neuere, politisch motivierte Konstruktion des Mittelalters zu halten. Die angebliche Ausrichtung der Fundstätte auf den Stern Sirius obendrein spricht geradezu gegen eine Zuschreibung der Palaststrukturen zum Judentum, da ein Sirius-Kult im Judentum eben keine besondere Rolle gespielt hat. Es gibt im übrigen auch sonst keine archäologischen Belege, die für die Existenz der Königin oder Menelik sprechen.

Literatur

  • Rolf Beyer: Die Königin von Saba, Engel und Dämon. Der Mythos einer Frau. Lübbe, Bergisch Gladbach 1988, ISBN 3-7857-0449-6.
  • Carl Bezold: Kebra Negast: Die Herrlichkeit der Könige. München 1909.
  • Barbara Black Koltuv: Solomon und die Königin von Saba. Verlag J.R. Ruther, 1995, ISBN 3-929588-07-2.
  • E. A. Budge-Wallis: The Queen of Sheba and her only son Menelik. London 1932.
  • Nicholas Clapp: Die Königin von Saba. Rütten und Loening, Berlin 2002, ISBN 3-352-00639-3.
  • Werner Daum (Hrsg.): Die Königin von Saba: Kunst, Legende und Archäologie. Belser, Stuttgart 1988, ISBN 3-7630-1748-8.
  • Daniel Friedmann: Les enfants de la reine de Saba - les juifs d'Éthiopie (Falachas): histoire, exode et intégration. Éd. Métailié, Paris 1994, ISBN 2-86424-185-4.
  • Oleg V. Volkoff: D'où vint la reine de Saba ? Institut Français d'Archèologie Orientale, Le Caire 1971.
  • Annelies Glander: The Queen of Sheba's Round Table, a Study of the Most Favoured Daughters of Eve. Lang, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-52939-2.
  • Alice Jankowski (Hrsg.): Die Königin von Saba und Salomo. Buske, Hamburg 1987, ISBN 3-87118-792-5.
  • Dierk Lange: Äthiopien im Kontext der semitischen Welt. Die Königin von Saba als kanaanäische Liebesgöttin. In: H. P. Hahn, G. Spittler: Afrika und die Globalisierung. Münster 1999, 269-277.
  • Jacob Lassner: Demonizing the Queen of Sheba. Boundaries of Gender & Culture in Postbiblical Judaism & Medieval Islam. University of Chicago Press, Chicago 1993, ISBN 0-226-46915-8.
  • H. St. John Philby: The Queen of Sheba. Quartet Books, London 1981.
  • James B. Pritchard (Hrsg.): Solomon and Sheba. Phaidon, London 1977, ISBN 0-7148-1613-2.
  • Roswitha G. Stiegner: Die Königin von Saba in ihren Namen. dbv, Graz 1977 (Dissertation der Universität Graz 1977).
  • Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Siehe auch

Weblinks

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Einzelnachweise

  1. Daum, Königin von Saba, 82-96.
  2. Vgl. die Presseerklärung der Universität Hamburg, Pressestelle: http://www.verwaltung.uni-hamburg.de/pr/2/21/pm/2008/pm48.html
  3. http://www1.uni-hamburg.de/ethiostudies/saba.html
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