Ehernes Meer

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Modell des Salomonischen Tempels mit dem ehernen Meer (links) und dem zentralen Altar (rechts) im Vorhof.

Das Eherne Meer war nach dem Bericht des Alten Testaments ein von dem Tempelbaumeister Hiram von Tyrus (Hiram Abif) für den Vorhof des Salomonischen Tempels aus Bronze gegossenes rundes Becken mit einem Durchmesser von knapp 500 cm und einer Höhe von etwa 250 cm. Das Becken fasste damit nahezu 50.000 Liter und ruhte auf einer Basis von 12 ehernen Rindern. Die Bibel schildert den Guß des Beckens so:

23 Und er machte das Meer, gegossen, von einem Rand zum andern zehn Ellen[1] weit rundherum und fünf Ellen hoch, und eine Schnur von dreißig Ellen war das Maß ringsherum. 24 Und um das Meer gingen Knoten an seinem Rand ringsherum, je zehn auf eine Elle; es hatte zwei Reihen Knoten, die beim Guss mitgegossen waren. 25 Und es stand auf zwölf Rindern, von denen drei nach Norden gewandt waren, drei nach Westen, drei nach Süden und drei nach Osten, und das Meer stand obendrauf, und ihre Hinterteile waren alle nach innen gekehrt. 26 Die Wanddicke des Meeres aber war eine Hand breit und sein Rand war wie der Rand eines Bechers, wie eine aufgegangene Lilie, und es gingen zweitausend Eimer hinein. 1 Kön 7,23 LUT

Der Guß des Ehernen Meeres bildet das Kernstück der von Christian Rosenkreutz gegebenen Tempellegende:

"Der Tempel war bis zu einer ganz bestimmten Stufe fertig. Nur eines fehlte noch, was das Meisterstück des Hiram sein sollte: nämlich das Eherne Meer. Dieses Meisterstück Hirams sollte darstellen den Ozean, in Erz gegossen, und den Tempel schmücken. Alle Erzmischungen waren in wunderbarer Weise von Hiram veranlagt worden und alles war zu dem Guß vorbereitet. Nun machten sich aber drei Gesellen ans Werk, die Hiram beim Tempelbau für unfähig befunden hatte, zu Meistern ernannt zu werden. Sie hatten ihm deshalb Rache geschworen und wollten die Ausführung des Ehernen Meeres verhindern. Ein Freund Hirams, der davon erfuhr, teilte Salomo diesen Plan der Gesellen mit, damit er ihn vereiteln würde. Aber Salomo ließ aus Eifersucht gegen Hiram der Sache ihren Lauf, weil er Hiram verderben wollte. Die Folge war, daß Hiram zusehen mußte, wie der ganze Guß zerstob, weil die drei Gesellen einen ungehörigen Stoff der Masse zugefügt hatten. Er versuchte noch durch Zugießen von Wasser das aufschäumende Feuer zu löschen, aber es wurde dadurch nur schlimmer. Während er schon nahe daran war, an dem Zustandekommen des Werkes zu verzweifeln, erschien ihm Tubal-Kain selbst, einer seiner Ahnherren. Dieser sagte ihm, er solle sich ruhig in das Feuer hineinstürzen, er sei durch das Feuer nicht verwundbar. Hiram tat es und gelangte bis zum Mittelpunkt der Erde. Tubal-Kain führte ihn zu Kain, der dort im Zustande der ursprünglichen Göttlichkeit war. Hiram wurde nun in das Geheimnis der Feuerschöpfung eingeweiht, in das Geheimnis des Erzgusses und so weiter. Er erhielt von Tubal-Kain noch einen Hammer und ein Goldenes Dreieck, das er am Halse zu tragen habe. Dann kehrte er zurück und war nun imstande, das Eherne Meer wirklich herzustellen, den Guß wieder in Ordnung zu bringen." (Lit.: GA 93, S. 60f)

Nach Rudolf Steiner bedeutet das Eherne Meer folgendes:

"Das Eherne Meer ist jener Guß, der entsteht, wenn in der entsprechenden Weise Wasser mit Erz vermischt ist. Die drei Gesellen machen es falsch, der Guß wird zerstört. Aber indem Tubal-Kain dem Hiram die Mysterien des Feuers enthüllt, ist Hiram imstande, Wasser und Feuer in der richtigen Weise zu verbinden. Dadurch entsteht das Eherne Meer. Es ist das, was das Geheimnis der Rosenkreuzer ist. Es entsteht, wenn das Wasser der ruhigen Weisheit sich verbindet mit dem Feuer des astralen Raumes, dem Feuer der Leidenschaft. Dadurch muß eine Verbindung Zustandekommen, die «ehern» ist, die getragen werden kann in die folgenden Zeitalter, wenn hinzukommt das Geheimnis von dem heiligen Goldenen Dreieck, das Geheimnis von Atma-Buddhi-Manas. Dieses Dreieck, mit all dem, was es im Gefolge hat, wird der Inhalt des erneuerten Christentums der sechsten Unterrasse sein. Das wird vorbereitet durch die Rosenkreuzer und dann wird das, was im Ehernen Meer symbolisiert wird, verbunden sein mit der Erkenntnis von Reinkarnation und Karma. Dies ist die neue okkulte Lehre, die dem Christentum wieder eingefügt wird. Atma-Buddhi-Manas, das höhere Selbst, ist das Geheimnis, das offenbar werden wird, wenn die sechste Unterrasse dazu reif sein wird. Dann wird Christian Rosenkreutz nicht mehr als Warner dazustehen brauchen, sondern es wird alles, was Kampf bedeutet hat auf dem äußeren Plan, den Frieden finden durch das Eherne Meer, durch das heilige Goldene Dreieck." (Lit.: GA 93, S. 66)

In den zwölf Rindern, die das bronzene Becken des Ehrenen Meeres tragen, wird man unschwer den symbolischen Ausdruck der 12 Tierkreiskräfte wiedererkennen.

In einer handschriftlichen Fassung Rudolf Steiners von 1906 und in einer neuen Fassung der Tempellegende, die Steiner in der esoterischen Stunde vom 27. Mai 1923 gegeben hat, wird das Eherne Meer als Guss aus allen sieben Planetenmetallen und Wasser, dem Metall der Erde, beschrieben. Der Guss sollte vollkommen durchsichtig sein und mit ihm sollte die Feindschaft zwischen den Kain- und Abel-Söhnen endgültig versöhnt werden:

"Die Vollendung des Tempelbaus sollte durch ein Werk gekrönt werden, in dem Hiram Abiff die Spannung und Feindschaft zwischen den Kain- und Abel-Söhnen zu versöhnen gedachte. Es war das eherne Meer, dessen Guß aus den sieben Grundmetallen (Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber) und Wasser, dem Metall der Erde, so gemischt werden sollte, daß der fertige Guß völlig durchsichtig sein sollte. Die Sache war vollendet bis auf einen allerletzten Einschlag, der vor versammeltem Hof, auch vor der Königin von Saba, gemacht werden sollte und durch welchen die noch trübe Substanz bis zur völligen Klarheit umgewandelt werden sollte. Nun mischten die drei verräterischen Gesellen, die die Aufgabe hatten, den letzten Bestandteil hinzuzufügen, das Wasser in falschem Verhältnis zu, und statt durchsichtig zu werden, versprühte der Guß in verheerenden Flammen. Hiram Abiff suchte das Feuer zu beruhigen, das gelang nicht, die Flammen schlugen nach allen Seiten auseinander.

Hiram Abiff aber hörte aus den Flammen und aus der glühenden Masse eine Stimme: Stürze dich hinein in das Feuermeer, du bist unversehrbar. Er stürzte sich in die Flammen und merkte, daß sein Weg nach dem Mittelpunkte der Erde führte. Auf halbem Wege traf er Tubal Kain, seinen Vorfahren. Dieser führte ihn zum Erdmittelpunkt, wo sich der große Vorfahr Kain befand in dem Zustande, wie er vor der Sünde, dem Abel-Mord, war. Dieser gab ihm das goldene Dreieck mit dem Meisterwort. Auf halbem Wege nach oben übergab ihm Tubal Kain einen Hammer und wies ihn an, damit den Guß des ehernen Meeres zu berühren. Es erhält Hiram Abiff von Kain die Erklärung, daß die energische Entfaltung der menschlichen Erdenkräfte zuletzt zu der Höhe der Initiation führe, und daß die auf diesem Wege erlangte Initiation im Erdenlaufe an Stelle des alten Schauens treten müsse, daß dieses verschwinden werde. Mit dem Hammer geht Hiram an die Erdoberfläche zurück; er berührt mit diesem das eherne Meer, der Guß gelingt, und er konnte dessen völlige Durchsichtigkeit bereiten." (Lit.: GA 265, S. 458f)

„Auch in diesem Teil der Legende liegt tiefer Sinn. Bevor der Mensch herabgestiegen ist aus dem Schoße der Gottheit in irdische Verkörperungen, war er in geistiger Umgebung, die er wahrnehmen konnte. Er horte das göttliche Schöpferwort. Er verkörperte sich in den Metallmassen, die damals noch im Feuer flüssig waren. Bevor dies geschah, konnten drei Gesellen nichts ihm anhaben: Zweifel, Aberglaube und die Illusion des persönlichen Selbst. Zweifel konnte er nicht haben an der geistigen Welt, denn sie war ja um ihn. Aberglaube konnte ihn nicht befallen, denn er sah das Geistige in seiner wahren Gestalt. Der Aberglaube besteht aber in der Vorstellung des Geistigen unter falscher Gestalt. Die Illusion des persönlichen Selbst konnte ihn nicht befallen, denn er wußte sich in der allgemeinen Geistigkeit; er war durch das Eingeschlossensein in seinen Körper noch nicht herausgetrennt aus dieser allgemeinen Geistigkeit. Hätten sich diese drei verräterischen Gesellen nicht an seine Fersen geheftet, es wäre sein Leib ein reiner harmonischer Zusammenhang der Stoffe geworden. Sie mischten den Einschlag hinein, der ihn das göttlich-geistige Schöpferwort vergessen machte. Der Guß wurde dadurch zerstört. Es stellt dann die Fahrt des Hiram Abiff zum Erdmittelpunkte das Vordringen des Menschen auf dem okkulten Pfade vor. Dadurch gelangt die Menschheit wieder in den Besitz des T, des göttlichen Schöpferwortes, lernt die Menschennatur (Kain) kennen, wie sie vor dem Falle war und wie sie in Reinheit schaffen kann.“ (Lit.:GA 265, S. 370)

Anmerkungen

  1. Die Elle entspricht dem Maß des Vorderarms vom Ellenbogen bis zur äußersten Spitze des Mittelfingers. Im ägyptischen System betrug die große, die "königliche" Elle 52,5 cm, die kleinste 45,8 cm. Nach dem babylonischen Sytem betrugen diese Maße 51,8 cm bzw. 49,5 cm. 1 Elle = 2 Spannen; 1 Spanne = 3 Handbreiten; 1 Handbreite = 4 Fingerbreiten (siehe auch Maße und Gewichte in der Bibel)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Tempellegende und die Goldene Legende, GA 93 (1991)
  2. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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