Beschleunigung

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Beschleunigung wird umgangssprachlich als Zunahme der Geschwindigkeit verstanden, physiklisch wird jede Änderung der Geschwindigkeit nach Betrag und oder Richtung, also auch eine Verzögerung, als (negative) Beschleunigung aufgefasst.

Physik und Technik

Beschleunigung

Die Beschleunigung (Formelzeichen: LaTeX: \vec a, von lat. acceleratio „hasten, eilen“) ist physikalisch definiert als momentane zeitliche Änderungsrate der Geschwindigkeit, mathematisch also die erste Ableitung der Geschwindigkeit nach der Zeit:

LaTeX: \vec a(t) = \frac{\mathrm{d}\vec v(t)}{\mathrm{d}t} = \dot{\vec v}(t)

Nach dem Ersten Newtonschen Gesetz (Trägheitsgesetz), das erstmals schon 1638 von Galileo Galilei formuliert wurde, muss eine Kraft einwirken, um den Bewegungszustand eines Körpers zu ändern.

„Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Bewegung, sofern er nicht durch einwirkende Kräfte zur Änderung seines Zustands gezwungen wird.“

Ruck

Die zeitlich Änderung der Beschleunigung, d.h. die erste Ableitung der Beschleunigung nach der Zeit (und damit zugleich die zweite zeitliche Ableitung der Geschwindigkeit und die dritte zeitliche Ableitung des Ortsvektors), wird in der Kinematik als Ruck (Formelzeichen: LaTeX: \vec{j}, von engl. jerk oder auch jolt) bezeichnet und ist insbesondere in der Technik für die Getriebelehre und Fahrdynamik bedeutsam:

LaTeX: \vec{j}(t)= \dot{\vec{a}}(t)=\ddot{\vec{v}}(t) = {\mathrm d^3\vec {r}(t)\over \mathrm{d}t^3}

wobei LaTeX: t die Zeit ist, LaTeX: a die Beschleunigung, LaTeX: v die Geschwindigkeit und LaTeX: r der Ortsvektor.

Umgangssprachlich wird als Ruck ganz allgemein jede plötzliche, sprunghafte Veränderung des Bewegungszustands bezeichnet.

Beschleunigung im sozialen Leben

In seinem vielbeachteten Buch Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne hat Hartmut Rosa auf die zunehmende Beschleunigung vieler alltäglicher Abläufe im sozialen Leben hingewiesen. Darunter fallen Zeiterscheinungen wie Fast-Food, Speed-Dating, Multitasking usw. Rosa definiert dabei die Beschleunigung als Mengenzunahme pro Zeiteinheit oder gleichbedeutend als Reduktion der benötigten Zeit pro Mengeneinheit, wobei sich die Mengeneinheit auf verschiedenste Vorgänge beziehen kann, etwa auf die pro Zeiteinheit produzierten Güter, auf die zurückgelegten Schritte, die aufgenommene Nahrung, die gesendeten E-Mails etc. etc. Es handelt sich dabei um ein typisch ahrimanisches Phänomen, durch das der Lebensrhythmus des Menschen immer mehr dem Tempo und dem gleichförmigen Takt der Maschinenwelt angeglichen wird. Jegliche geistige Entwicklung, die eine entsprechende Ruhe und Muße fordert, wird dadurch erschwert. Mittlerweile wird aber auch immer wieder eine Entschleunigung des sozialen Lebens gefordert, als Gegenpol zu dem überbordenden Fortschrittsdenken unserer Zeit.

Siehe auch

Literatur

  • Hartmut Rosa: Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, zugleich Habil.-Schrift, Univ. Jena 2004. ISBN 3-518-29360-5