Chtonische Mysterien

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

In den chtonischen Mysterien (von griech. χϑόνιος chtonios „der Erde zugehörig“, auch in der Bedeutung „unterirdisch“, „der Unterwelt zugehörig“) suchte man die Beziehung zu den chtonischen Göttern. Zu ihnen zählen etwa die Titanen, die von Zeus in die Unterwelt gestürzt wurden, aber auch Demeter, Hekate, Dionysos und natürlich auch Hades, der Herr der Unterwelt. Auch die Kabiren der samothrakischen Mysterien sind chtonische Götter.

Die oberen Götter lernt man kennen, wenn man das Bewusstsein in den Makrokosmos ausdehnt. Um in die Geheimnisse der unteren Götter eingeweiht zu werden, musste der Geistesschüler hingegen in die Unterwelt bzw. in sein eigenes Inneres, d.h. in den Mikrokosmos, herabsteigen. Erst dadurch konnte sich der Mensch ganz mit der Erde verbinden und nach und nach sein Ich-Bewusstsein entwickeln.

„Schon innerhalb der Griechenzeit mußte der Mensch auch in Beziehung zu denjenigen Kräften treten, zu denen man in Beziehung kommt, wenn man nach den Sternbildern hin sich entwickelt, die unterhalb der Erde jeweilig sind.

Das ist in der griechischen Sage wunderbar intim angedeutet. Denn in der griechischen Sage wird Ihnen von einer gewissen Art Initiation immer erzählt: Der Betreffende stieg in die Unterwelt hinab. - Von gewissen Heroen Griechenlands können Sie immer wissen, der erlebt die Initiation, wenn von ihm erzählt wird, er ist in die Unterwelt hinabgestiegen. Das heißt, er hat diejenigen Kräfte des Kosmos kennengelernt, die durch die Erde hindurch wirken, er hat die chthonischen Kräfte kennengelernt.

So hat jedes Zeitalter seine besondere Aufgabe. Und so lernte der orientalische Initiierte, damit er das den anderen Menschen mitteilen konnte, vorzugsweise dasjenige kennen, was vor der Geburt beziehungsweise der Konzeption, also im seelisch-geistigen Gebiete lag, welches der Mensch durchlebt, bevor er heruntersteigt in die irdische Welt. Und was in einer so großartigen Weise in der orientalischen Weltanschauung, in der orientalischen Dichtung an die Menschen herantritt, das tritt im wesentlichen dadurch heran, daß dazumal die Menschen hineinschauen konnten in das Leben, das die Menschen durchmachen, bevor sie zur Erde heruntersteigen.

In Griechenland fing man an, dasjenige kennenzulernen, was von der Erde selbst abhängt: Uranus und Gäa. Gäa, die Erde, steht am Ausgangspunkte der griechischen Kosmologie. Und immer trachtete der Grieche, die Mysterien der Erde selbst kennenzulernen, die natürlich auch die kosmischen Mysterien sind, die durch die Erde hindurchwirken. Die Mysterien aber der eigentlichen Unterwelt, auch die wollte der Grieche kennenlernen. Und so entwickelte sich in Griechenland eine richtige Kosmologie.“ (Lit.:GA 214, S. 186f)

Heute muss im rhythmischen Wechsel der Ausgleich zwischen Himmel und Erde gesucht werden.

„Geradeso wie einstmals die Menschen ihre Erkenntnis den oberen Welten nur zugewendet haben - was Sie in der Position des Buddha gut beobachten können -, wie die Menschen nachher, um zu einer Kosmologie zu kommen, diese von der Erdenentwickelung abgelesen haben und in die griechischen, chthonischen Mysterien eingeweiht worden sind, was der griechische Mythus an bedeutender, hervorragender Stelle immer wieder erzählt, so brauchen wir, nachdem die Menschen also die Geheimnisse des Himmels und die Geheimnisse der Erde in der alten Initiationswissenschaft studiert haben, eine moderne Initiationswissenschaft, die gewissermaßen im Rhythmus sich hin- und herbewegen kann zwischen Himmel und Erde, die den Himmel fragt, wenn sie über die Erde Aufschluß haben will, und die Erde fragt, wenn sie über den Himmel Aufschluß haben will.“ (S. 189)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Geheimnis der Trinität, GA 214 (1999), ISBN 3-7274-2140-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.