Deskription

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Johann Wolfgang von Goethe, Ölgemälde von Joseph Karl Stieler, 1828
Edmund Husserl (1900)

Die Deskription (von lat. describere „beschreiben, umschreiben“) ist eine wissenschaftliche Methode, die sich auf die möglichst genaue, umfassende und und wertfreie Beschreibung bzw. Abbildung empirisch gegebener Fakten und ihren Zusammenhang beschränkt und von theoretischen und insbesondere von metaphysischen Erwägungen absieht.

Ein Musterbeispiel einer rein deskriptiven Wissenschaft ist die von Edmund Husserl ausgearbeitete Phänomenologie, die stark beinflusst von Franz Brentanos deskriptiver Psychologie ist.

„Phänomenologie bezeichnet eine an der Jahrhundertwende in der Philosophie zum Durchbruch gekommene neuartige deskriptive Methode und eine aus ihr hervorgegangene apriorische Wissenschaft, welche dazu bestimmt ist, das prinzipielle Organon für eine streng wissenschaftliche Philosophie zu liefern und in konsequenter Auswirkung eine methodische Reform aller Wissenschaften zu ermöglichen.“

Husserliana IX, 277

Die Beschreibung der Phänomene und ihre Zurückführung auf unmittelbar durchschaubare Urphänomene bildet auch die Grundlage der Goetheanistischen Naturwissenschaft, wie sie Johann Wolfgang Goethe vorbildlich in seiner Farbenlehre entwickelt hat.

„Das Höchste wäre, zu begreifen, daß alles Faktische schon Theorie ist. Die Bläue des Himmels offenbart uns das Grundgesetz der Chromatik. Man suche nur nichts hinter den Phänomenen; sie selbst sind die Lehre.“

Johann Wolfgang Goethe: Wilhelm Meisters Wanderjahre, Kapitel 43

Goethes Forschungsmethode erschöpft sich dabei keineswegs in der bloßen Registrierung und Beschreibung der Phänomene, wie es etwa der Positivismus gefordert hatte. Durch „Anschauende Urteilskraft“, d.h. durch ein Denken, das sich nicht von den Phänomenen absondert, sollen sie ihren ideellen Zusammenhang, ihre gesetzmäßige Verbindung, selbst enthüllen und dadurch ihr eigentliches Wesen der geistigen Anschauung zugänglich machen. Erst dadurch ist das vollständige Phänomen so gegeben, wie es in der Wirklichkeit an sich besteht.

„Es gibt eine zarte Empirie, die sich mit dem Gegenstand innigst identisch macht und dadurch zur eigentlichen Theorie wird. Diese Steigerung des geistigen Vermögens aber gehört einer hochgebildeten Zeit an...

Ein großes Übel in den Wissenschaften, ja überall entsteht daher, daß Menschen, die kein Ideenvermögen haben, zu theoretisieren sich vermessen, weil sie nicht begreifen, daß noch so vieles Wissen hiezu nicht berechtigt. Sie gehen im Anfange wohl mit einem löblichen Menschenverstand zu Werke, dieser aber hat seine Grenzen, und wenn er sie überschreitet, kommt er in Gefahr, absurd zu werden. Des Menschenverstandes angewiesenes Gebiet und Erbteil ist der Bezirk des Tuns und Handelns. Tätig wird er sich selten verirren; das höhere Denken, Schließen und Urteilen jedoch ist nicht seine Sache.“

Johann Wolfgang Goethe: Wilhelm Meisters Wanderjahre, Kapitel 43

Siehe auch

Literatur