Deukalion

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Giovanni Benedetto Castiglione: Deukalion und Pyrrha (1655)

Deukalion (altgriech. Δευκαλίων Deukalíôn, latein. Deucalion) ist in der griechischen Mythologie der Sohn des Prometheus und der Pronoia („Vorsehung“). Er war König von Thessalien und wohnte in Kymos in der Phthiotis. Hier wurden auch seine Frau Pyrrha und sein Sohn Hellen begraben.[1] Deukalion baute den ersten Tempel des olympischen Zeus in Athen und wurde nach seinem Tod in dessen Nähe begraben.[2]

Etymologie und Bedeutung

Deukalion
(Guillaume Rouillé, 1553)

Deukalion wird dieselbe Rolle zugesprochen wie dem biblischen Noah und dem sumerischen Utnapischtim aus dem Gilgamesch-Epos. Die Namensherkunft ist nicht absolut sicher: eine Version ist die Herleitung von der böotischen Form für Zeus (Ζεύς): Dyēus (Δ(υ)εύς) und kâlon (κᾶλον (aus *καϝ-ελον) – brennbares (Holz), Schiff; von καίειν – brennen, anzünden), eine andere Version sieht in dem Namen eine griechische Entsprechung des ind. Kali-Yuga. Der Name seiner Frau Pyrrha entstammt dem Adjektiv pyrrhós, -á, -ón (πυρρός, ά, όν – flammend (übertragen), flammenfarbig).

Deukalionische Flut

Deukalion und Pyrrha
(Buchillustration von Virgil Solis für Ovids Metamorphosen, 1562)

Wegen der Verdorbenheit der Menschen beschloss Zeus, das Eherne Zeitalter mit einer großen Flut zu beenden (die Deukalionische Flut).[3] Vor allem die Söhne des Lykaon sollen ihn zu diesem Entschluss gebracht haben.[4]

Prometheus hatte seinem Sohn befohlen, ein Schiff (ἡ κιβοτός – der „Kasten“) zu bauen. Als es zu regnen begann, bestiegen Deukalion und seine Frau Pyrrha den Kasten. Ganz Griechenland wurde überschwemmt, nach neun Tagen und neun Nächten, als die Flut abgelaufen war, landete das Paar auf dem Parnassos[3], nach anderer Überlieferung auf dem Othrys.[5] Der gerechte Deukalion[6] und seine Frau Pyrrha [7] waren die einzigen Überlebenden. In der Bibliotheke des Apollodor wird berichtet, dass auch andere Menschen, die sich auf die Berge gerettet hatten, überlebten.[3]

Deukalion befragte das Orakel der Themis, was zu tun sei, um die Erde wieder zu bevölkern (nach einer anderen Quelle gab ihm Zeus selbst den Auftrag). Ihm wurde geraten, die Knochen seiner Mutter über seine Schulter zu werfen. Zunächst über diesen Frevel entsetzt, verstanden sie die „Mutter“ dann als Gaia („Mutter Erde“) und die „Knochen“ als Felsen; also warfen sie Steine über ihre Schultern. Es wurden Menschen daraus, eine neue Menschheit, „ein hartes Geschlecht, in Drangsal erfahren“[8]. Pyrrhas Steine wurden zu Frauen und Deukalions zu Männern.

In Hierapolis Bambyke befand sich laut Lukian von Samosata unter dem Tempel der Dea Syria ein Schlund, der ein Überbleibsel der deukalionischen Flut sein sollte. Der Überlieferung nach hatte Deukalion selbst hier den ersten Tempel erbaut.

Nach der Parischen Chronik ereignete sich die Deukalionische Flut im Jahr 1529/8 v. Chr., als Kranaos König von Athen war.[9]

Nach Rudolf Steiner begann mit der Deukalonischen Flut im Jahr 3101 v. Chr.[10] das finstere Zeitalter des Kali Yuga:

„Jenes Zeitalter, das dem Heraufkommen des Kali Yuga voranging, war aber auch dasjenige, das charakteristisch ist für die urpersische Zeit, wo man durch den Astralleib noch hinaufempfand die alten Erinnerungen. Jetzt aber mußte man sich nach außen wenden. Das war ein gewaltiger Übergang. Der vollzog sich bei vielen Menschen so, daß sie eine Zeitlang überhaupt nichts sahen, daß Finsternis durch die menschlichen Entwickelungskräfte sich ausbreitete über die Menschenseelen. Nicht durch lange Zeiten hindurch, sondern in der Tat nur durch Wochen währte diese Verfinsterung, dieser Schlafzustand, den die Menschheit durchgemacht hatte. Aber sie machte eben diesen Schlafzustand durch, und aus demselben kamen viele nicht wieder heraus. Es gingen viele dabei zugrunde, und nur wenige blieben zurück an den verschiedensten Punkten der Erde. Es reicht heute die Zeit nicht aus, um zu schildern, was für Zustände da auftraten. Kurz kann nur gesagt werden, daß die Zustände dadurch, daß eine große Anzahl von Menschen zugrunde ging, sehr, sehr unheimliche waren, und nur an wenigen Punkten der Erde wachten die Menschen aus der großen geistigen Flut wieder auf, die sich wie ein Schlaf über die Seelen ausbreitete. Und diesen Schlafzustand empfanden die meisten Seelen wie ein Ertrinken - und nur wenige wie einen Wiederaufgang. Dann kam eben das «schwarze Zeitalter», das entgötterte Zeitalter. Haben noch andere Menschen auf der Erde von dieser Tatsache gewußt?

Ja! Wir könnten herumgehen bei den verschiedenen Völkern und würden zu unserem Erstaunen finden, wie in den weitesten Kreisen die Menschen allerdings gewußt haben, daß die Sache so ist, daß eine Überflutung des Bewußtseins stattgefunden hat und daß im dritten nachatlantischen Kulturzeitalter durch die besondere Entwickelung der Empfindungsseele - das heißt durch das Schauen nach außen - etwas ganz Neues eintreten mußte. Die Inder haben es empfunden, indem sie sagten: Kali Yuga geht hervor als eine Nachfolgeschaft von Pramati. Wie haben die Griechen gesagt? Ganz dasselbe. Bei ihnen heißt Pramati nur Prometheus, was ganz dasselbe ist. Er ist der Bruder von Epimetheus. Dieser repräsentiert noch, was zurückschaut in die uralten Zeiten. Epimetheus ist der «Nachdenkende», Prometheus ist der, welcher schon vorherdenken muß in seinen Gedanken was draußen ist und draußen sich vollzieht. Und ebenso wie Pramati die Nachkommenschaft im Kali Yuga hat, so hat Prometheus seine Nachfolgeschaft: wir brauchen uns nur das Wort «Kali Yuga» dem Griechischen entsprechend zu bilden; da ist es «Kaiion», und weil die Griechen empfanden, daß es das Zeitalter des schwarzen Göttlichen ist, müssen wir das «Deu» - deus - vorsetzen und wir bekommen «Deukalion». Das ist dasselbe Wort wie Kali Yuga. Wir haben es dabei nicht mit einer Ausspintisiererei zu tun, sondern mit einer okkulten Tatsache. Daraus sehen wir also, daß die Griechen dasselbe wissen, was auch die Inder wissen. Das sei nur als ein Beispiel angeführt, das uns zeigen kann, wie die Menschen in ihren uralten hellseherischen Zuständen wohl wußten, um was es sich handelt, und wie sie in gewaltigen Bildern zum Ausdruck zn bringen wußten, was vorging. Denn die griechische Sage erzählt uns, wie Deukalion sich auf den Rat seines Vaters Prometheus einen hölzernen Kasten baute; in diesem rettete er sich und seine Gattin Pyrrha allein aus dem Untergange, als Zeus das Menschengeschlecht durch eine Flut vertilgen wollte. Deukalion und Pyrrha, die dann auf dem Parnaß gelandet wurden, sind so für die Griechen der Ausgang des neuen Menschengeschlechtes. Deukalion ist der Sohn des Prometheus. Und dazwischen fällt die «Flut», die für die verschiedensten Völker sich zugetragen hat als ein Vorgang im Bewußtseinszustand.“ (Lit.:GA 133, S. 125f)

Nachkommen des Deukalion

Deukalion hatte mit Pyrrha mindestens fünf Kinder, Protogeneia, Hellen (den Stammvater der Hellenen),[11] Graikos, Thyia und Orestheus[12] sowie möglicherweise noch ein sechstes, Amphiktyon.[13]

Verbindung zu anderen Überlieferungen

Die Sagengestalt Deukalion könnte im Zusammenhang mit der Vulkanexplosion auf Santorin auf einen frühen König der Athener um ca. 1500/1600 v. Chr. zurückgehen oder auf den sagenhaften minoischen König von Kreta. Auf Kreta finden sich für diese Zeit Überflutungsspuren; die Santorin-Explosion soll zu heftigen Tsunamis geführt haben.

Der Deukalion-Mythos ähnelt der biblischen Noah-Sage mit ihrem Archebau recht stark (vgl. Sintflut). Ebenso finden sich Parallelen im Gilgamesch-Epos.

Es wird vermutet, dass die Griechen Deukalion im Sternbild des Wassermann wiedererkannten.

Literatur

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Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Deukalion - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. Strabon, Geographica, 432.
  2. Pausanias, Reisen in Griechenland, 1, 18, 8.
  3. 3,0 3,1 3,2 Bibliotheke des Apollodor, 1, 46.
  4. Bibliotheke des Apollodor, 3, 99.
  5. Hesiod, Ehoien, 5, 1.
  6. Lexikon der Antike, S. 135
  7. Lexikon der Antike, S. 482
  8. Ovid, Metamorphosen 1.260-415
  9. Marm. Par. ep. 4.
  10. Nach H. P. Blavatsky und auch nach hinduistischer Tradition begann das finstere Zeitalter schon am 18. Februar 3102 v. Chr. mit dem Tode Krishnas.
  11. Lexikon der Antike, S. 236
  12. Pausanias, Reisen in Griechenland, 10, 38, 1.
  13. Pausanias, Reisen in Griechenland, 10, 8, 1.


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