Feigenblatt

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Blatt einer Echten Feige (Ficus carica)

Das Feigenblatt (hebr. עֲלֵה תְּאֵנָה aleh teenâh = Blatt des Feigenbaums) ist ein aus der Bibel wohlbekanntes Symbol. Nach dem Bericht der Genesis sollen Adam und Eva damit schamhaft ihre Blöße bedeckt haben, nachdem sie vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten. Der Feigenbaum ist damit die erste namentlich genannte Pflanze in der Bibel. Tatsächlich wird mit dem Feigenblatt auf die ursprünglich noch rein vegetabile, pflanzenartige Natur der Geschlechtsorgane hingewiesen, die sich als Folge des Sündenfalls zu bilden begannen.

„1 Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? 2 Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; 3 aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! 4 Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, 5 sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. 6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. 7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.“

(1 Mos 3,1-7 LUT)

Bevor der Mensch der luziferischen Versuchung verfiel, war er noch ein doppelgeschlechtliches, hermaphroditisches Wesen.

"Auf der Sonne war der physische Menschenleib in gewisser Beziehung bis zur Stufe des Pflanzendasein aufgerückt. Er war damals bloß durchdrungen von einem Ätherleib. Auf dem Monde nahm er den Charakter des Tierleibes an, weil er von dem Astralleib durchdrungen wurde. Aber nicht alle Organe nahmen an dieser Umwandlung in den Tiercharakter teil. Manche Teile blieben auf der Pflanzenstufe stehen. Und auch als auf der Erde nach Eingliederung des Ich der Menschenleib sich zu seiner gegenwärtigen Form erhob, trugen noch manche Organe einen ausgesprochenen Pflanzencharakter. Nur darf man sich allerdings nicht vorstellen, daß diese Organe genau so aussahen, wie unsere gegenwärtigen Pflanzen aussehen. Zu diesen Organen gehören die Fortpflanzungsorgane. Sie waren auch im Anfange der Erdentwickelung noch mit Pflanzencharakter behaftet. In der Weisheit der alten Mysterien hat man das gewußt. Und die ältere Kunst, die sich so vieles aus den Überlieferungen der Mysterien bewahrt hat: sie stellt zum Beispiel Hermaphroditen dar mit pflanzenblätterartigen Fortpflanzungsorganen. Es sind das Vorläufer der Menschen, welche noch die alte Art von Fortpflanzungs-Organen hatten (doppelgeschlechtig waren). Man kann dies zum Beispiel schön sehen an einem Hermaphroditen in der kapitolinischen Sammlung in Rom. Und wenn man einmal diese Dinge durchschauen wird, dann wird man auch den wahren Grund zum Beispiel für das Vorhandensein des Feigenblattes bei der Eva kennen. Man wird für manche alte Darstellungen wahre Erklärungen annehmen, während die gegenwärtigen doch nur einem nicht zu Ende geführten Denken entspringen. Nebenbei soll nur bemerkt werden, daß der obenerwähnte Hermaphrodit noch andere Pflanzenanhänge zeigt. Als er gebildet wurde, hatte man eben noch die Überlieferung davon, daß in urferner Vergangenheit gewisse Menschenorgane sich aus dem Pflanzen- in den Tiercharakter umgebildet haben." (Lit.: GA 11, S. 213f)

Erst als Jahve zur Zeit des Sündenfalls den Mond aus der Erde herauszog und dieser von nun an von außen hereinwirkte, kam es zur Geschlechtertrennung. Damit begannen sich auch die Geschlechtsorgane auszubilden. Lange Zeit waren sie rein vegetative Organe, die nur von den lebensspendenden Kräften des Ätherleibs durchzogen waren. Die Bezeichnung Fortpflanzung für den Reproduktionsvorgang weist darauf zu Recht hin. Erst sehr viel später wurden sie durch den fortwirkenden luziferischen Einfluss auch von den triebhaften Astralkräften ergriffen und bildeten sich dadurch zu dichten fleischlichen Organen um. Die Fortpflanzungskräfte, die bis dahin die reinsten und höchsten Kräfte des Menschen waren und unter der Leitung Jahves standen, wurden dadurch zunehmendend korrumpiert.

Aus den ursprünglich reinen ätherischen Fortpflanzungskräfte, die durch das Feigenblatt angedeutet werden, wurde auch das naturhafte Hellsehen gespeist, über das in der fernen Vergangenheit alle Menschen verfügten. Darum gilt auch der Feigenbaum (hebr. תְּאֵנָה teenâh) als Symbol für die hellsichtige Erkenntnis. Als die Fortpflanzung immer mehr von den astralen Begierden ergriffen wurde, begann auch das Hellsehen allmählich dahinzuschwinden. Dafür begann sich der Egoismus zu entwickeln. Die Wurzel des Egoismus liegt in der triebhaften Sexualität. Durch die freie Tätigkeit des Ich kann sie aber auch zur Liebe verwandelt werden, die das eigentliche Ziel der Erd- und Menschheitsentwicklung ist.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Chronik, GA 11 (1986)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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