Feuererde

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Die Feuererde (auch Erdfeuer oder Feuerschicht) ist nach okkulter Anschuung die sechste Schicht des Erdinneren. Sie besteht aus purem Willen und enthält alles Triebartige. Die Leidenschaften der Menschen haben einen starken Einfluss auf die Feuer-Erde und von hier können verheerende zerstörende Kräfte ausgehen; die alte Lemuria wurde durch diese Kräfte vernichtet. Diese Schicht ist das materielle Reich Ahrimans, von hier aus wirkt er.

„Die Menschen wissen es nicht, aber ihre Vorstellungen werden beeinflußt von dem, was in den Untergründen des Daseins lebt. Und dadurch entstehen mehr oder weniger phantasievolle Theorien. Die Theorie, daß die Gebirge sich durch Feuer gebildet haben, was für ältere Zeiten der kosmischen Entwickelung ganz richtig ist, aber durch das Erdfeuer - nicht durch das heutige Feuer, durch die Feuererde-, mischt sich hinein in die heutigen Vorstellungen. Dadurch entstehen konfuse Vorstellungen, und die meisten heutigen Vorstellungen sind konfus vom höheren Standpunkte aus.“ (Lit.:GA 273, S. 139)

„Die Feuer-Erde: Diese Substanz hat als solche Empfindung und Wille. Sie empfindet Schmerz; sie würde schreien, wenn sie getreten würde. Sie besteht sozusagen ganz und gar aus Leidenschaften.“ (Lit.:GA 95, S. 146)

„Die sechste Schicht ist die Feuererde. Ebenso wie die Fruchterde alles Leben enthält, so enthält die Feuererde alles Triebartige. Alles dasjenige enthält sie in seinen ursprünglichen Quellen, was tierisches Leben ist, Leben, das Lust und Leid haben kann. Es mag Ihnen sonderbar vorkommen, aber wahr ist es, daß diese Feuererde empfindet, sobald sie ausgedehnt wird. Das kann beobachtet werden. Es ist eine richtig empfindende Schicht der Erde. Alles was auf der Erde vorhanden ist und die ganze Erde erfüllt hat, ist in bestimmten Schichten vorhanden. Ebenso wie das Tote aus dem Lebendigen stammt, so stammt alles bloß Lebendige aus dem Seelischen. Nicht stammt das Bloß-Lebendige aus dem Körperlichen. Das Empfinden, das Seelische, ist das erste, und aus diesem entsteht das Körperliche. Alles, was materiell ist, geht auf Seelisches zurück.“ (Lit.:GA 96, S. 36)

„Es war eine Eigenschaft des lemurischen Zeitalters, daß damals die oberen Schichten der Erde nur sporadisch entwickelt waren, gleichsam nur als Inseln, so daß von der Feuerschicht viel nach außen drang. Die Feuerschicht ist die Grundlage der anderen Schichten. Der damals noch stark wirkende Wille des lemurischen Menschen vermochte noch magisch einzuwirken auf diese Feuerschicht. Die wogenden Bewegungen der Erde hingen noch mit dem Willen des Menschen zusammen. Darum kam es zum Untergang des lemurischen Kontinents aus der Feuerschicht heraus. Die Menschen waren zu tief gesunken, besonders in Spätlemurien. Fürchterliche Verirrungen hatten um sich gegriffen. Und so wirkten denn diese verderblichen Willensregungen auf die Feuerschicht: Lemurien ging, wie Sodom und Gomorrha, durch eine Feuerkatastrophe zugrunde, verbunden mit Erdbeben und Vulkanausbrüchen. Der Wille wirkt eben auf die Feuerschicht. So besteht ein Zusammenhang zwischen dem Inneren des Menschen und dem Inneren der Erde. Der Erdenzersplitterer, die Kainsschicht, erfährt durch eine fortdauernde sittliche Entwickelung des Menschen eine Umwandlung. Was der Mensch auf der Erde tut, das gestaltet nach und nach den ganzen Erdenplaneten um. Und wenn die weiße Magie einmal hervorragend fortgeschritten ist, dann wird der Erdkern auch anders. Die schwarzen Magier werden ausgeschieden werden auf eine Art von Mond, wenn unser Planet einmal vergeht.

Wenn nun heute ganz bestimmte böse Willensimpulse zusammenwirken, dann wirken sie auf die Feuerschicht, und es kann dann sein, daß sich die Erschütterung der Feuerschicht fortsetzt auf die Wasserschicht, und durch die anderen Schichten hindurch, bis zur obersten. Dadurch kommen Erdbeben, Vulkaneruptionen, Seebeben und so weiter zum Ausbruch. Wenn die Menschheit dafür sorgt, daß es auf Erden moralisch besser wird, wird es auch langsam besser werden in bezug auf die Erdkatastrophen. Mit dem Fortschritt der Menschheit hängen die Fortschritte des Erdenplaneten zusammen; was uns das Erdinnere zeigt, ist nur ein Beispiel dafür. Man hat untersucht, in welcher Beziehung das Karma des einzelnen Menschen zum Karma der Gesamtheit steht, hat erforscht, wie sein zukünftiges Schicksal verlaufen könnte, und gefunden, daß solche Menschen [die durch ein Erdbeben umkommen] gewöhnlich in der nächsten Verkörperung als besonders spirituelle Persönlichkeiten auftreten, oder wenigstens die Anlage zu spirituellem Leben mitbringen. Sie haben die Nichtigkeit des Materiellen eindringlich und rasch erfahren, es war der letzte Ruck, den sie noch brauchten, um sich dem Geist zuzuwenden. Ähnlich hat der Feuertod der Märtyrer in der nächsten Inkarnation besonderen Idealismus zur Folge. Interessant sind auch die Zusammenhänge zwischen Geburten und Erdbeben. In den meisten Fällen findet sich, daß die Menschen, die unmittelbar nach der Zeit eines Erdbebens geboren werden, sich als besonders materiell gesinnte Menschen erweisen. Die Kraft, durch die der Mensch aus dem Devachan wiederum herunterkommt, hat etwas zu tun mit der Feuerschicht. Der Mensch bringt die Feuerschicht insofern in Bewegung, als sein ihn zur Verkörperung führender Wille bei seiner Geburt besonders niederer, sinnlicher Art ist.“ (Lit.:GA 94, S. 182f)

„Die sechste Schicht ist die Feuer-Erde, eine Substanz, die aus purem Willen besteht, Element des Lebens, der Bewegung, ohne Unterlaß durchzogen von Impulsen, von Leidenschaften, ein wahrhaftes Reservoir von Willenskräften. Würde man einen Druck auf diese Schicht ausüben, so würde sie Widerstand leisten und sich verteidigen.

Sieht man in Gedanken von diesen drei neuen Schichten [also von der 4., 5. und 6. Schicht] ab, so kommt man zu dem Zustand, in dem die Weltkugel sich befand, als Sonne, Mond und Erde zusammen noch einen Körper bildeten.“ (Lit.:GA 94, S. 109)

„Die sechste Schicht ... ist substantiell eindrucksfähig und besteht ganz aus Wille und Empfindung. Sie antwortet auf Willensimpulse, sie schreit gleichsam, wenn sie gepreßt wird. Weil dieses innere Leben mit dem Feuer zu vergleichen ist, nennt man diese Schicht die Feuererde.“ (Lit.:GA 94, S. 180f)

„Als sechste Schicht folgt die Feuererde, eine sehr bemerkenswerte Schicht, wie wir noch weiter sehen werden. Sie hat die Fähigkeit, sozusagen Lust und Leid zu empfinden, und befindet sich in einem ähnlichen Zustand wie der Mensch, der zwischen «himmelhoch jauchzend» und «zu Tode betrübt» schwankt. Die Leidenschaften der Menschen üben auf sie einen ungeheuren Einfluß aus, so daß mit Zunahme menschlicher Leidenschaften auch ihre Unruhe wächst.

[...]

Wir kehren nun zu der Feuererde zurück. Wie erwähnt, zeigt sie die Eigenschaft des Lust- und Leidempfindens, und die Leidenschaften der lebenden Menschen üben auf sie einen gewaltigen Einfluß aus, so daß sie zu Zeiten, wo die Menschen große Leidenschaften entwickeln, in eine um so größere Unruhe und Aufregung gerät. Infolgedessen übt sie einen noch stärkeren Druck auf die über ihr liegende Fruchterde aus. Und von dieser Schicht führen in der Tat verzweigte Kanäle nach allen oberhalb liegenden Schichten. In der mineralischen Erde befinden sich nun, allerdings in beträchtlicher Tiefe, große Höhlungen. In diese führen die von der Fruchterde kommenden Kanäle und pressen in sie hinein gewaltige Massen, die nun ihrerseits entweder Erdbeben verursachen oder in dem Schacht eines Vulkans sich ihren Ausweg suchen. Und diesen Ursachen sind auch die jüngsten Katastrophen zuzuschreiben. Die Lemurier, also die dritte große Wurzelrasse, lebten noch auf der weichen Erde. Der Verhärtungsprozeß war oben bei der äußersten Kruste damals noch nicht so weit vorgeschritten, und es gab nur ganz wenige härtere Gebiete, die gleichsam wie Inseln auf dieser weichen Schicht schwammen. Als letzte Überbleibsel und Zeugnisse von der weichen Erde haben wir die vielen kleinen Inseln im Stillen Ozean zu betrachten, die plötzlich über der Meeresoberfläche auftauchen und nach einiger Zeit wieder versinken. Die Lemurier nun, die gewaltige Leidenschaften entwickelten, übten, je weiter sie in ihrer Entwickelung fortschritten und ihren Lästern frönten, einen derartigen Einfluß auf die Feuererde aus, daß diese sozusagen rebellisch wurde, mit ungeheurer Kraft an die Oberfläche gelangte und die Rasse vernichtete.“ (Lit.:GA 97, S. 281ff)

William Blake: Der Engel am Tor der Stadt Dis (1824-27)

Der Feuererde, der sechsten Schicht des Erdinneren, entspricht in Dantes «Göttlicher Komödie» der 6. Höllenkreis. Hier, am Übergang von der oberen in die untere Hölle, liegt die Stadt Dis, die Burg Ahrimans, wo die Ketzer wider den Geist, die Materialisten, in glühenden Särgen büßen:

118 Denn zwischen Gräbern sieht man Flammen lodern,[1]
Und alle sind so durch und durch entflammt,
Daß Künste keine mehr vom Eisen fodern.[2]
121 Halb offen ihre Deckel allesammt,
Und draus erklingen solche Klagetöne,
Daß man erkennt, wer drinnen, sei verdammt.
124 „„Wer, Meister,““ fragt’ ich, „„sind die Unglückssöhne,
Die, hier begraben, sonder Ruh noch Rast
Vernehmen lassen solch’ ein Schmerzgestöhne?““
127 Und Er: „Hauptketzer hält der Ort umfaßt,
Und die den Sekten angehangen haben,
In größrer Zahl als du gerechnet hast.
130 Denn Gleiche sind zu Gleichen hier begraben,
Und mehr und minder glüht jedwedes Maal.“
Er sprach’s, worauf wir rechtshin uns begaben,
133 Fortschreitend zwischen hoher Mau’r und Qual.
                                                  (Inferno 9)

„In der Stadt Dis ist Epikur, der Vertreter der Weltanschauung, die auf den Ausbau des Diesseits geht. Die Stadt Dis soll den Repräsentanten des physisch Wirklichen ausdrücken. Da sind die Menschen in Särgen. Die Materialisten sind lebendige Tote. Sie sagen, der Mensch sei ein bloßer Leichnam. Nun müssen sie als tote Seelen in Särgen liegen.“ (Lit.:GA 97, S. 34f)

„Nach dem kommen wir zu der sechsten Schicht, zu der Feuererde, welche Kräfte als Substanzen in sich enthält, die furchtbar verheerend und zerstörend werden können. Diese Kräfte sind es eigentlich, in welche die Urfeuer hineingebannt worden sind.

In dieser Schicht wirkt materiell im Grunde genommen das Reich des Ahriman und von dieser Schicht aus wirkt es. Was in den äußeren Naturerscheinungen zutage tritt in Luft und Wasser, in Wolkenbildungen, was als Blitz und Donner erscheint, das ist sozusagen ein letzter Rest - aber ein guter Rest - auf der Erdoberfläche von dem, was an Kräften schon mit dem alten Saturn verbunden war und das sich mit der Sonne abgetrennt hat. Von dem, was in diesen Kräften wirkt, sind die inneren Feuerkräfte der Erde in den Dienst des Ahriman gestellt. Da hat er das Zentrum seines Wirkens. Und während seine geistigen Wirkungen in der geschilderten Art zu den Menschenseelen hinziehen und sie zum Irrtum führen, sehen wir, wie er - in einer gewissen Weise gefesselt - im Inneren der Erde gewisse Angriffspunkte seines Wirkens hat. Wenn man die geheimnisvollen Zusammenhänge kennen würde von dem, was auf der Erde unter dem Einflüsse Ahrimans geschehen ist, und dem, was dadurch das eigene Karma Ahrimans geworden ist, so würde man in dem Beben der Erde den Zusammenhang erkennen zwischen dem, was als Naturereignisse in so furchtbar trauriger, tragischer Art vor sich geht, und dem, was auf der Erde waltet. Das ist zurückgeblieben seit den alten Zeiten als etwas, was auf der Erde in Reaktion tritt gegen die lichten, die guten Wesenheiten.

So wirken über die Erde hin diese oder jene Kräfte, die mit jenen Wesen verbunden sind, die herausgestoßen worden sind aus dem Zusammenhange mit der Erde zu der Zeit, als die lichten, die guten Wesenheiten die heilsamen Erscheinungen um den Erdkreis herum geführt haben, und wir können in einer gewissen Weise den Nachklang dieser Feuerwirkungen, die dem Menschen früher entzogen worden sind, in dem erkennen, was das Feuer anrichtet in solchen furchtbaren Naturerscheinungen. Wir brauchen uns nicht zu sagen, daß etwa diejenigen, die von dem betroffen werden, was durch Ahrimans Karma hervorgerufen wird - das aber seit der atlantischen Zeit im Zusammenhange steht mit dem Menschheitskarma -, etwa daran irgendwelche Schuld haben. Das hängt zusammen mit dem gesamten Menschheitskarma, an dem auch der einzelne mitzutragen hat. Und ganz woanders liegen oftmals die Ursachen, die dann an bestimmten Stellen als die Wirkungen des Karma Ahrimans zum Austrag kommen, weil gerade diese Stellen die Gelegenheit dazu bieten.

Da sehen wir einen Zusammenhang, der allerdings uns wie ein stehengebliebener Rest sonstiger uralter Menschheitskatastrophen erscheint. In der lemurischen Zeit wurde den Menschen die Gewalt entzogen, auf das Feuer zu wirken. Vorher konnte der Mensch auf das Feuer wirken. Daher ist das alte Lemurien zugrunde gegangen durch die Feuerleidenschaften der Menschen. Da war dasselbe Feuer, das jetzt unten ist, oben. Damals ist das Feuer zurückgetreten von der Erdoberfläche; dasselbe Feuer, das wie ein Extrakt aus dem Urfeuer herausgekommen ist, ist das unorganische Feuer, das mineralische Feuer von heute. Ebenso ist es gegangen mit den Kräften, die durch Luft und Wasser gehen und die durch die Leidenschaften der Menschen die Katastrophen von Atlantis herbeigeführt haben. Es war ein Gesamt-Menschheitskarma, das diese atlantischen Katastrophen hervorgerufen hat. Aber es ist ein Rest davon geblieben, und dieser Rest ruft die Nachklänge dieser Katastrophen hervor. Unsere Vulkanausbrüche und unsere Erderschütterungen sind nichts anderes als die Nachklänge dieser Katastrophen. Nur müssen wir in Betracht ziehen, daß niemandem auch nur beifallen dürfte, daß den gerade von einer solchen Katastrophe Betroffenen auch nur irgendein Teil der Schuld beizumessen sei und daß deshalb nicht in vollstem Umfange Mitleid für die dadurch Betroffenen hervorgerufen werden sollte. Das muß sich der Anthroposoph klarmachen, daß das Karma dieser Menschen nichts zu tun hat mit dem, was er tun darf, und daß er etwa einem Menschen nicht helfen dürfte, weil er - trivial gesprochen - an das Karma glaubt, daß der Mensch dieses Schicksal selbst herbeigeführt habe. Das ist es gerade, wozu uns das Karma auffordert: daß wir den Menschen helfen, weil wir sicher sein können, daß unsere Hilfe dann für den Menschen etwas bedeutet, was in sein Karma eingeschrieben wird, und wodurch sein Karma in eine günstigere Richtung kommt. Gerade zum Mitleid muß uns das Durchschauen der Welt führen, das auf Karma begründet ist. So wird uns das Verständnis gegenüber den unglücklich Leidenden und von einer solchen Katastrophe Betroffenen gerade um so mitleidiger machen, denn es besagt, daß es ein Gesamt-Menschheitskarma ist, an dem die einzelnen Menschheitsglieder zu leiden haben, und daß ebenso, wie die ganze Menschheit solche Ereignisse herbeiführt, auch die ganze Menschheit dafür aufzukommen hat, daß wir ein solches Schicksal als unser eigenes anzusehen haben, daß wir nicht einmal helfen, weil wir es freiwillig tun, sondern weil wir wissen: Wir stehen im Menschheitskarma drinnen, und was da verschuldet worden ist, das ist mit von uns verschuldet.“ (Lit.:GA 107, S. 178ff)

Literatur

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Einzelnachweise

  1. 118–127.[WS 1] Die Ketzer sind zur Strafe eingeschlossen in Gräber, welche von Flammen durchglüht werden. Die Deckel derselben sind halb offen (sospesi, d. h. schwebend und so gestellt, daß sie sich zum Herablassen neigen). Einst beim Weltgerichte werden diese Gräber, wie wir Ges. 10 V. 10 erfahren, verschlossen werden. [Dante begreift unter „Ketzerei“ sowol im mittelalterlichen Sinn die Sektirer und Irrthumstifter als auch im Allgemeinen, wir könnten sagen, im protestantischen Sinn, die Irrreligiösen und Gottesläugner, die frechen Spötter gegen die christliche Lehre, sowie gegen die Religion überhaupt. Daher sind auch Heiden hier, z. B. Epicur.] – Denn nur ein lebendiger Glaube an Gott, der da ist Einer in Dreien, in Macht, Liebe und Weisheit, an eine Versöhnung und ewige Vereinigung mit ihm, gibt der menschlichen Seele Leben. Dieser Glaube lag schon vor der Offenbarung durch Christus seinem Wesen nach in jedem reinen Gemüthe als Ahnung, die Gott hintergelegt hat. Wer von ihm abweicht, sei es, daß er ihn ganz verläßt, oder daß er ihn um des minder Wesentlichen willen aus den Augen verliert, ist, mag er Heide oder Christ sein, ertödtet, und er liegt im Grabe, ohne darin Ruhe zu finden. Denn Ruhe findet das Gemüth nur in jenem Glauben und wird ohne denselben gepeinigt von zweckloser Sehnsucht nach den irdischen Gütern, welche, wenn sie kaum erlangt sind, ihren Werth verlieren. Diese zwecklosen Wünsche sind Flammen, welche hier die Gräber durchglühen. Versinkt einst das Irdische ganz und mit ihm jeder Gegenstand eines solchen Wunsches, dann schließen sich die Gräber und der Unglückliche verliert sich ganz in der grauenvollen Nacht seines Bewußtseins.
  2. 120. D. h. Kein Kunsthandwerk braucht glühenderes Eisen zur Verarbeitung als hier diese Gräber glühten.
  1. Reihenfolge der vertauschten Anm. 118–127 und 120 korrigiert.