Harnstoff

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Urea Structural Formula V2.svg
Strukturformel von Harnstoff
Schema des Harnstoffzyklus, der teilweise im Mitochondrium (oben) und teilweise auch im Cytosol (unten) stattfindet.

Harnstoff (lat. und eng. urea) - nicht zu verwechseln mit Harnsäure - ist eine einfache organische Verbindung, die im Stoffwechsel lebendiger Organismen beim Abbau von Eiweiß vorwiegend in den Leberzellen gebildet und über die Nieren mit dem Urin bzw. mit dem Schweiß ausgeschieden wird. Biochemisch wird der Harnstoff in einem komplexen Prozess gebildet, dem sog. Harnstoffzyklus, der teilweise in den Mitochondrien und teilweise im Cytosol der Zellen abläuft.

Als Stickstoff-Träger hängt der Harnstoff nach Rudolf Steiner insbesondere mit dem Astralleib des Menschen zusammen.

„Jetzt, wenn Sie zum Nierensystem übergehen in exakten Versuchsreihen, so bekommen Sie ebenso einen Zusammenhang mit dem Stickstoff, und Sie haben jetzt schon aufgenommen in Ihre Betrachtung: Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff. Und die Spur von all den Rollen, die der Stickstoff spielt bei der Durchastralisierung des Organismus, brauchen Sie einfach zu verfolgen bei den Metamorphosen von Harnsäure und Harnstoff, die nur in ganz exakten Versuchsreihen durchforscht werden müssen. So daß Sie in alledem, was sich Ihnen ergeben wird in exakten Versuchsreihen in bezug auf die sekundären Absonderungen von Harnsäure und Harnstoff, bestätigt finden werden, daß das durchaus hindeutet auf ganz bestimmte Dinge, die einem zeigen, wie der Mensch durchastralisiert ist von dem Nierensystem aus. Das wird sich auch ergeben aus anderen Dingen, die in der Nierentätigkeit bis in die pathologischen Zustande hinein — wie ich morgen noch andeuten werde — eine Rolle spielen, wenn sich, sagen wir, diese oder jene Blutkörperchen im Harn finden. Das Nierensystem strahlt einfach die astralische Organisation in den menschlichen Organismus hinein. Wir dürfen nicht die physische Organisation ins Auge fassen, sondern dasjenige, was mit ihr verbunden ist als gasförmige Organisation, und der Stickstoff spielt wiederum die Rolle, daß ja das Ganze übersinnlich wäre, so wie wir ätherisch wären, wenn nicht der Sauerstoff eingreifen würde. Der Stickstoff macht das Ganze so, daß der Mensch auf der Erde wandeln kann, daß er ein Erdenmensch ist. Der Stickstoff ist dasjenige, was sich zu dritt damit verbindet.

Damit ist man fortwährend genötigt, aus den Prinzipien der Geisteswissenschaft heraus auf eine Fortsetzung der Methoden in der Anatomie und Physiologie hinzuarbeiten. Das geschieht durchaus nicht aus einer phantastischen Sache heraus. Daß sie nicht phantastisch ist, das ersehen Sie aus dem, bei dem man zunächst ankommt. Man fordert strikte: Gehe heran an das Nierensystem, untersuche so exakt wie möglich — exakter, als man es heute irgend untersucht — unter verschiedenen astralischen Voraussetzungen Harnstoff - und Harnsäureabsonderungen und so weiter, untersuche das Ganze systematisch, und du wirst alles Stück für Stück belegt finden, was in dieser Weise gesagt wird. Dadurch aber wirst du erst hineinschauen in die Konstitution des menschlichen Organismus.

So können wir sagen: Durch das Nierensystem wird alles dasjenige, was der Mensch durch die Nahrungsaufnahme in sich hereinbekommt, in den astralischen Organismus hereingefangen.“ (Lit.:GA 314, S. 112f)

„Das Nierensystem, das auf der einen Seite diese Kräfte ausstrahlt, würde nur einseitig die Organe zustande bringen. Es würde zum Beispiel einen Lungenflügel so gestalten - von der Seite angesehen -, daß er rückwärts ganz nett begrenzt wäre, aber nach vorne würde er verschwimmen, er würde da herausschwimmen. Nun muß ihm die Kraft vom Kopfe entgegenkommen, so daß die vordere Fläche vom Kopfe aus gebildet wird, so daß immer die einzelnen Formen des Menschen so geformt werden, daß gewissermaßen die Niere die Kräfte ausstrahlt, und vom Kopf dann die Kräfte kommen, welche so eindämmen, daß die Organe Konturen bekommen, gerundet werden. Vom Kopfe aus werden die Flächen äußerlich gebildet. Die Niere aber liefert so eine Art Strahlung in den Organismus

Zeichnung aus GA 218, S. 74 (Tafel 3)

hinein. Es ist ungefähr so, sagen wir, wie wenn ich irgend etwas plastisch bilden wollte. Ich nehme in die eine Hand Mörtel oder irgendeine weiche Substanz, und nun lerne ich mir an, mit der einen Hand den Mörtel hinaufzuwerfen (siehe Zeichnung, gelb, rot) und mit der

Zeichnung aus GA 218, S. 74

anderen Hand abzuglätten. Das eine, das Hinaufwerfen, seien die Nieren, das könnte ich so machen, daß ich irgendeinen Bottich habe, wo ich die Substanz nehme (siehe Zeichnung); das schleudere ich herauf, oben glätte ich ab und bekomme auf diese Weise diese Organe, die eigentlich ausstrahlen und abgeformt sind. So werden die Organe im Zusammenhang von Nierensystem und Kopfsystem gebildet, und da drinnen wirken die Kräfte des astralischen Leibes. Das ist also etwas, was unter einer außerordentlich starken Veränderung des Stickstoffes vor sich geht. Der Stickstoff ist da schon nicht mehr das, was er äußerlich ist, denn der Stickstoff, der also noch die Ähnlichkeit behält mit dem äußeren Stickstoff, geht dann durch die Harnsäure und den Harnstoff weg. Aber dasjenige, was da ausstrahlt von der Niere und verarbeitet wird, das ist eigentlich ein innerlich bis in die wirksamen Kräfte des astralischen Leibes hinein veränderter Stickstoff. Das ist etwas ganz anderes als der äußere Stickstoff.“ (Lit.:GA 218, S. 73ff)

Friedrich Wöhlers Harnstoffsynthese (1828)

Chemisch gesehen ist Harnstoff (NH2)2CO das Diamid der Kohlensäure H2CO3. Als es dem deutschen Chemiker Friedrich Wöhler (1800-1882) erstmals 1828 gelang, Harnstoff aus der salzartigen anorganischen Verbindung Ammoniumcyanat herzustellen, galt dies als Beweis, dass die Synthese organischer Verbindungen keiner besonderen „Lebenskraft“ bedürfe:

LaTeX: \mathrm{AgNCO + NH_4Cl  \rightarrow NH_4(NCO) + AgCl}

Wöhler erkannte dabei ganz richtig, dass die intermediär gebildete Verbindung Ammoniumcyanat (NH4NCO) die eigentliche Harnstoffquelle darstellte:

Harnstoffsynthese nach Wöhler

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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