Im Geiste lag der Keim meines Leibes

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Mit den Worten „Im Geiste lag der Keim meines Leibes“ beginnt ein von Rudolf Steiner gegebener Meditationsspruch, mit dem in den Jahren 1913 bis 1914 von einem gewissen Zeitpunkt an die esoterischen Stunden geschlossen wurden, die von ihm in dieser Form im Rahmen der Esoterischen Schule bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs gehalten wurden.

Im Geiste lag der Keim meines Leibes.
Und der Geist hat eingegliedert meinem Leibe
Die sinnlichen Augen,
Auf daß ich durch sie schaue
Das Licht der Körper.
Und der Geist hat eingeprägt meinem Leibe
Empfindung und Denken
Und Gefühl und Wille
Auf daß ich durch sie wahrnehme die Körper
Und auf sie wirke.
Im Geiste lag der Keim meines Leibes.

In meinem Leibe liegt des Geistes Keim.
Und ich will eingliedern meinem Geiste
Die übersinnlichen Augen,
Auf daß ich durch sie schaue das Licht der Geister.
Und ich will einprägen meinem Geiste
Weisheit und Kraft und Liebe,
Auf daß durch mich wirken die Geister
Und ich werde das selbstbewußte Werkzeug
Ihrer Taten.
In meinem Leibe liegt des Geistes Keim.

In den reinen Strahlen des Lichtes
Erglänzt die Gottheit der Welt
In der reinen Liebe zu allen Wesen
Erstrahlt die Göttlichkeit meiner Seele
Ich ruhe in der Gottheit der Welt
Ich werde mich selber finden
In der Gottheit der Welt

(Lit.:GA 266c, S. 23f)

Die Grundlage dieses Meditationstextes ist der Rosenkreuzerspruch: «Ex deo nascimur - In Christo morimur - Per spiritum sanctum reviviscimus» (Aus dem Gotte sind wir geboren - In dem Christus sterben wir - Durch den Heiligen Geist werden wir auferstehen), der in engem Zusammenhang mit dem Symbol des Rosenkreuzes steht und die unterschiedliche Wirkung der drei göttlichen Personen der Trinität widerspiegelt. Der Vatergott wirkt in den gesetzmäßig geregelten Naturkräften der sinnlichen Welt, insbesondere im Blut, das durch die Generationen rinnt, d. h. in der Vererbungsströmung. Durch ihn wirken die Kräfte der Geburt. Der Sohnesgott hingegen lebt im Seelisch-Geistigen des Menschen und führt ihn nach dem Tod in die übersinnliche Welt. Der Heilige Geist führt als drittes Prinzip über Geburt und Tod hinaus zur Auferweckung des Geistes.

„Aber gleichwertig stehen nebeneinander der göttliche Vater, der den Übergang bewirkt aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche: Ex deo nascimur, und der göttliche Sohn, der den Übergang bewirkt von dem Sinnlichen ins Übersinnliche: In Christo morimur. — Und erhaben über beides, über das Geborenwerden und Sterben, ist ein drittes Prinzip, das ausgeht von beiden, was gleichwertig wiederum zusammenhängt mit beiden, mit dem göttlichen Vater und dem göttlichen Sohne: der Geist, der Heilige Geist. So daß im Menschen zu erkennen ist der Übergang aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche: Ex deo nascimur, der Übergang aus dem Sinnlichen ins Übersinnliche: In Christo morimur, und die Vereinigung von beiden, die Verbindung mit dem, worin weder Geburt noch Tod mehr eine Wesenheit haben, die Auferweckung durch den Geist: Per spiritum sanctum reviviscimus.“ (Lit.:GA 209, S. 172)

Literatur

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Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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