Investitionen

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Unter einer Investition (lat. investire, „einkleiden“) versteht man in der Wirtschaft allgemein den Einsatz von Kapital für einen bestimmten Verwendungszweck durch einen Investor.

Allgemeines

Der Begriff ist ein Erkenntnisobjekt sowohl in der Betriebswirtschaftslehre als auch in der Volkswirtschaftslehre. Während in der Betriebswirtschaftslehre unternehmerische Investitionsentscheidungen im Vordergrund stehen, untersucht die Volkswirtschaftslehre das aggregierte Investitionsverhalten aller Wirtschaftssubjekte. Bei Investitionen von Privathaushalten im Rahmen der privaten Finanzplanung ist der Begriff Kapitalanlage eher gebräuchlich.

Mit der biologischen Investition ist der Einsatz der Eltern zur Sicherung des Überlebens der Nachkommen, insbesondere auf Kosten des Wettbewerbs um andere Partner, gemeint.

Betriebswirtschaftslehre

Der Betriebswirt Günter Wöhe unterscheidet nach der Art der Vermögensgegenstände, für deren Beschaffung finanzielle Mittel verwendet werden, zwischen Sach-, Finanz- und immateriellen Investitionen.[1] Im weiteren Sinn gehören dazu neben kurzfristigen Anlagen auch Investitionen in Wertpapiere (Finanzinvestition). Enger gefasst und am gebräuchlichsten wird der Begriff bei langfristigen Sachanlagen verwendet. Als langfristig kann dabei angesehen werden, wenn das Produktionsmittel das laufende Geschäftsjahr überdauert. Investitionen umfassen einen weiten Bereich: von Immobilien über Geschäftsfahrzeuge und Maschinen bis zur Betriebs- und Geschäftsausstattung. Sie können von öffentlichen wie auch privaten Unternehmen getätigt werden.

Investitionen schlagen sich auf der Aktivseite der Bilanz nieder (Sachanlagevermögen, Finanzanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände), ihre Finanzierung ist entsprechend auf der Passivseite zu finden (Eigenkapital und Fremdkapital).

Volkswirtschaftslehre

Aus komplementärer volkswirtschaftlicher Sicht bezeichnet der Begriff den Einsatz von Geldmitteln zur Beschaffung von Sachkapital auf langfristiger Basis zum Zweck der Güterproduktion. Das beschaffte Sachkapital dient zur Erhaltung, Verbesserung oder Erweiterung der Produktionsausrüstung von Unternehmen und erhält bzw. erhöht langfristig den Kapitalstock einer Volkswirtschaft. Wesentliche Einflussfaktoren der Investitionsgröße sind der Marktzins (Grenzleistungsfähigkeit des eingesetzten Kapitals), das laufende Einkommen und die laufende Produktion sowie Zukunftserwartungen der Investoren. Investitionen sind beispielsweise die Errichtung von Betriebsgebäuden, Anschaffung von technischen Anlagen, Maschinen oder Werkzeugen. Nicht zu den Investitionen gehören dagegen langlebige Konsumgüter, militärische Güter oder der Erwerb von Kenntnissen. Investitionen werden aus Abschreibungsgegenwerten finanziert. Erst wenn die Investitionen größer als die Abschreibung sind, kommt es zu einer Erhöhung des Kapitalstocks.

Ausgaben für militärische Waffensysteme, die unter die allgemeine Definition von Vermögensgütern fallen, werden seit der Einführung des ESVG 2010 nicht wie bisher den Vorleistungen, sondern den Bruttoanlageinvestitionen zugeordnet, d. h. den Investitionsausgaben.[2]

Modellierung

Im einfachen Modell der Wikipedia:Güternachfrage:Güternachfrage wird Investition als eine exogene Variable angesehen. Dies ist jedoch problematisch, da der Umfang der Investitionen auf Veränderungen in der Produktion reagiert und vom Zinssatz abhängig ist. Investition wird im Modell der Güternachfrage für eine geschlossene Volkswirtschaft mit Staat ausgedrückt als

I = Y - C - G

In einer offenen Volkswirtschaft lautet die Definition

I = Y - C - G - Ex + Im.

Y ist die gesamte Güternachfrage, C der private Konsum, G die Staatsausgaben ohne staatliche Investitionen. Ex bezeichnet den Export und Im den Import.[3]

Die Investitionsgleichung

Die Investitionsgleichung analysiert, wie verschiedene Einflussgrößen auf das Investitionsniveau wirken. Im Mittelpunkt des Interesses steht der negative Zusammenhang zwischen Investitionen und Zinsen. Sinken die Zinsen erhöhen sich die Investitionen. Werden die Zinssätze angehoben sinkt die Investitionstätigkeit. In einer Volkswirtschaft kann daher insbesondere die Geldpolitik das Zinsniveau und damit die Investitionsausgaben beeinflussen.

Ein weiterer Einflussfaktor ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Steigt es, steigen auch die Investitionen und das Sparen nimmt zu. Dies bedeutet, dass zu einem bestimmten Zinssatz mehr investiert wird, als zuvor. Die Keynes’sche Investitionsgleichung besagt, dass nach Ablauf einer Periode

I = S

sein muss. Diese Gleichung geht aus dem Kreislaufmodell von Keynes hervor (vereinfachtes Kreislaufmodell). Die Investitionsgleichung analysiert auch den Zusammenhang zwischen Konsum und Investitionen. Eine steigende Konsumnachfrage führt auch zu höheren Investitionen.[4]

Die Gleichheit von Investition und Ersparnis

Für eine geschlossene wie offene Wirtschaft gilt, dass die Nettoinvestitionen genauso groß sein müssen wie die Ersparnisse, da die Ersparnisse dem nicht verbrauchten Teil des Einkommens und somit dem nicht verbrauchten Teil der Produktion (Nettoinvestitionen) entsprechen.

Die Höhe der Ersparnis wird von der Investition bestimmt.

Es kommt nicht von vornherein zu einer Übereinstimmung dieser beiden Größen. Die Folge sind im Nachhinein erzwungene Investitionen oder Ersparnisse.[3]

Der Zusammenhang zwischen Investition, Wachstum und Konjunktur

Die Investitionstätigkeit ist das Bindeglied zwischen Konjunktur und Wachstum. Da die Investitionen ein Teil der Nachfrage sind, führt deren Erhöhung zu hohen Wachstumsraten der Gesamtwirtschaft.

Der Konjunkturverlauf ist eng mit der Investitionsbereitschaft verbunden. Konjunkturelle Phasen des Abschwungs sind von verminderten Investitionen begleitet, Phasen des Aufschwungs und der Hochkonjunktur gehen in der Regel mit einer hohen Investitionstätigkeit einher. Somit führen Investitionen zu einer Belebung der Konjunktur und sind Voraussetzung für ein gleichmäßiges Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Investitionen aus goetheanistischer Sicht

Die obige Rechnung enthält aus goetheanistischer Sicht einen entscheidenden Fehler, der bis auf Keynes zurückgeht, so der Philosoph und Anthroposoph Joachim Stiller. I ist nicht gleich S. Um das verständlich zu machen, muss man allerdings etwas weiter ausholen und das gesamtwirtschaftliche Einkommen Y = L mit berücksichtigen. Wir setzen voraus:

Für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage: Y = C + I

und für das gesamtwirtschaftliche Einkommne: Y = L.

Jetzt setzen wir gleich:

L = C + I.

Daraus ergibt sich durch Zerlegung:

L(C+I) + S = C(L) + I(L) + C(D) + I(D).

S sind dabei die Spareinlagen und D die Darlehen bei der Bank.

Außerdem gilt:

C(D) + I(D) = D.

Es ergibt sich nun:

L(C+I) + S = C(L) + I(L) + D.

Es gilt nun aber:

L (C+I) = C(L) + I(L).

Daraus ergibt sich:

S = D.

Das Ganze gilt aber nur für ein Vollgeldsystem. Und da zeigt sich eben, wei wichtig der Kampf für ein Europäisches Vollgeldsystem tatsächlich ist.

Siehe auch

Literatur

Betriebswirtschaftliche Perspektive

  • Hans Hirth: Grundzüge der Finanzierung und Investition. 3. Auflage., Oldenbourg Verlag, München 2012, ISBN 978-3-486-70211-8.
  • Bernd Müller-Hedrich, u. a.: Investitionsmanagement. 10. Auflage. expert Verlag, Renningen, ISBN 3-8169-2558-8.
  • Gerd Schulte: Investition. 2. Auflage. Oldenbourg Verlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58263-5.
  • Volker Oppitz, Volker Nollau: Taschenbuch Wirtschaftlichkeitsrechnung. Carl Hanser, München 2003, ISBN 3-446-22463-7.
  • Jörg Hinze und Kai Kirchesch: Zusammenhang zwischen Gewinnen und Investitionen gelockert. In: Wirtschaftsdienst, 79. Jg. (1999), H. 11, S. 677–682 Download (PDF).
  • Wilhelm Schmeisser, Dieter Krimphove, Horst Zündorf: Finanzierung und Investition. 1. Auflage. UTB, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8252-3672-4.

Volkswirtschaftliche Perspektive

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Günter Wöhe: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 2013, S. 474
  2. Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen – ESVG 2010. (PDF; 7,5 MB) Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union
  3. 3,0 3,1 Blanchard, Illing: Makroökonomie. 3. Auflage. Pearson Studium, München 2004.
  4. Investition. In: Buscher: Wirtschaft heute. bpb, Bonn 2006.
Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Investitionen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.