Johannes von Auville

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Johannes von Auville (auch Johannes von Hauvilla oder Johannes Hauvilla) lebte im 12. Jahrhundert und wurde vermutliche in Auville nahe Rouen in der Normandie geboren. Über sein Leben ist nichts bekannt. Fest steht nur, dass er 1184 Bischof Walther von Lincoln seine große epische Dichtung, den Architrenius („Erzweiner“), widmete, die in der Art und Form stark an den Anticlaudian des Alanus ab Insulis. Die Dichtung zeugt von seiner gereiften Lebenserfahrung und seinen ausgezeichneten Kenntnissen der antiken Literatur.

Zusammenhang mit der Schule von Chartres

Rudolf Steiner erwähnt Johannes von Auville in seinen Vorträgen über «Das Initiaten-Bewußtsein» (GA 243) im Zusammenhang mit der Schule von Chartres.

„Wenn wir zum Beispiel zurückkommen so in das 9., 10., 11. Jahrhundert, auch ins 12., 13. Jahrhundert, aber da schon sehr wenig, da kommen wir zu Menschen, die wir, wenn wir heute das Wort anwenden würden, gelehrte Menschen, Wissenschafter nennen würden. Wir kommen da zurück zu jenen großartigen Gelehrten im Sinne der damaligen Zeit, die in der bedeutsamen Schule von Chartres im 11., 12. Jahrhundert gelehrt haben, kommen zurück zu Bernardus Silvestris, zu Bernardus von Chartres, zu Alanus ab Insulis. Wir kommen zurück dann zu solchen Persönlichkeiten, die in der damaligen Zeit noch, ich möchte sagen, mit dem Typus des Eingeweihten unter anderen Menschen herumgingen, mit dem Typus eines Menschen, der viel weiß um die Geheimnisse des Daseins, wie jener großartige, im Sinne des Mittelalters noch initiierte Joachim de Fiore, oder zu jener großartigen Persönlichkeit, die auch in jener Zeit gewirkt hat, die der Welt bekanntgeworden ist unter dem Namen Johannes von Auville.“ (Lit.:GA 243, S. 79)

Architrenius

Der Architrenius umfasst wie der Anticlaudian neun Bücher mit insgesamt 4296 reimlosen Hexameter[1], die die „Betrachtungen eines denkenden Menschen über die in der Welt herrschenden Mängel und seine Entwicklung aus Zweifeln zum Seelenfrieden"[2] schildern.

Zu Beginn des ersten Buches beklagt Architrenius die großen Schwierigkeiten, die der Mensch überwinden musste, um die Natur beherrschen zu können und wendet sich schließlich in seiner Anrede an Erzbischof Walther, ehe er mit seiner eigentlichen Erzählung beginnt.

Zweifel plagen Architrenius im zweiten Buch, ob die Natur den Menschen sündig geschaffen habe und so beschließt er, Natura selbst zu befragen. Seine Wanderung führt ihn zu einem hohen Berg, auf dem der glänzende der Göttin Venus steht, die hier von einer ganzen Schar reizender Mädchen umgeben ist. Für eine von ihnen fängt er sofort Feuer, doch weiß er sich zu beherrschen und richtet seinen Blick auf Amor, dessen Kleidung er detailreich beschreibt. Auf seinem weiteren Weg kommt Architrenius zu einer Schenke, in der ein ausgiebiges Gelage gefeiert wird, was ihn zu einer langen Mahnrede über die Völlerei bewegt.

Zu Beginn des dritten Buches kommt Architrenius nach Paris, wo er das elende Leben der Studenten kennenlernt und die sieben freien Künste studiert. Doch muss er erkennen, dass die Philosophen zwar oft eitlen Stolz, aber nur wenig tieferes Wissen besitzen. In der Nacht wird er von bösen Träumen gepeinigt. Verzweifelt bricht Architrenius immer wieder in Tränen aus - was dem ganzen Werk seinen Titel „Erzweiner“ gibt.

Im vierten Buch reist Architrenius nach Mazedonien und sieht hier den Berg des Ehrgeizes, auf dem die verschiedensten Bäume und Gewächse gedeihen und wo ein Fluss entspringt. Auf der Spitze des Berges steht ein Schloss, das innen mit kostbaren Teppichen behängt ist, die mit reichen Bildern aus dem trojanischen Krieg, aus Ovids «Metamorphosen» und von der Natur geschmückt sind.

Im fünften Buch kommt Architrenius zum Hügel der Anmaßung. Hier trifft er den Giganten Walganus, der ihm die Urgeschichte Britanniens von Britus - hier Brutus genannt - bis zu König Artus erzählt.

Im sechsten Buch kommt Architrenius zur sagenhaften Insel Thyle (Thule), wo die bedeutensten Philosophen der Welt versammelt sind. Ihre weitläufigen Reden erstrecken sich bis ins achte Buch. Dort begegnet ihm schließlich die mit den höchsten Reizen geschmückte Göttin Natura, die ihn über die Ordnung der Welt belehrt und ihn von seinen Irrtümern zu befreien sucht. Architrenius muss nun nicht mehr weinen. Natura klärt ihn über die Himmelskreise auf, über die Fixsterne und Planeten, deren Bewegungen und Auf- und Untergänge sie erläutert. Doch noch ist Architrenius die angeblich weisheitsvolle Ordnung der Welt nicht recht einsichtig.

So setzt Natura ihre kosmologische Belehrung zu Beginn des neunten Buches fort, bis ihr schließlich Architrenius flehend zu Füßen fällt und selbst hilfesuchend eine lange Rede an Natura hält. Sie verspricht ihm zu helfen und lenkt seinen Blick auf das Werden, auf die Erzeugung der Dinge. Vor allem aber verweist sie ihn auf die Liebe, warnt ihn aber, sich einer Magd in die Arme zu stürzen und Ehebruch zu begehen. Vielmehr solle er sich verheiraten. Sie habe eine glänzende Braut für ihn, die ihm den Venusgürtel reichen werde, dessen Bilder von dem Schmiedegott Vulcanus selber gefertigt worden seien, und sie wolle ihr auch ein herrliches Halsband, verschiedenste Musikinstrumente und andere Kostbarkeiten zur Mitgift geben. Architrenius willigt in den Ehekontrakt ein. Ausführlich wird nun die allegorische Hochzeit und das anschließende Hochzeitsmahl beschrieben und dass Fortuna der Heirat günstig gewesen sei.[3]

Siehe auch

Literatur

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Einzelnachweise

  1. Manitius, S. 806 [1]
  2. LThK, Band 5 (1960), Spalte 1006
  3. Manitius, S. 806ff [2]