Karfreitag

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Mattias Grünewald, Kreuzigung (Isenheimer Altar, ca. 1506 bis 1515)

Der Karfreitag (von ahd. kara „Klage, Kummer, Trauer“) ist der Freitag vor Ostern und der sechste Tag der Karwoche (Stille Woche). Er erinnert im Christentum an die Kreuzigung Jesu Christi, mit der das Mysterium von Golgatha eingeleitet wurde, das nach Rudolf Steiner das zentrale Ereignis der ganzen Erd- und Menschheitsentwicklung darstellt.

Die geistigen Forschungen Rudolf Steiners bestätigen, dass der Kreuzestod des Christus nach dem julianischen Kalender tatsächlich am Freitag, dem 3. April 33 um die neunte Stunde, also um 3 Uhr nachmittags, erfolgte. Dieses Datum gilt allerdings nicht als historisch gesichert.

„An einem Freitag, am 3. April des Jahres 33, drei Uhr am Nachmittag fand das Mysterium von Golgatha statt. Und da fand auch statt die Geburt des Ich in dem Sinne, wie wir es oftmals charakterisiert haben. Und es ist ganz gleichgültig, auf welchem Erdenpunkte der Mensch lebt, oder welchem Religionsbekenntnis er angehört, das, was durch das Mysterium von Golgatha in die Welt kam, gilt für alle Menschen. So wie es für alle Welt gilt, daß Cäsar an einem bestimmten Tage gestorben ist, und nicht für die Chinesen ein anderer und für die Inder wieder ein anderer Tag dafür gilt, ebenso ist es eine einfache Tatsache des okkulten Lebens, daß das Mysterium von Golgatha sich an diesem Tage zugetragen hat und daß man es da zu tun hat mit der Geburt des Ich. Das ist eine Tatsache ganz internationaler Art.“ (Lit.:GA 143, S. 163)

Nach Rudolf Steiner ist das Mysterium von Golgatha als mystische Tatsache aufzufassen, durch die sich der Christus mit der Erde verbunden und ihr dadurch ihren Sinn verliehen hat.

„Ebenso wie das Leben dem menschlichen Wissen unzugänglich ist, so ist dies der Fall mit dem Tod dem wahren Wissen gegenüber, welches in den übersinnlichen Welten erlangt wird. In dem ganzen Gebiet der übersinnlichen Welten gibt es keinen Tod. Man kann nur auf Erden sterben, in der physischen Welt oder in den Welten, welche in der Entwickelung unserer Erde gleichen, und alle die Wesenheiten, die hierarchisch höher stehen als der Mensch, haben keine Kenntnis vom Tode, sie kennen nur verschiedene Bewußtseinszustände. Ihr Bewußtsein kann zeitweise so herabgesetzt sein, daß es unserem irdischen Schlafzustand ähnlich ist, aber es kann aus diesem Schlaf wieder aufwachen. Es gibt keinen Tod in der geistigen Welt, es gibt dort nur Bewußtseinsänderungen, und die größte Furcht, die der Mensch hat, die Todesfurcht, kann von einem, der nach dem Tode zu den übersinnlichen Welten aufgestiegen ist, nicht empfunden werden. Es gibt daher keinen Tod für die Wesen, die zu den höheren Hierarchien gehören, mit nur einer einzigen Ausnahme, der des Christus. Aber damit eine übersinnliche Wesenheit wie der Christus durch den Tod gehen konnte, mußte er erst auf die Erde herabsteigen. Und das ist es, was von so unermeßlicher Wichtigkeit in dem Mysterium von Golgatha ist, daß eine Wesenheit, die in ihrem eigenen Reiche in der Sphäre ihres Willens niemals den Tod hätte erfahren können, hat hinuntersteigen müssen auf die Erde, um eine Erfahrung durchzumachen, die dem Menschen eigen ist, nämlich um den Tod zu erfahren. Es vereinigte sich ein Wesen, einzig in seiner Art, welches bis dahin nur kosmisch war, durch das Mysterium von Golgatha, durch den Tod des Christus, mit der Erdenevolution. Seitdem lebt es auf eine solche Weise auf Erden, ist so an die Erde gebunden, daß es in den Seelen der Menschen auf Erden lebt und mit ihnen das Leben auf Erden erfährt. Daher war die ganze Zeit vor dem Mysterium von Golgatha nur eine Zeit der Vorbereitung in der Evolution der Erde. Das Mysterium von Golgatha gab der Erde ihren Sinn. Als das Mysterium von Golgatha stattfand, wurde der irdische Körper des Jesus von Nazareth den Elementen der Erde übergeben, und von der Zeit an war der Christus verbunden mit der geistigen Sphäre der Erde und lebt darin.“ (Lit.:GA 152, S. 39f)

Emil Bock, einer der Mitbegründer der Christengemeinschaft schreibt dazu:

„Inmitten der Golgatha-Finsternis hat sich ein Mysterium geoffenbart, auf das wir nur in aller Behutsamkeit hindeuten können. Der Leichnam, der am Kreuze hing, fing zu leuchten an. Wenn in manchen ländlichen Gegenden auf den Feldern und an den Wegen Kruzifixe stehen mit vergoldetem Leib auf schwarzem Kreuzesholz, so lebt darin aus naiv-weisheitsvoller Volkstradition ein wichtiges Geheimnis des Karfreitags weiter. Ein geheimer Sonnenglanz durchbrach die schauervolle Mittagsnacht. Die Christus-Sonne zeigte sich, als die äußere Sonne sich verfinsterte. Ein Osterstrahl wob sich bereits in das Dunkel des Karfreitags hinein.

Das letzte der sieben Kreuzesworte: »Es ist vollbracht«, bedeutet nicht, daß die Qualen überstanden sind. Es bedeutet, daß jetzt der völlige Sieg über die Todesmacht errungen ist. Während der Tod sonst den Menschen, den er ein Erdenleben lang mit der irdischen Materie geäfft hat, in das Jenseits hinausschleudert und verbannt: der Christus geht, indem er stirbt, geradenwegs auf die Erde zu. Das Blut strömt aus seinen Wunden, seine Seele geht mit. Mit dem Blut aus den Wunden des Gekreuzigten strömt seine Seele über den Leib der Erde. wenn sonst ein Mensch sein Blut verströmt, so gehen das Blut und die Seele umgekehrte Wege. Hier geht die Seele mit dem Blut. Und dann wird der Leib in das Grab versenkt. Die Erde tut sich im Erdbeben auf und nimmt den Leib des Christus in sich hinein; die Seele geht mit dem Leibe. Wenn sonst ein abgelegter Menschenleib ins Grab versenkt wird, so gehen Leib und Seele umgekehrte Wege. Hier geht die Seele den gleichen Weg auf die Erde zu. Das ist das große kosmische Liebesopfer, das der Christus für alles Erdendasein vollbringen darf, weil ihn der Tod nicht mehr daran hindern kann. Die Erde empfängt Leib und Blut Christi. Sie empfängt die große Kommunion„ weil der Tod keine Macht hat über den, der am Kreuze stirbt. Damit ist allem Erdendasein ein Ferment einverleibt, die Arznei der Durchgeistigung alles irdisch-materiellen Daseins.“ (Lit.: Bock, S. 357f)

Siehe auch

Literatur