Meister Jesus

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zu Rudolf Steiners Lebzeiten spielte die Frage nach den Meistern, anfänglich in der Theosophischen Gesellschaft, später dann auch in der Anthroposophischen Gesellschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dabei spielte dann auch zunehmend der Gegensatz zwischen den Meistern des Orients und den Meistern des Okzidents eine bedeutsame Rolle. Bereits in GA 264, lässt sich bei Rudolf Steiner über das Verhältnis von westlicher und östlicher esoterischer Schule nachlesen:

„Früher war die westliche Schule der östlichen nur angeschlossen, untergeordnet; nun aber sind beide nur noch brüderlich verbunden, gehen aber ganz unabhängig nebeneinander her. Die westliche Schule ist von jetzt ab der des Orients nicht mehr subordiniert, sondern koordiniert. (...) Im Westen bestehen fortan die christliche Schulung und die christlich-rosenkreuzerische Schulung. Die erstere bildet aus durch das Gefühl, die andere durch den Verstand. Die absterbenden ...(Kulturepochen) im Osten brauchen noch die orientalische Schulung. Die westliche Schulung ist die für die ... (Kulturepochen) der Zukunft.“ (Lit.:GA 264, S. 332)

Als Meister der esoterischen Schule des Westens benennt Rudolf Steiner in GA 264 vor allem Meister Jesus und Christian Rosenkreuz. Letztere sind auch die Führer der Menschheit im Übergang von der fünften zur sechsten Kulturepoche.

Häufig wird Rudolf Steiner selbst mit Meister Jesus (Zarathustra-Jesus) identifiziert.

Entsprechende Aussagen findet man bei Valentin Tomberg und auch bei Hermann Keimeyer. Einige enge Schüler von Rudolf Steiner werden allerdings gelegentlich als Kronzeugen dafür angeführt, dass Rudolf Steiner nicht der Meister Jesus sein könne, so z.B. Friedrich Rittelmeyer und Walter Johannes Stein. Es wird in diesem Zusammenhang gelegentlich auch angeführt Rudolf Steiner könne gar nicht Meister Jesus sein, denn nach seinen eigenen Worten sei er sowohl durch Christian Rosenkreuz, als auch durch Meister Jesus eingeweiht worden. Wenn aber der eine Meister, Rudolf Steiner selber war, der zu dem Schauen seines eigenen Höheren Selbstes durch Christian Rosenkreuz gekommen war, wie sollte er sich anders als zitiert aussprechen – ohne überheblich zu wirken? Dass er diese Meister nicht wiederholt physisch sehen muss, deutet – wenn man möchte, auch darauf hin. Dass er, wie er wiederholt sagte, „nicht allein“ sei, sagt – unter Umständen – bereits schon das Gleiche aus. Auch der Text der GA 148, R. Steiner: "Aus der Akasha-Forschung. Das Fünfte Evangelium" führt uns selbst auf diese Spur. Nur der damals Eingeweihte und am Geschehen Beteiligte ist in der Lage derart intime Aussagen über die Persönlichkeit des Zarathustra-Jesus (d.h. Meister Jesus) zu machen.

Dennoch überzeugt auch diese Argumentation recht viele Anthroposophen nicht. In einem einschlägigen Werk von Werner-Christian Simonis heißt es daher: "Eine andere Charakterisierung erfährt die Persönlichkeit Rudolf Steiners noch durch eine private Äußerung von Frau Marie Steiner, in der sie ihren Kummer zum Ausdruck brachte, dass keines der Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft erkannt habe, dass Rudolf Steiner der Meister Jesus gewesen sei!" (Lit.: Simonis). Klaus J. Bracker hat allerdings darauf hingewiesen, dass es sich dabei um eine ungenaue Überlieferung handelt, die nahezu sicher einer handschriftlichen Aufzeichnung von Johanna Gräfin von Keyserlingk aus dem Jahre 1958 entnommen ist, in der es heißt: „Das Furchtbare ist ja, dass man ihn nicht erkannt hat. Er war Jesus! […].“[1] Man kann davon ausgehen, dass Gräfin von Keyserlingk die Worte Marie Steiners getreu wiedergegeben hat und beide sich des feinen Unterschieds zwischen „Jesus“ und „Meister Jesus“ sehr wohl bewusst waren. Es besteht demnach kein Widerspruch zwischen den Aussagen von Rittelmeyer und Marie Steiner. Bracker vermutet vielmehr, dass Rudolf Steiner ein Abbild der Ich-Wesenheit des nathanischen Jesus einverwoben gewesen wäre, das nach dem Kreuzestod nach dem Prinzip der spirituellen Ökonomie vervielfältigt worden war (Lit.: Bracker, S 189ff).

Zu einer anderen Auffassung, wonach Rudolf Steiner auch als der Meister Serapis anzusehen sei, kommt neuerdings Judith von Halle.

Siehe auch

Literatur

  • Werner-Christian Simonis: Im Schutze der Meister, Freiburg i.Brsg. 1977, S. 43
  • Hermann Keimeyer: Wie findet man die Meister in höheren Welten?, 2 Bände, Überlingen 2004/2005
  • Michael Heinen-Anders: Aus anthroposophischen Zusammenhängen, BOD, Norderstedt 2010
  • Michael Heinen-Anders: Aus anthroposophischen Zusammenhängen - Band II, BOD, Norderstedt 2012
  • Judith von Halle: Rudolf Steiner - Meister der weissen Loge. Zur okkulten Biographie, Vlg. für Anthroposophie, Dornach 2011
  • Klaus J. Bracker: Grals-Initiation: Anthroposophische Esoterik und die künftige Jesus-Offenbarung., Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2009
  • Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914, GA 264 (1996)
  • Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Forschung. Das Fünfte Evangelium, GA 148 (1992)
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Einzelnachweise

  1. J. v. Keyserlingk, unveröffentlichtes Manuskript von Februar 1958.