Mercurialwasser

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Unter dem Mercurialwasser (lat. Aqua Mercurius) oder kurz Mercurius der Weisen versteht man in der Alchemie ein universelles Lösungsmittel (lat. menstruum universale), in dem die Ausgangssubstanz zur Bereitung des Steins der Weisen, die prima materia, durch den Prozess der solutio aufgelöst wird. Nach der Lehre der Tria Principia ist der Mercurius, der Quecksilberprozess, das flüchtig-flüssige Prinzip, das zwischen dem feurigen Sulfur und dem formgebenden Salzprozess vermittelt. Ohne die genauen Kenntnisse dieser Substanz war es unmöglich, den Stein der Weisen herzustellen. Das Merkurialwasser wurde u. a. auch bezeichnet als das brückenbildende Lebenswasser (lat. Aqua viva pontica), Wasser des Lebens, Azot, Jungfernmilch oder Jungfrauenmilch, feuriges Wasser oder wässriges Feuer, Aesch Majim (auch Esch Majim, hebr. אֵשׁ מַיִם).

Die Herstellung der „Jungfrauenmilch“[1] bei Johannes de Rupescissa, einem Alchemisten des 14. Jahrhunderts, erfolgte durch Vermischung „destillierten“ Quecksilbers mit „Vitriol“.[2] Ähnlich benannte Präparate, die in der Heilkunde Verwendung bei der Herstellung von Salben fanden, wurden jedoch auch ohne Verwendung von Quecksilber hergestellt, beispielsweise durch Hinzufügen von Kochsalz- oder Sodalösung zu aus Bleiglätte und Essig hergestelltem Blei(II)-acetat, wobei Blei(II)-chlorid und/oder Bleiweiß (auch Bleihydroxidkarbonat, 2 PbCO3 · Pb(OH)2) entstand.[3][4]

Mythologie und Volksdichtung

In der Volksdichtung erlaubt das Wasser des Lebens die Erweckung von Toten, die Heilung schwerer Krankheit, ewige Gesundheit oder verleiht dem Geblendeten neues Augenlicht.

Das Wasser des Lebens spielt in den folgenden Märchen der Gebrüder Grimm eine Rolle: Das Wasser des Lebens, Der Königssohn, Anmerkung zu Der treue Johannes, Varianten von Der treue Johannes, Das Mädchen ohne Hände, Ferenand getrü und Ferenand ungetrü und Der gelernte Jäger. Ferner erscheint es indirekt in Der Herr Gevatter, De drei Vügelkens, Die Krähen, Die beiden Wanderer, Der Teufel mit den drei goldenen Haaren und Der Eisenhans.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Jörg Barke: Die Sprache der Chymie: am Beispiel von vier Drucken aus der Zeit zwischen[sic!] 1574–1761. Tübingen 1991 (= Germanistische Linguistik, 111), S. 272 („Jungfrawmilch“: „lac virginis, ist aqua Mercur“)
  2. Udo Benzenhöfer: Johannes' de Rupescissa Liber de consideratione quintae essentiae omnium rerum deutsch. Studien zur Alchemia medica des 15. bis 17. Jahrhunderts mit kritischer Edition des Textes. Stuttgart 1989, S. 187
  3. Karl Garbers und Jost Weyer (Hrsg.): Quellengeschichtliches Lesebuch zur Chemie und Alchemie der Araber im Mittelalter. Hamburg 1980, S. 14 und 79
  4. Dieter Lehmann: Zwei wundärztliche Rezeptbücher des 15. Jahrhunderts vom Oberrhein. Teil I: Text und Glossar. Pattensen/Hannover (jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg) 1985 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 34), S. 21 f. und 210.
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