Merlin

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Merlin und Viviane in Brocéliande (Gravur von Gustave Doré, 1868)
Edward Burne-Jones: Die Verführung Merlins durch Nimue, 1874

Merlin (vermutlich von walisisch Myrddin ['mɘrðin], möglicherweise abgeleitet von der protokeltischen Wortwurzel *mer- „verrückt“ und walisisch dyn „Mann, Person“, also „verrückter Mann“) ist ein legendärer keltischer Zauberer, der vor allem aus dem Sagenkreis um König Artus bekannt ist. Dort wird er als ein vom Teufel mit einer Jungfrau gezeugter Zauberer und Wahrsager dargestellt, der zum Erzieher und Berater von Artus wird. Später wird er von der Fee Nimue (auch Viviane genannt) im Wald von Brocéliande in der Bretagne in ewigem Schlaf gefangen gehalten. Nimue ist die Herrin des Sees, aus welchem Artus sein legendäres Schwert Excalibur empfing als Ersatz für sein im Kampf zerbrochenes Schwert Calibur, dem er seine Königswürde verdankte. Merlin hatte das Schwert Calibur in einen Stein oder Amboss gestoßen und verkündet, dass nur der es herausziehen könne, der zum wahren König berufen sei, was Artus schließlich mühelos gelang, nachdem zuvor schon viele andere Ritter daran gescheitert waren.

„Die Kelten hatten Priester, die wir Druidenpriester nennen. Diese waren zentriert in einer großen Loge, in der nordischen Loge. Dies hat sich erhalten in der Sage vom König Artus und der Tafelrunde. Tatsächlich hat diese Loge der nordischen Initiierten bestanden, die heilige Loge der Ceridwen - die Weiße Loge des Nordens. Später wurde sie der Bardenorden genannt. Diese Loge bestand noch lange bis in die späteren Zeiten hinein. Aufgelöst wurde sie erst im Zeitalter der Königin Elisabeth. Dann zog der Orden sich ganz von dem physischen Plan zurück. Davon geht alles aus, was wir an altgermanischen Sagen haben. Alle germanische Dichtung geht zurück auf die ursprüngliche Loge von Ceridwen, die auch der Zauberkessel der Ceridwen genannt worden ist. Derjenige, welcher am meisten gewirkt hat noch bis herein in die ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt, das war der große Initiierte Meredin, der uns erhalten ist unter dem Namen des Zauberers Merlin. Er war genannt «der Zauberer der nordischen Loge».

Dies ist alles in alten keltischen Geheimlehren direkt enthalten. Da finden Sie angedeutet, was die Initiierten des Ostens zu geben hatten. Und das, was ihnen der Kelte zurückgegeben hat, das war die Baldur-Sage, die Sage von dem Gott des Lichts und dem Gott der Finsternis. So haben die Initiierten des Westens langsam diese Sage an die Initiierten des Ostens herangebracht, in der wohlweislichen Absicht, ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen. Und in dem Glauben, daß da noch etwas nachkommen muß, haben sie zu dieser Sage noch etwas hinzugefügt, was noch in der Zukunft lag, nämlich den Untergang der Götter in der Zukunft. Baldur konnte dem Untergang nicht widerstehen. Es wurde daher ein zweiter Zug vorbereitet nach der Götterdämmerung. Es wurde gesagt, ein neuer Baldur würde erstehen, und dieser «neue Baldur», welcher dem Volke angekündigt wurde, ist kein anderer als der Christus.“ (Lit.:GA 92, S. 39f)

„Man sehe in das Mittelalter zurück, sehe sich eine solche Gestalt an wie den Merlin! Immermann hat ja versucht, diese Gestalt in seiner Zeit wiederum etwas zu beleben, allein das ehemals Gigantische nimmt sich bei Immermann eben doch so aus, als ob alles im Schlafrock gedichtet wäre, mit der Nachtmütze auf dem Kopf.[1]

Man nehme nur die einfache gerade Linie der Merlin-Sage. Was soll Merlin werden? Merlin soll werden ein Antipode Christi. Das soll er werden nach der Sage des Mittelalters: der Gegenpol des Christus. Der Christus ist also ohne physische Befruchtung gemäß dem Testamente in die Welt getreten. Merlin soll das gleiche tun. Aber Christus ist in die Welt getreten durch die Überschattung der Maria durch den Heiligen Geist; Merlin soll in die Welt treten durch die Überschattung einer frommen Nonne im Schlaf durch den Teufel. Der Teufel will sich auf der Erde einen Antipoden des Christus schaffen in Merlin; daher überfällt er im Schlaf eine fromme Nonne. Und Merlin wird nur nicht der Antichrist, weil die Nonne zu fromm ist. Und eben durch ihre wahrhaftige, richtige Moralität wird des Teufels Absicht bei Merlin verhindert.

Man versuche nur einmal sich klarzumachen, was solche Linien innerhalb der mittelalterlichen Sage bedeuten. Sie bedeuten eine innere Kühnheit der Weltanschauung, eine innere Energie der Gedankenbildung. Man vergleiche all das, was etwa in unserer Zeit, außer in Kreisen wie den anthroposophischen über den Ursprung des Bösen in der Welt, über den Ursprung des Verderblichen in der Menschheit gesagt wird, und man wird zugeben müssen: Nichts ist berechtigter, als zu sagen, daß die neuere Entwickelung die der Spießbürgerlichkeit ist. Denn schließlich, abgesehen von aller philosophischen inneren Strenge, mit der manchmal heute auch über den Ursprung des Bösen gesprochen wird, sind doch die Dinge spießbürgerlich gegenüber einer in bezug auf das Böse gigantisch ausgebildeten Idee wie derjenigen von der Schöpfung eines Merlin, der nur gewissermaßen ein mißratener Sohn des Teufels ist und daher eben nicht böse genug wird.

Man bedenke: Merlin ist einer der Führer des Kreises der Artusleute. Ihn nimmt die Sage zu Hilfe, um den Charakter eines Zeitalters zu beleuchten. Aber die Sage findet auf Erden nicht die Möglichkeit, dieses Zeitalter in zutreffender Weise zu charakterisieren. Deshalb geht sie über das Irdische hinaus, geht in das Übersinnlich-Böse hinein, braucht einen mißratenen Sohn des Teufels, um das Irdische zu erklären.“ (Lit.:GA 220, S. 63f)

„Es war ja die Aufgabe dieses Artus-Ordens, der auf den Unterricht Merlins hin dort begründet worden ist, Europa zu kultivieren, als Europa noch überall in seinem Geistesleben unter dem Einflüsse der merkwürdigsten Elementarwesenheiten stand. Und mehr als man heute glaubt, muß das alte Leben Europas begriffen werden so, daß man überall sieht das Hineinspielen von elementargeistigen Wesenheiten in das unmittelbare menschliche Leben.

Da aber lebte auch, bevor dorthin die Kunde von dem Christentum gekommen war, und sogar in den ältesten Formen — denn, wie gesagt, das Artusleben führt bis in vorchristliche Zeit zurück —, da lebte auch die Erkenntnis, wenigstens praktisch instinktiv, aber praktisch instinktiv ganz deutlich, die Erkenntnis von dem Christus, dem Sonnengeiste, vor dem Mysterium von Golgatha. Und in dem, was die Ritter von Artus' Tafelrunde taten, lebte dieser selbe kosmische Christus, der - nur nicht unter dem Namen des Christus — auch enthalten war in dem Impetus, mit dem Alexander der Große nach Asien hinüber die griechische Kultur mit ihrem spirituellen Leben trug. Es gab sozusagen spätere Alexanderzüge, die von den Rittern von Artus' Tafelrunde so nach Europa ausgeführt wurden wie der Alexanderzug von Mazedonien nach Asien hinüber.“ (Lit.:GA 238, S. 50f)

Nach einer von Rudolf Steiner überlieferten Aussage wurde die Individualität, die der sagenhaften Merlin-Gestalt zugrunde liegt, später als der Komponist Richard Wagner (1813-1883) wiedergeboren.

„Nach einer Weile wiederholte Marie Steiner: «Merlin-Wagner» und nochmals, wie erkennend, «Ach, Merlin-Wagner!» und dann fragend: «Ist Richard Wagner – Merlin?», «Ja», sagte Rudolf Steiner, «so ist es. In seiner Musik kann man das herausfühlen.»“ (Lit.: Schubert, S. 32)

Siehe auch

Literatur

  1. Ilona Schubert: Selbsterlebtes im Zusammensein mit Rudolf Steiner und Marie Steiner, 3. Auflage, Zbinden Verlag, Basel 1985, ISBN 978-3859893832
  2. Rudolf Steiner: Die okkulten Wahrheiten alter Mythen und Sagen, GA 92 (1999), ISBN 3-7274-0920-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Lebendiges Naturerkennen. Intellektueller Sündenfall und spirituelle Sündenerhebung, GA 220 (1982), ISBN 3-7274-2200-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge. Vierter Band, GA 238 (1991), ISBN 3-7274-2380-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Einzelnachweise

  1. Karl Immermann (1796-1840): Merlin. Eine Mythe. Drama in drei Akten, 1832