Gottesgebärerin

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Als Gottesgebärerin (griech. Θεοτόκος Theotókos, lat. Dei Genitrix), deutsch auch Muttergottes, Mutter Gottes oder Gottesmutter (Mater Dei) wurde Maria, die Mutter Jesu, erstmals im Jahre 431 auf dem Konzil von Ephesos bezeichnet. Damit sollte die von Anfang an gegebene göttliche Natur Jesu Christi betont werden, weshalb Maria nicht bloße Menschengebärerin (griech. Ανθρωποτόκος Anthropotokos) gewesen sein. Im Gegensatz dazu stand die Lehre des Nestorius, der die Bezeichnung Theotókos als weit verbreitetes Attribut paganer Göttinnen in Bezug auf Maria ablehnte und besser von einer Christusgebärerin (griech. Χριστοτόκος Christotókos) sprechen wollte. Fälschlich wurde Nestorius dabei in dem Anathema von Kyrill von Alexandria vorgeworfen, er habe eine Zwei-Naturen-Lehre Christi vertreten, in der die beiden Naturen, die göttliche und die menschliche, vollständig voneinander geschieden und nur durch das Band der Liebe vereint seien. 451 wurde auf dem Konzil von Chalcedon die Zwei-Naturen-Lehre in veränderter Form festgeschrieben, wonach die beiden Naturen Christi vollkommen „unvermischt, unverändert, ungeteilt und ungetrennt“ seien. Tatsächlich hatte Nestorius seine allerdings teilweise ungeschickt und missverständlich formulierte Lehre nie in der ihm vorgeworfenen Form vertreten.

„Die letzte von allen und gleichsam die Hefe der Schlechtigkeit ist die jetzt aufgetretene Lästerung, das Wort sei nicht Mensch geworden, sondern habe in einem vom Weibe geborenen Menschen Wohnung genommen, so daß also damit der eine Christus in zwei zerteilt wird, in Gott nämlich und einen Menschen. Das aber ist der apostolischen Lehre fremd und vielmehr eine Erfindung teuflischen Truges. Denn das göttliche Wort verkündet uns, daß das Wort Gottes bei Vollendung der Zeiten Mensch geworden ist[1], nicht in die Natur des Menschen übergehend, sondern diese in sich aufnehmend, denn es ist unwandelbar und unveränderlich. Wenn aber, wie jene sagen, Gott auf einen vom Weibe geborenen Menschen herabgekommen ist, so geschah dies auch bei allen Propheten; es müßte demnach, wenn es sich so verhalten hätte, in der göttlichen Schrift ein jeder [Gott und der Mensch] getrennt anerkannt und der eine für sich allein in besonderer Weise als Wort Gottes gepriesen, der andere als Mensch und Einer von den Unsrigen mit den einem Menschen zukommenden Worten verherrlicht werden.“

Cyrillus von Alexandrien: Gegen diejenigen, welche nicht zugeben wollen, dass die heilige Jungfrau Gottesgebärerin ist (Adversus nolentes confiteri sanctam virginem esse Deiparam), 2 [1]

„Nicht so jedoch haben die Apostel uns die göttliche Botschaft verkündet, sondern einen Christus, der Gott und Mensch zugleich in derselben Person ist, haben sie überliefert. Das bekundet deutlich der gottesgelehrte Johannes, indem er im Evangelium sagt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort"[2], und sodann fortfährt: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt."[3]

Cyrillus von Alexandrien: ebd. 3 [2]

Aus anthroposophischer Sicht erscheinen beide Bezeichnungen in äußerer Hinsicht falsch. Maria ist weder Gottesgebärerin noch Christusgebärerin, da nach Rudolf Steiner sich der Christus erst mit der Jordan-Taufe im 30. Lebensjahr des Jesus von Nazareth in dessen Leib inkarrniert habe. Darauf deutet auch das Johannes-Evangelium hin, wo es heißt:

„28 Dies geschah in Betanien jenseits des Jordans, wo Johannes taufte. 29 Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! 30 Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. 31 Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen zu taufen mit Wasser. 32 Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. 33 Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem Heiligen Geist tauft. 34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.“

Johannesevangelium: 1,28-34 LUT

Abgesehen davon seien nach Rudolf Steiner zur Zeitenwende nicht nur ein, sondern zwei Jesusknaben geboren worden, die sich erst im 12. Lebensjahr vereinigt hätten, indem das Ich des salomonischen Jesus, dessen Geburt das Matthäus-Evangelium schildert, in die Leibeshüllen des nathanischen Jesus, von dem das Lukas-Evangelium spricht, übergetreten sei. Die Mütter beider Jesusknaben trugen den Namen Maria, wobei die Jungfrau Maria die Mutter des nathanischen Jesus ist.

Anmerkungen

  1. Hebr 9,26 EU
  2. Joh 1,1 EU
  3. Joh 1,1 EU

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Lukas-Evangelium, GA 114 (2001), ISBN 3-7274-1140-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Das Matthäus-Evangelium, GA 123 (1988), ISBN 3-7274-1230-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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