Ordo Templi Orientis

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Ordo Templi Orientis, kurz OTO (Orden des östlichen Tempels, oder Orientalischer Templerorden), ist eine okkultistisch-esoterische diskrete Gesellschaft.

Der 1903 vom Wiener Industriellen Carl Kellner, Heinrich Klein und vom deutschen Theosophen Dr. Franz Hartmann gegründete und durch Theodor Reuß weiterentwickelte und 1912 von Aleister Crowley reformierte Orden wird von kirchlichen Weltanschauungsbeauftragten mit Satanismus in Verbindung gebracht. Erklärtes Ziel des Ordens ist die Vervollkommnung des Menschen durch esoterische Rituale. Dabei gilt es, die scheinbaren Gegensätze „Thelema“ (griech. Θελημα „Wille“) und „Agape“ (griech. αγάπη „Liebe“) bis zur Einheit zu vervollkommnen. Dieser Gedanke wird vielfach durch die Zahl 93 angedeutet, was der nummerologische Wert von „Thelema“ wie „Agape“ ist. Anders als die „reguläreFreimaurerei nimmt der OTO Frauen und Männer auf. Die Rituale des OTO waren ursprünglich freimaurerisch mit Betonung auf Hermetik („irreguläre“ Lehrart Memphis-Misraim), wurden jedoch durch Crowley 1915 komplett überarbeitet und beinhalten nunmehr Crowleys Buch des Gesetzes und die Lehren diverser anderer Orden wie des Golden Dawn.

Der OTO erlangte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht zuletzt durch Aleister Crowleys skandalumwitterte Popularität größere Aufmerksamkeit, da sich zu der Zeit diskrete Gesellschaften als Modeerscheinung besonders in den gesellschaftlichen Oberschichten großer Beliebtheit erfreuten. Bekannte „Esoteriker“ standen in Verbindung mit dem OTO (L. Ron Hubbard, H. Spencer Lewis (Gründer des AMORC) und Gerald B. Gardner).

Entgegen einer u.a. auch durch die Gebrüder Grandt verbreiteten Fehlmeinung war Rudolf Steiner niemals Mitglied des OTO.

Bei dem heutigen OTO handelt es sich um den so genannten Caliphats-OTO, der von den amerikanischen Gerichten als legitimer Nachfolger des ursprünglichen OTO anerkannt wurde. Caliph dieses OTO ist seit 1985 Frater Hymenäus Beta (bürgerlich William Breeze). Weltweit hatte der OTO Ende 2004 etwa 2.900 initiierte Mitglieder. In Deutschland gibt es ungefähr 100 in einer Loge (in Berlin) und zwei Oasen (in Hamburg und Stuttgart) organisierte Mitglieder.

OTO-Ableger

Neben dem Caliphat-OTO gibt es noch einige andere OTO-Gruppen, die diesem oftmals das Crowley-Copyright und den Anspruch als offizieller OTO streitig gemacht haben:

  • Den Typhonian OTO (TOTO) des Engländers Kenneth Grant mit seiner eigentümlichen Mischung aus UFO-Glauben, Thelema und H.P. Lovecraft
  • Den OTO Antiqua (OTOA), der von Lucien-Francois Jean Maine gegründet wurde und zusätzlich Voodoo Einflüsse in sein System integriert hat
  • Die Society OTO (SOTO), die nach dem Tode ihres Leiters, des Brasilianers M. R. Motta kaum mehr existent ist
  • Die Abtei Thelema, die von Hermann Metzger in der Schweiz gegründet wurde, jedoch ebenfalls sogut wie nicht mehr existiert

Gnostisch Katholische Kirche

Die so genannte Gnostisch Katholische Kirche (Ecclesia Gnostica Catholica, EGC, E.G.C.) ist eine Schwesterorganisation des OTO und seit 1908 fester Bestandteil des größten, in den meisten Ländern offiziell eingetragenen und anerkannten Caliphat-OTOs. Die Gnostisch Katholische Kirche erkannte das Liber AL vel Legis 1920 formell an und ist für das Ritual der Gnostischen Messe und verwandte ecclesische Rituale zuständig, das die Lehren aller Initiationsrituale des OTO vereint.

Michael D. Eschner

Manche bringen den OTO wegen einer gemeinsamen Grundlage (Liber AL vel Legis) mit Michael D. Eschner in Zusammenhang. Er sah sich als eine von Crowleys Reinkarnationen und gründete seinen eigenen Orden. Eschner und seine Anhänger übersetzten Crowleys Schriften ins Deutsche. 1992 wurde Eschner wegen Körperverletzung sowie Vergewaltigung angeklagt, und zu sechs Jahren Haft verurteilt. Eschner bestritt diese Straftaten. Eschner war nie Mitglied des OTO.

Literatur

  • Aleister Crowley: The Book of the Law (engl.). ISBN 0877283346
  • Aleister Crowley: Liber Aleph vel CXI - das Buch von Weisheit und Torheit. ISBN 3778772430
  • Aleister Crowley: Das Buch Thoth. Ägyptischer Tarot. ISBN 3908644739
  • Rodney Orpheus: Abrahadabra (Einführung in die "Thelemische Magick") PDF [1]
  • Feldzug gegen Rudolf Steiner: Über O.T.O.-, Rassismusvorwürfe und Angriffe auf die Waldorfschulen von Wolfgang Weirauch, Klaus D Neumann, Arfst Wagner und Josef Dvorak von Flensburger Hefte Vlg. (1998)

Weblinks

Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Ordo Templi Orientis aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.