Oxalsäure

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Waldsauerklee (Oxalis acetosella)

Oxalsäure (sytematischer Name: Ethandisäure; veraltet auch: Kleesäure) ist die einfachste Dicarbonsäure und hat die Formel HOOC-COOH. Sie wurde erstmals 1769 von Johann Christian Wiegleb als Kaliumsalz aus dem Waldsauerklee (Oxalis acetosella) isoliert, wovon sich auch ihr Name ableitet. Ihre Salze werden als Oxalate bezeichnet. Beim Erhitzen über 157 °C[1] zerfällt Oxalsäure in einem zweistufigen Prozess in Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Wasser.

Umwandlung von Oxalsäure zu Ameisensäure

Durch Erhitzen in Gegenwart von Glyzerin wird Oxalsäure in Kohlendioxid und Ameisensäure gespalten ( LaTeX: \mathrm{HOOC{-}COOH \longrightarrow HCOOH + CO_2} ). Auf die große Bedeutung dieses Prozesses für Mensch und Natur hat Rudolf Steiner wiederholt hingewiesen.

"Nehmen Sie einen einfachen Versuch, der heute ja von dem Chemiker immer gemacht werden kann. Man nehme eine Retorte - ich will es ganz schematisch erklären -, gebe in die Retorte Oxalsäure hinein, die man aus dem Klee bekommen kann, und vermische diese Oxal-

Tafel 22 aus GA 232, S 194

säure zu gleichen Teilen mit Glyzerin. Dann erhitze man diese Mischung von Glyzerin und Oxalsäure, und man bekommt - wie gesagt, ich zeichne schematisch - die hier weggehende Kohlensäure. Die Kohlensäure geht weg, und was hier übrig bleibt, das ist Ameisensäure. Die Oxalsäure verwandelt sich sozusagen unter Verlust der Kohlensäure in Ameisensäure.

Nun, bitte sehen Sie sich dieses Schema an: Oxalsäure, Ameisensäure; Kohlensäure geht fort. Sie können nun, indem Sie im Laboratorium die Retorte vor sich haben, diesen Versuch anstellen. Sie können nun davorstehen wie ein heutiger Chemiker, der eben bei diesem Versuch abschließt.

So war es bei dem mittelalterlichen Menschen vor dem dreizehnten, vierzehnten Jahrhundert nicht der Fall; sondern dieser Mensch blickte nun sogleich nach zweierlei hin. Er sagte: Oxalsäure, ja gewiß, am hervorragendsten ist sie im Klee, Kleesäure; aber Oxalsäure ist in gewissen Mengen im ganzen menschlichen Organismus, namentlich aber bei demjenigen Teil des menschlichen Organismus, der die Verdauungsorgane, Milz, Leber und so weiter umschließt. So daß, wenn Sie den menschlichen Organismus nehmen, Sie da, wo der Verdauungstrakt ist, vorzugsweise mit Vorgängen zu rechnen haben, die unter dem Einfluß der Oxalsäure stehen.

Aber das ist so, daß nun auf diese Oxalsäure, die namentlich im menschlichen Unterleibe vorhanden ist und dort ihre Bedeutung hat, durch den menschlichen Organismus selber eine solche Wirkung ausgeübt wird, oder eine ähnliche Wirkung wie in der Retorte auf die Oxalsäure durch das Glyzerin. Eine Glyzerinwirkung geschieht hier. Und denken Sie sich das Merkwürdige: Unter dem Einfluß der Glyzerinwirkung geht in Lunge und Atmungsluft das Verwandlungsprodukt der Oxalsäure über: Ameisensäure. Und der Mensch atmet Kohlensäure aus, die dort herauskommt (siehe Zeichnung). Sie stoßen mit der Atemluft nach außen; damit stoßen Sie die Kohlensäure heraus. Sie können zunächst ganz gut das hier (die Retorte mit der erhitzten Mischung von Glyzerin und Oxalsäure) als den menschlichen Verdauungstrakt ansehen; das, wo die Ameisensäure abfließt, als die Lunge, und das hier als die ausgeatmete Luft, die Kohlensäure aus der Lunge. Nun ist der Mensch keine Retorte. Die Retorte zeigt eben auf tote Weise, was im Menschen lebendig und empfindend vorhanden ist. Aber das ist richtig: Würde der Mensch niemals Oxalsäure entwickeln in seinem Verdauungstrakt, so würde er überhaupt nicht leben können, daß heißt, sein Ätherleib hätte gar keine Grundlage in seinem Organismus. Würde der Mensch aber nicht die Oxalsäure in Ameisensäure verwandeln, so hätte sein astralischer Leib keine Grundlage in seinem Organismus. Der Mensch braucht für seinen Ätherleib Oxalsäure, für seinen astralischen Leib Ameisensäure. Und er braucht nicht etwa diese Substanzen, sondern er braucht die Arbeit, die Tätigkeit im Innern, welche darinnen besteht, daß der Oxalsäure-Prozeß stattfindet, daß der Ameisensäure-Prozeß stattfindet. Das ist natürlich etwas, was die heutige Physiologie erst gewinnen muß, sie kann heute noch nicht so sprechen, denn sie spricht von dem, was im Menschen vorgeht, als wenn es äußerliche Prozesse wären.

Das war das eine, was derjenige, der dazumal Naturwissenschaft getrieben hat und vor seiner Retorte gesessen ist, sich fragte: Wie ist irgendein äußerer Vorgang, den ich in einer Retorte oder in einer anderen chemischen Anordnung wahrnehme, wie ist dieser Vorgang im Menschen?

Die zweite Frage war diese: Wie ist dieser Vorgang in der großen Natur draußen? Nun, für diesen Vorgang, wenn ich ihn als ein Beispiel wählen würde, würde sich der damalige Naturforscher gesagt haben: Ich wende nun den Blick hinaus auf die Erde, wo die Pflanzenwelt ausgebreitet ist. Allerdings - ausgesprochen, radikal, findet sich die Oxalsäure im Sauerklee, in den Kleearten überhaupt; aber in Wirklichkeit rindet sich die Oxalsäure überall ausgebreitet in der Vegetation, wenn auch zuweilen in homöopathischer Dosis, aber sie ist überall da. Überall ist zugleich wenigstens ein Anflug, wenn auch manchmal ein homöopathischer Anflug von dem vorhanden, was zum Beispiel die Insektenart der Ameisen dadurch macht, daß die Ameisen noch herankommen an die Oxalsäure selbst im modernden Holze. Dieses Insektenheer, das dem Menschen oftmals so lästig wird, verwandelt das, was ausgebreitet ist als Oxalsäure über die Wiesen, über die Fluren, über den ganzen Vegetationsboden der Erde, in Ameisensäure. Und wir atmen tatsächlich die Ameisensäure, wenn auch in geringer Dosis, fortwährend aus der Luft ein, verdanken diese Ameisensäure, die in der Luft vorhanden ist, der Arbeit der Insekten an den Pflanzen, indem die Oxalsäure der Pflanzen in Ameisensäure umgewandelt wird.

So sagte sich der mittelalterliche Naturforscher: Im Menschen ist der Umwandlungsprozeß von Oxalsäure in Ameisensäure vorhanden. Aber im Leben und Treiben der Natur ist ebenso dieser Umwandlungsprozeß vorhanden." (Lit.: GA 232, S. 193ff)

Siehe auch

Literatur

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Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Oxalsäure in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 25. Februar 2013 .