Patmos

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Patmos (Türkei)
Ephesos
Ephesos
Patmos
Patmos
Geographische Lage der Insel Patmos, nordöstlich davon Ephesos
Das erste apokalyptische Siegel
Johannes auf Patmos (Hieronymus Bosch)
Das fünfte apokalyptische Siegel: Die Jungfrau mit der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen.

Patmos (griech. Πάτμος) ist eine in der südöstlichen Ägäis gelegene, zu den südlichen Sporaden zählende, hügelige, nur spärlich bewachsene griechische Insel, die in der Antike den Römern als Verbannungsort diente. Hier empfing laut eigener Angabe der Evangelist Johannes, der auch als Verfasser der Johannes-Briefe gilt, seine Offenbarung, die im letzten Buch des Neuen Testaments festgehalten ist. 1088 gründete hier der Selige Christodulos auf den Ruinen eines antiken Artemis-Tempels ein dem Heiligen Johannes gewidmetes Kloster.

„9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen. 10 Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, 11 die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. 12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter 13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. 14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 15 und seine Füße gleich Golderz, wie im Ofen durch Feuer gehärtet, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; 16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. 17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. 19 Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll danach. 20 Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und der sieben goldenen Leuchter ist dies: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden.“

Offenbarung des Johannes: Off 1,9-20 LUT

Rudolf Steiner sieht in der «Apokalypse des Johannes» eine Erneuerung der antiken Mysterien, die in christlicher Form allen Menschen zugänglich gemacht werden sollten.

„An die Stelle der vielen Mysterien sollte das Eine, das Urmysterium, das christliche, treten. Jesus, in dem der Logos Fleisch geworden, sollte der Initiator einer ganzen Menschheit sein. Und diese Menschheit sollte seine eigene Mystengemeinde werden. Nicht Absonderung Erwählter, sondern Zusammenschluß aller sollte stattfinden. Nach Maßgabe seiner Reife sollte jeder ein Myste werden können. Allen erklingt die Botschaft; wer ein Ohr hat, sie zu hören, der eilt herbei, ihre Geheimnisse zu vernehmen. Die Stimme des Herzens soll bei jedem einzelnen entscheiden. Nicht hineingeführt in die Mysterientempel soll dieser oder jener werden, sondern zu allen sollte das Wort gesprochen werden; der eine vermag es dann weniger stark, der andere stärker zu hören. Dem Dämon, dem Engel in der eigenen Brust des Menschen wird anheimgegeben, wie weit er eingeweiht werden kann. Die ganze Welt ist ein Mysterientempel. Nicht nur jene sollen selig werden, die in den besonderen Mysterientempeln die wunderbaren Verrichtungen schauen, die ihnen eine Gewähr geben sollen für das Ewige, sondern «Selig sind, die nicht schauen und doch glauben». Mögen sie auch zunächst im Finstern tappen, vielleicht kommt doch noch das Licht zu ihnen. Keinem soll etwas vorenthalten werden; jedem soll der Weg offen stehen. - Anschaulich werden dann weiter in der Apokalypse die Gefahren geschildert, die dem Christlichen von dem Antichristlichen drohen können, und wie dann das Christliche dennoch siegen muß. Alle andern Götter gehen auf in der Einen christlichen Göttlichkeit: «Und die Stadt bedarf keiner Sonne, noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Offenbarung Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm» (Kap. 21, V 23). Es ist das Mysterium der «Offenbarung St. Johannis», daß die Mysterien nicht mehr verschlossen sein sollen. «Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung in diesem Buche; denn die Gottheit ist nahe.» - Was der Verfasser der Apokalypse für einen Glauben hatte über das Verhältnis seiner Kirche zu den alten Kirchen: das hat er dargelegt. Er hat sich über die Mysterien selbst in einem geistigen Mysterium aussprechen wollen. Auf der Insel Patmos hat der Verfasser sein Mysterium geschrieben. In einer Grotte soll er die «Offenbarung» erhalten haben. In dieser Mitteilung ist selbst der Mysteriencharakter der Offenbarung ausgedrückt. - Also aus den Mysterien ist das Christentum hervorgegangen. Seine Weisheit wird in der Apokalypse selbst als ein Mysterium geboren; aber als ein Mysterium, das über den Rahmen der alten Mysterienwelt hinausgehen will. Das Einzelmysterium soll universelles Mysterium werden. - Es könnte ein Widerspruch darin gefunden werden, daß hier gesagt wird, die Geheimnisse der Mysterien seien durch das Christentum offenbar geworden, und daß dann doch wieder in dem Erleben der geistigen Schauungen des Apokalyptikers ein christliches Mysterium gesehen wird. Der Widerspruch löst sich, sobald man bedenkt: die Geheimnisse der alten Mysterien sind durch die Vorgänge in Palästina offenbar geworden. Dadurch hat sich enthüllt, was vorher verhüllt in den Mysterien war. Ein neues Geheimnis ist nun, was in die Weltentwicklung durch die Erscheinung Christi eingefügt worden ist. Der alte Eingeweihte erlebte in der geistigen Welt, wie die Entwicklung auf den noch «verborgenen Christus» hinweist; der christliche Eingeweihte erfährt die verborgenen Wirkungen des «offenbaren Christus».“ (Lit.:GA 8, S. 143ff)

Laut Rudolf Steiner musste Johannes ganz besondere Bedingungen herstellen, um seine Offenbarung in reiner Form empfangen zu können. Um sich von den Einflüssen seiner unmittelbaren Gegenwart zu befreien, versetzte er sich geistig an den Abend des 30. Septembers 395, an dem eine ganze besondere Sternenkonstellation gegeben war.[1] Die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt im Sternbild Jungfrau. Das fand seinen Ausdruck im 5. apokalyptischen Siegelbild: Die Jungfrau, mit der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen. In den Aufzeichnungen B[2] zu einer am 5. März 1911 in Hannover gehaltenen esoterischen Stunde heißt es dazu:

„Alles was wir erleben an Freuden und Leiden, ist wie ein Nebel um uns herum, der das Geistige verdeckt, dasselbe Geistige, das wir finden, wenn wir die äußere Decke durchstoßen. Damit sich die Menschheit wieder fortentwickelt zum Geistigen hin, gibt es von Zeit zu Zeit Menschen, welche weiter vorgeschritten sind, als es die augenblickliche Entwicklung zuläßt, und welche Mitteilungen zu machen haben über Zeiten, die weit hinaus in die Zukunft der Menschheitsentwicklung hineinreichen. Ein solcher war der Schreiber der Apokalypse, Johannes. Aber ehe er diese Offenbarung der zukünftigen Menschheitszustände schrieb, da sagte er sich: Bevor ich das kann, muß ich dazu gelangen, ganz aus meiner jetzigen Umgebung herauszukommen, in welcher ich beeinflußt werde von meinem eigenen Selbst, das in meinem Körper eingeschlossen ist, von mir selbst, der ich verbunden und gebunden bin an alles das, was mich ringsum umgibt. - Von alle dem muß ich mich frei machen. Wie auf einen Fels mußte er sich stellen, der ihm als feste Grundlage diente, auf dem er nicht wankte, auf dem er von nichts beeinflußt werden konnte, was um ihn und in ihm wogte und lebte. - Und er versetzte sich an den Abend des 30. September des Jahres 395 bei Sonnenuntergang auf die Insel Patmos. Als die Sonne am Horizonte beinah verschwunden war, als die Sterne und der Mond hervortraten, da stand am westlichen Himmel das Sternbild der Jungfrau, bestrahlt von der untergehenden Sonne, unter ihr, zu ihren Füßen der Mond. Dies Bild, die Jungfrau mit der strahlenden Sonne, zu ihren Füßen der Mond, ist wiedergegeben in dem einen Siegel. - So sind alle Siegel herausgeholt aus tief mystischen Zusammenhängen.

Johannes hatte also die äußere Decke in dieser Richtung hin durchstoßen, in der Richtung des Sternbildes der Jungfrau. So gibt es aber zwölf Richtungen, nach den zwölf Sternbildern, sieben davon sind gute; fünf davon sind mehr oder weniger gefährlich. So wie nun Johannes sich diese ganz bestimmten Punkte in der Zeit und dem Raum ausersah, um sich ganz von sich selbst und allem Zeitlichen, was ihn umgab, loszulösen, so muß der Rosenkreuzerschüler in sich einen festen Halt finden, sich einen festen Grund erringen [...]

In sich muß man einen festen Halt gewinnen, wie Johannes, als er die Apokalypse schreiben wollte und sich versetzte an den Abend des 30. Septembers 395 auf die Insel Patmos. Dies kann auch astronomisch nachgeprüft werden, diese Stellung der Gestirne - Sonne, Jungfrau, Mond - und es ist nachgeprüft worden. Und daraus zieht die materialistische Wissenschaft nun den Schluß: Also ist damals die Apokalypse geschrieben worden. Und dann heißt es, die Wissenschaft hat dies festgestellt. So stellt die Wissenschaft fest!“ (Lit.:GA 266b, S. 153ff)

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
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Einzelnachweise

  1. „Im Jahre 1912 erschien in deutscher Übersetzung eine astronomisch-historische Untersuchung von Nikolaus Morosow (*1854) über die Offenbarung Johannis («Offenbarung in Gewitter und Sturm», Petersburg 1907; deutsch: «Die Offenbarung Johannis. Eine astronomisch-historische Untersuchung von Nikolaus Morosow», mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Arthur Drews, Stuttgart 1912). Darin kommt Morosow bei der Datierung der in der Apokalypse enthaltenen Sternenkonstellation auf eben diesen 30. September 395. Aus diesem Grunde gibt er auch den zu dieser Zeit lebenden Johannes Chrysostomos als Verfasser der Apokalypse an ... Nicht erklärbar ist damit allerdings - nach den Worten von Arthur Drews -, wieso schon vor dem Jahre 395 zahlreiche christliche Schriftsteller auf die Apokalypse Bezug nehmen.“ (Lit.:GA 266b, S. 484)
  2. Die Aufzeichnung B liegt in der Handschrift von Nelly Lichtenberg vor. (Lit.:GA 266b, S. 485)