Poseidon

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Poseidonstatue, Marmor, Archäologisches Nationalmuseum Athen

Poseidon (griech. Ποσειδῶν) ist ein Bruder des Zeus und der Meeresgott der griechischen Mythologie. Weil ihm die Pferde heilig sind, ist einer seiner Beinamen auch Hippios (griech. „Pferd“).

Nach Rudolf Steiner repräsentiert er in makrokosmischer Form die Kräfte, die in unserem Ätherleib wirken, in dem namentlich auch unsere Temperamente ihren Sitz haben.

"Wir haben außer dem, daß in uns aufleuchtet im Innern der Gedanke, die Vorstellung, das Gefühl, insofern es einen Augenblick oder kurze Zeit andauert, unser fortlaufendes Seelenleben mit seinen Leidenschaften, Affekten, mit dem auf- und abwogenden Gefühlsleben, die uns bleibend sind, die gewohnheits- und gedächtnismäßig werden. Wir haben dieses unser Seelenleben so, daß wir nach diesem Seelenleben die einzelnen Menschencharaktere unterscheiden. Da steht ein Mensch vor uns mit stürmischen Leidenschaften, die feurig ergreifen alles, was ihnen entgegentritt; ein anderer Mensch, der apathisch der Welt gegenübersteht. Das ist etwas anderes als der augenblicklich auftauchende Gedanke, das ist etwas, was die bleibende Konfiguration unseres Seelenlebens ausmacht, was ausmacht die Grundlagen unseres Glückes, unseres Schicksals. Der Mensch, der ein feuriges Temperament, der lebendige Leidenschaften, Sympathien und Antipathien hat, kann unter Umständen durch die auf- und abwogenden Bewegungen dieser Sympathien und Antipathien dieses oder jenes bewirken zu seinem Glück oder Unglück. Die Kräfte, die da in uns selber sind, die dieses mehr Bleibende, Durchgängige, zu Gedächtnis und Gewohnheit Werdende bedeuten, sind etwas anderes als die Kräfte des astralischen Leibes. Diese Kräfte sind in uns schon an den Äther- oder Lebensleib gebunden; Sie wissen das aus anderen Vorträgen. Wenn wir nun aber griechisch empfinden würden, so würden wir jetzt wiederum fragen: Gibt es da draußen im Universum irgend etwas, was dieselben Kräfte sind wie das in unseren Gewohnheiten, Leidenschaften, bleibenden Affekten Wirkende? - Und der Grieche fühlte das wiederum, ohne daß er es sich intellektualisiert, exemplifiziert zum Bewußtsein brachte. Der Grieche fühlte, daß in dem auf- und abwogenden Meere und im Sturme, Orkane, der über die Erde braust, dieselben Kräfte wirksam sind wie in uns, wenn der bleibende Affekt, die Leidenschaft, die Gewohnheit, das Gedächtnis pulsieren. Mikrokosmisch sind es die Seelenkräfte in uns, die wir unter den Begriff des Atherleibes zusammenfassen, der unsere bleibenden Affekte und so weiter bewirkt. Makrokosmisch sind es die Kräfte, die enger an unsere Erde gebunden sind als die durch die Raumesweiten gehenden Zeuskräfte, sind es die Kräfte, welche Wind und Wetter, Sturm und Windstille, stilles und aufbrausendes Meer bewirken. In allen diesen Erscheinungen, die ich eben genannt habe, Sturm und Wetter, aufbrausendes Meer und Meeresstille, Orkan und Windstille und so weiter, sieht der heutige Mensch eben nur Natur, und die heutige Meteorologie ist eine rein äußere physikalische Wissenschaft. Solch eine rein physikalische Wissenschaft, wie wir sie heute in der Meteorologie haben, gab es noch nicht für den alten Griechen. Für den Griechen wäre es ebenso widersinnig gewesen, von einer solchen Meteorologie zu sprechen, wie es für uns widersinnig wäre, wenn wir bloß untersuchen würden, welche physischen Kräfte unsere Muskeln bewegen, wenn wir lachen, und wenn wir nicht wüßten, daß sich in diese Muskelbewegungen ergießen die seelensubstantiellen Kräfte. Das waren Gesten, geistige Wirksamkeit. Sturm und Orkan, Wind und Wetter waren Gesten, die nur draußen ausgebreitet sind, aber derselben geistigen Wirkung entsprechend, die sich in uns im Mikrokosmos als dauernde Affekte, Leidenschaften, Gedächtnis zeigte. Und der alte Grieche, der wesenhaft noch ein Bewußtsein hatte von der durch das Hellsehen erreichbaren Gestalt, von dem Regenten der Zentralgewalt dieser Kräfte im Makrokosmos, sprach das an unter dem Namen des Poseidon." (Lit.: GA 129, S. 61f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen, GA 129 (1992), ISBN 3-7274-1290-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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