Postmoderne

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Die Postmoderne (von lat. post ‚hinter‘, ‚nach‘) ist ein um 1870 erstmals von verschiednen Autoren verwendeter Begriff, im weitesten Sinn den Zustand der abendländischen Gesellschaft, Kultur und Kunst „nach“ der Moderne zu bezeichnen. Insbesondere ist damit eine politisch-wissenschaftlich-künstlerische Richtung gemeint, die sich gegen bestimmte Institutionen, Methoden, Begriffe und Grundannahmen der Moderne wendet und diese aufzulösen und zu überwinden versucht. Die Vertreter der Postmoderne kritisieren das der Moderne inhärente illegitime Vorherrschen eines totalitären Prinzips, das auf gesellschaftlicher Ebene Züge von Despotismus in sich trage und bekämpft werden müsse. Maßgebende Ansätze der Moderne seien eindimensional und gescheitert. Demgegenüber wird ein Relativismus propagiert, der eine Vielfalt gleichberechtigt nebeneinander bestehender Perspektiven zulässt.

Prägend für die Postmoderne war Jean-François Lyotards Bericht über Das postmoderne Wissen, in welchem er die philosophischen Systeme der Moderne für gescheitert erklärt. In seiner Rede vom Ende der großen Erzählungen,[1] entwickelte er die Kernthese seiner Diagnose und spricht nicht von philosophischen Systemen, sondern von „Erzählungen“. Nach Lyotard gibt es drei große Meta-Erzählungen: die Aufklärung, den Idealismus und den Historismus, die allesamt nicht mehr als allgemeinverbindliche Wahrheit angesehen werden könnten. Die Postmoderne lehnt sich gegen alle gegen Festschreibungen insbesondere ideologischer, aber auch kultureller Art auf. In der postmodernen Kultur- und Geisteswissenschaft sind die vorherrschenden Methoden die Diskursanalyse und der Dekonstruktivismus.

Siehe auch

Literatur

Bedeutende Werke bekannter Vertreter
  • Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels. Edition Tiamat, Berlin 1996
  • Gilles Deleuze: Die Falte. Leibniz und der Barock. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995
  • Gilles Deleuze, Félix Guattari: Mille Plateaux. Paris 1980
    • deutsch: Kapitalismus und Schizophrenie 2 – Tausend Plateaus. Merve, Berlin 1992.
  • Jacques Derrida: Grammatologie. Frankfurt am Main 1974
  • Jacques Derrida: Die Stimme und das Phänomen. Frankfurt am Main 2003.
  • Jacques Derrida: Randgänge der Philosophie. Wien 1988.
  • Jacques Derrida: Die différance. Ausgewählte Texte. Stuttgart 2004.
  • Charles Jencks: The Language of Post-Modern Architecture. London 1977
    • deutsch: Die Sprache der postmodernen Architektur. Die Entstehung einer alternativen Tradition. Stuttgart 1978.
  • Jean-François Lyotard: Das postmoderne Wissen. Passagen-Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-85165-902-3 (Original-Titel: La condition postmoderne, éditions Minuit, Paris 1979)
  • Jean-François Lyotard: Der Widerstreit. Fink, München 1987.
  • Jean-François Lyotard: The Inhuman. Stanford University Press, Stanford 1991.
Über Postmoderne und Postmodernismus
  • Zygmunt Bauman: Intimations of Postmodernity. Routledge, London 1992
  • Roger Behrens: Postmoderne. EVA Wissen 3000, Hamburg 2004, ISBN 3-434-46237-6.
  • Christopher Butler: Postmodernism. A very short introduction. Oxford University Press, New York 2002, ISBN 0-19-280239-9.
  • Alex Callinicos: Against Postmodernism. A Marxist Critique. Polity Press, Cambridge 1989
  • Terry Eagleton: The Illusions of Postmodernism. Blackwell, Oxford 1996
  • Mike Featherstone: Undoing Culture. Globalization, Postmodernism and Identity. Sage Publications, London 1995.
  • Bernd Goebel/Fernando Suárez Müller: Kritik der postmodernen Vernunft. Über Derrida, Foucault und andere zeitgenössische Denker. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-534-20486-1.
  • Jürgen Habermas: Der philosophische Diskurs der Moderne. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988
  • David Harvey: The Condition of Postmodernity. Blackwell Publishers, Cambridge 1995
  • Peter Kemper (Hrsg.): ‚Postmoderne‘ oder Der Kampf um die Zukunft. Die Kontroverse in Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft. Fischer, Frankfurt am Main 1988.
  • Jens Kastner: Politik und Postmoderne. Libertäre Aspekte in der Soziologie Zygmunt Baumans. Unrast, Münster 2000.
  • Scott Lash: Sociology of Postmodernism. Routledge, London 1990
  • Wolfgang Welsch: Unsere postmoderne Moderne. 6. Auflage. Akademie, Berlin 2002, ISBN 3-05-003727-X.
  • Peter V. Zima: Moderne – Postmoderne. Gesellschaft, Philosophie, Literatur. 2. Auflage. Francke, Tübingen u. a. 2001, ISBN 3-8252-1967-4.
  • Alfrun Kliems (Hrsg.): Lyrik des 20. Jahrhunderts in Ost-Mittel-Europa. Band 1: Spätmoderne (= Literaturwissenschaft, Bd. 2). Frank & Timme, Berlin 2006, ISBN 978-3-86596-020-7.
  • Christoph Riedweg (Hrsg.): „Nach der Postmoderne. Aktuelle Debatten zu Kunst, Philosophie und Gesellschaft“ (= Schwabe reflexe 34), Schwabe, Basel 2014, ISBN 978-3-7965-3250-4.
Textsammlungen
  • Peter Engelmann: Postmoderne und Dekonstruktion. Texte französischer Philosophen der Gegenwart. (= RUB 8668). Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-008668-X.
  • Wolfgang Welsch: Wege aus der Moderne. Schlüsseltexte der Postmoderne-Diskussion. Akademie Verlag, Berlin 1994
  • Thomas Docherty (Hrsg.): Postmodernism. A Reader. Harvester Wheatsheaf, New York u. a. 1993.
Hilfsmittel
  • Stuart Sim: The Routledge companion to postmodernism. 2. Auflage. Routeledge, London u. a. 2006, ISBN 0-415-33359-8, ISBN 0-415-33358-X.
  • Victor E. Taylor, Charles E. Winquist (Hrsg.): Encyclopedia of postmodernism. Reprint, Routledge, London u. a. 2005, ISBN 0-415-15294-1, ISBN 0-415-30886-0.
  • Patrick Baum, Stefan Höltgen (Hrsg.): Lexikon der Postmoderne – Von Abjekt bis Zizek. Begriffe und Personen. Projektverlag, Bochum/ Freiburg 2010, ISBN 978-3-89733-209-6.

Weblinks

 Wiktionary: Postmoderne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Lyotard: Das postmoderne Wissen. Passagen, Wien 1999. (orig.: La Condition postmoderne: Rapport sur le savoir. Paris 1979)
Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Postmoderne aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.