Rückenmark

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Querschnitt des Rückenmarks: Weiße Substanz außen und Graue Substanz innen.

Das Rückenmark (auch: Spinalmark[1]; lat. Medulla spinalis[2] oder Medulla dorsalis,[3] griech. ῥαχίτης μύελος rhachítes mýelos[4] oder νωτιαῖος μύελος nōtiaios mýelos[4]) verläuft im Inneren der Wirbelsäule im Wirbelkanal und gehört dem zentralen Nervensystem der Wirbeltiere und des Menschen an. Im Gegensatz zum Gehirn liegt im Rückenmark die Weiße Substanz außen und die Graue Substanz innen.

Die Nervenwurzeln des Rückenmarks

Als Nervenwurzel werden die ein- und austretenden Nervenfasern des Rückenmarks bezeichnet. Durch die hintere Nervenwurzel (Radix posterior, bei Tieren Radix dorsalis) treten die zuführenden „sensorischen“ Nervenfasern (Afferenzen) in das Rückenmark und durch die vordere Nervenwurzel (Radix anterior, bei Tieren Radix ventralis) treten die wegführenden „motorischen“ Nervenfasern (Efferenzen) aus. Durch ihre verkopplung mittels entsprechender Synapsen bilden sie den Reflexbogen. Die den vorderen Nervenwurzel zugehörigen Nervenzellkörper werden als Wurzelzellen bezeichnet.

Der rückenwärts gelegene (dorsale) Teil der grauen Substanz des Rückenmarks, der im Rückenmarksquerschnitt als Hinterhorn zu erkennen ist, wird als Hintersäule (Columna posterior) bezeichnet. Sie enthält im Wesentlichen die Neuronen der aufsteigenden (afferenten), sensiblen Nervenbahnen des Rückenmarks.

Im Vorderhorn enden hingegen die efferenten Nervenbahnen, nämlich die vom Gehirn kommendene Pyramidenbahn, die extrapyramidale Bahnen und die Impulse der Muskelreflexe, von wo sie als „gemeinsame motorische Endstrecke“ zur Skelettmuskulatur weitergeleitet werden.

Sensorische und motorische Nerven

Rudolf Steiner hat allerdings vielfach darauf hingewiesen, dass kein prinzipieller Unterschied zwischen den sog. sensorischen (afferenten) und den motorischen (efferenten) Nerven (auch Motoneurone genannt) bestehe; alle Nerven seien in Wahrheit sensorisch und würden keinesfalls „Befehle“ an die Muskeln zu deren „Steuerung“ austeilen. Steiner stellte sich damit ganz bewusst gegen das bis heute als unverrückbar geltende zentrale Dogma der Neurowissenschaften, das den Eingriff des Seelisch-Geistigen in den Organismus als unmöglich erscheinen lässt. Tatsächlich entstehe die Willenstätigkeit laut Rudolf Steiner durch den unmittelbaren „magischen“ Eingriff des Astralleibs in das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System; die sogenannten motorischen Nerven würden nur die daraus resultierende Bewegung bzw. die damit verbundenen Stoffwechselvorgänge mittels des Eigenbewegungssinns wahrnehmen.

„Eine andere greuliche Vorstellung lebt in unserer offiziellen, das heißt überall autoritativ geglaubten Wissenschaft. Diese Wissenschaft nimmt teil an der götzendienerischen Anbetung alles dessen, was als so hohe Kultur in der neueren Zeit heraufgezogen ist. Wie sollte nicht, wenn sie etwas besonders geheimnisvoll ausdrücken will, diese moderne Wissenschaft ihre Zuflucht zu dem nehmen, was sie jeweilig am meisten anbetet. Nun also, so ist ihr das Nervensystem geworden zu einer Summe von Telegraphenlinien, so ist ihr geworden die ganze Nerventätigkeit des Menschen zu einem merkwürdig komplizierten Telegraphenfunktionieren. Das Auge nimmt wahr, die Haut nimmt mit wahr. Da wird zu der Telegraphenstation Gehirn durch sensitive Nerven das hingeleitet, was von außen her wahrgenommen wird. Dann sitzt dort im Gehirn ein, ich weiß nicht was für ein Wesen - ein geistiges Wesen leugnet die neuere Wissenschaft ja ab -, durch ein Wesen also, das zur Phrase geworden ist, weil man nichts Wirkliches darin erblickt, wird das von den «sensitiven» Nerven Wahrgenommene umgesetzt durch die «motorischen» Nerven in Willensbewegungen. Und eingebleut wird dem jungen Menschen der Unterschied zwischen sensitiven Nerven und motorischen Nerven, und aufgebaut wird auf diesen Unterschied die ganze Anschauung über den Menschen.

Seit Jahren kämpfe ich gegen dieses Unding der Trennung zwischen sensitiven und motorischen Nerven, erstens, weil dieser Unterschied ein Unding ist, weil die sogenannten motorischen Nerven zu nichts anderem da sind als zu dem, wozu die sensitiven Nerven auch da sind. Ein sensitiver Nerv, ein Sinnesnerv, ist dazu da, daß er uns Werkzeug ist, um das wahrzunehmen, was in unserer Sinnesorganisation vorgeht. Und ein sogenannter motorischer Nerv ist kein motorischer Nerv, sondern auch ein sensitiver Nerv; er ist nur dazu da, daß ich meine eigene Handbewegung, daß ich meine Eigenbewegungen, die aus anderen Gründen heraus kommen als aus den motorischen Nerven, wahrnehmen kann. Motorische Nerven sind innere Sinnesnerven zur Wahrnehmung meiner eigenen Willensentschlüsse. Damit ich das Äußere, was sich in meinem Sinnesapparat abspielt, wahrnehme, dazu sind die sensitiven Nerven da, und damit ich mir nicht ein unbekanntes Wesen bleibe, indem ich selber gehe, schlage oder greife, ohne daß ich etwas davon weiß, dazu sind die sogenannten motorischen Nerven da, also nicht zur Anspannung des Willens, sondern zur Wahrnehmung dessen, was der Wille in uns tut. Das Ganze, was aus der neueren Wissenschaft geprägt worden ist aus dem vertrackten Verstandeswissen unserer Zeit heraus, ist ein wirklich wissenschaftliches Unding. Das ist der eine Grund, warum ich seit Jahren dieses Unding bekämpfe.“ (Lit.:GA 192, S. 154f)

Die Nervenunterbrechungen bilden die Grenze zwischen physischem und geistigem Erleben

„Auf eine Vorstellung habe ich öfters hingewiesen, öffentlich nun auch in meinem Buch «Von Seelenrätseln»: Es ist eine gangbare naturwissenschaftliche Vorstellung heute, daß man im Nervensystem - bleiben wir zunächst beim Menschen, aber in ähnlicher Weise, nur in ähnlicher Weise ist das auch beim Tiere gültig -, daß man im Nervensystem unterscheidet zwischen sogenannten sensitiven Nerven, Sinnesnerven, Wahrnehmungsnerven und motorischen Nerven. Schematisch kann das nur so dargestellt werden, daß zum Beispiel irgendein Nerv, sagen wir ein Tastnerv, die Tastempfindung hineinträgt bis zum Zentralorgan, sagen wir bis zum Rückenmark (gelb), da mündet dasjenige, was da aus der Peripherie des Leibes geleitet wird, in einem Horn des Rückenmarks. Und dann geht von einem andern Horn, Vorderhorn, der sogenannte motorische Nerv aus, da wird wiederum weitergeleitet der Willensimpuls (siehe Zeichnung S. 12).

Zeichnung aus GA 179, S. 12

Beim Gehirn ist das nur komplizierter dargestellt, so etwa, wie wenn die Nerven eine Art Telegraphendrähte wären. Der Sinneseindruck, der Hauteindruck wird bis zum Zentralorgan geleitet, dort wird gewissermaßen der Befehl erteilt, daß eine Bewegung ausgeführt werden soll. Eine Fliege setzt sich irgendwo auf einen Körperteil, das macht einen Eindruck, das wird geleitet bis zum Zentralorgan; dort wird der Befehl gegeben, die Hand bis zu der Stirne zu erheben und die Fliege wird weggejagt. Es ist eine, schematisch angedeutet, sehr gangbare Vorstellung. Künftigen Zeiten wird diese Vorstellung außerordentlich komisch erscheinen, denn sie ist ja nur komisch für denjenigen, der die Tatsache durchschaut. Aber es ist eine Vorstellung, von der heute ein großer Teil der fachmännischen und fachmännischesten Wissenschaft beherrscht ist. Sie können das nächstbeste Elementarbuch, das Sie über solche Dinge unterrichtet, aufschlagen, und Sie werden finden, man habe zu unterscheiden zwischen Sinneswahrnehmungsnerven und motorischen Nerven. Und man wird besonders das urkomische Bild von den Telegraphenleitungen - wie der Eindruck bis zum Zentralorgan geleitet und dort der Befehl gegeben wird, daß die Bewegung entstehe - gerade in populären Werken heute noch immer sehr verbreitet finden können.

Die Wirklichkeit ist allerdings schwieriger zu durchschauen, als die an die primitivsten Vorstellungen erinnernden Vergleichsvorstellungen von den Telegraphendrähten. Die Wirklichkeit kann nur durchschaut werden, wenn sie eben mit Geisteswissenschaft durchschaut wird. Daß ein Willensimpuls erfolgt, hat mit einem solchen Vorgange, den man in kindischer Weise so ausdrückt, als ob da irgendwo in einem materiellen Zentralorgan ein Befehl erteilt würde, wirklich gar nichts zu tun. Die Nerven sind nur da, um einer einheitlichen Funktion zu dienen, sowohl diejenigen Nerven, die man heute sensitive Nerven nennt, wie auch diejenigen, die man motorische Nerven nennt. Und ob nun im Rückenmark oder im Gehirn der Nervenstrang durchbrochen ist, beides weist auf dasselbe hin; im Gehirn ist er nur in komplizierterer Weise durchbrochen.

Diese Durchbrechung ist nicht deshalb da, damit durch die eine Hälfte, wenn ich so sagen darf, von der Außenwelt etwas zum Zentralorgan geleitet wird und dann, nachdem sie vom Zentralorgan durch die andere Hälfte in einen Willen umgewandelt worden ist, weitergeleitet würde. Diese Unterbrechung ist aus einem ganz andern Grunde da. Daß unser Nervensystem so gebaut und in dieser regelmäßigen Weise durchbrochen ist, hat seinen Grund darin: An der Stelle, wo unsere Nerven durchbrochen sind, da liegt im Abbilde im Menschen - allerdings nur im körperlichen Abbilde einer komplizierten geistigen Wirklichkeit — die Grenze zwischen physischem und geistigem Erfahren, physischem und geistigem Erleben. Sie ist allerdings im Menschen auf eine merkwürdige Weise enthalten. Sie ist so enthalten, daß der Mensch mit der ihm zunächstliegenden physischen Welt in eine solche Beziehung tritt, daß mit dieser Beziehung der Teil des Nervenstranges, der bis zu jener Unterbrechung geht, etwas zu tun hat. Aber der Mensch muß auch als seelisches Wesen eine Beziehung haben zu seinem eigenen physischen Leib. Diese Beziehung, die er zu seinem eigenen physischen Leib hat, ist durch den andern Teil vermittelt. Wenn ich eine Hand bewege, dadurch veranlaßt, daß ein äußerer Sinneseindruck auf mich gemacht worden ist, dann liegt der Impuls, daß diese Hand bewegt wird, vereinigt von der Seele mit dem Sinneseindruck, schematisch dargestellt, schon bereits hier (siehe Zeichnung, a). Und dasjenige, was geleitet wird, wird auf den ganzen sensitiven Nerven und den sogenannten motorischen Nerven entlang geleitet von a bis zu b. Das ist nicht so, daß der Sinneseindruck erst bis zu c geht und dann von da aus einen Befehl gibt, damit b dazu veranlaßt werde - nein, wenn ein Willensimpuls stattfindet, lebt das Seelische schon befruchtet bei a und geht durch den ganzen unterbrochenen Nervenweg durch.

Es ist keine Rede davon, daß solche kindischen Vorstellungen, als ob die Seele da irgendwo säße zwischen den sensitiven und motorischen Nerven und wie ein Telegraphist die Eindrücke der Außenwelt empfangen und dann Befehle aussenden würde, es ist keine Rede davon, daß diese kindischen Vorstellungen irgendeiner auch wie immer gearteten Wirklichkeit entsprechen würden. Diese kindische Vorstellung, die wir immer hören, nimmt sich recht sonderbar komisch aus neben der Forderung, man soll ja in der Naturwissenschaft nicht anthropomorphistisch sein! Da fordern nun die Leute, man solle ja nicht anthropomorphistisch sein und merken nicht, wie anthropomorphistisch sie sind, wenn sie Worte gebrauchen wie: Ein Eindruck wird empfangen, ein Befehl wird ausgegeben und so weiter. - Sie reden darauf los, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, was sie alles für mythologische Wesen - wenn sie die Worte ernst nehmen würden - hineinträumen in den menschlichen Organismus.

Nun entsteht aber die Frage: Warum ist der Nervenstrang unterbrochen? — Er ist unterbrochen aus dem Grunde, weil wir, wenn er nicht unterbrochen wäre, nicht eingeschaltet wären in den ganzen Vorgang. Nur dadurch, daß gewissermaßen der Impuls an der Unterbrechungsstelle überspringt - der gleiche Impuls, wenn es ein Willensimpuls ist, geht schon von a aus -, dadurch sind wir selbst drinnen in der Welt, dadurch sind wir bei diesem Impuls dabei. Würde er einheitlich sein, würde hier nicht eine Unterbrechung sein, so wäre das ganze ein Naturvorgang, ohne daß wir dabei wären.

Stellen Sie sich denselben Vorgang, den Sie bei einer sogenannten Reflexbewegung haben, vor: Eine Fliege setzt sich Ihnen irgendwo hin, der ganze Vorgang kommt Ihnen gar nicht voll zum Bewußtsein, aber Sie wehren die Fliege ab. Dieser ganze Vorgang hat sein Analogen, sein ganz gerechtfertigtes Analogen auf physikalischem Gebiete. Insofern dieser Vorgang physikalische Erklärung herausfordert, muß diese Erklärung nur etwas komplizierter sein als ein anderer physikalischer Vorgang. Nehmen Sie an, Sie haben hier einen Kautschukball, Sie stoßen hinein, Sie deformieren den Kautschukball: das geht wieder heraus, richtet sich wieder her. Sie stoßen nochmals hinein; er stößt wieder heraus. Das ist der einfache physikalische Vorgang: eine Reflexbewegung.

Zeichnung aus GA 179, S. 15

Nur ist kein Wahrnehmungsorgan eingeschaltet, nichts Geistiges ist eingeschaltet. Schalten Sie hier etwas Geistiges ein (innerer Kreis) und unterbrechen Sie hier (Zentrum), dann fühlt sich die Kautschukkugel als ein Eigenwesen. Die Kautschukkugel müßte dann allerdings, um sowohl die Welt wie sich zu empfinden, ein Nervensystem einschalten. Aber das Nervensystem ist immer da, um die Welt in sich zu empfinden, niemals irgendwie da, um auf der einen Seite des Drahtes eine Sensation zu leiten und auf der andern Seite des Drahtes einen motorischen Impuls zu leiten.

Ich deute dieses an aus dem Grunde, weil dies, wenn es weiter verfolgt wird, auf einen der zahlreichen Punkte hinführt, wo Naturwissenschaft korrigiert werden muß, wenn sie zu Vorstellungen führen soll, die einigermaßen der Wirklichkeit gewachsen sind. Die Vorstellungen, die heute herrschen, sind eben weiter nichts als solche Vorstellungen, die den Impulsen der Geister der Finsternis dienen. Im Menschen selber ist die Grenze zwischen dem physischen Erleben und dem geistigen Erleben.

Dieses Stück des Nervs, das ich rot bezeichnet habe, dient im wesentlichen dazu, um uns hineinzustellen in die physische Welt, um uns Empfindung zu vermitteln innerhalb der physischen Welt. Das andere Stück des Nervs, das ich blau bezeichnet habe, dient im wesentlichen dazu, um uns selbst uns empfinden zu lassen als Leib. Und es ist kein wesentlicher Unterschied, ob wir eine Farbe außen bewußt erleben durch den Strang a-c, oder ob wir innerlich ein Organ oder eine Organlage oder dergleichen erleben durch den Strang d-b; das ist im wesentlichen dasselbe. Das eine Mal erleben wir ein Physisches, das nicht in uns zu sein scheint, das andere Mal erleben wir ein Physisches, das in uns ist, das heißt innerhalb unserer Haut. Dadurch aber sind wir eingeschaltet, daß wir bei einem Willensvorgang alles das erleben können, was nicht nur außen ist, sondern auch was innerlich an uns ist. Aber die Stärke der Wahrnehmung ist verschieden vermittelt durch den Strang a-c und durch den Strang d-b. Dasjenige, was eintritt, ist allerdings eine wesentliche Abschwächung der Intensität. Wenn wir eine Vorstellung mit einem Willensimpuls zusammen formen in a, so wird dieser Impuls von a aus weitergeleitet. Indem er von c auf d überspringt, schwächt sich das Ganze so ab für unser Bewußtsein, für unser bewußtes Erleben, daß wir das weitere, was wir nun in uns erleben, die Hebung der Hand und so weiter, nur mit der geringen Intensität des Bewußtseins erleben, die wir sonst auch im Schlafe haben. Wir sehen das Wollen erst wiederum, wenn die Hand sich bewegt, wenn wir wieder von einer andern Seite her eine Sensation haben.“ (Lit.:GA 179, S. 11ff)

„Würde man im Menschen alle diejenigen Stellen sammeln, wo Nervenunterbrechungen sind, und würde man das aufzeichnen, dann würde man zeichnungsgemäß die Grenze bekommen zwischen dem Erleben in der physischen Welt und dem Erleben aus einer höheren Welt heraus. Daher kann ich auch folgendes Schema gebrauchen. Nehmen Sie einmal an - ich zeichne hier alle Nervenunterbrechungen schematisch auf -, nehmen Sie an, da wäre der Kopf und da wäre ein Bein.

Zeichnung aus GA 179, S. 17

Nun nehmen wir an, von hier aus ginge ein sogenannter Eindruck, und hier wäre die Nervenunterbrechungsstelle «Gehen» erfolgt. Was real ist, ist dann dieses: hier ist alles dasjenige, was der Mensch durch den Nerv erlebt, wachend bei Tag erlebt; hier ist das, was der Mensch erlebt als einen unterbewußten Willen, auch im Wachen schlafend erlebt. Und alles dasjenige, was nun unter der Nervenunterbrechungsstelle liegt, wird von der geistigen Welt heraus direkt gebildet, geschaffen. Die Vorstellungen werden Ihnen, wenn Sie sie das erste Mal hören, vielleicht etwas schwierig sein. Allein sie sollen in Ihnen auch die Vorstellung hervorrufen, daß man ohne gewisse Schwierigkeiten in die intimeren Dinge der Erkenntnis des Menschen doch nicht hineinkommen kann.

Wenn Sie das so ansehen, daß hier (rot) alles dasjenige ist, was den Menschen mit der physischen Welt verbindet, unter dieser Grenze alles dasjenige, was den Menschen mit einer geistigen Welt verbindet, die nur heute ein untergeordnetes physisches Abbild hat in ihm - wenn Sie dies ins Auge fassen, dann können Sie eine andere Vorstellung damit verbinden. Diese andere Vorstellung, die Sie damit verbinden sollen, ist die folgende: Denken Sie sich einmal die Pflanzenweit. Die Pflanzen wachsen aus der Erde heraus; aber sie würden nicht aus der Erde herauswachsen, wenn sie nicht aus dem Kosmos herein Kräfte empfingen, Kräfte, die mit dem Sonnenleben innig zusammenhängen, welche alles das in Empfang nehmen, was von der Erde heraus gekraftet wird. Lesen Sie, um das besser zu verstehen, noch einmal die Abhandlung über «Das menschliche Leben vom Standpunkte der Geisteswissenschaft». Zum Leben der Pflanzenwelt gehört dieses ganze Kosmische, das von dem Kosmos herein vom Sonnenleben kommt, zusammen mit dem, was von der Erde herauf kommt.

Zeichnung aus GA 179, S. 18

Dieses Zusammenwirken aber des Kosmischen mit demjenigen, was tellurisch, was irdisch ist, das gehört überhaupt zum Leben, zum Dasein innerhalb der physischen Welt, so wie wir sie aufzufassen haben. Und dieselben Kräfte, die unter diesem Strich (siehe Zeichnung) aus der Erde heraus auf die Pflanze wirken, zusammen mit der Samenkraft der Pflanze - der Same wird ja auch in die Erde hineingetan -, diese selbe Masse von Kräften derselben Art, die müssen Sie hier suchen, hier, wo die roten Striche sind. Diesseits der Grenze, die ich schematisch angedeutet habe, müssen Sie meinetwillen die Kräfte suchen, die Sie sonst durch die Wurzeln von der Erde kommend für die Pflanzen suchen.

Der Mensch nimmt durch seine Augen, durch seine Ohren, namentlich durch seine Haut, von der Erde in verfeinerter Art dasjenige auf, was die Pflanze durch ihre Wurzeln aus dem Boden der Erde aufsaugt. Die Pflanze ist ein Erdenwesen durch ihre Wurzeln. Der Mensch ist ein Erdenwesen durch seine Nerven und durch dasjenige, was er als das Irdische, das Tellurische aufnimmt durch seine Lungen, durch seine Nahrung, die er von der Erde hereinbekommt. Alles das, was für die Pflanze von der Erde kommt — nur daß die Pflanze die Wurzeln in die Erde hineinversenkt -, nimmt der Mensch auf durch seine Organe, nur daß er das in verfeinerter Weise aufnimmt, die Pflanze gröber durch die Wurzeln.

Aber die Pflanze nimmt noch andere Kräfte auf. Die Pflanze nimmt die Kräfte auf, welche ihr aus dem Sonnenreiche, aus dem himmlischen Reiche — räumlich-himmlischen Reiche —, aus dem Kosmos zukommen. Dieses Gebiet habe ich blau schraffiert: das sind die Kräfte, welche die Pflanze aus dem Kosmos aufnimmt. Diese Kräfte sind von derselben Art, wie die blau schraffierten Kräfte jenseits der Grenze, die ich angegeben habe. Der Mensch zieht aus seinem Leibe heraus das, was die Pflanze aus dem Kosmos hereinzieht. Von der Erde zieht der Mensch verfeinert diejenigen Kräfte und Substanzen, welche die Pflanze durch ihre Wurzeln vergröbert aus dem Boden zieht. Aus seinem Leibe heraus zieht der Mensch dieselben Kräfte und Substanzen vergröbert, welche die Pflanze verfeinert aus dem Kosmos zieht. Denn so, wie er sie heute aus dem eigenen Leibe herauszieht, so sind sie nicht als Kräfte unmittelbar gegenwärtig im Kosmos vorhanden, sondern sie sind so vorhanden gewesen während der alten Mondenzeit. Von dieser hat sie der Mensch bewahrt. Der Mensch nimmt durch das, was jenseits dieser Grenze im hier gezeichneten blauen Teile enthalten ist, nicht unmittelbar aus der Gegenwart wahr, sondern aus dem, was er durch die Vererbschaft der alten Mondenzeit bewahrt hat. Er hat das Kosmische einer alten Zeit in die Gegenwart hereingetragen. In seinem Leib hat der Mensch die Mondenverhältnisse aufbewahrt. Und so sehen Sie, daß wir in einer gewissen Weise kosmisch sind; sogar so mit dem Kosmos zusammenhängen, daß wir in uns tragen ein Abbild desjenigen, was der Kosmos draußen schon überwunden hat...

Und wenn man weiß, wie alles das, was jenseits der Nervenunterbrechungen im Innern des menschlichen Leibes liegt, mit dem mondartigen Wesen zusammenhängt, dann wird man herausfinden können aus den Verwandtschaften heraus, welche krankmachenden oder heilenden Kräfte im Kosmos und im Erdenleben zu finden sind. Und wenn man wissen wird, in welcher Weise das, was diesseits der Grenze liegt, so zusammenhängt mit den Erdenverhältnissen, nur im verfeinerten Sinne, wie die Pflanze durch ihre Bodenverhältnisse mit den Wurzeln zusammenhängt, dann wird man die Beziehung zwischen Krankheit und Gesundheit und zwischen dem Wesen gewisser Pflanzen wirklich in bewußter Art auffinden können.“ (Lit.:GA 179, S. 16ff)

„Man kann heute ohne Schwierigkeit leicht nachweisen, wie gediegene Naturforscher ins Schwätzen hineinkommen, wenn sie die Grenze zwischen Naturwissenschaft und dem geistigen Leben überschreiten. Besonders Mediziner sind auf diesem Gebiet außerordentlich produktiv im Hervorbringen von allerlei Geschwätz, wenn es sich darum handelt, mit den Vorstellungen, die auf naturwissenschaftlichem Gebiete heute gewonnen werden, ins geistige Gebiet herüberzugehen. Man braucht nur irgend etwas herauszugreifen. Greift nur hinein ins volle Menschenleben — wo ihr es nur anfaßt, ist es in dieser Beziehung heute konfus.“ (S. 21)

„Nehmen wir an, das wäre die Sinnesregion (weiß), wobei ich alle Sinne zusammenfasse, auch die Verstandesregion, dann kämen wir bis gewissermaßen zu demjenigen im menschlichen Organismus (rot), das die Gedanken, die wir hegen, zurückwirft (Pfeile, rot), so daß sie Erinnerungen werden können, dasjenige, was im Menschen zusammenstößt mit der Objektivität des Kosmos. Ich habe Ihnen schon einmal auf die Stellen im Menschenleib hingedeutet, in denen der Mensch zusammenstößt mit dem Kosmos.

Zeichnung aus GA 194, S. 143 (Tafel 13)

Wenn Sie verfolgen, sagen wir zum Beispiel einen Nerv, der von irgendeiner Stelle des Leibes nach dem Rückenmark geht - ich zeichne schematisch -, so finden Sie für jeden solchen Nerv auch einen anderen,

Zeichnung aus GA 194, S. 144 (Tafel 13)

oder wenigstens annähernd für jeden solchen Nerv auch einen anderen, der irgendwoher wiederum zurückführt irgendwohin. Die Sinnesphysiologen nennen das eine einen sensitiven Nerv, das andere einen motorischen Nerv.

Nun, über diesen Unsinn, daß es sensitive und motorische Nerven gäbe, habe ich ja des öfteren schon gesprochen. Aber das Wichtige ist, daß eigentlich jede ganze Nervenbahn an dem Umfang des Menschen entspringt und wiederum zum Umfang zurückgeht, aber irgendwo unterbrochen ist; wie ein elektrischer Draht, wenn er einen Funken überspringen läßt, so ist eine Art Überspringen, ein sensitives Fluidum von dem sogenannten sensitiven bis zu dem sogenannten motorischen Nervenanfang. Und an der Stelle - also solche Stellen sind unzählige, wenigstens sehr viele, in unserem Rückenmark zum Beispiel, in anderen Partien unseres Leibes - an diesen Stellen sind auch die Raumesstellen, wo der Mensch sich nicht allein selber angehört, wo er dem Weltenall angehört. Wenn Sie alle diese Orte miteinander verbinden, dazu auch die Ganglien des Sympathikus nehmen, dann bekommen Sie diese Grenze, auch leiblich-physiologisch diese Grenze. So daß Sie sagen können: Sie halbieren gewissermaßen den Menschen - es ist dieses mehr als die Hälfte, aber nehmen wir an, wir halbieren den Menschen - und betrachten ihn wie ein großes Sinnesorgan, betrachten das Aufnehmen durch die Sinne überhaupt als die Sinnesempfänglichkeit, das Verarbeiten durch den Verstand als eine weitere feinere Sinnestätigkeit, das Entstehen der Erinnerungsbilder als Nachbilder, die aber bleibend sind für das Leben zwischen Geburt und Tod, weil aufgestoßen wird, wenn die Erinnerung sich bildet, an dem Weltenäther. Unser eigener Äther stößt an den Weltenäther auf, und es finden Auseinandersetzungen zwischen uns und dem Weltenäther statt. Der andere Teil des Menschen, der ist der, welcher gewissermaßen zu seinem Endorgan die Gliedmaßen hat, alles, was Gliedmaßen sind. So wie dieser eine Teil die Sinnessphäre zum Endorgan hat (das Wort «Sinnessphäre» wird angeschrieben), so hat der andere Teil des Menschen die anwachsenden Gliedmaßen (es wird an der ersten Zeichnung S. 143 weitergezeichnet): die Füße wachsen an, die Arme wachsen an. Es ist natürlich grob und schematisch gezeichnet.

Das ist dasjenige, wovon ich ebenso alles, was willensartig ist, nach innen zeichnen müßte, wie ich von den Sinnen aus gezeichnet habe alles, was intelligenzartig ist, und das schließt sich an den anderen Teil des Menschen an. Dieses Willensartige ist der andere Pol des menschlichen Wesens. Zwischen beiden liegt eben die Grenze, die innere Grenze, die Sie bekommen, wenn Sie alle Nervenendigungen und alle Ganglien verbinden. Da bekommen Sie, wenn Sie diese Grenze von der einen Seite etwas überschreiten, so daß Sie sich denken, diese Grenze wäre ein Sieb und auf der einen Seite drängte durch die Löcher dieses Siebes der Wille (siehe Zeichnung Seite 143, orange), auf der anderen Seite drängte Intelligenz durch die Löcher dieses Siebes (gelb) - dann bekommen Sie in der Mitte das Gemüt, die Fühlsphäre. Denn alles das, was zum Fühlen gehört, ist eigentlich halb Wille und halb Intelligenz. Der Wille drängt von unten, die Intelligenz von oben: das gibt das Fühlen. Im Fühlen ist immer traumhaft auf der einen Seite die Intelligenz, auf der anderen Seite schlafend der Wille darinnen.

Nachdem wir so gewissermaßen den Menschen geisteswissenschaftlieh präpariert haben - auf der einen Seite den Intelligenzpol, auf der anderen Seite den Willenspol —, nachdem wir gesehen haben, daß die physischen Organe nach oben der Ausdruck des Intelligenzpoles sind, können Sie nun fragen: Mit was in der Außenwelt stimmt dasjenige, was da im Menschen drinnen ist — wir haben jetzt die zwei Pole, die zwei Seiten des Menschenwesens kennengelernt - eigentlich über ein? Mit nichts, mit gar nichts in Wirklichkeit. Wir haben in der Außenwelt ein mineralisches, ein pflanzliches, ein tierisches Reich. Mit keinem dieser Reiche stimmt dasjenige, was der Mensch im Inneren ist, auch leiblich ist, irgendwie wahrhaftig überein.

Sie werden jetzt einen gewichtigen Einwand machen können, einen Einwand, der selbstverständlich furchtbar nahe liegt. Sie werden sagen: Nun ja, wir bestehen doch aus denselben Stoffen wie die Außenwelt, denn wir essen diese Stoffe und vereinigen uns also mit den Stoffen des mineralischen Reiches, indem wir uns unsere Speisen salzen, andere mineralische Stoffe zu uns nehmen, ebenso Pflanzen. Es gibt ja auch Fleischesser, nicht wahr, die vereinigen sich auch mit den Substanzen der Tiere und so weiter. Es ist aber so, daß in diesem Glauben, wir hätten nun wirklich in der eigenen Leiblichkeit etwas zu tun mit den Stoffen der Außenwelt, ein furchtbarer Irrtum steckt. Das was unsere Leiblichkeit eigentlich tut, ist, daß sie sich fortwährend wehren muß gegen die Einflüsse der Außenwelt, auch gegen die Einflüsse, die mit den Nahrungsmitteln in uns kommen. Diese Tatsache ist sogar unseren Mitmenschen heute noch sehr schwer verständlich zu machen, denn das Wesentliche unseres Leibes besteht nicht darinnen, daß wir die Nahrungsstoffe aufnehmen, sondern daß wir sie wieder herausschaffen. Manches schaffen wir sehr rasch heraus, manches aber erst im Laufe von sieben, acht Jahren. Aber nichts von dem, was Sie heute gegessen haben, tragen Sie nach acht Jahren noch in sich. Denn das ist alles ausgetauscht, und die Tätigkeit Ihres Leibes besteht im Herausschaffen, nicht im Aufnehmen.

Daß Sie aufnehmen müssen, das hat nämlich für Ihren Leib im Grunde keine andere Bedeutung, als was der Boden für Ihr Gehen ist. Wenn Sie keinen Boden unter den Füßen hätten, könnten Sie nicht gehen, aber Sie haben mit dem Boden als Mensch nichts zu tun, er muß Sie nur halten. So muß bloß Ihre Leibestätigkeit eine Widerlage haben, sie muß fortwährend auf etwas aufstoßen, daher muß man fortwährend essen, damit die Leibestätigkeit auf etwas aufstößt. Gerade wie Sie versinken würden in den Boden, so würde die Leibestätigkeit versinken in die Nullität, wenn sie nicht fortwährend an dem Boden, der bereitet wird — aber jetzt durchdringt er eben den ganzen Leib - , aufstoßen würde. Sie essen nicht, um die Nahrungsmittel mit sich zu vereinigen, sondern Sie essen, um die Tätigkeit vermitteln zu können, die zum Herausschaffen der Nahrungsmittel notwendig ist. Denn in der Tätigkeit des Herausschaffens der Nahrungsmittel besteht Ihre Menschenwesenheit. Und so wenig, wie Sie den Fußboden zu der Sohle Ihres Fußes rechnen dürfen, so wenig dürfen Sie dasjenige, was in dem Nahrungsmittel ist, soweit es irgendwie in der Außenwelt vorhanden ist, zu Ihrer Menschlichkeit rechnen, wenn Sie die Wahrheit denken wollen. Der Mensch ist im ganzen nichts weiter als eine Reaktion gegen dasjenige, was seine Umwelt ist. Eine Reaktion ist der Mensch, durchaus eine Reaktion. Denn der Mensch ist im Grunde genommen durch und durch Tätigkeit.“ (Lit.:GA 194, S. 143ff)

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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Einzelnachweise

  1. Lemma Spinalmark. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854–1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  2. Federative Committee on Anatomical Terminology (1998). Terminologia Anatomica. Stuttgart: Thieme
  3. Siebenhaar, F.J. (1850). Terminologisches Wörterbuch der medicinischen Wissenschaften. (Zweite Auflage). Leipzig: Arnoldische Buchhandlung.
  4. 4,0 4,1 Liddell, H.G. & Scott, R. (1940). A Greek-English Lexicon. revised and augmented throughout by Sir Henry Stuart Jones. with the assistance of. Roderick McKenzie. Oxford: Clarendon Press.